30.06.11

Selbstmarketing

Wie Sie sich und Ihre Projekte bekannt machen

Sie meistern gerade eine besondere Aufgabe oder ein Projekt? Dann reden Sie darüber, setzen Sie sich in Szene. Nichts anderes meint Selbstmarketing. Gerade wenn Sie sonst zurückhaltend mit der Selbstdarstellung sind, sollten Sie das mal ausprobieren.

Cleveres Projekt- und Selbstmarketing wirkt

Wenn Sie erst am Anfang eines Projekts oder einer Aufgabe stehen, ist es wichtig sich Unterstützung zu sichern. Kümmern Sie sich von Beginn an um ein Projekt-Marketing. Betreiben Sie dieses Marketing für Ihr Projekt und damit ganz nebenbei auch für sich selbst. Sorgen Sie für Begeisterung im (eventuell schon vorhandenen) Projektteam, für Interesse im Umfeld und auch für Unterstützung von außen.

Wer sein Projekt gut verkauft, verkauft damit sich selbst gut. Wirkungsvolles Projekt-Marketing fördert Ihr persönliches Ansehen und nützt Ihrer Karriere.

Machen Sie sich bewusst: Sie stehen immer in Konkurrenz zu anderen Projekten, zu anderen Interessen innerhalb Ihrer Firma. Sie als Verantwortliche oder Verantwortlicher müssen sich fragen:

  • Wie kann ich meine eigene Leistung in ein gutes Licht bringen?
  • Wie kann ich neue Ressourcen locker machen?
  • Wie kann ich meine Kolleginnen und Kollegen, die anderen Abteilungen oder meinen Chef von der Wichtigkeit des Projekts überzeugen?
  • Wie können wir als Projektteam die Firmenleitung auf unsere Seite bringen?

Tue Gutes und rede darüber

Jede Maßnahme, die Sie zur Präsentation und Vermarktung Ihres Projekts ergreifen werden, ist eine Kommunikationsmaßnahme. Das Ziel Ihrer Kommunikation ist es zuallererst, Einstellungen zu verändern und zu steuern, diese jedoch nicht durch Werbesprüche zu „erkaufen“. Viel wichtiger ist es, mit sachlichen Informationen, insbesondere jedoch durch zielgerichtete Kommunikationsaktivitäten, vorhandene Haltungen zunächst zu erkennen und danach zu verändern.

Entwickeln Sie eine Vision

Stellen Sie sich selbst ganz offen die Fragen: Was mag ich an dem Projekt? Was bringt mir dieses Projekt persönlich?

Die Vision kann und muss noch relativ abstrakt sein. So kann eine Vision z.B. lauten „eine grüne Umwelt fördern“, wenn Sie ein unternehmensweites Projekt zur Ressourceneinsparung planen.

Beispiel: Tausendmal ist der Umweltschützer zusammengezuckt beim Anblick
der überquellenden Abfalleimer im Kopierraum: Wie leichtsinnig wird hier massenhaft Papier verschwendet. Vor dem inneren Auge erscheint die bedrohlich kreischende Motorsäge, die den dicken Baum im Regenwald zu Fall bringt. Die Vorstellung, jetzt endlich etwas dagegen tun zu können, lässt das Herz jedes Umweltschützers höher schlagen. Aber diese Vorstellungen müssen erst mal Raum bekommen, um zu Visionen entwickelt zu werden.

Der Umweltschützer stellt sich also nun statt der Motorsäge fröhliche bunte Vögel in den grünen Baumwipfeln der tropischen Urwälder vor.
Tipp: Diese attraktive Vorstellung ließe sich übrigens über ein Foto auch gleich als Leitmotiv oder „key visual“ für das interne Marketing gut umsetzen.

Kick-off-Veranstaltung

Egal, ob Sie für sich alleine oder zusammen mit einem Team arbeiten: Beginnen Sie das Projekt mit einer Kick-off-Veranstaltung. Damit machen Sie entweder Ihr eigenes Projekt nach außen bekannt oder motivieren Ihr Team gleich von Anfang an. Für ein Projektteam gilt: Aus der Vielfalt individueller Visionen und Erwartungen muss eine einheitliche und klare Linie entstehen.

Überzeugen Sie Ihren Auftraggeber oder Vorgesetzten

Verkaufen Sie Ihre Idee! Um Ihre Idee verkaufen zu können, brauchen Sie Argumente. Kurze und prägnante Argumente, da sich für langatmige Ausführungen selten die Gelegenheit ergibt. Tom Peters (Projektmanagement) rät dazu, das Verkaufsargument zu optimieren. Er spricht dabei vom „Fahrstuhl-Prinzip“:

„Um 7.25 Uhr betreten Sie den Fahrstuhl eines 60-stöckigen Hochhauses, den Sie Ihr (berufliches) Zuhause nennen. Die Leiterin Ihres Geschäftsbereichs – höchstpersönlich! – kommt nach Ihnen herein. Und … die Türen schließen. Für sagen wir mindestens 35 Stockwerke gehört sie Ihnen – Ihnen ganz allein. Und Sie sind überzeugt … von Ihrem Projekt! Also, … Sie haben, sagen wir zwei (!!) Minuten, um es ,zu verkaufen‘.“

Das Wichtigste ist, überzeugend den Nutzen eines Projekts zu transportieren. Die Argumentation muss kurz und prägnant sein, da Sie praktisch im Vorübergehen überzeugen müssen. Sie haben die Aufmerksamkeit nur für kurze Zeit – nutzen Sie die Zeit. Dazu müssen Sie die Argumente ständig parat haben. Denn Verkaufsmöglichkeiten ergeben sich meist überraschend und zufällig. Zur Formulierung Ihrer Argumentation können Sie das „Fahrstuhlspiel“ nutzen:

  • Erstellen Sie eine maximal einseitige Beschreibung Ihres Projekts.
  • Komprimieren Sie die Seite auf fünf „Kernaussagen“, die auf eine Karteikarte passen.
  • Bereiten Sie das zweiminütige Fahrstuhl-Spiel vor und testen Sie es.
  • Verfeinern Sie die „Verkaufsargumente“ ständig.
    (Tom Peters, Projektmanagement)

Benutzen Sie dabei positiv besetzte Begriffe. Gerade auf der Führungsebene hat man für die Probleme des Alltagsgeschäfts oftmals nur wenig übrig. Hier finden Vokabeln, die mehr Kundennähe, Gewinn oder Qualität versprechen, mehr Anklang als das Abstellen von Ineffizienzen, von Qualitätsmängeln oder die bessere Behandlung von Beschwerden.

Welche Möglichkeiten Sie noch haben, Sich, Ihre Aufgabe oder Ihr Projekt gut zu verkaufen, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

Definieren Sie Ihre Ziele

Wenn die Idee, der Anstoß erst einmal „oben“ Anklang gefunden hat, wenn Sie Ihre Mitarbeiter „ins Boot“ geholt haben und die Zielgruppe für Ihre Marketingstrategie kennen, dann kommt die Phase, in der die eigentliche Arbeit am Projekt-Marketing beginnt.

Wellen schlagen – praktische Marketingmaßnahmen

Im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung können Sie z.B. sehr gut eine Mitarbeiterumfrage durchführen und die Ergebnisse später gleich in Ihrem ersten Newsletter veröffentlichen. Die Fragen sollen in erster Linie Erkenntnisse für Ihr Projekt erbringen. Ansonsten sind Meinungsbilder für jeden interessant, weil man als Teil einer Gemeinschaft grundsätzlich wissen will, ob man mit seiner Meinung alleine da steht oder eine Mehrheitsmeinung vertritt.

Nutzen Sie die folgende Aufzählung als Ideenspender für Veranstaltungen:

  • Verschaffen Sie sich durch eine Mitarbeiterumfrage ein Meinungsbild über Ihr Projekt und veröffentlichen Sie die Ergebnisse in einem Newsletter. Stellen Sie eine Visitenkarten-Box für Interessierte auf; diese Kollegen können gezielt über den Projektverlauf informiert werden.
  • Der Projektstart muss Wellen schlagen – engagieren Sie einen Zauberer, Pantomimen oder Kabarettisten als Publikumsmagneten.
  • Bieten Sie Speisen und Getränke an, die zum Motto des Projekts passen – Originalität ist hier gefragt!
  • Nutzen Sie die Wirkung von Farben: Kleiden Sie sich als Projektteam mit einem einheitlichen Kleidungsstück in einer passenden Farbe (T-Shirt, Kappe, Halstuch) – das hat eine starke Außenwirkung.
  • Bieten Sie mit einem Info-Stand Informationen über Ihr Projekt an.
  • Veranstalten Sie einen „Tag der offenen Projekttür“, an dem die Projektmitglieder für Fragen zur Verfügung stehen.
  • Verankern Sie Ihr Projekt im Unternehmen durch eine Kick-off-Veranstaltung.
  • Wagen Sie eine interaktive Aktion: Binden Sie Ihre Kollegen mit einem improvisierten Theaterstück, natürlich mit Bezug zu Ihrem Projekt, in Ihr Projekt ein.
  • Veranstalten Sie Workshops, Seminare oder Tagungen als Informationsveranstaltung zu Ihrem Projekt und machen Sie diese mithilfe von Infotainment und Attraktionen spannend.
  • Fotografieren Sie die Veranstaltungsteilnehmer und veröffentlichen Sie die Bilder – immer mit Angabe des Projektnamens – im Intranet oder in der Firmenzeitung.
  • Legen Sie während der Veranstaltung ein Gästebuch aus, in das sich die Besucher mit ihren Eindrücken und Statements verewigen dürfen.
  • Richten Sie ein Forum im Intranet ein, auf dem über Ihr Projekt und die Veranstaltung diskutiert werden darf.

Ganz entscheidend für ein erfolgreiches internes Marketing ist Kontinuität. Wenn Sie einmalig mit einer tollen Eröffnungsveranstaltung Wellen geschlagen und viele Leute „Kicks“ erlebt haben, ist das nur die eine Seite der Medaille. Dass es weitergehen muss, ist die andere Seite. Es ist erfolgsentscheidend, dauerhaft Energie in das Projekt- Marketing zu stecken. Die Leute müssen merken, dass es Ihnen Ernst ist und man mit der fulminanten Eröffnung nicht bloß einen „Knaller“ zünden wollte, sondern dass Ihr Projekt wirklich interessant, wichtig und einen permanenten Extraaufwand an Zuwendung oder Zuarbeit wert ist.

Hierzu müssen Sie ständig neu Aufmerksamkeit erregen und ständig neu Überzeugungsarbeit leisten. Das heißt, Sie müssen sich über einen regelmäßigen Informationsdienst Gedanken machen.

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