15.09.09Kommentieren

Innovativ führen

Kämpfen Sie nicht um jeden Preis

Eine internationale Studie von Stepstone hat ermittelt, dass angesichts der Wirtschaftkrise 52 % der Deutschen einen verstärkten Konkurrenzkampf am Arbeitsplatz fürchten. Die Ansicht, dass nur eine gehörige Portion Egoismus und Ellbogenmentalität den Weg nach oben ebnet, scheint also weit verbreitet zu sein.

Nicht nur mit Ellenbogen und Fäusten kommt man vorwärts

Doch die harte Tour muss nicht zwangsläufig die erfolgreichste Strategie sein: Schon in den 70er und 80er Jahren zeigten Studien der Harvard Universität, dass das Anstreben einer Win-win-Situation, bei der beide Seiten einen Nutzen erzielen, die effizienteste und klügste Verhandlungsmethode darstellt.

Auch die Shaolin-Philosophie setzt dem Ellbogendenken eine konträre Einsicht entgegen.

„Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“

Nicht nur die Kunst des waffenlosen Kampfes dieser im Herzen Chinas beheimateten Denkschule hat es zu weltweitem Ruhm gebracht, sondern vor allem ihre Lebensweisheiten: Schon seit über 1.500 Jahren zeigen die Shaolin-Mönche, wie sie mit der Kraft des Denkens zu Ruhe, Klarheit und  innerer Stärke finden.

Eine Einsicht, die wir auch auf unser modernes westliches Leben anwenden können. Ist es doch gerade im Berufsleben entscheidend, Energien sinnvoll einzusetzen und das persönliche Erfolgspotenzial zu erkennen. Wie man dies schafft, soll anhand der folgenden ausgewählten Prinzipien der Shaolin verdeutlicht werden.

Wahren Sie Ihre Achtsamkeit

Achtsamkeit gegenüber sich selber bedeutet, aus der Menge der zur Verfügung stehenden Mittel ebenjenes zu gebrauchen, das der Situation angepasst ist.

Schon als kleines Kind haben Sie mit Sicherheit gelernt, zu prüfen, zu vergleichen, einzuordnen und zu beurteilen. Dabei verlernt man aber schnell, auf seine eigene Wahrnehmung zu vertrauen. Stattdessen setzen Sie bereitwilliger auf angelernte Prinzipien. Die Folge:

  • Automatisch schätzen Sie einen großen, kräftigen Mann als einen starken Gegner ein – ein kleines Kind dagegen als schwachen.
  • Ein 10-jähriger Shaolin-Schüler nimmt es dagegen – ohne groß nachzudenken – mit 5 erwachsenen Männern auf.


Der Grund: Das Prinzip der Achtsamkeit lehrt den Shaolin-Kämpfer, dass sein kann, was nicht sein darf: Er soll seine Gegner folglich niemals unterschätzen - aber auch nicht überschätzen:

  • Den Gegenüber zu achten heißt, ihn zu erkennen.
  • Ihn nicht beurteilen zu wollen, heißt, ihn einschätzen zu können. 
  • Ihm achtsam gegenüberzutreten, heißt ihn besiegen zu können.

Umgesetzt auf Ihren Führungsalltag bedeutet dies: Vertrauen Sie auf Ihre Stärken, wenn Sie etwas erreichen möchten. Sprechen Sie sich Mut zu und lassen Sie sich nicht durch scheinbare Hindernisse – gleich welcher Art – beeindrucken.

Zeigen Sie Entschlossenheit

Essenziell für erfolgreiches Handeln ist das Prinzip der Entschlossenheit. Denn wer sich nicht entschlossen hat, bringt auch nicht die Kraft auf, seine Gedanken in die Tat umzusetzen.

„Wollen“ ist dabei der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Entschlossenheit. Nur wer sein Ziel mit der Kraft des eigenen Denkens fest anvisiert hat, kann es auch erreichen.

Auch im Kloster Shaolin trainieren die Männer ständig diese Fähigkeit. Besonders anschaulich wird diese „Kraft der Entschlossenheit“, wenn ein Kung-Fu-Kämpfer mehrere Ziegel durchschlägt.

Nehmen Sie für sich aus der Shaolin- Philosophie mit, …

  • entweder Dinge komplett zu tun oder ganz zu lassen.
  • nur das zu tun, zu dem Sie wirklich entschlossen sind und zu dem Sie auch bereit sind.


Zeigen Sie Gelassenheit

Häufig wird heutzutage von Ihnen verlangt, zeitnah und schnell zu agieren. Folglich ist Gelassenheit eine Gabe, die die meisten Menschen in der modernen Welt verloren haben. Für ruhiges Abwägen bleibt schließlich wenig Zeit.

Impulsivität kann sich jedoch verhängnisvoll auswirken, denn in der Kürze der Zeit entscheiden sich viele Menschen häufig nicht für die effektivste Handlungsoption.

Ein wirklich guter Shaolin-Kämpfer weiß die fehlende Gelassenheit des Kontrahenten zu seinem Vorteil zu nutzen: Er wartet auf die Unüberlegtheit seines Gegners – und nutzt diese für sich aus.

Natürlich spielen gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen Ängste eine große Rolle. Versuchen Sie aber zu jeder Zeit, Ihre Sorgen und Befürchtungen im Griff zu halten. Dadurch entscheiden Sie schon die meisten schwierigen Situationen mindestens zur Hälfte für sich - und dies ohne wirklich etwas tun zu müssen. Gelassenheit ist somit eine mächtige Waffe in den Händen derjenigen, die sie zu nutzen wissen.

Nutzen Sie die Gelegenheit

Sie können sich Ihren Zielen auf zweierlei Weisen nähern:

  • durch Planen
  • indem Sie die Gelegenheiten ergreifen, die sich Ihnen ergeben


Die meisten Menschen bevorzugen es, ihr Leben genau zu planen. Was diese Menschen jedoch übersehen, ist, dass Sie auch durch den besten Plan nichts erzwingen können. Das Leben hält sich schließlich nicht an Pläne.

Praxis-Beispiel

Ein Mitarbeiter kommt zu seinem Vorgesetzten ins Büro und teilt ihm mit, dass er gerne auf eine frei werdende andere Position in der Abteilung wechseln möchte. Da sein Chef gerade negative Zahlen vom Controller erhalten hat, passt ihm dieses Gespräch aktuell absolut nicht.

Ein anderer Mitarbeiter, der sich ebenfalls für die vakant werdende Stelle interessiert, spricht seinen Vorgesetzten darauf an, als dieser einige Tage später wohlgelaunt durch den Bereich geht. Wer wird Ihrer Ansicht nach den Job erhalten?


Das Beispiel zeigt, dass Sie stets bereit sein müssen zu handeln. Denn nur wer nach dem Prinzip der Gelegenheit agiert, setzt alles daran, dann sofort zu handeln, wenn der rechte Augenblick gekommen ist.

Schmieden Sie zugleich auch Pläne. Gelegenheiten entstehen schließlich zum einen nicht von selbst. Zum anderen können Sie diese nur dann optimal nutzen, wenn Sie auch wissen, welchen Hafen Sie ansteuern.

Das Prinzip der Überlegenheit

Zu schnell lassen sich manche Menschen von der scheinbaren Autorität anderer blenden – schließlich ist Unterordnung doch eine äußerst bequeme Verhaltensweise. Zu anderen aufzuschauen hat nämlich den Vorteil, nicht selber denken zu müssen. Zwangsläufig lassen viele Menschen durch ein solches Verhalten eigene Ressourcen brachliegen.

Das Prinzip der Überlegenheit lehrt uns dagegen, die wahre Kampfstärke des Gegners zu sehen und angemessen darauf zu reagieren:

  • Überlegenheit ist keine Eigenschaft, sondern ein Prinzip.
  • Sie bekommen sie nicht einfach so – Sie müssen sie sich nehmen. Wahre Überlegenheit muss nämlich zuerst im Kopf entstehen. Machen Sie sich daher immer wieder Ihre Stärken bewusst – und handeln Sie dann entsprechend.

Erkennen Sie sich selbst

„Alle sehen in dir den, als der du erscheinst. Wenige sind es, die dich als den fühlen, der du bist“ – dieses Zitat stammt vom italienischen Staatsmann Niccolò Machiavelli. Er beschreibt damit folgenden Sachverhalt, der auch in der Shaolin- Philosophie zu finden ist: Egal wie sie sich wirklich fühlen, die meisten Menschen versuchen die Erwartungen, die von außen an sie herangetragen werden, zu erfüllen. So entstehen 2 Persönlichkeiten.

  • Die eine, wie man wirklich ist.
  • Die andere, wie man glaubt, sein zu müssen.

Die Folge: Viele Menschen sind sich ihrer Kompetenzen gar nicht bewusst. Werden sie dagegen nach ihren Fehlern gefragt, können sie gleich eine ganze Reihe aufzählen. So ermöglichen sie aber ihren Mitmenschen, sich über die eigene Person zu stellen – ohne es zu bemerken.

Vergessen Sie daher niemals, dass Sie selbst festlegen, wie weit Sie in Ihrem Leben kommen:

  • Begrenzt werden Sie meist nicht durch Ihr echtes Leistungslimit, sondern durch eine Blockade im Kopf – hervorgerufen durch fehlendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  • Ohne Kenntnis der eigenen Fähigkeiten können Sie jedoch Ihr Leistungspotenzial nicht bestmöglich verwerten.


Wider die autoritäre Führung

Eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes und der Universität Mannheim über die Gründe von Unternehmensinsolvenzen hat im Jahr 2006 nachgewiesen, dass in 57 % der Fälle autoritäre, rigide Führung für das Scheitern verantwortlich war. Die Shaolin-Philosophie verdeutlicht anschaulich, warum dies so ist. Nutzen Sie daher die vorgestellten Prinzipien für Ihren Führungsalltag.

Wirtschaftsinformatikerin Margret Degener leitet seit 1988 die MoreOFFICE GmbH/Planegg. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern analysiert sie Arbeitsabläufe, um Arbeitsprozesse zu optimieren.

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