09.02.15

Guerilla-Bewerbung

Hauptsache auffallen: Die kreativsten Bewerbungen im Netz

Gute Bewerbungen schreiben können viele. Um aufzufallen, greifen deshalb immer mehr kreative Köpfe auf Methoden des viralen und des Guerilla-Marketings zurück. Die gewitzte Ich-Werbung sorgt oft weit über die Personalbüros hinaus für Aufregung und wird im Netz viral. Sie kann aber auch übers Ziel hinausschießen, wenn die Mittel nicht zum Anlass passen.

Besonders weit verbreitet ist die Praktik der sogenannten Guerilla-Bewerbung in der Medienbranche. Das macht Sinn, immerhin bietet die Bewerbungsmappe die erste Chance, einen potenziellen neuen Arbeitgeber von der eigenen Kreativität zu überzeugen. Zudem ist es gerade im begehrten Feld der Medienberufe nicht einfach, aus der Masse der Bewerbungen herauszustechen. Auch durch das breite und hochwertige Angebot von frei im Netz zugänglichen Bewerbungsratgebern ist das professionelle Niveau der Bewerbungen gestiegen, das Feld der Bewerber näher zusammengerückt. Kein Wunder, dass immer mehr es mit „Ausreißern“ versuchen, die aus der Reihe der üblichen Bewerbungsmappen tanzen.

Ein viraler Hilferuf

Beinahe schon Kultstatus hat die Bewerbung des Briten Adam Pacitti erlangt, der mit seiner Guerilla-Methode voll ins Schwarze traf. Nachdem er sein Studium als Medienproduzent erfolgreich abgeschlossen hatte, bewarb er sich auf konventionellem Wege auf Hunderte von Stellen – und erntete eine Absage nach der anderen. Bis ihm der geniale Einfall kam. Er mietet sich eine große Werbefläche mitten in der Stadt und schaltete ein Plakat mit seinem Gesicht und dem Aufruf: „Ich habe meine letzten 500 Pfund für dieses Plakat ausgegeben – Bitte gebt mir einen Job!“ Darunter die Adresse der eigens eingerichteten Webseite employadam.com, auf der sich ein sympathisches Bewerbungsvideo befand. Das Konzept ging auf: Die Webseite und das Bewerbungsvideo verbreiteten sich wie ein Lauffeuer im Netz und der junge Medienproducer landete gleich mit der Bewerbung seinen ersten viralen Marketing-Clou. Kein Wunder, dass er sich unter den zahlreichen Jobangeboten, die in den darauffolgenden Wochen an ihn herangetragen wurden, für eine Stelle als Viral Producer bei KEO Digital entschied.   

Die Google-Falle

Ähnlich bekannt geworden ist die gewitzte Guerilla-Bewerbung des US-Amerikaners Alec Brownstein. Er wettete darauf, dass sich jeder ab und zu selbst googelt – und schaltete kurzerhand Google-Werbung auf die Namen der Kreativ-Direktoren seiner bevorzugten Werbeagenturen. Wenn sie ihren Namen in die Suchmaschine eingaben, wurde ihnen als erster Treffer eine Nachricht von Brownstein angezeigt: „Hey, sich selbst zu googeln macht Spaß – mich einzustellen aber auch!“ Der Link führte auf eine Homepage mit Biografie und Kontaktdaten. Von den sechs renommierten Kreativdirektoren, für die er Werbung geschaltet hatte, waren ihm fünf innerhalb kürzester Zeit in die Falle gegangen und luden ihn zu einem Vorstellungsgespräch ein. Zwei von ihnen wollten ihn einstellen, letztendlich entscheid er sich für einen Job bei der international bekannten Werbeagentur Young & Rubicam in New York.  

Das selbstgebastelte Computerspiel

Eine ziemlich aufwändige Initiativbewerbung verschickte der angehende Spiele-Designer Marius Fietzek, um sich beim Entwicklerstudio Double Fine für ein Praktikum zu bewerben. Er programmierte kurzerhand ein eigenes kleines Computerspiel mit dem Namen „The Applicant“ (Der Bewerber). Das Ziel des Spiels ist es, ein Bewerbungsgespräch mit Marius Fietzek zu führen. Das Point-and-Click-Adventure war im charmanten Retro-Look gestaltet und brachte Fietzek den ersehnten Job. Auf rickrocket.de kann man das Game spielen und sich selbst überzeugen. Neu war diese Idee allerdings nicht. Schon der Spieleentwickler Tim Schafer hatte bei seiner Bewerbung bei Lucas Arts ein ähnliches Spiel gebastelt. Als Referenz an diese Vorlage hat Fietzek nach seiner Anstellung noch einen Nachfolger des Spiels vorgelegt, in dem Tim Schafer einen kleinen Gastauftritt hat.

Das zeigt: Man muss nicht unbedingt immer der Erste sein, der eine Idee für eine außergewöhnliche Bewerbung hat. Die gewählten Mittel sollten nur exakt zum Job passen, den man machen möchte. Dann kann eine Guerilla-Bewerbung genau der richtige Weg sein, um die richtigen Menschen auf sich aufmerksam zu machen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer