Bewerbungsgespräch – Kommunikation auf Augenhöhe

Bewerbungsgespräche richtig führen

Wer neue Mitarbeiter einstellen will, muss Bewerbungsgespräche führen. Kommunikation ist gefragt, ein guter Umgang mit Bewerbern zahlt sich für Unternehmen aus. Stichwort: "employer branding". Zehn Tipps für ein gelungenes Bewerbungsgespräch.

Sorgen Sie für eine gute Atmosphäre

Wie oft zerhackt das Telefon Gespräche im beruflichen Alltag. Da sollte ein Bewerbungsgespräch erst recht in einem Raum stattfinden, in dem kein Telefon klingelt. Eine angenehme Atmosphäre entsteht, wenn niemand das Gespräch von außen unterbrechen kann. Störungen verwischen auch einen authentischen Eindruck des Bewerbers: Ihm ist es so möglich, sich Antworten leichter zu Recht zu legen.

Bauen Sie hierarchische Barrieren ab

Seien Sie sich Ihrer hierarchischen Position bewusst: Ein Bewerber sieht in Ihnen immer die Person, von der seine berufliche Zukunft abhängt. Dieses Machtgefälle kann sich negativ auf den Gesprächsverlauf auswirken, weil es einen ehrlichen Austausch verhindert. So wird es wahrscheinlicher, dass Sie den falschen Menschen einstellen – und große Kosten für Ihr Unternehmen entstehen. Bemühen Sie sich im Gespräch um Augenhöhe!

Zeigen Sie sich von Ihrer besten Seite

Es gibt ein paar Tugenden, die Sie in ein Bewerbungsgespräch mitbringen sollten: Versetzen Sie sich in die Rolle des Bewerbers, um seine Position besser zu verstehen. Üben Sie sich in Geduld und Selbstbeherrschung – nur so entsteht eine gute Gesprächsatmosphäre. Gehen Sie mit einer positiven Einstellung auf den Bewerber zu, zeigen Sie sich verbindlich – und beweisen Sie Ihre Fähigkeit, zu anderen Menschen Kontakt herstellen zu können.

Hören Sie gut zu

Manchmal entscheidet eine kleine Geste: Sie nicken kurz mit dem Kopf, Sie halten Blickkontakt – und schon schlagen Sie eine Brücke zu Ihrem Bewerber. Fühlt er sich verstanden, kann seine Maske fallen. Das gelingt auch, wenn Sie auf Wertungen völlig verzichten und den Bewerber in Ruhe aussprechen lassen. Haben Sie selbst größere Gesprächsanteile als der Bewerber, ist das ein falsches Signal: Ihr Interesse am Gegenüber war nicht groß genug.

Wiederholen Sie ruhig

Eine gute Gesprächstechnik ist es, wenn Sie bestimmte Passagen des Gesprächs in eigenen Worten zusammenfassen. Solche Wiederholungen sind nicht überflüssig, im Gegenteil: Auf diese Weise lassen sich Missverständnisse ausräumen, weil der Bewerber die Chance bekommt, einen Gedanken deutlicher zum Ausdruck zu bringen.

Helfen Sie dem Gedächtnis auf die Sprünge

Niemand hat ein Elefanten-Gedächtnis: Wenn Sie nach dem Gespräch versuchen, mit einem Gedächtnis-Protokoll wesentliche Inhalte festzuhalten, gehen viele Informationen verloren. Scheuen Sie sich nicht, während des Gesprächs Notizen anzufertigen. Ein Leitfaden kann dabei helfen: So können Sie wesentliche Fragen abhaken – und ihren unmittelbaren Eindruck festhalten.

Denken Sie an das "employer branding"

"Employer branding" – das heißt für Sie: Mit jedem Bewerbungsgespräch werben Sie auch für Ihr Unternehmen. Ihr Gesprächspartner kann ein künftiger Mitarbeiter sein. Dann sollte er von Anfang an hinter Ihrem Unternehmen stehen. Oder Sie lehnen einen Bewerber ab, dann wird er seine Erfahrungen im Bekanntenkreis verbreiten. So oder so: Mit jedem Bewerbungsgespräch können Sie ihre Marke ("brand") stärken.

Achten Sie auf Widersprüche

Zum Erfassen einer Persönlichkeit gehören viele Dinge. Passen Sie besonders auf, ob der Bewerber Widersprüche erkennen lässt: Fehlen Zeugnisse, und die Gründe dafür erscheinen nicht plausibel? Wirken Antworten einstudiert? Fehlt dem Verhalten die Authentizität? Merkwürdig ist es auch, wenn der Bewerber seine gegenwärtige Tätigkeit so beschreibt, dass sie wie abgestimmt auf den neuen Job erscheint. Vorsicht ist geboten, sobald der Bewerber eine Verteidigungshaltung einnimmt – ohne dass ein Grund erkennbar ist.

Fassen Sie den ganzen Menschen ins Auge

Auf den ganzen Menschen kommt es an: Sie wollen zu einer Einschätzung des Bewerbers kommen – und werden dazu nicht nur auf seine Worte achten. Seine Gesten zählen, seine Kleidung, sein Auftreten. Viele Details fließen mit ein, auf die Sie bewusst achten können: Ein Bewerber kann behaupten, ein offener und selbstbewusster Mensch zu sein. Hält er aber im Gespräch keinen Augenkontakt und ist nervös, könnte das Gegenteil der Fall sein.

Stellen Sie keine unzulässigen Fragen

Informieren Sie sich gut über unzulässige Fragen. Zum Beispiel dürfen Sie nur nach einer tatsächlichen Behinderung fragen, wenn sie den Bewerber bei der neuen Tätigkeit beeinträchtigen würde. In Ordnung ist dagegen die Frage, ob eine anerkannte Schwerbehinderung vorliegt, weil sich aus ihr bestimmt Schutz- und Fürsorgepflichten ergeben. Fragen nach einer Schwangerschaft sind unzulässig, genauso wie die Frage nach Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder Religionsgemeinschaft. Beantwortet der Bewerber eine solche Frage mit einer Unwahrheit, hat das keine rechtlichen Konsequenzen ("Recht zur Lüge").

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Ein Beitrag von Ingo Leipner
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