Jos. Schneider Optische Werke GmbH

Houston, wir haben kein Problem

Der Weltraum, unendliche Weiten. Und mittendrin - ein Kameraobjektiv aus Bad Kreuznach. Wenn US-Astronauten zu einer Mission ins Weltall aufbrechen, ist meist auch Know-how aus deutschen Landen mit an Bord. Genauer gesagt, Technik aus dem Hause Jos. Schneider Optische Werke GmbH, einem der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Hochleitungsobjektive.


Der erste Ausflug von Schneider Kreuznach Produkten ins All liegt nun schon über vierzig Jahre zurück. Als NASA-Astronaut Malcolm Scott Carpenter 1962 in der Weltraumkapsel "Aurora 7" die Erde umkreiste, hatte er nicht nur Wäsche zum Wechseln im Gepäck, sondern auch zwei Xenar-Objektive aus dem Hause Schneider Kreuznach. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Seither hat das Unternehmen zahlreiche US-Weltraummissionen mit Objektiven für Film- und Videokameras ausgestattet und kann die NASA zu seinen Stammkunden zählen.

Bodenhaftung nie verloren

Ein Blick in die Fertigung.

Nichtsdestotrotz hat das rheinland-pfälzische Unternehmen nie den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen verloren. Im "irdischen Leben" ist Schneider Kreuznach einer der führenden Hersteller von optischen und feinmechanischen Komponenten für die industrielle Bildverarbeitung und Fotografie. Die Produkte aus Bad Kreuznach werden beispielsweise bei Inspektions- und Messanwendungen in der Produktion oder zur Qualitätssicherung genutzt.

Weinbauer mit Weitblick

Joseph Schneider

Angefangen hatte alles in dem idyllischen Weinort Bad Kreuznach an der Nahe, wo Joseph Schneider 1855 das Licht der Welt erblickte. Als Spross einer Winzerfamilie war er eigentlich von Haus aus dem Weinbau verpflichtet. Doch der Einfallsreichtum seines Sohnes, Joseph August Schneider, stellte die bis dahin wohlgeordnete Winzerwelt der Schneiders auf den Kopf. Die Patentanmeldung "Einrichtung an einem Cinematografen mit stetig bewegtem Bild zum optischen Ausgleich der Bildwanderung" seines Nachwuchses brachte Schneider auf die Idee, ein eigenes Geschäft zu gründen. Gesagt, getan. 1913 rief Schneider die Optische Anstalt Jos. Schneider & Co. ins Leben. Damit war der "Bruch" mit der Familientradition endgültig vollzogen.

Mit zwölf Mitarbeitern an den Start gegangen

Das erste Fabrikgebäude des Unternehmens in Bad Kreuznach.

In der Anfangsphase konzentrierten sich Schneider und seine zwölf Mitstreiter auf die Entwicklung und Produktion von Fotoobjektiven. Bald hatte man sich eine Namen in der Branche gemacht und sah sich nach Möglichkeiten um, sein Angebot zu erweitern. 1915, zwei Jahre nach Unternehmensgründung, begann Schneider Kreuznach - neben dem Fotogeschäft - auch mit der Herstellung von Kinoprojektionsobjektiven, einem der heutigen Schwerpunkte.

Das einmillionste Objektiv lief 1936 vom Band.


Die Geschäfte liefen gut und innerhalb kürzester Zeit knüpfte das Unternehmen Kontakte in ganz Deutschland und auch über die Landesgrenzen hinaus. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges gerieten die Expansionsbestrebungen des jungen Unternehmens erstmals ins Stocken. Doch auch in diesen schwierigen Zeiten gelang es Schneider, die Fabrikationsmöglichkeiten Stück für Stück zu vergrößern.

1919 waren die räumlichen Kapazitäten der Produktion schließlich endgültig ausgereizt, so dass die Fertigung in ein neues Fabrikgebäude ausgelagert wurde.Damit konnte der Aufstieg des Unternehmens weitergehen. 1936, knapp zwei Jahrzehnte nach Firmengründung, konnten die Rheinland-Pfälzer ihr erstes Jubiläum feiern: das einmillionste Objektiv lief vom Band.

Produktpalette kontinuierlich ausgebaut

Im Laufe der Jahre bauten die Bad Kreuznacher ihre Produktpallette immer weiter aus. Pionierarbeit leistete das Unternehmen 1964, als es Zoom-Objektive für Film, Fotografie und Fernsehen auf den Markt brachte. 1984 wurden Brillengläser aus Silikat und Kunststoff ins Programm aufgenommen. Neben Altbewährtem zählen heute auch Industrieoptik, Augenoptik und Servohydraulik zu den Geschäftsgebieten des Konzerns.

Ein Hauch von Hollywood

Und der "Oscar" 2005 geht an (v.l.): Michael Anderer, Hilde Ebbesmeier, Udo Schauß und Nicole Wemken.

Den verdienten Lohn für Ihre Mühe holen sich die Mitarbeiter der Schneider Kreuznach beinahe regelmäßig in Los Angeles ab. Neben den berühmten Film-Oscars verleiht die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hier auch alljährlich den Technical Achievement Award – liebevoll "Technik-Oscar" genannt. Eine Auszeichnung, mit der besondere wissenschaftlich-technische Errungenschaften für das Filmgeschäft honoriert werden. Bereits vier Mal - 1976, 1978, 2000 und 2005 – konnten sich Mitarbeiter von Schneider Kreuznach über diese Anerkennung freuen. Zuletzt für die Entwicklung
des Kinoobjektivs "Cinelux Première".

Den Kinderschuhen entwachsen

Das kleine Familienunternehmen hat sich seit seiner Gründung zu einem der führenden Optikspezialisten weltweit gemausert. Auch nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1933 blieb das Unternehmen seiner rheinland-pfälzischen Heimat treu. Bis heute laufen die Fäden des Konzerns in Bad Kreuznach zusammen, obwohl man mittlerweile Tochtergesellschaften in Dresden, London, New York und der amerikanischen Filmmetropole Los Angeles unterhält.

Doch die Rheinland-Pfälzer geben sich mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden. In den Laboren des Unternehmens wird schon wieder eifrig getüftelt. Digitale Projektion, Home Cinema, E-Cinema und Simulation sind die Bereiche der Zukunft und Schneider Kreuznach strebt auch hier den Optik-Olymp an.

© 2006 förderland

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