Geohumus International GmbH & Co. KG

Wüsten in blühende Landschaften verwandeln

Von der Windel in den Acker. Ursprünglich sorgten Superabsorber für trockene Babypopos. Dass man diese saugstarken Kunststoffe nun auch in der Landwirtschaft einsetzen kann, ist der Geohumus International GmbH & Co. KG zu verdanken, die mit deren Hilfe staubtrockene Wüsten in blühende Landschaften verwandeln will.


Rasentöpfe mit (links) und ohne <b>geo</b>humus®.

Superabsorber sind bereits seit über drei Jahrzehnten bekannt. Die herausragendste Eigenschaft dieser ungiftigen und umweltverträglichen Substanzen ist ihre enorme Wasserspeicherfähigkeit. Die Kunststoffe sind in der Lage, ein Vielfaches - das bis zu 200-fache - ihres Eigengewichtes in Form von Flüssigkeit aufzunehmen. Verwendet werden sie bisher hauptsächlich in Babywindeln oder anderen Hygieneprodukten, aber auch als Kabelummantelungen für Tiefseeleitungen.

Vater von geohumus®

Dr. Reinmar Peppmöller, promovierter Chemiker, der sich mit Leib und Seele seiner Forschung verschrieben hat, konnte seinen ersten großen Erfolg auf diesem Gebiet der Superabsorberforschung bereits vor über 30 Jahren feiern. Als Leiter der Entwicklungsabteilung der Firma Stockhausen in Krefeld experimentierten er und sein Team mit Acrylsäure und entwickelten Superabsorber.

Peppmöller, wissenschaftlicher Kopf der Geohumus International GmbH & Co. KG, erkannte schon früh das enorme Potential, das in den kleinen Speicherwundern steckt. Das Problem mit den herkömmlichen Superabsorbern ist allerdings, dass diese ein so genanntes Hydrogel bilden, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen. Diese äußerliche Verwandlung führt leider auch dazu, dass ihre Strukturstabilität erheblich nachlässt. Deshalb sind die bisher gebräuchlichen Superabsorber auch nicht für den Einsatz auf dem Agrarsektor geeignet. Doch mit dieser Tatsache wollte sich Peppmöller nicht abfinden. 1996 zog er sich nach seiner Pensionierung in sein stilles Kämmerchen zurück und machte sich an die Lösung des Problems.

Durchbruch im verflixten siebten Jahr

Den Grundstein für den jetzigen Erfolg hatte Peppmöller also schon vor mehr als drei Jahrzehnten gelegt. Doch um die Superabsorber auch in der Landwirtschaft einsetzen zu können, mussten sie so modifiziert werden, dass ihre Strukturstabilität sichergestellt war. Ganze sieben Jahre brüteten Peppmöller und sein Team über diesem Problem. Unermüdlich forschte und experimentierte der Wissenschaftler, doch die Mühe hat sich letztendlich gelohnt. 2003 gelang der Geohumus International GmbH & Co. KG der große Durchbruch - geohumus® erblickte das Licht der Welt.

geohumus® lautet das Zauberwort

Äußerlich eher unscheinbar: <b>geo</b>humus®.

Die Rezeptur des neuen Superabsorbers ist eigentlich ganz einfach. Man nehme eine Hand voll Polyacrylate, eine Prise Silikat und eine Messerspitze Gesteinsmehl, mische das Ganze mit pulverisiertem Lavagestein – et voilà: geohumus®. So simpel ist es dann aber doch wieder nicht. Denn erst als man mit Hilfe von nanotechnologischen Verfahren das ultrafeigemahlene Gesteinsmehl und das flüssige Silikat dazu bringen konnte, an die Polyacrylate (Superabsorber) anzudocken, konnte man endgültig die Sektkorken knallen lassen.

Mit geohumus® wurde ein neuartiges nanotechnologisch hergestelltes Hochleistungspolymer geschaffen. Diese Substanz ist, wie man sie sich erhofft hatte – strukturstabil, umweltverträglich, biologisch abbaubar und kostengünstig in der Herstellung. Das unscheinbare erdfarbene Granulat kann bis zum 30-fachen seines Eigengewichts in Form von Wasser speichern. Bringt man geohumus® in den Boden ein, sinkt der Wasserbedarf um bis zu 50 Prozent, was natürlich vor allem für wasserärmere Regionen von Vorteil ist. Das Granulat kann überall dort eingesetzt werden, wo Wasser Mangelware ist, sandiger Boden das Wasser nicht halten kann oder Versalzung, Degradation und die Ausbreitung von Wüsten drohen. Doch damit nicht genug. Neben der Aufnahme von H2O kann geohumus® auch die für Pflanzen lebensnotwendigen Nährstoffe versorgen.

Ehre, wem Ehre gebührt

Das GHI-Team beim Deutschen Gründerpreis 2006.

Der Mediziner Dr. Wulf Bentlage gründete unter anderem mit Peppmöller 2004 die Geohumus International GmbH & Co.KG in Frankfurt am Main. Noch in den Kinderschuhen steckend, heimsten die frisch gebackenen Unternehmer auch gleich den Gründerpreis der Stadt Frankfurt ein. Und auch beim Businessplan-StartUp-Wettbewerb der Sparkassen, McKinsey, Stern und ZDF räumte das Geohumus-Team kräftig ab. Nach dem erstem Platz im Landeswettbewerb Hessen-Thüringen, entschieden die Macher von geohumus® auch den Bundesentscheid für sich. Vorläufiger Höhepunkt in Sachen Auszeichnungen war nun der Gewinn des Deutschen Gründerpreises 2006 in der Kategorie "Konzept".

Kunden auf der ganzen Welt

"Der Kunde ist König" – dieses Sprichwort ist bei der GHI durchaus wörtlich zu verstehen. Nachdem man in der Anfangsphase den Geschäftsfokus auf Deutschland gelegt hatte, ist die GHI mittlerweile international tätig. Denn wie es der Zufall so wollte, traf Geohumus-Geschäftsführer und Marketing-Profi Bentlage eines schönen Tages einige hochrangige Persönlichkeiten aus Saudi-Arabien. Diese Begegnung erwies sich als äußerst fruchtbar. Die Geschäftsleute aus dem Morgenland waren von geohumus® begeistert. Diesem ersten Auftrag folgten weitere, ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. "Im Moment müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln, denn wir können als kleines Unternehmen natürlich nicht alle potenziell interessanten Länder gleichzeitig bearbeiten", erklärt Bentlage. Von solchen "Problemen" können andere Unternehmen nur träumen.

Bilder: Geohumus International GmbH & Co. KG
© 2006 förderland

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