Warum Geld nicht alles ist...

und Dieter Bohlen nicht neben Thomas Gottschalk sitzen sollte...

Firma Vacazio
Gesellschaftsform Einzelunternehmen
Geschäftsmodell Eventsoftware
Bereich Wachstum
Internet www.vacazio.com
Gründung 2002
Kapitaleinsatz bei Gründung 0
Geschäftsführung Folkert Klemme
Mitarbeiter 1-5
Umsatzentwicklung sehr gut
   

Folkert Klemme sitzt mit seiner Azubi im schmucklosen 50-Quadratmeter-Büro der Internet Factory in Hamburg. Jeder hat seinen eigenen Schreibtisch und Computer, der einzige Luxus. Hier wird gearbeitet, Software (weiter) entwickelt – sonst nichts.

Das war nicht immer so. Folkert Klemmes zweites Büro war die Business Class im Flugzeug. Doch irgendwann war der Reiz des Aufsteigens für den ehemaligen Geschäftsführer der IT-Unternehmens Data Access verflogen. „Wer viel Geld verdient, muss auch viel Geld ausgeben“, sagt der in Niebüll vor der Insel Sylt aufgewachsene IT-Spezialist. Geld versetzt einen in Zug-Zwang. Repräsentatives Domizil nahe Blankenese, Urlaub in Palm Beach und Armani für die Kids.

Klemme ist kein Opfer von Entlassungswellen, kein Spross von Pleitegeiern und nicht das Relikt einer Insolvenz. Er hat selbst gekündigt – am zehnten Jahrestag seiner Einstellung mit 42 Jahren. Ganz ohne böse Worte hat er selbstsicher einen Schlussstrich gezogen. Die Trennung verlief so friedlich, dass er seinen Firmenwagen, einen Mercedes SLK, noch ein Jahr weiter fahren durfte. So etwas geht nur mit Amerikanern als Chef, die freuen sich, wenn sich ein Mitarbeiter selbstständig macht. Als Klemme dann kürzlich, das Jahr war zuende, den SLK gegen einen Geländewagen eintauschen mußte, kam aber doch ein wenig Wehmut auf.  War ja doch ganz schön, das bißchen Luxus...

Aber so geht es auch: Einen Lehrling hat Klemme eingestellt –  auch aus Kostengründen, denn Azubis verdienen eben noch „Lehrgeld“ und kein richtiges Gehalt. Die Kosten lassen sich vom Umsatz absetzen, er kann sie insofern gut „verkraften“. Das wichtigste aber ist: Beide profitieren voneinander: Die junge Dame bekommt unterschiedlichste Bereiche hautnah mit und lernt mehr als in einem riesigen Unternehmen – schließlich läuft bei Klemme alles zusammen. Einziger Wehrmutstropfen für Klemme: Die Berufsschule. Alle sechs Wochen bleibt der Schreibtisch zwei Wochen leer.

Dann muss Klemme Vacazio alleine führen. Mit der so genannten ASP-Software lassen sich Events so planen, dass es keine Pannen mehr gibt. Sogar der Reiseveranstalter Meier´s Weltreisen greift hinzwischen auf die Software zurück.

Pannen gibt es bei öffentlichen und geschlossenen Veranstaltungen immer und immer wieder. Explosiv wäre es, Dieter Bohlen neben Thomas Gottschalk zu setzen. Die Sitzordnung ist ein für Laien ungeahnt komplexes Thema. Und eine richtige Planung hört bei der Organisation einer stressfreien Sitzordnung von Gästen längst noch nicht auf. Wer soll am Gang sitzen, den die Kameras entlangfilmen? Welcher Promi oder illustre Kongressteilnehmer hat noch keinen Platz und darf auf keinen Fall in die letzte Reihe?

Normalerweise laufen solche Planungen am Flipchart und auf dem Papier. Bei mehreren hundert oder gar tausend Gästen geht da immer etwas schief - todsicher, es kann gar nicht anders sein.

Klemmes Software spart somit Zeit und Ärger. Die Veranstalter und Organisatoren können sich wieder auf das Wesentliche besinnen. Auf die Verleihung der Goldenen Kamera. Die Vorträge auf dem Fachkongress für Künstliche Intelligenz. Oder auf die Auswahl der Speisen bei der Premierenfeier eines neuen Musicals.

Klemme will mit Vacazio expandieren, eine GmbH gründen, groß und größer werden, weitere Mitarbeiter einstellen. Warum? Weil er in einer schweren Zeit gestartet ist, schon jetzt guten Umsatz macht und eben ein Unternehmertyp ist. Weil er eine gute, eine ziemlich gute Idee hat. Und nicht zuletzt auch eine pfiffige Azubine, die jetzt schon eigenständig arbeitet.

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