cv cryptovision GmbH

Geheimniskrämer aus Gelsenkirchen

Wenn Julius Caesar auf seinen Feldzügen Botschaften verschickte, las sich das zum Beispiel so: Upq tfdsfu. Kryptografie ist uralt - und war doch nie so wichtig wie heute.

Sicherheit für Microcontroller.

Wer die Caesar-Chiffre entziffern will, muss nur jeden Buchstaben durch den im Alphabet vorher stehenden ersetzen. Kryptografie, also die Kunst der Verschlüsselung, wird immer wichtiger. Eine der wenigen und in Europa führenden Firmen, die Verschlüsselungstechniken entwickelt, sitzt in Gelsenkirchen: die cryptovision GmbH.

Während Caesar bei seinen Feldzügen vor mehr als 2000 Jahren eine einfache Text-Chiffre ausreichte, um seine Daten geheim zu halten, gibt es heute einen eigenen Zweig in der angewandten Mathematik, der sich mit Verschlüsselung beschäftigt. In E-Mails und Chipkarten liegen die Geheimnisse, die heute gesichert werden müssen - und neuerdings auch in europäischen Reisepässen der neuen Generation.

Geschäftsführer Uwe Krieger hat so ein Exemplar dieser neuen Pässe mit integriertem Chip im Büro liegen. Cryptovision hat im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) für den Schutz der sensiblen Daten auf dem Chip gesorgt. Der Mathematiker legt den Pass auf einen Scanner, der mit einem Computer verbunden ist. Wenige Sekunden später erscheinen auf dem Bildschirm Foto, persönliche Daten sowie zwei Fingerabdrücke des Pass-Inhabers. "Dieses Bild bekommt der Zollbeamte in Frankreich oder Spanien so nicht zu sehen", sagt Krieger - Fingerabdrücke und andere biometrische Daten sollen nur deutsche Zollbeamte lesen dürfen.

Um dies zu gewährleisten und um die Daten gleichzeitig vor Fälschung zu schützen, setzt cryptovision auf ein neues Verfahren. Die ECC-Technologie, eine Verschlüsselungsart auf Basis elliptischer Kurven, ist das Spezialgebiet der Gelsenkirchener, hier ist das Unternehmen Marktführer. Die neue Technik funktioniert bei gleicher Sicherheit schneller und braucht weniger Speicherplatz.

Andreas und Markus Hoffmeister, zwei Brüder und Mathematiker, haben cryptovision 1999 gegründet. "Wir wussten, dass die bisherigen Verschlüsselungstechniken bald an ihre Grenzen stoßen würden", sagt Andreas Hoffmeister. Das Unternehmen beschäftigt 45 Mitarbeiter, darunter rund 30 Entwickler. Die Geheimniskrämer aus Gelsenkirchen sind Mathematiker und Programmierer; ihr Arbeitsmaterial sind Computer und Algorithmen -höhere Mathematik im Dienste des Datenschutzes.

Als vor drei Jahren der Film "Enigma" um die Chiffriermaschine des deutschen Militärs im Zweiten Weltkrieg in die Kinos kam, erhielten die Kunden von cryptovision Kinokarten als Weihnachtspräsent. So spannend wie im Kino ist der Arbeitsalltag im Gelsenkirchener Wissenschaftspark nicht - obwohl sich die Mathematiker auch hier mit der Entschlüsselung beschäftigen.

"Labor" nennen die Mitarbeiter den Raum im Obergeschoss, in dem sie versuchen, Angriffe aufs System zu rekonstruieren - um daraus zu lernen und die Technik noch sicherer zu machen. Auf dem Monitor eines Oszilloskops beobachten sie die Spannungskurve in dem Moment, in dem die Daten vom Chip einer Karte gelesen werden. Die ideale Kurve lässt keinen Rückschluss auf die Art der Daten zu - das ist das Ziel.

Über Romane wie "Digital Fortress" des amerikanischen Bestseller- Autors Dan Brown, in dem der US-Geheimdienst hinter einem neuen Verschlüsselungssystem herjagt, kann Uwe Krieger jedenfalls nur schmunzeln. "Ich lese das schon gerne", gibt er zu, "aber mit der Realität hat das wenig zu tun." In der Realität diskutieren Kryptographen auf Kongressen über ihre Verfahren und informieren sich gegenseitig über Fortschritte. Verschlüsselungsexperten, die ihre Verfahren öffentlich machen? "Klar", sagt Uwe Krieger, "top secret ist nur der Schlüssel, nicht das Verfahren." Top secret - genauso lautet übrigens die Auflösung der Caesar-Chiffre vom Anfang.

Kontakt:

cryptovision

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

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