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10.06.10Kommentieren

Interview mit Carolin Maras, Black Pirate Coffee Crew

"Zweifel wirken oft wie ein Katalysator und bringen einen dazu, noch mehr Gas zu geben ..."

Die beiden Schwestern Carolin Maras und Annika Poloczek hatten es eines Tages satt, einfach nur anonymen "Kaffee" zu trinken und wollten von da ab genau wissen, was sie da eigentlich zu sich nehmen und wie man es macht. Und weil das andere auch noch gerne wissen wollten, haben sie kurzerhand einen Online-Handel " Black Pirate Coffee Crew" für Kleinröstereien ins Leben gerufen. Folgen Sie Carolin Maras Bericht über die Widrigkeiten, aber auch die schönen Momente im Leben eines Kaffepiraten.

Black Pirate Coffee CrewBlack Pirate Coffee Crew

Ich begrüße Sie Frau Maras. Heute möchten wir einiges über Ihr eCommerce-Start-up "Black Pirate Coffee Crew" erfahren. Doch zuerst einmal: Als was haben Sie vor der Unternehmens-Gründung gearbeitet? Was für Eigenschaften und Fähigkeiten haben Sie mit in die Gründung gebracht?

Carolin Maras: Nach meinem Studium der Amerikanistik mit BWL und Psychologie an der Universität Frankfurt habe ich ein Volontariat in einer kleinen PR-Agentur in Frankfurt gemacht. Nach dem Volontariat habe ich dort noch ein Jahr als PR-Beraterin gearbeitet, bevor ich mich zusammen mit meiner Schwester selbständig gemacht habe. Die Eigenschaften und Fähigkeiten, die ich in unser Start-Up mitgebracht habe, lagen also vor allem in den Bereichen PR und Kommunikation. Beide Bereiche betreue ich nun auch bei der Black Pirate Coffee Crew.

Nun wollen wir aber von Ihnen erfahren, was es mit der Black Pirate Coffee Crew (BPCC) auf sich hat: Schildern Sie uns doch bitte einmal genau Ihr Geschäftskonzept!

Maras: Im Oktober 2009 hissten wir die Segel und gingen mit der Black Pirate Coffee Crew – dem weltweit ersten Shopping-Club für Kaffeefreunde - online. Mit unserem Konzept sollen vor allem Kleinröster eine Plattform erhalten, auf der sie ihre hochwertigen Kaffees einer passgenauen Zielgruppe vorstellen können. In regelmäßig wechselnden Verkaufsaktionen werden besondere Kaffees sowie das passende Kaffee-Zubehör angeboten und ausführlich über Herkunft, Qualität und Verarbeitung informiert. Ziel ist es, gerade der jüngeren Generation von bewussten Kaffeetrinkern eine Alternative zum industriellen Kaffee-Einheitsbrei zu bieten. Eine stetig wachsende Bibliothek über Kaffeewissen steht Mitgliedern kostenlos zum Download zur Verfügung. So kann jeder zum echten Kaffeekenner werden.

Durch unser progressives (manchmal auch als leicht provozierend empfunden) Design, wollen wir das bisherige Kaffee-Image entstauben: Bei uns gibt es keine Bilder von Frauen, die vor dem Kamin eine dampfende Tasse Kaffee trinken, das kann und will doch keiner mehr sehen.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, sich der Kaffeebereitung und dem Verkauf zu widmen? Entstand das eher aus persönlichem Interesse oder aus unternehmerischem Kalkül heraus?

Maras: Die Idee zur Black Pirate Coffee Crew kam uns im Sommer 2008, als wir in unserer Heimatstadt Freiburg im Café saßen und beschlossen, dass mal endlich einer nachfragen muss. Keiner der anwesenden Kellner wusste nämlich, woher der gerade servierte Espresso kommt, welche Bohne das eigentlich ist. Für uns ein Schlüsselerlebnis – Wie kann das sein? Als echte Badenserinnen waren wir schließlich mit einer ständigen Informationsflut über die dort angebauten Weine aufgewachsen. Kaffee, dessen Qualität ebenso wie bei Wein unter anderem auf Herkunftsland und Anbau basiert, wird hingegen immer noch als Katze im Sack verkauft. Das war der Moment in dem wir beschlossen von nun an selbst mit Kaffee zu handeln. Aber nicht mit irgendeinem: Kleinröster wollen wir unterstützen. Denn schon nach kurzer Recherche wurde uns klar, dass es unzählige kleine Röstereien allein in Deutschland gibt, die Kostbarkeiten rösten, mit denen der Massenkaffee in deutschen Tassen nichts zu tun hat. Der ursprüngliche Funke zu unserem Start-Up entstand also erst einmal aus einem persönlichen Interesse heraus.

Ich denke aber, dass jeder Gründer beide Aspekte – also das persönliche Interesse in eine Sache und das unternehmerische Kalkül - untersuchen sollte, bevor er gründet. Wenn ich mich mit etwas selbständig mache, das mich persönlich zwar interessiert und begeistert, für das es aber keine Nachfrage gibt, ist der Erfolg eines solchen Konzeptes eher fragwürdig. Bei uns ergab sich der erfreuliche Zufall, dass unser persönliches Interesse und unsere Leidenschaft auf ein durchaus großes Marktpotential stieß – mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 148 Litern ist Kaffee nämlich das meist getrunkene Getränk der Deutschen, noch vor Wasser und Bier. Und im weltweiten Vergleich sieht es nicht viel anders aus.

Der Markt, auf dem wir uns mit der Black Pirate Coffee Crew bewegen, bietet also eine große Nachfrage und damit auch genug Potential für Neueinsteiger. Die Nische, die wir uns mit unserem Start-Up gesucht haben, nämlich das Angebot von hochwertigen Produkten kleiner Handwerksbetriebe (Kleinröstereien), war bisher nur unzureichend besetzt – das haben wir ausgenutzt.

"Black Pirate Coffe Crew" - Wie sind Sie auf den ausgefallenen Namen gekommen? Und warum hätte es "Maras Kaffeehandel" nicht auch getan?

Maras: Der Name war eigentlich recht schnell gefunden. Das "Black" steht für unsere Vorliebe für Kaffee, den wir am liebsten schwarz trinken. Das Piratenthema lag unserer Meinung auch nahe, schließlich sind wir immer auf der Suche nach dem schwarzen Gold, der perfekten Bohne. Eine Schatzsuche wie bei echten Piraten. Dass wir einen englischen Firmennamen gewählt haben, lag vor allem daran, dass sich die deutsche Sprache oftmals etwas sperrig und umständlich verhält. Und natürlich kalkuliert man als begeisterter Gründer ja auch immer gleich eine Expansion ins Ausland mit ein J, da ist ein englischer Firmenname einfach besser. Unsere deutschen Wurzeln wollen wir natürlich nicht verleugnen, deshalb nennen wir uns im Alltag oft einfach "Die Kaffeepiraten" – dabei gibt es dann wirklich keine Verständnisprobleme mehr.

Welches waren denn die schwierigsten Schritte, bis Sie, angefangen von dem Entschluss zu gründen, schließlich das erste Päckchen Kaffee an Ihre Kunden verkaufen konnten?

Maras: Bei uns lagen und liegen die größten Schwierigkeiten ganz klar im technischen Bereich. Da wir im Team keine Programmierer haben, mussten wir diesen Bereich von Anfang an auslagern. Diese Dienstleistung einzukaufen, geht nicht nur ins Geld. Da der Online-Shop das Herzstück unseres Konzeptes ist, war es natürlich von Beginn an unerlässlich, dass sämtliche Abläufe reibungslos funktionieren. Leider mussten wir hier die ein oder andere spitze Klippe umsegeln und viele Seestürme über uns ergehen lassen. Mittlerweile steht unser Flagschiff aber ganz gut da, wie wir finden. Eine weitere Schwierigkeit liegt noch immer im finanziellen Bereich. Da wir die Black Pirate Coffee Crew komplett aus eigenen Mitteln finanzieren, sind die Golddukaten bei uns an Bord leider immer etwas knapp. Das macht manchmal keinen Spaß aber durchaus erfinderisch. Wenn man sich täglich überlegen muss, welche PR- oder Marketing-Maßnahmen man machen kann, ohne dafür Geld auszugeben, muss man schon kreativ sein. Vieles läuft ohne Geld einfach langsamer, wir sind dafür aber umso stolzer, wenn wir sehen was wir trotz geringer Mittel schon alles erreicht haben.

Und welche Fähigkeiten mussten Sie sich auf dem Weg zum eCommerce-Unternehmer noch aneignen?

Maras: Vor allem technisches Know-How. Wenn man externen Dienstleistern – egal aus welcher Branche – nicht ganz genau sagt, was man will und wie man es will, dann geht man ganz schnell unter. Um mit Programmierern zu diskutieren und sie sinnvoll zu briefen, sollte man selbst über ein gewisses technisches Verständnis verfügen und vor allem relevante Fachbegriffe zumindest schon mal gehört haben. Sonst dreht man durch und die Programmierer auch. Da wir mit einem bestimmten Shop-System arbeiten, mit dem ich zuvor noch nie etwas zu tun hatte, musste ich mir auch hierzu alle relevanten Informationen und Fähigkeiten aneignen, damit wir es richtig einsetzen und bedienen können. Ich habe also in der Anfangsphase unserer Gründung viele Handbücher gelesen und mich auf den relevanten Internet-Foren herumgetrieben. Das war ziemlich hart, da dieser Bereich bisher nicht unbedingt zu meinen persönlichen Interessen gezählt hat und ich mir teilweise wie ein Analphabet vorkam.

Woher beziehen Sie eigentlich Ihre Produkte und wie ist der Kontakt zu den Produzenten/Händlern zustande gekommen?

Maras: Die Kaffees beziehen wir direkt von den Kleinröstern, die wir in regelmäßigen Abständen auf unserer Plattform präsentieren. Unsere eigene Kaffeemarke lassen wir von Niehoff´s Kaffeerösterei rösten. Das sind echte Pioniere im Bereich des nachhaltigen und biologischen Kaffeeanbaus und seiner Verarbeitung. Sie arbeiten schon seit Jahren mit den gleichen Plantagen zusammen, haben mit den Kaffeebauern Langzeit-Verträge abgeschlossen und bezahlen einen Preis, der sich an den Bedürfnissen der Farmer und nicht am Weltmarktpreis oder an den vorgegebenen Preisen von irgendwelchen Organisationen orientiert.

Zu Beginn unseres Projektes haben wir die Kleinröster selbst kontaktiert, sind in Deutschland und Österreich herumgefahren, haben uns persönlich vorgestellt und Kontakte geknüpft. Mittlerweile rufen uns die Kleinröster von selbst an und wollen eine Kooperation mit uns eingehen.

Hatten Sie oder Ihre Schwester jemals Zweifel an dem von Ihnen beschrittenen Weg?

Maras: Natürlich. Das hat man als Gründer in regelmäßigen Abständen und das ist auch gut so. Zweifel wirken oft wie ein Katalysator und bringen einen dazu, noch mehr Gas zu geben oder noch bessere Ideen zu entwickeln. Die berühmten Steine, die einem als Gründer in den Weg gelegt werden, sind groß und zahlreich. Dass einem da ab und zu Zweifel kommen, ist menschlich. Die Zweifel bei uns sind aber nie in Bezug auf unser Konzept, denn das finden wir nach wie vor toll und denken, dass wir damit auch viele andere begeistern können. Zweifel kommen bei uns eher in Bezug auf die äußeren Umstände, die mit unserer Gründung einhergehen. Schließlich sind wir beide aus Großstädten in die niederbayerische Provinz gezogen, um den Traum von der Selbständigkeit zu realisieren. Ich habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag sausen lassen, innerhalb von vier Wochen meine Wohnung gekündigt und alles, was ich mir in 10 Jahren in Frankfurt aufgebaut hatte, zurück gelassen. Das war schon ein großer Einschnitt.

Welche Posten waren bei der Gründung am kapitalintensivsten? Hatten Sie eventuell sogar einige Ausgaben unterschätzt?

Maras: Das meiste Geld hat natürlich die Programmierung unseres Shops verschlungen. Wie ich schon gesagt habe, haben wir unser Start-Up komplett aus eigenen Mitteln finanziert. Das heißt, dass wir von Anfang an ziemlich knapp kalkulieren mussten und einige Ausgaben auf jeden Fall unterschätzt haben. Da wir aber schon ab dem dritten Geschäftsmonat break-even waren, konnten wir überraschend auftretende Kosten sehr schnell aus dem Cashflow decken.

Wie schaut es denn mit Ihrem Umsatz aus? Halten Sie mit den Einschätzungen aus Ihrem Businessplan Schritt?

Maras: Unsere Umsätze sind konstant steigend und gehen damit in die richtige Richtung. Da wir nur zu zweit sind und das Startkapital sehr knapp war, läuft bei uns vieles langsamer, als bei fremdfinanzierten Start-Ups oder Start-Ups mit einem großen Startkapital. Das wussten wir aber von Anfang an und sind daher mit unserem etwas verlangsamten Wachstum nicht unzufrieden.

Erzählen Sie uns doch zum Abschluss bitte etwas über Ihre Pläne zu BPCC: Werden Sie die Angebotspalette noch erweitern? Werden Sie expandieren? Erwarten den Kunden neue Aktionen oder Angebote?

Maras: Alle Fragen kann ich mit einem lauten „Ja!“ beantworten. Unsere Angebotspalette erweitern wir seit dem Start kontinuierlich und werden damit auch nicht aufhören. Es wird in Kürze sowohl mehr Kaffee-Zubehör wie z.B. Mühlen etc., als auch weitere Kaffees in unserem Shop geben. Und auch in Bezug auf die Interaktion mit unseren Kunden und Club-Mitgliedern steck schon einiges in der Pipeline. Wir wollen den Club- bzw. Crew-Gedanken weiter stärken indem wir die Kunden verstärkt einbinden, schließlich sitzen wir ja alle in einem Boot.

Eine Expansion in andere Länder haben wir natürlich auch im Hinterkopf – das wird aber sicher noch ein Weilchen dauern.

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview.

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