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02.09.10Kommentieren

Interview mit Daniel Holle, tvype

"Zum Gründeralltag gehört allerdings so viel mehr. Man muss bereit sein, ins kalte Wasser zu springen ..."

Vor kurzer Zeit erblickte tvype das Licht der Welt, ein Start-up, das mit einem Angebot an Bürgerjournalisten Furore machen will. Gründer Daniel Holle berichtet uns heute davon, welches Konzept hinter tvype steht und welchen Schwierigkeiten er und sein Team noch gegenüber stehen. Prädikat: Lesenswert!

Daniel Holle, tvypeDaniel Holle, tvype

Guten Tag Herr Holle, Sie haben ein neues Start-up gegründet, mit dem Sie ordentlich Aufsehen erregen wollen. Doch bevor wir darüber sprechen, erzählen Sie uns doch ein wenig über sich! Was haben Sie gelernt? Womit verdienen Sie Ihr Geld? Was treibt sie an?

Daniel Holle: Guten Tag Herr Herrmann. Ich bin seit einigen Jahren in der Telekommunikations- und Medienbranche unterwegs. Bei der Unternehmensberatung Accenture war ich einige Jahre als Strategieberater für Innovationsmanagement und Produktentwicklung tätig. Danach habe ich an meiner Doktorarbeit zum Thema der Entwicklung von Konvergenzprodukten in den Telekom- Internet- und Medienmärkten gearbeitet. Dazu habe ich auch an der UC Berkeley geforscht, wo mich der Austausch und die Gespräche mit anderen Gründern aus dem Silicon Valley entscheidend inspiriert haben, meine Ideen in einem eigenen Startup umzusetzen. So ist tvype entstanden. Wir wollen das phänomenale Bildmaterial, das auf Handys schlummert, der Öffentlichkeit verfügbar machen und den Bild- und Video-Urhebern wiederum eine neue Einnahmequelle eröffnen. Als Schnittstelle zwischen Redaktionen und Bürgerreporter können wir hochaktuelle Nachrichten-Bildmaterialien liefern, die unwiederholbare Momente einfangen. Jeder hat die Möglichkeit über Ereignisse aufzuklären, wodurch Zeitgeschichte emotional aufgeladen wird – das fasziniert mich unglaublich.

Mit tvype wollen Sie ins Thema Bürgerjournalismus einsteigen. Auf Bild.de klappt das recht gut. Der Stern hat allerdings sein Programm "Tausendreporter" eingestellt. Andere Angebote sind: deutschlandreporter, netzzeitung, center.tv und bald ja auch buzzriders. Was wollen Sie anders/besser machen als die Konkurrenz?

Holle: tvype sieht sich als neutraler Vermittler zwischen Bürgerreportern und Medienunternehmen. Bei uns steht im Fokus, für Bildmaterial mit Nachrichtenwert auch ein gerechtes Honorar zu erhalten. Ein weiterer Punkt ist der strukturierte Aufbau des Marktplatzes, von dem besonders Redaktionen profitieren. Durch Vorauswahl, Lizensierung, Rechtemanagement und personalisierte Suche bietet tvype Nachrichtenredakteuren eine vereinfachte und legale Möglichkeit, nutzergenerierte Inhalte in Ihre Berichterstattung einzubinden. tvype ist neutral, professionell und technisch sehr weit entwickelt.

In einem Journalisten-Handbuch wurde der Begriff "Nachricht" wie folgt definiert: "Als 'Nachricht' bezeichnet man nicht nur das 'publizistische Rohmaterial', sondern auch einen bestimmten Typ journalistischer Darstellungsformen. Dabei wird die Vermittlung von Informationen in möglichst knapper, unparteilicher Weise angestrebt." Wie ist Ihre persönliche Definition von "Nachricht"?

Holle: Prinzipiell ist alles, was passiert und das Leben anderer Menschen beeinflussen kann, eine Nachricht. Eine Bildnachricht ist zudem eine sehr authentische Form der Nachricht. Ob textlich oder bildlich, ein Ereignis kann immer nur ausschnitthaft dargestellt werden. Hier liegt es vor allem bei der Kompetenz eines Journalisten, eine Vielfalt an Perspektiven und Ausschnitten in die Berichterstattung zu integrieren, um das Puzzle möglichst vollständig der Öffentlichkeit zu präsentieren. tvype versteht sich hierbei als Hilfe, dieses Puzzle durch besonderes Bildmaterial zu vervollständigen. Die letztendliche Berichterstattung stellt am Ende der Journalist zusammen.

Sicherlich wollen Sie den bürgerlichen Berichterstattern doch einen finanziellen Anreiz bieten, wenn sie Ihre Meldungen und Materialien bei Ihnen veröffentlichen. Wie genau sieht das Vergütungsmodell aus?

Holle: Ein transparentes Vergütungsmodell und die angemessene Entlohnung des Bürgerreporters sind uns sehr wichtig. Bei exklusiver Vermittlung erhalten die Bürgerreporter über tvype 70 Prozent des Verkaufspreises. Bieten die Urheber ihre Fotos und Videos auch noch auf anderen Seiten an, erhalten sie 50 Prozent des Erlöses. Auch an sämtlicher Weiterlizenzierung und an Werbeeinnahmen verdient jeder Bürgerreporter zu genau den gleichen Anteilen mit. 100 Prozent transparent, 100 Prozent fair.

Wie schaut es eigentlich mit Ihren Kunden, den Nachrichtenredaktionen, aus? Haben Sie schon wichtige Kontakte knüpfen können?

Holle: Wir arbeiten aktiv daran, feste Kooperationen zu vereinbaren und werden in naher Zukunft mehr dazu verkünden können. Momentan werden nachrichtenrelevante Videos und Fotos über tvype in erster Linie von freien Journalisten oder für einzelne Berichte gekauft. Seit kurzem bieten wir mit unserer tvype White Label Leserreporter Lösung auch ein neues Produkt für Medienunternehmen an. Dadurch helfen wir Redaktionen ein eigenes Leserreporter Angebot aufzubauen, auch wenn Sie kein Budget wie die BILD Zeitung haben. tvype stellt die Technologie inkl. iPhone App und unser gesamtes Know How zur Verfügung. TV, Online oder Print Redaktionen wird es somit sehr einfach gemacht, eigene Bildmaterialien ihrer Leser beziehungsweise Zuschauer zu bekommen, oft auch mit stark lokalem Fokus. Das wird unsere Zusammenarbeit mit Nachrichtenredaktionen stärken.

Bitte berichten Sie doch unseren Lesern, wie Sie den Start von tvype finanziert haben? Haben Sie Fördermittel beantragt oder auf eine staatliche Zugabe verzichtet?

Holle: Wir werden wir mit dem EXIST Gründerstipendium der Europäischen Union gefördert und konnten einen Privatinvestor für die Idee von tvype gewinnen. Damit sind wir derzeit solide finanziert. Spätestens mit der Internationalisierung von tvype werden wir auch Venture Capital oder strategische Investitionen anvisieren.

Hand aufs Herz: Wann rechnen Sie das erste Mal mit schwarzen Zahlen?

Holle: In der Anfangsphase von tvype, das heißt vor allem im ersten Geschäftsjahr, wollen wir uns nicht von dem Druck, möglichst schnell Gewinne zu generieren, hetzen lassen. Zuerst gilt es, in unser Team und unsere Technologie zu investieren. Ebenso hängt die Geschwindigkeit, mit der wir schwarze Zahlen schreiben werden, von zukünftigen Kooperationen ab. Wir arbeiten auf jeden Fall hart daran, diesen Prozess zu beschleunigen.

Wie kam eigentlich die Idee für tvype zustande? Wann war der Zeitpunkt, wo Sie sich sicher waren: "Ich werde gründen"?

Holle: Mich faszinieren Bilder. Momente und Situationen können mit nichts anderem besser eingefangen werden als mit Fotos und Videos. Dieser Teil rührt von meinen persönlichen Erfahrungen her. Der andere Teil ist natürlich mein beruflicher Hintergrund. Die konkrete Idee zu tvype kam mir während meiner Promotion über die Konvergenz von Übertragungskanälen und Medienformaten, gepaart mit neuen Geschäftsmodellen in Telekom, Internet und Medienmärkten. Der tatsächliche Auslöser für die Gründung war wohl mein Forschungsaufenthalt an der UC Berkeley 2009. Der Gründungsspirit im Silicon Valley ist einfach ansteckend. 

tvype ist Ihre erste Gründung. Welche Dinge haben Sie gelernt, die Sie nicht schon vorher wussten?

Holle: Fachlich habe ich mich bereits intensiv mit meinem Gebiet auseinandergesetzt und viele Erfahrungen gesammelt. Was bei einer Gründung alles auf einen zukommt, übersteigt dies jedoch bei Weitem. Das fängt bei Anträgen für Stipendien an und endet dabei, sein eigener Chef zu sein und Mitarbeiter zu beschäftigen. Dazwischen liegen eine ganze Menge Aufgaben, auf die man gar nicht immer vorbereitet sein und an denen man nur wachsen kann. Eine Gründung ist eine sehr gute Erfahrung für das persönliche Wachstum, das kann ich sehr empfehlen. Ich denke auch, dass wir das Gründertum in Deutschland mehr anerkennen und fördern sollten.

In wie weit hat Sie Ihr Studium eigentlich auf den Gründeralltag vorbereitet?

Holle: Ich habe BWL studiert. Da lernt man bereits viele Dinge, die im späteren operativen und strategischen Unternehmensalltag von Bedeutung sind – Businesspläne, Projektmanagement und Controlling zum Beispiel. Zum Gründeralltag gehört allerdings so viel mehr. Man muss bereit sein, ins kalte Wasser zu springen und durch Learning by Doing, aufmerksames Beobachten, sowie den Austausch mit anderen Gründern nachzuholen.

Vielen Dank für das Interview, ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

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