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03.08.07Kommentieren

Interview mit Stefanie Springer, MFG Baden-Württemberg mbH

"Ziel ist, Businessideen gezielt mit Kapital und Know-how zusammenzubringen"

förderland im Gespräch mit Stefanie Springer, Projektleiterin Innovationsförderung, MFG Baden-Württemberg mbH, über Netzwerken, Technologietransfer und die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen.

Stefanie SpringerStefanie Springer ist Projektleiterin Innovationsförderung bei der MFG Baden-Württemberg mbH. Bild: Springer

förderland: Frau Springer, würden Sie sich, Ihre Tätigkeit und die MFG Baden-Württemberg mbH bitte kurz vorstellen?

Stefanie Springer: Gerne, die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH ist als Innovationsagentur des Landes für IT und Medien mit den Schwerpunkten Informationstechnologie, Software, Telekommunikation und Creative Industries eine der führenden Einrichtungen für systemische Standortentwicklung in Europa. Ziel unserer Arbeit ist vor allem die Förderung und Vernetzung von Technologiebranchen und Kreativwirtschaft.

Ich selbst bin als Projektleiterin für die Innovationsförderung verantwortlich. Das heißt vor allem IT- Unternehmer und IT-Forscher im Land Baden-Württemberg zu vernetzen und vielversprechende Innovationen und Talente zu entdecken und zu fördern.

Das muss man sich so vorstellen: Generiert wird jedes Jahr eine Vielzahl von Forschungsergebnissen, die zu einem hohen Prozentsatz auch für Anwendungen in der Wirtschaft in Frage kommen. Doch vom Forschungsergebnis bis zur Innovation als Produktneuheit ist es meist ein weiter Weg. Diesen Weg zu ebnen, ist meine Aufgabe.

Dazu haben wir verschiedene Maßnahmen und Technologietransferplattformen zu einer Innovationswertschöpfungskette installiert. Diese reicht von der gezielten Entdeckung und  Förderung junger und kreativer Nachwuchstalente im Rahmen des Karl-Steinbuch-Stipendiums, über die Vernetzung der zentralen Akteure der Softwareforschung und -entwicklung durch den do it.software-forschungstag, bis hin zur Unterstützung bei der Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen durch die Plattform "Heidelberger-Innovationsforum".

förderland: Worum geht es beim Heidelberger Innovationsforum? Könnten Sie das Konzept bitte kurz erläutern?

Springer: Das Heidelberger Innovationsforum zielt auf den Transfer und die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen und die Unterstützung von New Business Development. Hintergrundkonzept der Veranstaltung ist das Open-Innovation-Paradigma aus Harvard. Ziel ist, Businessideen aus der IT-Forschung und/ oder von jungen Unternehmen gezielt mit Kapital und Unternehmer-Know-how zusammenzubringen.

Zweimal jährlich werden dazu unternehmerische IT-Forscher und forschende IT-Unternehmer von uns eingeladen, ihre Innovationsideen und Forschungsergebnisse einem hochkarätigen Publikum aus Wirtschaft und Wissenschaft vorzustellen. Für eine angenehme Networking-Atmosphäre sorgt dabei die repräsentative Villa Bosch der Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg. Die nächste Veranstaltung findet am 27. und 28. November 2007 statt.

Die Vorstellungen der Businessideen verläuft dabei als Projekt-Pitch, in Anlehnung an den Elevator Pitch. Jedem Team stehen zehn Minuten zur Verfügung, um das Publikum zu überzeugen und passende Partner sowohl auf Forscher- als auch auf Unternehmer- und Kapitalgeberseite auf sich aufmerksam zu machen. Im Idealfall können die Beiträge so überzeugen, dass langfristige Technologietransfer-Beziehungen und ein Matchmaking zwischen IT-Forscher und Ideengeber, interessierten Industriepartnern und Kapitalgebern entstehen.

förderland: Von wem wurde das Heidelberger Innovationsforum ins Leben gerufen und warum?

Springer: Ins Leben gerufen wurde das Heidelberger Innovationsforum von der MFG Baden-Württemberg gemeinsam mit unserem Partner, der European Media Laboratory (EML) GmbH in Heidelberg. Das EML ist ein privates IT- Forschungsinstitut, das von SAP-Mitbegründer Dr. h.c. Klaus Tschira ins Leben gerufen wurde. Gemäß dem Grundsatz "Think Beyond the Limits!" forscht das EML mit großem Erfolg in den Bereichen mobile Assistenzsysteme, Bio-Informatik, der Systembiologie und der Computerlinguistik. Dabei steht stets im Mittelpunkt, innovative IT-Lösungen zu entwickeln und gemeinsam mit anderen Firmen in neuartige Anwendungen zu überführen.

förderland: Was müssen IT-Forscher tun, um ihre F&E-Ergebnisse und -Projektideen auf dem Innovationsforum präsentieren zu können?

Springer: Ganz einfach - sie antworten auf den Call for Proposals! Für die nächste Veranstaltung im November können noch bis zum 7. September 2007 Geschäftsideen und Ergebnisse aus dem Bereich IT bei uns eingereicht werden. Zur Vorbereitung der Projekt-Pitches bieten wir den Referenten zusätzlich ein Intensivseminar gemeinsam mit Auxell-Coaching an. Die Teilnehmer finden auch jedes Mal viel Lob für das Coaching und fühlen sich für den Pitch vor potentiellen Investoren bestens gerüstet.

förderland: Wer entscheidet darüber, welche Projekte schließlich vorgestellt werden?

Springer: Die Auswahl aus den Einreichungen treffen wir in enger Abstimmung mit unserem Partner, dem Geschäftführer und wissenschaftlichen Leiter der EML GmbH, Prof. Dr. Andreas Reuter. 

förderland: Die Veranstaltung dient der Vermarktung und Finanzierung von IT-Forschungsprojekten. Wie viele erfolgreiche Transfers konnten Sie seit Bestehen des Innovationsforums schon "einfädeln"?

Springer: Das Heidelberger Innovationsforum kann in seiner jungen Geschichte auf eine beachtliche Erfolgsquote hinweisen. Beispielsweise sind über 30 Public Private Partnerships zustande gekommen und es wurden etliche Transfer- und Lizenzgeschäfte erfolgreich angebahnt.

Ein gutes Beispiel ist die Fingerabdruck-Technik "S2I", mit der sich digitalisierte Dokumente vor Fälschungsangriffen schützen lassen und die von Professor Bernhard Wirnitzer von der Hochschule Mannheim auf dem 1. Heidelberger Innovationsforum im November 2005 präsentiert wurde. Eingesetzt wird diese Technologie mittlerweile bei dem Weltmarktführer für Stempelhersteller TRODAT.

förderland: Gibt es eine Success Story, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Springer: Eine spezielle "Lieblings"-Success Story habe ich nicht, aber ich nenne Ihnen gerne weitere Beispiele. Ebenfalls 2005 angestoßen wurde der Transfer von Carsten Waldeck, der seine Softwarelösung "Liquid Browsing" als Add-On für das Betriebssystem von Apple integrieren konnte. Im Jahr 2006 waren es vor allem Ideen aus dem Bereich Life Science, die Erfolg hatten. Die damals von der Universitätsklinik Heidelberg vorgestellte web-basierte Datenbank AiDKlinik, mit der Mediziner, Pharmazeuten und Pflegepersonal Risken von Medikamenten sekundenschnell abfragen können, wird heute an mehreren Kliniken eingesetzt. Oder auch der mobile Stadtführer der Heidelberg mobil GmbH - all dies sind erfolgreiche Transfergeschäfte des Heidelberger Innovationsforums. 

förderland: Wie wichtig ist Networking für erfolgreiche Transferarbeit?

Springer: Sehr wichtig. Networking ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Technologietransfer und eine systematische Innovationsförderung. Die Herstellung von "One-to-One-Kontakten" ist deshalb eine der Grundprinzipien der Arbeit der MFG, denn die neuen Paradigmen der globalen Informationsgesellschaft heißen: "öffnen", "verbinden" und "teilen".

Auch wenn man sich empirische Längsschnittstudien zu erfolgreichen Innovationen anschaut, erkennt man deutlich, dass an der Entstehung eines erfolgreichen Produkts, einer erfolgreichen Innovation, eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure beteiligt ist, die das eigentliche Geschäftsfeld gemeinsam formen. Diese Akteure benötigen eine Infrastruktur, die die MFG bietet. 

förderland: Welche Rolle spielt die MFG Baden-Württemberg mbH im regionalen Innovationsgeschehen?

Springer: Die MFG setzt, wie gesagt, an der hohen Bedeutung des Networkings an. Unsere Kernkompetenz liegt im langfristigen Aufbau von Beziehungsnetzen, Wissensräumen und Kooperationsstrukturen für zukunftsweisende Innovationsthemen, wie beispielsweise Visual Computing, Unternehmenssoftware oder - aus einer ganz anderen Ecke - Kreativwirtschaft. In unserem systemischen Innovationsansatz spielt insofern die enge Verflechtung von Themen- mit Beziehungsmanagement eine zentrale Rolle, um die wichtigen Entscheider zusammenzubringen und so die Entstehung neuer Geschäftsfelder und dynamischer regionaler Innovationscluster zu unterstützen.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

© 2007 förderland

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