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23.12.09Kommentieren

Interview mit gruenspar.de

Wir wollten von vorne herein ein Unternehmen gründen, das wir mit unseren eigenen Mitteln bestreiten können

Heute berichten die Start-up-Newcomer von gruenspar.de, einem Webshop für ökologischen Konsum, im Interview von ihren Anfängen, Mühen und Plänen und mit welchen Konzepten sie ihre Kunden überzeugen möchten. Warum die beiden Jungs im Grunde aber gar keine Newcomer mehr sind und was sie noch alles in petto haben, erfahren Sie hier im Interview.

Team gruenspar.deTeam gruenspar.de

Guten Tag Herr Ferfers, heute sprechen wir über Ihr Start-up gruenspar.de sowie über das Gründungsteam und über den bisherigen Weg. Doch zu allererst: Stellen Sie sich doch einmal kurz vor! Was sind Ihre Qualifikationen, was treibt Sie an und wer ist noch mit von der Partie?

Martin Ferfers: Guten Tag. Ich bin 27 Jahre alt und einer der beiden Gründer von Grünspar. Kreativität und Unternehmertum würde ich als meine beiden Steckenpferde bezeichnen. So habe ich Kunst/Medien und Germanistik in Oldenburg und European Business in Paris und Berlin studiert. Gleich in welchem Bereich, ist es mein Antrieb durch kreative Ideen und deren Umsetzung "Gutes" zu bewirken. Ein Antrieb, den ich mit meinem Gründungspartner Sebastian Kotzwander teile, mit dem ich noch zu Schulzeiten die Qwan OHG, eine Webdesignagentur gegründet habe. Sebastian ist auch 27 und hat – nicht ganz unpraktisch bei einem Web-Startup – Wirtschaftsinformatik in Münster studiert. Unterstützt werden wir zudem durch vier Mitstreiter im Bereich Blogging, Programmierung und im Vertrieb.

Nun zu Ihrem Start-up, einer Website namens gruenspar.de: Was verbirgt sich dahinter und wie kam es zu der Idee?

Ferfers: Auf gruenspar.de bieten wir Informationen und Produkte, die Privathaushalten dabei helfen, Ressourcen und Energie zu sparen. Wichtig ist uns dabei stets, den individuellen Nutzen des Grünsparens zu kommunizieren: Für jedes Produkt, wie für jeden Einkauf, geben wir daher nicht nur an wie viel CO2 man spart, sondern auch wie viele Euro. Vielen ist bei der teils ideologisiert geführten Klimadebatte noch gar nicht klar, dass direkt und unmittelbar auch Sie selber von einem nachhaltigerem Handeln profitieren würden. Aber Klimaschutz aus Eigennutz funktioniert genauso gut. Die teils unglückliche Kommunikation des Themas war denn auch einer der Aspekte, die uns zu Grünspar geführt haben. Auslöser war jedoch Al Gores Film "Eine unbequeme Wahrheit". Nachdem Sebastian und ich den Film gesehen hatten, ließ uns das Thema nicht mehr los.

Wie gedenken Sie die Seite zu refinanzieren und Gewinn zu machen?

Ferfers: In erster Linie über den direkten Abverkauf unserer energiesparenden Produkte. Darüber hinaus bieten wir Stadtwerken unsere Dienste quasi als Shop as a Service Lösung an, d.h. wir setzen im Design der Stadtwerke einen Online-Shop auf, der als Plattform für alle Tätigkeiten und Aktionen rund um Energie sparen genutzt werden kann. Die Betreuung der Seite erfolgt dabei vollständig durch uns. Letzte Woche ist mit www.swn-energiesparshop.de das Pilotprojekt mit den Stadtwerken Neuss online gegangen.

Nun da die Kopenhagener Klimakonferenz ansteht, wollen alle mal wieder übers Klima und den Umweltschutz reden. Doch wie sieht es in den Privathaushalten aus? Wen wollen Sie ansprechen? Etwa die LOHAS-Zielgruppe? Wieviel Potential ist Ihrer Meinung nach hier vorhanden?

Ferfers: Natürlich versuchen wir zunächst bei Gruppen anzusetzen, die bereits eine stärkere Affinität zum Thema aufweisen, wozu auch sicherlich die von Ihnen angesprochene der LOHAS gehören. Generell sehen wir aber großes Potential bzw. Einsparpotential in nahezu allen Bevölkerungsgruppen – was per se nicht das Beste für ein Start-up ist. Positiv ist, dass das Bewusstsein für Umweltthemen in Deutschland bereits sehr hoch ist. Wo es jedoch hakt, ist an der konkreten Umsetzung. Vielleicht ist es Ihnen auch aufgefallen: Im Zuge des Klimagipfels kamen überraschend viele Psychologen und Soziologen zu Wort, die diese Untätigkeit bemängelten oder versuchten zu analysieren. Ohne auf deren Niveau einsteigen zu wollen: Wir denken, dass Klimaschutz stärker über den individuellen Nutzen kommuniziert werden muss, um die bisher Untätigen zum Handeln motivieren. Wichtig ist, dass gehandelt wird und nicht warum, sprich aus welcher Motivation oder Ideologie heraus.

Kurz zum Thema Business-Plan: Oft ist es ja so, dass viele angehende Unternehmer beim Schreiben des Business-Plans noch auf viele Aspekte treffen, über die sie sich vorher noch gar keine Gedanken gemacht haben. Wie war das bei Ihnen? Welche Ideen mussten Sie noch einmal überdenken oder auf welche Ideen sind Sie dann überhaupt erst gekommen?

Ferfers: Die Idee zu Grünspar kam auf, als wir gerade im Schlussspurt unseres Studiums waren. Das hieß: Zu wenig Zeit zum Gründen, aber genug Zeit an der Idee zu feilen. Daher hatten wir bereits viele Aspekte zumindest angedacht, als wir den Businessplan dann schrieben. Einige Ideen kamen dabei natürlich auch neu auf, wie die Idee einen Affiliate-Bereich mit den energiesparendsten Fernsehern, etc. anzubieten. In der damals angedachten Form haben wir die Idee jedoch vorerst begraben. Auf jeden Fall wurden durch den Businessplan aber die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bausteinen des Konzepts klarer.

Haben Sie überhaupt an Business-Plan- oder Ideenwettbewerben teilgenommen? Was waren Ihre Erfahrungen dort? Hat es Ihnen genutzt?

Ferfers: Wir haben uns am Exist-Förderprogramm versucht, erhielten jedoch eine Absage. Leider war die Beratung von Seiten der Uni Münster etwas, sagen wir einmal "unglücklich". Nützlich war auf jeden Fall, dass wir im Zuge der Bewerbung unseren Businessplan noch einmal präzisiert und genauer ausgearbeitet haben.

Welche finanziellen Hürden mussten Sie bisher nehmen und wie haben Sie sie überwunden?

Ferfers: Wir wollten von vorne herein ein Unternehmen gründen, das wir mit unseren eigenen Mitteln bestreiten können. Daher haben wir auch konsequent auf Outsourcing und eine möglichst schlanke Organisation gesetzt. Niedrigen laufenden Kosten steht bzw. stand jedoch die größte finanzielle Hürde gegenüber, als die sich letztlich die Finanzierung des Lebensunterhalts herausstellte; gerade auch, da die Programmierung der Seite doch mehr Zeit als geplant in Anspruch nahm. Über die Hürde halfen das Ersparte, das ein oder andere kleine Webseitenprojekt und dankenswerterweise auch familiäre Unterstützung.

Nun stehen Sie vor der großen und aufwändigen Aufgabe, Ihre Seite dem Publikum näherzubringen. Wie wollen Sie Ihre zukünftigen Kunden erreichen? Auf klassische Weise ist das doch sehr kostenintensiv? Oder versuchen Sie sich mit Suchmaschinen-Marketing?

Ferfers: Klassiche Werbemaßnahmen sind in der Tat zu kostenintensiv. SEO und SEA bieten uns bei wesentlich geringerem Aufwand mehr Potential. Außerdem setzen wir auf PR-Arbeit, wobei uns nicht zu letzt auch kommende Eigenprodukte von Nutzen sein werden. Auch das Potential unseres Blogs haben wir bis dato noch nicht annähernd ausgeschöpft. Nicht zu letzt helfen Kooperationen mit Stadtwerken und der Wohnungswirtschaft  dabei gruenspar.de bekannter zu machen.

Sie verkaufen auf Ihrer Seite ja auch Produkte. Mussten Sie hier nicht auch Aufgaben der Logistik und des Einkaufs lösen oder sind Sie eher Vermittler?

Ferfers: Letztlich gestaltete sich dieser Bereich weniger aufwendig als gedacht: Die Logistik haben wir an einen Dienstleister outgesourct. Bei ihm werden auch unsere Energiespar-Produkte gelagert. Wir vermitteln also nichts, sondern beziehen die Produkte selbst über Großhändler oder direkt beim Hersteller.

Verraten Sie uns doch zum Abschluss, wie es mit gruenspar weitergeht! Welche Produkte kommen noch hinzu? Wollen Sie weitere Dienstleistungen in dem Bereich anbieten?

Ferfers: Wir haben noch eine Vielzahl innovativer, teils witziger Produkte zum Energie und Ressourcen sparen auf der Liste, die wir nach und nach im Shop einführen werden. Daneben haben wir für 2010 bis dato zwei eigene Produkte in der Planung. Unsere erste Eigenentwicklung ist momentan in der Produktion. Um was es sich handelt, können wir momentan noch nicht verraten. Mitte Januar hoffen wir aber damit endlich an die Öffentlichkeit gehen zu können. Im weitesten Sinne halten wir unsere Tools wie den Einsparrechner auch für Dienstleistungen. Hier werden wir zunächst die existierenden weiter verbessern, bevor wir neue in Angriff nehmen. Mittelfristig könnten auch Kooperationen mit passenden Dienstleistern wie Energieberatern interessant werden. Die letzten Monate haben jedenfalls schon gezeigt, dass sich immer wieder neue Chancen ergeben, die man durch keine Planung erfassen kann. Wir sind jedenfalls gespannt welche dies werden und freuen uns auf den Austausch mit unseren Kunden.

Vielen Dank für das Interview, Herr Ferfers!

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