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30.03.10Kommentieren

Interview mit Dr. Thomas Goette, CEO GreenPocket

"Wir wollen mit und für unsere Kunden wachsen"

Vor noch nicht all zu langer Zeit gegründet, sicherte sich Green Pocket kürzlich auf der Venture Lounge in Bonn beim Pitch vor potentiellen Investoren den ersten Platz. Heute erzählt uns CEO Dr. Thomas Goette, was genau Green Pocket ist und kann, wie es zur Idee kam, welche großen Kunden schon an Land gezogen wurden und wie es um die Konkurrenz und die eigene Marktpositionierung bestellt ist.

Dr. Thomas Goette, CEO GreenPocketDr. Thomas Goette, CEO GreenPocket

förderland: Hallo Herr Dr. Goette, stellen Sie sich doch bitte unseren Lesern kurz vor …

Goette: Sehr gerne. Im Februar 2010 übernahm ich die Position des CEO bei der GreenPocket GmbH (www.greenpocket.de). An Bord geholt hat mich der GreenPocket-Inkubator, die Kölner Schwetje Digital Group. Schwetje Digital entwickelt Geschäftsideen, für die nach der Einführungsphase ein externes Management gesucht wird. Dieses ist dann für die Weiterentwicklung der jungen Unternehmen verantwortlich.

Zuvor beriet ich internationale Unternehmen zu strategischen und technologischen Fragestellungen. Als Principal für Roland Berger, als Partner für DiamondCluster und Oliver Wyman kamen die meisten Beratungskunden aus der Telekommunikations- und Internetwelt. Unternehmerische Erfahrung sammelte ich bei Gründung und Aufbau der Plattform www.woobby.com. Die Erfahrungen aus beiden Welten bieten eine gute Grundlage für die neue Aufgabe.

Die Entwicklung im Telekommunikationssektor seit der Liberalisierung kann in weiten Teilen als Blaupause für bevorstehende Umwälzungen im Energiesektor betrachtet werden. Themen wie Tarifdifferenzierung, Kundensegmentierung und Customer Value Management werden für die Energieversorger aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs und der höheren Wechselbereitschaft der Kunden an Bedeutung gewinnen.

Zudem wird das vielfach zitierte Entstehen eines "Internet der Energie" - oder anders ausgedrückt die Digitalisierung der Kunden-Lieferanten-Beziehungen - zu signifikanten Veränderungen in der gesamten Wertschöpfungskette führen. In den kommenden Jahren werden Web und Strom immer enger miteinander verschmelzen. Die Vernetzung und Steuerung neuer regenerativer und dezentraler Energiequellen setzt allerdings erhebliche Investitionen in den Aufbau einer neuen digitalen Infrastruktur im Energiesektor voraus. Neben neuer Hardware wird hierfür der Einsatz intelligenter neuer Software erforderlich sein. Und genau hier setzt GreenPocket an.

Worum geht es bei GreenPocket. Was bieten Sie Ihren Kunden?

Goette: GreenPocket entwickelt verbraucherorientierte Softwarelösungen, die Energieversorgern dabei helfen, mit den gewaltigen Änderungen, die im Zuge der Einführung von Smart Metering – d. h. digitalen Energiemeßsystemen – bevorstehen, fertig zu werden. Beispielsweise werden Strom- und andere Verbrauchsdaten dank intelligenter Zähler in viel kürzeren Intervallen erfasst und zum Versorger übermittelt als in der Vergangenheit. In der analogen Welt werden die Zähler einmal jährlich manuell ausgelesen. Zukünftig geschieht dies im Sekunden-, Viertelstunden- oder Stundentakt.

Das aber bedeutet, dass die Energieversorger mit einer völlig neuen Datenflut zurechtkommen müssen. Damit aus Daten Informationen werden, die Energieversorgern und Endverbrauchern Nutzen stiften können, wird Software benötigt, die diese Daten sinnvoll verdichtet, interpretiert und für den Verbraucher verständlich und nutzbar aufbereitet.

Bei der Entwicklung unserer Software hatten wir drei Ziele im Fokus:

1. umfassende Analysemöglichkeiten für den Verbraucher bereit zu stellen, um schnell und einfach Transparenz über Verbrauch und Kosten zu erlangen.
2. das Verbrauchsverhalten der Konsumenten durch gezielte Steuerungsimpulse in Richtung Energieeffizienz, Kostenersparnis und umweltbewusstes, verantwortliches Handeln zu lenken
3.  durch einfache und komfortable Nutzerführung die Potentiale aus beiden Quellen aus Verbrauchersicht zu optimieren.

Die vorhandene Internet-Kompetenz und –Erfahrung unserer Mutter Schwetje Digital, die Online-Plattformen wie Onvista und Ligatus zum Erfolg geführt hat, hat die Grundlage für eine schnelle und zukunftsfähige Entwicklung der GreenPocket-Software gelegt.

Die konsequente Ausrichtung am Verbraucher war auch die Basis für die Entwicklung unserer Energy Monitoring Tools: Damit geben wir dem Energieversorger und dessen Kunden verschiedene Displays und Wege an die Hand, ihre Energiedaten abzurufen und Konsequenzen im Hinblick auf den künftigen Verbrauch zu ziehen.

Neben der Intelligenz und Verbrauchernähe bietet unsere Lösung auch die erforderliche technische Flexibilität: Wir können an jede Schnittstelle beim Energieversorger andocken – eine Implementierung unserer Lösung beim Energieversorger ist deswegen mit überschaubarem Aufwand in relativ kurzer Zeit realisierbar – und das bei Erhalt der technischen Unabhängigkeit. Ein Vorteil, der für unsere Kunden schwer wiegt.

Die GreenPocket-Technologie ist vor allem für Energieversorger interessant. Wen haben Sie schon als Kunden gewinnen können?

Goette: Unsere Technologie ist erst seit Januar auf dem Markt. Dennoch ist es uns gelungen, bereits erste Kunden von unserer Lösung zu überzeugen. Dazu gehören zwei Energieversorger der Top-25-Riege in Deutschland, die in Kürze erste Piloten mit GreenPocket-Software starten werden. Dazu laufen eine Reihe von Gesprächen, die wir in den nächsten Monaten zum Abschluss bringen möchten.

Bei den Pilotprojekten werden neben dem Einsatz des Webportals auch Display-Lösungen zum Einsatz kommen. Der iPod Touch als Endgerät ist dabei die Basis, auf dem unsere iPhone-App genutzt wird.

Wie sieht generell der Markt aus? Wer sind Ihre Konkurrenten? Wie ist Ihre Marktpositionierung?

Goette: Generell ist es so, dass der Gesetzgeber zum 1. Januar 2010 den Einbau intelligenter Zähler für Neubauten und bei umfassenden Haussanierungen verpflichtend geregelt hat. Gleichzeitig werden die Energieversorger ab 2011 zusätzlich zeit- und lastvariable Stromtarife anbieten müssen. Auf diese gesetzlichen Vorgaben ist unsere Technologie eine Antwort.

Dahinter steht die Vision vom Smart Grid – das intelligente Stromnetz soll mit Hilfe der Smart Metering-Daten so gesteuert werden können, dass sich einerseits erneuerbare Energien besser integrieren lassen und andererseits die so genannte Spitzenlast über den Tag verteilt und damit reduziert wird.

Das Feedback, das wir vom Markt zurückgespielt bekommen, ist absolut positiv: Unsere Lösung gilt als führend, vor allem im Hinblick auf die technische Flexibilität der Implementierung sowie das Verbraucherverständnis. Konkurrenten gibt es immer, aber ein Google PowerMeter ist beispielsweise an vielen Stellen nicht auf die deutschen oder europäischen Erfordernisse ausgerichtet. Google speichert alle Verbrauchsdaten zentral in einem ihrer Datencenter – bei uns werden die Daten nicht gespeichert, sondern in Echtzeit verarbeitet und anonym aggregiert. Zudem kennen wir nicht nur Strom, sondern können auch die Daten für Gas und Wasser erfassen und aufbereiten.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie derzeit? Wo sehen Sie sich Ende des Jahres?

Goette: Wir sehen sehr viel Momentum im Markt, aber ebenso viel Orientierungsbedarf bei den Energieversorgern. In diesem Jahr werden viele Smart Metering-Piloten gestartet, die neben den erforderlichen technischen Tests erstmals auch aktiv die Verbraucher einbinden.  Die Pilotversuche haben das Ziel zu erkennen, wie die Aufbereitung und Visualisierung von Energieverbräuchen angenommen wird, welche Services welchen Nutzen stiften und in welchem Umfang sich diese Dienste aktiv vermarkten lassen. Das ist ein spannender Prozess. Und wir wollen möglichst viele Energieversorger dabei unterstützen, ihren Kunden die überzeugendste Lösung anbieten zu können.
Als junges Unternehmen ist dies eine enorme Herausforderung für Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb. Und natürlich bei der Umsetzung für Technik und Operations. Dies kann nur mit einem engagierten Team aus erfahrenen und begeisterungsfähigen Mitarbeitern gelingen. Hier sind wir schon sehr gut vorangekommen, bauen aber weiter aus.Genauso wichtig wie die Gewinnung neuer Kunden ist aber die Entwicklung und der Ausbau bereits bestehender Kundenbeziehungen. Wir wollen mit und für unsere Kunden wachsen.

Wie ist eigentlich die Idee zu GreenPocket entstanden? Und wie ging es dann weiter? Wie haben Sie beispielsweise die Entwicklung Ihrer Technologie finanziert?

Goette: Die Idee, am Internet der Energie mitzuwirken, lag auf der Hand, da dieses Thema bereits seit längerem diskutiert wird. Die Entscheidung, sich auf Smart Metering zu konzentrieren und den Fokus auf Softwarelösungen für die Interpretation und Visualisierung von Smart Metering-Daten zu legen, entstand aus der Erkenntnis, dass Smart Metering erst dann wirklich „smart“ wird, wenn aus den gesammelten Daten auch gezielt aufbereitete Informationen werden, die den beteiligten Marktpartnern nachhaltigen Nutzen stiften. In diesem Segment sehen wir die größte Herausforderung, aber auch die interessantesten Chancen. Deswegen die Wahl. Und damit verbunden das klare Bekenntnis, unsere ganzen Ressourcen auf dieses Ziel zu fokussieren.

Die Start-Finanzierung erfolgte durch den Inkubator Schwetje Digital. In der weiteren Entwicklung des Unternehmens wollen wir Partner gewinnen, die genauso wie wir die Chancen des neuen Marktes und des von uns gewählten Geschäftsmodells erkennen.

Auf der Venture Lounge in Bonn sind Sie als Sieger hervorgegangen. Was haben Sie von der Veranstaltung mitgenommen? Medienecho? Kontakte? Vielleicht auch frisches Kapital?

Goette: Die Veranstaltung war ein voller Erfolg für uns. Es ist immer wieder spannend, wenn man sich über Monate mit einer Geschäftsidee bis ins kleinste Detail beschäftigt und diese Idee dann in zehn Minuten Menschen präsentieren soll, die noch nie etwas davon gehört haben. Insofern war der Sieg einerseits, aber auch das positive Feedback in zahlreichen anschließenden Gesprächen sehr wertvoll.

Das Medienecho – beispielsweise der Artikel bei www.foerderland.de - hat uns ebenfalls sehr geholfen. Einige potenzielle Investoren haben in der Folge den Kontakt zu uns gesucht.

Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp auf Lager, den Sie anderen – noch jungen – Gründern mit auf den Weg geben können?

Goette: Begeisterung für eine Idee ist die Basis. Dann aber sollte eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem erfolgen, was für die erfolgreiche Umsetzung der Idee erforderlich ist. Ist das geschehen, geht es daran, zügig, konzentriert und fokussiert die erforderlichen Fähigkeiten aufzubauen. Und dann mutig und schnell den Markt anzugehen.

Dies geht in der Regel nicht ohne Partner, die ebenfalls an die Idee glauben und diese unterstützen. Und die sollte man sich frühzeitig suchen. Dies ist Lackmus-Test und Katalysator zugleich für Geschäftsidee und Unternehmen. Sind diese gewonnen, so sind Durchsetzungskraft, Flexibilität, langer Atem, hohe Eigenmotivation und natürlich das immer erforderliche Quäntchen Glück die Zutaten für den Erfolg am Markt. Nicht zu vergessen: ein exzellentes Team von Mitarbeitern.

Vielen Dank für das Interview!

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