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29.03.10Leser-Kommentar

Interview mit Tom Kedor, Motor-Talk.de

"Wir wollen als natürlicher Begegnungsraum viel mehr Auto-Marken zum Mitreden bewegen"

Tom Kedor ist Geschäftsführer von MOTOR-TALK.de, der größten Auto- und Motor-Community im deutschsprachigen Internet. Im Gespräch mit förderland beschreibt er, wie sich das Krisenjahr 2009 auf den Markt der Auto-Communities ausgewirkt hat, welche Entwicklungen für das Jahr 2010 zu erwarten sind und was man sich von großen Social Media-Vertretern wie Facebook und Co. abschauen sollte.

Tom Kedor, Geschäftsführer von MOTOR-TALK.deTom Kedor, Geschäftsführer von MOTOR-TALK.de

förderland: Herr Kedor, für alle die sich nicht mit Autos beschäftigen, was verbirgt sich hinter MOTOR-TALK.de?

Tom Kedor: Ich beschreibe es mit einem Beispiel: Das Faltdach des Renault Megane meines Schwiegervaters wollte sich letzten Sommer einfach nicht mehr öffnen. Um abzuschätzen, was er für Werkstattkosten zu erwarten hätte, bzw. wie aufwendig eine Reparatur wäre, hat er erstmal "gegoogelt". Die Suchmaschine hat ihn prompt zu MOTOR-TALK.de weitergeleitet – dort hat er sowohl mögliche Ursachen als auch zu erwartende Kosten gefunden. Das Ende vom Lied war ein Sonntagnachmittag in der Garage. Danach lief alles wieder und mein Schwiegervater hatte 300 Euro gespart.

Wer also Probleme mit seinem Auto oder Motorrad hat und Google um Hilfe bittet, landet zwangsläufig bei MOTOR-TALK.de. Hier tauschen sich seit acht Jahren die deutschen Kraftfahrer aus. Vom Fahranfänger, über den KFZ-Mechaniker oder Ingenieur, den Automobilhersteller, bis hin zum "ganz normalen" Autofahrer – alles, was auf und neben der Straße fährt, ist auf MOTOR-TALK.de ein Thema und zu jedem Auto-Zipperlein finden Suchende einen Tipp. Dazu tragen fast 1.5 Millionen Unique User bei, die MOTOR-TALK.de zur größten Auto- und Motor-Community im deutschsprachigen Internet machen.

Erzählen Sie uns bitte etwas zur Geschichte des Forums. Welche Hürden waren auf seinem Erfolgsweg zu meistern?

Kedor: Ins Leben gerufen wurde MOTOR-TALK.de bereits 2001 von Oliver Steinhoff und Hartmut Wöhlbier. Der Ansatz war von Anfang an, über alle Marken und Modelle hinweg, eine Anlaufstelle für Kraftfahrer und Themen rund ums Auto und Motorrad zu bieten. Offensichtlich gab es dafür großen Bedarf, denn nach kurzer Zeit war MOTOR-TALK.de bereits das größte markenübergreifende Automobil-Forum in Deutschland.

Ausschlaggebend dafür war sicherlich der Startpunkt von MOTOR-TALK.de. Zur Gründungszeit existierte online noch eine Art "Vakuum " im Autobereich, das wir gut füllen konnten. Entscheidend für den Erfolg der Plattform war aber auch das Engagement der Leute der ersten Stunde, die jeden Tag 25 Stunden in MOTOR-TALK.de investiert haben. Die Nutzer einer Plattform schlafen nie, zu Stoßzeiten sind heute fast 20.000 Mitglieder gleichzeitig online, aber auch nachts um drei oder vier Uhr sind es noch über 1.000 Nutzer. MOTOR-TALK.de wäre ohne die nimmermüden und hilfsbereiten Mitglieder und aktiven Moderatoren wohl niemals zum größten Automotive-Portal geworden.

Auch die technische Seite stellte schon immer eine große Herausforderung dar. Bei über neun Millionen Visits im Monat sind wir sehr stolz, dass wir unseren Nutzern in den letzten drei Jahren kaum Ausfallzeiten zumuten mussten.

Heute ist Motor-Talk.de Europas größte Auto- und Motor-Community. Wie hat sich das Krisenjahr 2009 auf das Portal ausgewirkt?

Kedor: Vorab kann ich sagen, dass 2009 für MOTOR-TALK ein sehr erfolgreiches Jahr war. Nach zwei Jahren, in denen wir überwiegend in Wachstum und Struktur investiert haben, sind wir seit Anfang 2009 wieder profitabel. Dazu muss man wissen, dass wir von einer profitablen "Ein-Mann-Firma" Anfang 2007 zu einem Unternehmen mit inzwischen 12 Mitarbeitern gewachsen sind. Unsere Mitglieder- und Traffic-Zahlen haben sich jedes Jahr nahezu verdoppelt. Unser Team konnte gemeinsam mit den aktiven Mitgliedern und Moderatoren MOTOR-TALK.de zum reichweiten-stärksten Automobil-Portal in Deutschland entwickeln. Für weiteres Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg mussten Grundlagen gelegt und Weichen gestellt werden. Diese Umstellung war natürlich mit Kosten und Wachstumsschmerzen verbunden. Als sich im September 2008 die Rezession in Amerika abzeichnete, konzentrierten wir uns vermehrt auf den wirtschaftlichen Erfolg. Im Ergebnis sind wir eine der wenigen themenspezifischen Communities in Deutschland, die überhaupt schwarze Zahlen mit einem überwiegend werbefinanzierten Geschäftsmodell schreiben.

Sind die Portale, die stabil genug waren um 2009 zu überstehen, also gestärkt aus 2009 hervorgegangen?

Kedor: Die Frage ist natürlich rhetorisch. Im letzten Jahr haben wir alle auf jeden Cent geschaut und jeder hat überlegt, wie er in einem so schwierigen Klima wirtschaftlich erfolgreich sein, oder sich zumindest über Wasser halten kann. Wirkliche "Verluste" gab es 2009 unter den Mitbewerbern nicht. Das liegt aber sicher nicht daran, dass überall schwarze Zahlen geschrieben wurden, sondern vielmehr daran, dass die Finanzierungen in der Regel für zwei bis drei Jahre ausreichen. Da viele der Communities 2006/2007 gegründet wurden, wird dieses Jahr also spannend. Die kapitalfinanzierten Angebote müssen ihre Wirtschaftlichkeit noch beweisen, bzw. finanzstarke Partner für ihr zukünftiges Wachstum finden. Man konnte bereits erste Anzeichen einer Bereinigung des Marktes in 2009 erkennen und ich erwarte diesbezüglich noch mehr Bewegung in den nächsten 12-18 Monaten.

Hat die Krise allgemeine Veränderungen in der Branche verursacht, haben nach 2009 Umorientierungen stattgefunden?

Kedor: Hier lassen sich drei Trends beobachten: Der erste geht in Richtung einer Verschiebung der Werbeetats. Online Medien profitieren von den massiven Verschiebungen und ihrem Ruf der guten Messbarkeit. An jeder Ecke wird von "Performance " gesprochen und der "Return On Investment " hochgehalten. Das funktioniert natürlich im Social Media Umfeld nicht wirklich. Hier muss man also differenzieren. Nichtsdestotrotz kann man im Online-Werbemarkt nach wie vor noch von einem – wenn auch kleinem – Wachstum sprechen.

Der zweite Trend scheint zu sein, dass sich die aktive Nutzung des Social Media endlich durchsetzt. Auch wenn schon seit Jahren über das Thema gesprochen wird, ist es doch erst jetzt soweit, dass sich große Hersteller ganz konkret dem Thema widmen. Damit meine ich nicht nur "aus Versehen ", sondern mit Kalkül und Geld. Natürlich stehen die generischen Netzwerke wie Facebook oder Twitter dabei im Vordergrund. Aber gerade Themen-Communities bieten Marken deutlich mehr Möglichkeiten, um mit ihren Kunden in Dialog zu treten. Wir können mit MOTOR-TALK.de davon profitieren. Als größtes Netzwerk zum Thema Automobil sprechen die Autofahrer bereits heute über alle Marken. Diese wiederum brauchen nicht nur zuzuhören, sondern können auch mitreden. Insbesondere BMW tritt seit Anfang 2009 mit viel Mut und Bereitschaft zum Dialog auf MOTOR-TALK.de in Aktion – mit Erfolg, wenn man sich die Reaktionen der Mitglieder ansieht.

Der dritte Trend für 2010 besteht in einer Liberalisierung der Vermarktung. Damit meine ich, dass man früher als kleines Angebot nur darauf hoffen konnte, von Klein- oder Mittelständlern, lokalen Händlern und gelegentlich mal einer großen Marke, Anfragen für Werbebanner zu erhalten. Große Sprünge konnte man sich so nicht erlauben, denn von großen Vermarktern bekam man in der Regel Absagen oder kaum nennenswerte Umsätze. Inzwischen gibt es Vermarkter für fast jede Nische, Marktplätze für Werbung, Vertical Content Networks, Vermarktungsverbünde etc. Es gibt nicht mehr nur Selbstvermarktung und Fremdvermarktung, sondern ein breites Spielfeld dazwischen, was uns Seitenbetreibern wieder mehr Eigenständigkeit ermöglicht.

Wie wird sich Motor-Talk.de 2010 weiterentwickeln, um diesen Trends gerecht zu werden und seine Spitzenposition zu halten?

Kedor: Im Wesentlichen gibt es für 2010 drei spannende Herausforderungen. Zunächst möchten wir uns um mehr Dialog bemühen. Auf MOTOR-TALK.de sprechen Autofahrer über jedes Zipperlein ihrer Autos. Die Hersteller hören teilweise schon zu, halten sich zum größten Teil aber noch aus den Gesprächen heraus. Dabei ist unsere Erfahrung, dass von begeisterten Auto-Liebhabern fast alles verziehen wird, außer Ignoranz. Wir wollen als "natürlicher Begegnungsraum" deswegen natürlich noch viel mehr Auto-Marken zum Mitreden bewegen.

Zudem wollen wir "von den Großen lernen". Gerade die sehr erfolgreichen horizontalen Netzwerke beweisen tagtäglich durch ihre Zuwachsraten, dass sie vieles richtig machen. Natürlich haben wir einen völlig anderen Ansatz, aber gerade im Bereich der Mitgliedervernetzung und was das "neugierige Stöbern" anbelangt, können wir uns sicher noch einiges abschauen. Als eine der nächsten großen Neuerungen wird es deswegen 2010 eine Art Ticker geben, der allerdings nicht die Person, sondern das Thema in den Vordergrund stellt. Wir bilden damit den natürlichen Fluss der Ereignisse ab, die auf MOTOR-TALK.de stattfinden.

Ein weiteres Ziel für 2010 ist, dass wir weiterhin wachsen wollen. Demnächst werden wir uns zunächst räumlich vergrößern, da wir in diesem Jahr auch wieder ein paar (Wahl)Berliner als Verstärkung im Bereich Online Marketing und Software Entwicklung suchen. Aber auch was die Besucher von MOTOR-TALK.de anbelangt, haben wir uns dieses Jahr wieder große Ziele gesteckt. Wir begrüßen in den nächsten Wochen das 1.5 millionste Mitglied. Es wäre klasse, wenn uns die IVW mehr als zehn Millionen Besuche bescheinigt. Zwar sind wir mit 1.5 Millionen Unique Visitors in der AGOF schon ganz vorne mit dabei, aber auch zwei Millionen sollten 2010 zu erreichen sein.

Herr Kedor, vielen Dank für das freundliche Gespräch!

Kommentare

  • andyrx

    01.04.10 (02:51:19)

    nun ?ber Autos wurde schon fr?her abendf?llend am Stammtisch in kleiner Runde gesprochen und dies wird in der heutigen Zeit nun online mit 1,5 Millionen Usern gemacht....der Erfolg von Motortalk spiegelt dies wieder;)

    mfg Andy

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