<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

30.09.10Kommentieren

Interview mit Stefan Probst, Startup Weekend Nürnberg

"Wir werden dieses Jahr noch mehr auf die Gruppen-Zusammensetzung achten"

Das Startup Weekend in Nürnberg ist drauf und dran, eine Institution zu werden. Bereits letztes Jahr gründeten bunt zusammengewürfelte Teams zwei Tage lang in der fränkischen Metropole. Stefan Probst, der die ganze Sache organisiert, erzählt uns heute, wie er auf die letzte Veranstaltung zurückblickt und was dieses Jahr alles anders laufen soll. Viel Spaß!

Stefan Probst, Startup Weekend NürnbergStefan Probst, Startup Weekend Nürnberg

Guten Tag Herr Probst! Wenn Sie auf die Veranstaltung letztes Jahr zurückschauen, was ziehen Sie für ein Resümee?

Stefan Probst: Es war eine grandiose Veranstaltung, ich glaube wir waren alle sehr positiv davon überrascht, wie gut das Unkonferenz-Konzept funktioniert hat. So hatten wir dann auch bereits während der Veranstaltung eine Fortsetzung für 2010 angekündigt, auf die ich mich jetzt ganz besonders freue!

Und hat man von der ein oder anderen Gründung des letzten Jahres noch etwas gehört?

Probst: Es gab am Sonntag Abend zwei Gründungen vor Ort: GründerSprung und NextDoorAngels als NGO. Ein drittes Team - einfachverlosen.de - war sich noch unsicher über die genaue rechtliche Ausgestaltung und hat die anschliessende Zeit genutzt, um sowohl das Geschäftsmodell auszuarbeiten, als auch das Team passend aufzustellen. Sie haben einige Zeit später zum BarCamp Nürnberg Anfang des Jahres nachgegründet.

Die weiteren Themen haben es in unterschiedliche Stadien geschafft, zumindest zwei davon "gären" immer noch – vielleicht erleben wir ja einen Restart beim kommenden SWN?

Wird es dieses Jahr Änderungen im Ablauf geben? Mit welchen Dingen waren Sie beim Startup Weekend 2009 noch unzufrieden?

Probst: Die Gründungen am Sonntag Abend sind zwar die Punktlandungen, die dem Event eine ganz eindeutige Zielsetzung geben. Gleichzeitig ist es aber auch sicher ein besonders kritischer Punkt, da ein Team nach 48 Stunden noch nicht wirklich absehen kann, ob es auch über den Alltag hinaus erfolgreich verteilt zusammenarbeiten wird.

Wir werden dieses Jahr noch mehr auf die Gruppen-Zusammensetzung achten und im Zweifelsfall den Teams lieber raten die Idee in das Tagesschäft der kommenden Wochen mitzunehmen, um zu testen, ob die Zusammenarbeit auch im Alltag noch funktioniert.

Es gab auch den Wunsch, dass sich die Teilnehmer zwischen den einzelnen Teams noch besser miteinander vernetzen – dazu werden diesmal alles um einen zentralen "Marktplatz" gruppieren und dort eine "KnowledgeCorner" einrichten. Dieser Bereich ist dazu gedacht, dass sich die Teilnehmer und Teams gezielt zu den Gründungsthemen austauschen können, die momentan für sie relevant sind, wenn sie sich dort einfinden. Das sollte auch den Austausch zwischen den Teams verstärken.

Außerdem wird es keine festen Checkpoints mehr geben, zu denen wir die Gruppen oftmals aus der konzentrierten Arbeit gerissen haben. Die gegenseitige Präsentation der Zwischenstände überlassen wir den Teams um das so zu koordinieren, wie es am Besten in ihren Ablauf passt.

Wie läuft eine Unternehmensgründung eigentlich vom rechtlichen Standpunkt her auf dem Event ab?

Probst: Ohne weitere Vorkehrungen würde aus juristischer Sicht sofort Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) entstehen, sobald sich eine Gruppe einig ist, gemeinsam unternehmerisch tätig zu werden. Dies impliziert eine Gesamtschuldnerische Haftung der Gruppe, im Zweifelsfall muss die gesamte Gruppe für Verpflichtungen gerade stehen, die Einzelne verursachen bzw. ein Gläubiger kann sich nach Belieben denjenigen aus der Gruppe auswählen, bei dem er die grösste Aussicht sieht, seine Forderungen durchsetzen zu können.

Das ist ein Zustand der schon bei Gründungen zwischen gut bekannten Gründern problematisch ist und gut überlegt sein will. Für ein Format wie das Startup Weekend ist diese Situation untragbar, da sich die meisten Teilnehmer erst während des Wochenendes kennenlernen.

Daher gibt es einerseits den Wunsch nach einer Haftungsbegrenzung, andererseits müssen die neuen Unternehmen auch operativ beherrschbar bleiben, was bei einer grossen Zahl an Gesellschaftern in der Praxis problematisch ist. Dies hat sich deutlich bei der Wahl einer UK Limited bei den beiden Startup Weekends in Hamburg gezeigt.

Wir haben letztes Jahr die vom Gesetzgeber neu geschaffene Unternehmergesellschaft (UG) mit einer KG kombiniert – die KG, um auch eine größere Zahl an Gesellschaftern problemlos aufnehmen zu können, die jeweils nur mit ihrer (frei wählbaren) Einlage haften, sowie die UG um den persönlich unbegrenzt haftenden Komplementär der KG durch die haftungsbegrenzte UG zu ersetzen. Im Ergebnis hat sich die Konstruktion aus UG & Co. KG gut bewährt und wir werden sie auch in diesem Jahr wieder den Teilnehmern empfehlen und Gründungen vor Ort in dieser Rechtsform notariell unterstützen.

Erfahren Sie bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung Unterstützung? Und wie schaut es mit Helfern aus? Benötigen Sie noch ein paar Hände?

Probst: Ein großer Teil der Sponsoren und Unterstützer vom letzten Jahr hat sofort wieder zugesagt. Weitere Unterstützung - sowohl finanziell als auch mit Sachleistungen - ist weiterhin herzlich willkommen. Für Sponsoren ist es eine attraktive Gelegenheit, um sich glaubwürdig in einem sehr innovativem Umfeld zu präsentieren. In jedem Fall steht eine Aufwertung des Events oder ein sinnvoller Mehrwert für die Teilnehmer an erster Stelle.

Helfende Hände können wir immer gut gebrauchen. Unser Team umfasst zwar mehr als 20 Organisatoren, diese sind jedoch oft mit vielen anderen Verpflichtungen sehr eingespannt. Interessierte Helfer, die Zeit und Energie mitbringen sind daher herzlich willkommen! Seit diesem Jahr gibt es eine Vereinbarung mit der Universität Erlangen-Nürnberg, die es Studenten im Bereich Wirtschaftsinformatik ermöglicht, sich ein Engagement für das SWN im Studium anrechnen zu lassen.

Wie steht es um die Versorgung der Teilnehmer? Wo wird gegessen und geschlafen?

Probst: Die Verpflegung werden wir wieder über ein thailändisches Restaurant organisieren, dass direkt im Veranstaltungsbereich liegt. Dazu gibt es weitere Versorgung mit Getränken und Frühstück direkt im Eventbereich – es ist uns wichtig, dass die Teilnehmer jederzeit gut versorgt sind und keine Zeit dafür aufwenden müssen um sich mit ausreichender Verpflegung zu versorgen.

Eine Auflistung von Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf unserer Community Seite, sie reichen von der wunderschönen Jugendherberge in Nürnberg bis zum 5-Sterne Hotel im Südwestpark. Wer nach einer langen Nachtsession einfach nur seinen Schlafsack ausrollen möchte, darf auch gerne einfach direkt vor Ort schlafen – dann aber leider ohne nennenswerten Komfort.

Wie soll eigentlich die Teambildung beim Startup-Weekend unterstützt werden?

Probst: Zu einem ganz großen Teil übernehmen das die Teilnehmer intuitiv von selbst, indem die Teams während des Wochenendes zueinander finden. Ein Wechsel der Gruppen ist jederzeit möglich und am Ende steht vor allem immer die gemeinsame Idee im Vordergrund, zu der sich jeder möglichst gut einbringen will.

Neu in diesem Jahr ist die Möglichkeit über das Startupprojekt teamability.de einen ausführlichen und wissenschaftlich fundierten Eigenschaftstest der Gründer im Team kostenfrei vornehmen zu können. Dieser Check liefert einen Überblick darüber, welche Stärken und Schwächen im Team vorhanden sind und wie gut diese zusammenspielen, welche Eigenschaften besonders stark oder schwach ausgeprägt sind. Dies liefert natürlich immer nur unterstützend Signale oder Indikatoren, kann aber für die Teilnehmer durchaus wertvolles Feedback sein.

Stehen Sie eigentlich mit Veranstaltern ähnlicher Start-up-Events im Kontakt, so dass Sie von den gesammelten Erfahrungen kollektiv profitieren können?

Probst: Einige der Organisatoren haben selbst an vergangenen Startup Weekends in Hamburg, Berlin oder Zürich teilgenommen und wir haben ein breites Netzwerk an Kontakten. Dazu kommt immer wieder spontanes Feedback von anderen Organisatoren, wie z.B. Martin Frönmark vom Startup Weekend Schweden oder Impulse aus den Mixxt oder Xing Communities zum Startup Weekend.

Letztes Jahr berichteten Sie von einem interessanten Modell, das bei den gegründeten Start-ups angewendet werden sollte, um ein nachhaltiges Engagement des Teams zu fördern: Persönliche Anteile sollten erlöschen, wenn keine Mitarbeit am Projekt stattfindet. Wie hat sich das Modell in der Realität gemacht und wie genau funktioniert es?

Probst: Dieses Modell haben wir den Teams als Impuls für ihre Diskussionen gegeben und es wird weiterhin oft darüber diskutiert, jedoch gab es meines Wissens keine konkrete Umsetzung im Umfeld eines Startup Weekends dazu. Eine AG würde die notwendigen Mechanismen durch flexible Mitarbeiterbeteiligung und Optionen bereitstellen, scheidet jedoch aufgrund des Kapitalbedarfs in fast allen Fällen aus. Da uns das Konzept weiterhin sehr interessant erscheint, würde ich mich freuen, davon zu erfahren, dass etwas Vergleichbares an anderer Stelle erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Sie haben fast täglich mit Start-ups und deren Konzepten zu tun. Welchen Trend beim Gründen und bei den Ideen war Ihrer Meinung nach dieses Jahr am interessantesten?

Probst: Ich finde momentan den kreativen Nährboden am spannensten, der im Umfeld von Coworking entsteht. Die Erfahrung aus vielen Coworking-Spaces hat gezeigt, dass die Nutzer nach einiger Zeit gemeinsam Projekte in einer Größenordnung bearbeiten, die sie alleine niemals bewältigen könnten. Dabei bilden sich spontan je nach geforderter Expertise die dazu passenden Netzwerke und durch den persönlichen Kontakt der User miteinander vor Ort läuft die Koordination deutlich effektiver als bei vergleichbaren verteilten Teams.

Dieser spannende Nährboden ist auch der Grund, warum wir momentan eine Coworking Location in Nürnberg aufbauen – dort kann das Startup Weekend dann ein Stück weit an jedem beliebigen Tag das ganze Jahr über stattfinden.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer