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04.03.10Kommentieren

Was wurde aus ... Jimdo?

"Wir verdoppeln die Anzahl der angeforderten Webseiten derzeit alle 6 Monate"

Jimdo produziert Bausätze für Webseiten. Und das schon seit einiger Zeit. Im letzten Interview vor über zwei Jahren trafen wir einen hoffnungsvollen Matthias Henze, seines Zeichens Mit-Geschäftsführer des Hamburger Start-ups. Was aus seinen damaligen Einschätzungn geworden ist und wie sich Jimdo in der Zwischenzeit entwickelt hat, das erfahren alle neugierigen Gründer hier im Interview.

Guten Tag Herr Henze, ein wenig mehr als zwei Jahre ist es nun schon her, dass wir Sie zu Ihrem Start-up Jimdo interviewt haben. Der Status damals: Sprachversionen in Chinesisch, Französisch, Englisch später Russisch, Italienisch, Japanisch und Spanisch. Weiterhin: Finanzierung vom Hause Samwer. Wie ging die Jimdo-Geschichte weiter?

Matthias Henze: Wir sind von der Frühphase in die Wachstumsphase übergegangen – so kann man es glaub ich ganz gut zusammenfassen. Das Wachstum ist dynamisch, das Team hat sich mehr als verdreifacht und ist auf gut 30 Mitarbeiter angewachsen, wir haben neben unseren bestehenden Produkten JimdoFree und JimdoPro noch „JimdoBusiness“ gelauncht und geben featureseitig zum Beispiel durch den Launch  von Drag & Drop weiterhin Gas – insgesamt also eine gute Entwicklung. Und dass wir international unter den Top 3 sind – darüber freuen wir uns natürlich auch sehr.

In unserem letzten Interview erhofften Sie sich, dass Ihr Unternehmen "mittelfristig als zentraler Anlaufpunkt im Netz entwickeln wird ". Ist Ihnen das gelungen? Was sagen die Zahlen?

Henze: Erstmal zu den Zahlen: wir verdoppeln die Anzahl der angeforderten Webseiten derzeit alle 6 Monate und haben gerade die Marke von 2 Millionen Webseiten durchbrochen. Zum Einsatzzweck: Die Webseiten unserer User dienen ihnen als zentrale, unabhängige Präsentationsseite – sie können sich so darstellen, wie sie möchten und natürlich auch mit ihren Besuchern kommunizieren. Die Webseite ist ein signifikanter und für Unternehmen ein unverzichtbarer Anlaufpunkt.

Nun sind viele Faktoren hinzugekommen, die dem ursprünglichen Konzept von Jimdo viel Konkurrenz machen: Starke Social Communities, die mit Ihrer Vielzahl an Widgets nahezu alle Einbindungsmöglichkeiten geben. Weiterhin sind Blog-Generatoren wie posterous hinzugekommen, Ning bietet einen Social-Community-Generator an, edicy aus Skandinavien bietet Ihren Service fast baugleich an. Wie gehen Sie mit der Masse an Konkurrenz um?

Henze: Die Social Communities sehen wir nicht als direkte Konkurrenz. Unsere User sind nicht entweder in einer Community oder haben eine Webseite sondern haben meist beides. Was die direkte Konkurrenz angeht: Indem wir uns nicht von ihr verrückt machen lassen, uns auf uns selber konzentrieren und versuchen den Markt mit einer sehr hohen Innovationsgeschwindigkeit zu gestalten. Wichtig ist, dass man ein gutes Produkt hat, den Usern zuhört, ständig flexibel und innovativ bleibt, sich in allen Bereichen weiterentwickelt und sich nie zu sicher fühlt. Wenn das alles gut zusammenpasst, sollte man seinen Platz finden können.

Über Beteiligungen spricht man nicht. Warum nicht? Sie werden uns sicherlich auch nicht erzählen wollen, wieviel Sie vom European Founders Fund für den Anteil von 23 Prozentpunkten bekommen haben?

Henze: Gefühlt sind es private Daten – und so geht man auch mit ihnen um.

Was konnten Ihre Investoren Ihnen an konkreter Unterstützung außer dem Geld bieten?

Henze: Die Samwers sind immer einen Schritt voraus, unglaublich schnell, exzellente Strategen und noch dazu sehr gut vernetzt. Eine große Unterstützung ist aber auch, jede Freiheit zu haben, die wir uns wünschen.

Wie war es für Sie, auf einmal für eine Firma mit verantwortlich zu sein, die in der ganzen Welt operiert? Was mussten Sie und Ihre Kollegen dazulernen?

Henze: Verantwortung war nicht so das Problem – es macht großen Spaß mit einem so internationalen Team zusammenzuarbeiten und sich mit den lokalen Begebenheiten auseinanderzusetzen.
Das coole als junger Gründer ist, dass man sehr schnell in die neuen Aufgaben reinwachsen muss. Das ist zwar manchmal etwas chaotisch, dafür ist aber kein Tag wie der andere und man lernt sehr schnell.

Macht es mehr Spaß eine Firma zu schmeißen oder ein neues Produkt zu entwickeln?

Henze: Gute Frage. Ich würde fast sagen, die Kombination von beidem ist der eigentliche Reiz. Wir haben ein Produkt, das wir ständig weiterentwickeln, verbessern und auch immer wieder in der Richtung anpassen. Der Verlauf bis hierher war wirklich super - und trotzdem fühlt es sich so an, als seien wir noch ganz am Anfang. Man sieht für die Firma noch solche Entwicklungsmöglichkeiten, weil wir auch wissen, was man aus dem Produkt noch rausholen kann und vice versa.

Alle drei Gründer sind ja als Freunde in die Gründung gegangen. Gab es geschäftliche Situationen, die die Freundschaft auf die Probe gestellt haben?

Henze: Nein, im Gegenteil – die gemeinsame Zeit hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Wir machen privat nach wie vor sehr viel zusammen.

Für alle, die es noch nicht gemacht haben: Wo sind die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines Webdienstes in eine andere Sprache? Wo sind die Tücken? Woran sollte man vorher denken?

Henze: Zunächst mal braucht man keine Angst vor der Internationalisierung zu haben. Wichtig ist, dass man gleich von Beginn an die Prozesse richtig aufsetzt, qualitativ hochwertige Übersetzungen hat und Support in der jeweiligen Landessprache anbietet. Außerdem funktionieren alle Länder unterschiedlich – daher muss man etwas flexibel sein.

Wofür mussten Sie am Anfang des Projekts das meiste Geld ausgeben? Für den Anwalt? Den Steuerberater? Für die Software? Für die Technik?

Henze: Den Steuerberater haben wir zum Glück im Gründerteam in der Familie. Bei uns waren es die Kosten für unser Team, da wir sehr produktorientiert arbeiten.

Kürzlich war von Jimdo per Pressemitteilung zu lesen, dass zukünftig auch Webshops angeboten werden. Wie lang hat die Entwicklung dieses Moduls gedauert?

Henze: Gut drei Monate. Zu Anfang wollten wir einen „Mini-Shop“ bauen, der nach einer Woche fertig sein sollte. Jetzt ist es ein ganzes Shop-System geworden, weil bei der Entwicklung schnell klar geworden ist, dass die User sonst sehr schnell an ihre Grenzen gekommen wären.

Gibt es bei Jimdo-Shops auch eine rechtliche Unterstützung bezüglich Impressum oder AGB? Schließlich sind diese Aspekte häufige Ärgernisse bei Web-Shoperöffnungen…

Henze: Unser Shop-System wurde von Trusted Shops geprüft und als Trusted Shop-System zertifiziert: Der User kann alle Angaben machen, die er machen muss, um einen rechtssicheren Shop aufzusetzen. Eine Rechtsberatung können wir aufgrund der Fülle der Möglichkeiten allerdings nicht anbieten.

Zum Abschluss, geben Sie unseren Lesern, die noch wenig Gründungserfahrung haben, doch noch drei Lektionen mit auf den Weg, die Sie unterwegs gelernt haben oder haben lernen müssen!

Henze: Den besten Tipp, den ich im Moment geben kann, ist sich mit dem Konzept des Lean StartUps auseinanderzusetzen. Es setzt auf eine frühe Konzentration auf den Product-Market-Fit und schiebt das Skalieren bewusst auf den Zeitpunkt nach dem Erreichen dieses Fits. Wer mehr darüber wissen möchte, dem seien die Blogs von Sean Ellis (http://startup-marketing.com/), Eric Ries (http://www.startuplessonslearned.com/) und Steve Blank empfohlen (http://steveblank.com/). Da finden sich sehr hilfreiche Informationen.

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview!

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