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21.02.12Kommentieren

Interview mit Thilo Burucker, fuentum

"Wir revolutionieren mit Akuarela den Business Intelligence Markt"

Im Interview mit förderland stellt fuentum-Gründer Thilo Burucker das Business Intelligence Werkzeug Akuarela vor, gibt Einblicke in die Gründungsgeschichte des jungen Unternehmens und wagt einen Ausblick in die Zukunft. Lang und lesenswert!

Das Team von fuentum: Christoph Außem, Oliver Rudolph, Thilo BuruckerDas Team von fuentum: Christoph Außem, Oliver Rudolph, Thilo Burucker

förderland: Hallo Thilo, du hast zusammen mit deinem Team im September 2011 fuentum gegründet. Und hattest damit einen fließenden Übergang vom Studenten zum Unternehmer. Wie kam es zu deiner Entscheidung auf eine Karriere als Gründer zu setzen? Und wie hat sich das fuentum-Team gefunden?

Thilo Burucker: Die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, war rückblickend betrachtet die beste und einfachste Entscheidung die ich bzw. unser Team treffen konnte, aber ganz so fließend war der Übergang nicht. Aber diese Erfahrung war extrem wichtig. Nach dem Uni-Abschluss denkt man natürlich jetzt geht es los: Geld verdienen im Traumjob. Schnell wird man auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, der Traumjob liegt in weiter Ferne oder ist überhaupt nicht der Traumjob.

Schnell nimmt man Jobs an, um Geld zu verdienen und keine Lücke in der Vita zu haben oder frustriert, weil der Traumjob doch nicht das ist was man sich vorgestellt hat. Man macht sich dann so seine Gedanken, was man wirklich will. Was liegt da näher als mit Freunden in einer ähnlichen Situation Ideen zu entwickeln und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Unser Team kennt sich schon lange aus der Uni. Mit Oliver Rudolph habe ich zusammen studiert und Christoph Außem ist ein langjähriger Freund. Wir alle hatten mit dem Thema "Ad Hoc Dashboarding & Visualization" verschiedene Berührungspunkte und haben uns immer wieder im privaten Kreis über Datenanalyse und -Visualisierung unterhalten. Nachdem Christoph dann seine Diplomarbeit in Informatik zum Grundgerüst von Akuarela weiterentwickelt hat, haben wir beschlossen, wir schmeißen unser Know-how und Erfahrungen zusammen und revolutionieren mit Akuarela den Business Intelligence Markt.

fuentum entwickelt gerade Akuarela, eine Software für "Ad Hoc Dashboarding & Visualization". Wie ist die Idee entstanden? Und was genau bietet Akuarela?

Burucker: Ursprünglich stammt der Algorithmus zu Akuarela aus der Diplomarbeit von Christoph. Danach entwickelte er in der Freizeit Akuarela immer weiter. Oliver schrieb zur gleichen Zeit seine Diplomarbeit zum Thema Data Warehousing und Datenstrukturen. Richtige Datenstrukturen sind ein wichtiger Baustein beim Analysieren von Big Data. Kurze Zeit vorher habe ich meine Diplomarbeit zum Thema wirtschaftliche Verwertung von Daten und Datenanalyse an Hand eines Praxisbeispiels abgegeben.

Wir hatten also alle einen gemeinsamen wissenschaftlichen Hintergrund und vor allem alle erhebliche Probleme mit derzeitigen Anwenderwerkzeugen im BI-Markt. Christoph war überzeugt, etwas Besseres entwickelt zu haben. Oliver kannte genau die Probleme, warum viele Werkzeuge ungeeignet sind und ich kannte genau die Probleme der Business User, da ich selber einer war und bin. Am Ende war es nur konsequent von uns, fuentum zu gründen und Akuarela weiter zu entwickeln und zu vermarkten. Die genaue Idee hinter Akuarela ist Folgende:

Informationen sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts, wertvoll und aufwendig in der Gewinnung, aber im Überfluss vorhanden. Was auf den ersten Blick wie Paradoxon erscheint, erweist sich bei genauerer Betrachtung als die Herausforderung der Zukunft.

Durch ständig wachsende Rechenleistung und Vernetzung steigt die Menge der theoretisch verfügbaren, wertvollen und von Unternehmen nutzbaren Informationen stetig. In gleichem Maße wächst die Menge des produzierten Datenschutts, aus dem die einzelnen Informationen mühsam herausgearbeitet werden müssen. Der Datenberg muss demnach wegen seiner wertvollen Informationen akribisch genau und gleichzeitig aus Zeit und Kostengründen effizient und effektiv bearbeitet werden, um die Informationen wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Zu diesem Zweck sind leistungsfähige, spezialisierte und bedienerfreundliche Werkzeuge unverzichtbar, die es dem Business User erlauben, den Datenberg auf wertvolle Informationen untersuchen zu lassen. Akuarela ist ein solches Business Intelligence (BI) Werkzeug. Akuarela ermöglicht es, große Datenmengen (Big Data) zu kombinieren, zu visualisieren, zu analysieren und in Reports/ Dashboards zu verpacken und zwar ad hoc durch den Business User.

Vier Eckpunkte machen Akuarela zur idealen Ad Hoc Dashboarding Anwendung:

Datenquellen:

  • Daten in beliebig großer Menge einlesbar (Skalierbarkeit)
  • Zugriff auf alle Arten von Daten dank Unterstützung standardisierter Schnittstellen, wie zum Beispiel SAP, Analysis Services und Google Analytics
  • Cloud-basiert

Intuitive Bedienung (Business User orientiert, Orientierung am menschlichen Verhalten)

  • Bedienung per Drag & Drop (Kopie des kindlichen Verhaltens)
  • Suchfunktion (Schlagwortsuche)
  • Kollaboration/ Social BI (Der Mensch als soziales Wesen)

Visualisierung (Charts, Landkarten, Kreuztabellen,  u.v.m. implementierbar)

  • Interaktiv durch Slider und Dropdown Menus
  • Vielfältig und anspruchsvoll
  • Übersichtlich

Mobilität

  • Apps für Smartphone und Tablet-PC
  • Webanwendung für alle gängigen Browser

Akuarela bietet also eine Menge. Grundsätzlich orientieren wir uns bei der Entwicklung immer am Anwender. Was braucht der Anwender wirklich und wie kann er schnell und einfach zu seinen Ergebnissen gelangen? Herkömmliche Anwendungen haben den Nachteil, dass sie starr aufgebaut sind und so eine flexible Analyse verhindern. Bestimmte Muster in den Daten werden leicht übersehen und wichtige Entscheidungen werden nicht rechtzeitig oder gar nicht getroffen. Der Dashboard-Nutzung ist explizit ein Design- und Bereitstellungprozess vorgeschaltet. Diese Aufgabe wird in der Regel von externen Beratern oder der IT-Abteilung ausgeführt und ist dementsprechend zeit- und kostenintensiv.

Bei Akuarela ist der Designprozess und auch der Bereitstellungsprozess stattdessen in den Analyseprozess integriert, so dass er praktisch ad hoc erledigt wird. Zudem wird die Gefahr von Missverständnissen bei der Definition der Informationsstruktur der Dashboards deutlich reduziert, da auf möglicherweise fachlich weniger informierte Programmierer verzichtet werden kann.

Anders als bei traditionell verwendeten Werkzeugen wird mit Akuarela der Informationskonsument (Business User) gleichzeitig zum Informationsbereitsteller (Self Service Business Intelligence). Dem Konsumenten wird nicht eine starre Informationsstruktur durch den Bereitsteller vorgegeben, sondern vielmehr selber eine flexible Anpassung an seine eigenen Anwenderbedürfnisse durch eine intuitiv und einfach zu bedienende Benutzeroberfläche gestattet.

Diese Vorgehensweise kombiniert Akuarela mit der innovativen Möglichkeit, anspruchsvolle Visualisierungen bereits während der Auswertung zu erstellen. Visualisierung und Auswertung der Informationen verschmelzen so zu einem Analyseprozess mittels einer schrittweisen Chart-Erstellung und Entscheidungsfindung. Diese Kombination aus Self Service Business Intelligence und Ad Hoc Analyse machen Akuarela zu einem einzigartigen (Self Service) Business Intelligence Werkzeug.

Akuarela vereinfacht nicht nur im Kern die Informationsgewinnung bzgl. Technik und Bedienbarkeit, sondern auch die Möglichkeit

  • zu jeder Zeit (Nutzung aller Datenquellen; Cloud)
  • an jedem Ort (Mobilität)
  • mit allen dafür notwendigen Personen (Social BI)
  • ohne spezielle IT-Kenntnisse (intuitiv und Business User orientiert)

Informationen zu gewinnen, wichtige Entscheidungen zu treffen und Zeit und Kosten zu sparen.

Konzentriert sich fuentum ausschließlich auf Akuarela – oder sind weitere Produkte geplant?

Burucker: Zunächst konzentrieren wir uns voll auf Akuarela und dessen Entwicklung und Vermarktung. Aus technischer Sicht soll Akuarela in drei Jahren voll ausgereift sein und mit einer Desktop-, Tablet- und Smartphone-Anwendung auf verschiedenen Betriebssystemen sowie als Web-Anwendung für alle gängigen Browser (Chrome, Firefox, Explorer, Safari, Opera) am Markt etabliert sein.

Während dieser Zeit wird auch der Aufbau einer Solution-Abteilung angestrebt. Deren Tätigkeit ist die Betreuung und Konzepterarbeitung im Rahmen einer kostenpflichtig abgestimmten Weiterentwicklung. Daher stellt fuentum im Kern kein Beratungsunternehmen dar. Der Solution-Bereich soll verstärkt als Marketinginstrument und Instrument zur Kundenbindung genutzt werden, um immer genau auf die Kundenbedürfnisse eingehen zu können. Außerdem wird der Aufbau eines Plug-in-Marketplace bzw. einer Plug-in-Entwicklungsplattform für eigene und fremde Entwicklungen angestrebt. Hier werden Erweiterungen zu bestehenden (mobilen) Anwendungen angeboten und entwickelt.

Visionen für weitere Produkte oder Erweiterungen für Akuarela haben wir viele. Eine Vision ist zum Beispiel die Datenvisualisierung mit Kinect-Technik. Langfristigt soll sich Akuarela zu einem In-Memory Data Warehouse entwickeln.

Auf Eurer Website finden sich Banner von "Microsoft BizSpark" und "Apps für Deutschland". Worum geht’s bei diesen Initiativen? Wie seid Ihr da eingebunden?

Burucker: Microsoft BizSpark ist eine Initiative von Microsoft für Start-Up-Unternehmen. Dabei werden den Start-ups kostenlos Microsoft Produkte (Betriebssystem, Office, Programmierung, etc.) und Support zur Verfügung gestellt (bis 1 Million Euro Umsatz). Weiterhin profitieren die Start-Ups von regelmäßigen Workshops und Events und können Microsoft-Partner werden. Wir sind somit offizielles "BizSpark-Start-up".

Apps für Deutschland ist eine Initiative des Bundesinnenministeriums in dem für den Umgang mit offenen, öffentlichen Daten geworben wird. Dort wurden Einzelpersonen und Unternehmen dazu aufgerufen, eine Applikation zu programmieren. Die Datenbasis dafür besteht aus öffentlichen Daten, die von Behörden zur Verfügung gestellt wurden. Darüber hinaus wurden auch Ideen für Apps gesucht, ohne dass diese programmiert werden mussten. Der Wettbewerb ist den Themenkreisen Open-Data und Open Government zuzuordnen.

Wir haben im Rahmen des Wettbewerbs eine App mit einer Kombination von Wahlergebnissen und demographischen Daten (CSV-Dateien) der Stadt Berlin programmiert und diese öffentlich zur Verfügung gestellt.

Wie seid Ihr finanziert?

Burucker: Seit September 2011 wird fuentum mit der Software Akuarela vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des EXIST-Programms für ein Jahr gefördert und ist Bestandteil der "Hightech-Strategie für Deutschland" der Bundesregierung.

EXIST wird mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert. Das Programm beinhaltet eine feste individuelle Vergütung für jeden von uns, sowie Mittel für Sachausgaben und Coaching-Einheiten. Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass uns das Ministerium einen Betrag X gibt und wir verfügen frei darüber. Das Programm bezieht explizit die Unis mit ein.

Wir zum Beispiel werden vom Lehrstuhl Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler der RWTH Aachen betreut. Dieser verwaltet unsere Fördergelder und unterstützt uns in allen Belangen. Dadurch wird uns viel Arbeit abgenommen und wir können uns ganz unserem Projekt widmen. Wir müssen zwar Anträge für jede Ausgabe stellen, allerdings hilft die RWTH Aachen dabei sehr gut.

Warum wird fuentum zum Erfolg? Und was bedeutet Erfolg für Euch? Exit? Ein nachhaltiges Unternehmen aufbauen?

Burucker: Warum fuentum zum Erfolg ist ganz einfach. Wir entwickeln für den Business User (Fachanwender). Jedes Feature, das wir einbauen, betrachten wir nach Nützlichkeit und Anwenderfreundlichkeit. Wir wollen jeden befähigen, sofort und ohne Umwege mit seinen Daten zu arbeiten, Ergebnisse schnell zu generieren und vor allem bessere Entscheidungen zu treffen. Akuarela wird zum Erfolg, weil jeder es nutzen kann. Es gibt keine Installationshindernisse außer dem einen Installationsklick. Jeder wird Akuarela verstehen, jeder es ohne Seminare und Beratung nutzen können.

Erfolg bedeutet für uns aus wirtschaftlicher Sicht, den BI-Markt zu revolutionieren. Langfristig darf niemand an Akuarela vorbei kommen und soll Akuarela als die beste Lösung sehen. Das heißt für uns, dass wir auf jeden Fall versuchen werden, ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen. Ob das funktioniert hängt von vielen Faktoren ab. Eine Exit-Strategie haben wir nicht geplant. Akuarela hat so viel Potential und wir sind so voller Ideen und Energie, um über Jahre erfolgreich zu sein. So wie die Dinge stehen können wir uns momentan keinen Exit vorstellen. Aber grundsätzlich darf man als Gründer nichts ausschließen. Jeder Tag ist neu, aufregend und lehrreich.

Vielen Dank für das Interview!

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