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12.08.11Kommentieren

Interview mit Ralf Schöpker, MIT AG

"Wir möchten dazu beitragen, den vielen jungen, sehr engagierten Ukrainern Hilfe zur Selbsthilfe geben"

Es gibt Gegenden in Europa, die von der Gründerkultur her im Vergleich zu Deutschland stark unterenwickelt sind. So wie wir also gerne vom Silicon Valley lernen, können diese Länder von unseren Erfahrungen profitieren. Ralf Schöpker, Vorstand eines Münchener Investment-Fonds erzählt uns heute, warum sein Unternehmen dabei hilft, einen Businessplan-Wettbewerb in der Ukraine anzukurbeln.

Ralf Schöpker, MIT AGRalf Schöpker, MIT AG

Guten Tag, Herr Schöpker, Sie haben mit Ihrem Unternehmen Munich Industrial Technologies einen Businessplan-Wettbewerb in der Ukraine unterstützt. Wie kam es zu diesem Engagement?

Ralf Schöpker: Der Vorstand des Bayerischen Hauses Odessa, Herr Karl Walter, ist ein langjähriger Weggefährte der MIT AG, wir haben in einigen Projekten in der Vergangenheit erfolgreich zusammen gearbeitet. Karl Walter hatte das Ziel, neben den vielen kulturellen und sozialen Aktivitäten des Bayerischen Hauses auch ein wirtschaftliches Förderprogramm für die Region Odessa zu entwickeln. Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lag es auf der Hand, bei den jungen Menschen anzusetzen und Unternehmensgründungen zu fördern, um den Aufbau mittelständischer Strukturen zu unterstützen. Daher haben wir unter anderem diesen Businessplan-Wettbewerb ins Leben gerufen, um Existenzgründern den Weg in die Selbständigkeit zu ermöglichen. Wir unterstützen "Pro Bono" bei der Erstellung der Business Pläne mit unserem Know-how und sind Sponsoren des Wettbewerbs.

Neben dem philanthropischen Aspekt, die Wirtschaftsentwicklung in der Ukraine voran zu treiben, haben da auch andere Absichten eine Rolle gespielt – etwa die unternehmerischen Potentiale in Odessa zu sondieren?

Ralf Schöpker: Ganz sicher hat die Ukraine, perspektivisch gesehen, ein sehr großes Potenzial – Bildung hat in der Ukraine gerade bei den jungen Menschen einen hohen Stellenwert, zwei Studiengänge sind keine Seltenheit, viele junge Leute sind mehrsprachig ausgebildet. Die Motivation, Veränderungen zu gestalten ist hoch und somit sind die Voraussetzungen für Unternehmensgründungen auch außerhalb der heutigen Schwerpunkte der Region Odessa – Landwirtschaft und Tourismus – durchaus gut. Die gegebene Rechtsunsicherheit behindert aber gegenwärtig mögliche Investitionen in das Land. Darüber hinaus steht die Ukraine für MIT nicht im Fokus. Wir sind auf den deutschsprachigen Raum ausgerichtet. Der Mittelstand ist das Rückgrat jeder Wirtschaft und wir möchten dazu beitragen, den vielen jungen, sehr engagierten Ukrainern Hilfe zur Selbsthilfe geben.

Und hatten Sie als Investoren auch konkretes Interesse an Teilnehmer-Gründungen des Wettbewerbs?

Ralf Schöpker: Nein, unser Interesse versteht sich ausdrücklich als ehrenamtliches Engagement. 23 erfolgreiche Betriebsgründungen sind bisher das Resultat des Förderprojekts. Häufig sind es kleinindustrielle Geschäftskonzepte, die für eine Investition nicht in Frage kämen bzw. diese auch gar nicht benötigen. Häufig reichen die überschaubaren Eigenmittel aus, um den ersten Schritt in die Selbständigkeit zu schaffen. Außerdem würden, wie gesagt, alle potenziellen Investitionsinteressen an den schwierigen rechtlichen Rahmenbedingungen in der Ukraine scheitern.

An welchen Stellen müssen die Ukrainer in Bezug auf Unternehmensgründungen noch aufholen?

Ralf Schöpker: Neben der schon angesprochenen fehlenden Rechtssicherheit gibt es für Existenzgründer ein großes Manko bei der Kapitalbeschaffung. Bankkredite sind für Existenzgründer deutlich zu teuer. Die Zinsen liegen bei etwa 20 Prozent. Allein das ist häufig ein „K.O.-Kriterium“ und verhindert die Unternehmensgründung bzw. das schnelle Wachstum. Es fehlt zudem eine staatliche Förderlandschaft mit Existenzgründerdarlehen, ERP-Mitteln, wie wir sie in Deutschland über die KfW kennen, Förderung von Forschungs- und Innovationsaktivitäten wie etwa dem High Tech Gründerfonds, oder privatwirtschaftlichen Engagements über Venture Capital und Private Equity, insbesondere für Klein- und Mittelständische Unternehmen.

Welche Maßnahmen wären geeignet, um eine Gründerkultur, aber auch eine entsprechende Investmentkultur in der Ukraine zu etablieren?

Ralf Schöpker: Ich sehe da drei Wege:

Erstens: Gezielte staatliche Aktivitäten, etwa mit Förderprogrammen zur Stärkung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Die Service- und Handwerksstruktur ist in der Ukraine historisch bedingt nur sehr ungenügend ausgebildet. Diese Struktur zu fördern, gehört sicher zu den wirtschaftspolitischen Aufgaben des Landes. Und eine Veränderung der Bankenlandschaft mit mehr Wettbewerb würde wohl auch positive Effekte nach sich ziehen und zu günstigeren Zinsen führen.

Zweitens: Die Ukraine muss für ausländisches Geld attraktiver werden. Da fehlt es im Moment noch an den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Drittens: Das Geld, das vermögende Ukrainer verdient haben, ist in vielen Fällen im Ausland investiert. Mehr Rechtssicherheit hat dann sicher auch den Effekt, dass dieses Geld vermehrt ins eigene Land zurück fließt und so dem wirtschaftlichen Aufbau zugute kommt.

In welchen Geschäfts-Bereichen haben Sie Potentiale entdeckt? Was können die Ukrainer gut?

Ralf Schöpker: Wegen der großen Fläche und dem fruchtbaren Land im Großraum Odessa liegen die Stärken insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich. Odessa galt immer schon als „Kornkammer der Sowjetunion“. Daneben bietet die reizvolle Landschaft, das Klima und die Lage am Meer ein großes Potenzial im Tourismus aber auch aufgrund der strategischen Lage zwischen Asien und Europa im Logistik- und Handelbereich.

Über den Businessplan-Wettbewerb hinaus – wollen Sie Ihr Engagement nachhaltig gestalten, etwa durch binationales Networking zwischen Start-ups und Investoren?

Ralf Schöpker: Wir sind erklärte Anlaufstelle und stellen unser Netzwerk zur Verfügung, um hilfreiche Kontakte nach Westeuropa herzustellen. Das gilt auch für den umgekehrten Weg. Wenn also, wie bei unserem vorletzten Wettbewerb, ein Teilnehmer ein Handels- und Serviceunternehmen für Solar-Haustechnik gründen möchte, bringen wir ihn ins Gespräch mit geeigneten Herstellern, Großhändlern und potenziellen Partnern, die beispielsweise an einer Expansion in die Ukraine interessiert sind und einen Vertriebspartner suchen. Somit hat der Gründer in der Ukraine die notwendige Unterstützung in der technischen Umsetzung von Hausanlagen und benötigt darüber hinaus keine signifikante Anschubfinanzierung für eigene Warenbestände. Gerne würden wir bei geeigneten Rahmenbedingungen auch mehr tun, etwa, einen Start-Up Fonds aufzulegen, um die Entwicklung des Mittelstands gezielt zu fördern.

Wie sondieren Investoren wie die MIT generell auf internationaler Ebene? Wie findet man heraus, wo sich neue und vertrauenswürdige Anlagemöglichkeiten auftun?

Ralf Schöpker: Der Fokus der MIT liegt, wie gesagt, auf technologisch orientierten Mittelständlern im deutschsprachigem Raum, d.h., Deutschland, Österreich und Schweiz. Wir investieren in Automobilzulieferer, in Hochleistungswerkstoffe, Industrielle Elektronik und Industrielle Dienstleistungen. Die MIT ist also nicht international ausgerichtet. Durch unsere langjährige Tätigkeit in diesen Sektoren und dem damit einhergehenden, fundierten Industrie-Know-how sind wir exzellent vernetzt und kennen die entsprechenden Branchen sehr genau. Das ist eine solide Basis, um vertrauenswürdige Anlagen zu erschließen. Das Österreichische Unternehmen Happy Plating GmbH ist das jüngste Beispiel für den Erfolg unserer Strategie: Die kleine Technologieschmiede wurde uns von einem langjährigen Geschäftspartner empfohlen und die MIT hat sich mit 20 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Neben solch direkten Empfehlungen sondieren wir die Märkte, die wir kennen, regelmäßig. Und natürlich funktioniert das auch anders herum: Wer Kapitalgeber sucht, wird in der Regel recherchieren und dann die ansprechen, die zu dem eigenen geschäftlichen Fokus passen. Als Private Equity-Unternehmen erhalten wir solche Anfragen regelmäßig. Ich wünsche mir, dass sich solch eine Struktur in der Ukraine auch Stück für Stück etablieren kann. Wir erleben bei unseren Wettbewerben Menschen, die mit guter Ausbildung und mit viel Energie ihre Zukunft aktiv gestalten wollen. Im Moment können dort mit unserem Know-how helfen, damit Projekte wie das Bayerische Haus in Odessa ihre Wirkung bestmöglich entfalten.

Vielen Dank für die Einblicke, Herr Schöpker!

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