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17.05.10Kommentieren

Interview mit Tim Küstner, Kinsa Applications

"Wir machen das gesamte Bewerbungsverfahren für alle Beteiligten einfacher, schneller und ökonomischer"

Bewerbungsgespräche sind für jedes Unternehmen und jeden Bewerber ein zeit- und kostenintensives Unterfangen. Die Persönlichkeit des Bewerbers ist aus einer schriftlichen Bewerbung schlecht herauszulesen – genauso wenig wie etwa die Unternehmensatmosphäre über die Internetseite klar wird. Resultat sind Bewerbungsgespräche, die man sich hätte sparen können. Tim Küstner bietet dazu eine Lösung: Mit seinem Unternehmen Kinsa Applications eröffnet er neue zeit- und kostensparende Kommunikationswege im Bewerbungsgeschäft. Wie genau, berichtet er im Gespräch mit förderland.

Tim Küstner, Geschäftsleitung, Kinsa ApplicationsTim Küstner, Geschäftsleitung Kinsa Applications

förderland: Herr Küstner, können Sie uns etwas zu Ihrem bisherigen Karriereweg erzählen?

Tim Küstner: Mein Unternehmensweg hat vor etwa vier Jahren begonnen. Ich und meine Lebensgefährtin haben gemeinsam Grafikdesign studiert. Schon während unseres Studiums haben wir erfolgreich grafisch aufgewertete Bewerbungen für andere angefertigt und schnell deren Erfolgspotenzial gesehen. Ich war gleichzeitig immer an Fotographie interessiert, meine Partnerin hat vor dem Studium für eine Mainzer Agentur als Junior Art Director gearbeitet und war dort auch im Werbetext-Bereich tätig, daher haben wir uns immer sehr gut ergänzt und daraus Kapital schlagen können.

Nach dem Studium geschah die Unternehmensgründung eigentlich in einem fließenden Übergang. Natürlich haben wir von den Erfahrungen aus dem Studium profitiert und uns war beiden sehr schnell klar, dass wir uns selbstständig machen wollen. Zunächst haben wir die Be-kiwi GbR gegründet, mit der wir uns vor allem auf das klassische Bewerbungsverfahren konzentriert haben. Nach einem halben Jahr kam der Bruder meiner Lebensgefährtin hinzu, der vor allem im Bereich Programmierung und IT sehr erfahren ist und schon lange Zeit als fester Bestandteil der Opensource-Gemeinschaft gilt. Mit Ihm entwickelten wir dann einige neue Business-Ideen. So auch unsere aktuelle Online-Jobinterview-Software Interlounge. Aus Be-kiwi ist dann später – genauer gesagt Ende 2008 – Kinsa Applications hervor gegangen.

Was steht genau hinter dem Angebot von Kinsa Applications?

Küstner: Neben umfassenden Agenturtätigkeiten, Auftrags-Programmierung und unserem Bewerberatelier, bieten wir eine Alternative zu den gängigen Bewerbungsverfahren, die meines Erachtens unseren Verfahren gegenüber einige entscheidende Nachteile aufweisen. Bei normalen schriftlichen Bewerbungen besteht meist das Problem darin, dass man von dem Personalverantwortlichen überhaupt erst mal gesehen werden muss. Die Bewerbungsunterlagen sind meist schwarzweiß und fallen nicht auf. Hierbei helfen unsere Designbewerbungen enorm, dass heißt, sie fallen durch die grafisch ansprechende Form, einen guten Textsatz und ein professionelles Bewerbungsportrait auf und heben sich von den restlichen Unterlagen ab. Dadurch ist der erste wichtige Schritt getan und die Bewerbung wird genauer angeschaut. Am besten beschreibt der Satz "warum steckt das Wort Werbung in Bewerbung" das Konzept des Bewerberateliers.

Das zweite Businessmodel von uns beschäftigt sich auch mit der Personal-Thematik. Bei der Personalbeschaffung entstehen für Unternehmen meist enorme Kosten – etwa durch die Erstattung der Anfahrtskosten, Fehlentscheidungen bei der Vorauswahl anhand von zu wenig Informationen über die einzelnen Kandidaten und den großen Stunden-Aufwand für die Vorstellungsgespräche. Mit unserer Online-Jobinterview-Software Interlounge (Produktvideo ansehen) können Firmen ihre Kandidaten bei einem Online-Erstinterview in Form einer Videokonferenz kennen lernen. Die wichtigsten Fragen und deren Beantwortung lassen sich hierbei ganz einfach aufzeichnen und nach dem Gespräch allen am Entscheidungsprozess beteiligten Personen online, inklusive aller relevanten Unterlagen zukommen lassen. Es fällt so wesentlich leichter, eine Vorauswahl der Kandidaten zu treffen, was für jede Personalabteilung eine große Kosten- und Zeitersparnis bedeutet. Wir bieten Interlounge sowohl als Hostingvariante inklusive Bewerbermanagement, als auch in komplett an den Workflow angepasster Inhouse-Lösung an. Interlounge kann dank seiner Schnittstelle in alle bestehenden Systeme integriert und nach Kundenwunsch angepasst werden. So wird das gesamte Bewerbungsverfahren für alle Beteiligten einfacher, schneller und ökonomischer.

Wie hat sich die Anfangszeit von kinsa gestaltet?

Küstner: Wir sind zu Anfang – vor drei Jahren – an einen Venture Capital-Verein in Heilbronn heran getreten. Dort haben wir unser Konzept einer Reihe von Business Angels vorgestellt, sechs waren zunächst interessiert, drei sind übrig geblieben. Insbesondere Günter Steffen, Gründer der TDS Informationstechnologie AG, war sehr wichtig für uns, unter anderem da wir durch ihn von einer Bridgefinanzierung des Zukunftsfond Heilbronn profitieren konnten. Danach mussten wir einen Businessplan erarbeiten, was sich als extrem aufwändig herausgestellt hat. Sehr wichtig war in dieser Zeit die Wolff & Häcker Finanzconsulting aus Stuttgart, die uns dabei stark unter die Arme gegriffen hat.

Wie hat sich das Krisenjahr 2009 auf Kinsa ausgewirkt?

Küstner: Wir blicken insgesamt auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück, denn wir haben Interlounge bei mehreren namhaften Kunden erfolgreich integriert. Interlounge findet heute Anwendung bei renommierten Personalberatungsunternehmen, bei Headhuntern und in der Arbeitnehmerüberlassung. Aber auch bei Coachings bzw. Trainings wird die Software erfolgreich eingesetzt. Erste Großunternehmen haben ebenfalls Ihr Interesse bekundet und haben zum Teil bereits mit Test- und Pilotphasen begonnen.

Sehr wichtig war etwa die Integration unserer Lösung in das internetbasierte Bewerbermanagement-System d.dvinci, zu dessen Kunden etwa AIDA Cruises, Microsoft oder die Metro-Group gehören. Das war eine erste sehr wichtige Geschichte für uns. Bis März wurde Interlounge erfolgreich bei Kienbaum komplett in den Workflow integriert und steht nun allen Beratern zur Verfügung. Das war unser "Big Shot" des vergangenen Jahres.

Wie geht man es an, auch als Neuling an große Firmen heranzukommen? Was sind für Sie die Lehren des vergangenen Jahres?

Küstner: Es gibt mehrere Faktoren: Einmal ist es ganz wichtig, hartnäckig zu bleiben und sich nicht abwimmeln zu lassen. Irgendwie muss man einen Weg finden, sich von der Masse der vielen jungen Unternehmen abzuheben. Irgendwann ergeben sich dann günstige Gelegenheiten, die man erkennen und greifen muss um weiter zu kommen. Für sehr wichtig erachte ich den Aufbau und die Pflege eines Netzwerks. Häufig erlangt man auch über ungewöhnliche Wege die Aufmerksamkeit eines Unternehmens, etwa durch einen guten Draht zur Assistenz der Geschäftsführung. Bezüglich der eigenen Konditionen und bei der Vertragsabschließung sollte man hart bleiben, oder zumindest von Anfang an stringent vorgehen. Darüber hinaus gehören natürlich auch eine ordentliche Portion Glück und der richtige Riecher dazu.

Das Wichtigste ist aber wahrscheinlich, immer mehrgleisig zu fahren, da Erfolg nur schwer vorauszusagen ist und sich vermeintlich stabile Trends sehr schnell umkehren können. Ohne diese Taktik hätten wir 2009 nur schwer überstehen können. Im Jahr der Krise haben viele Unternehmen aus Vorsicht keine weiteren Mitarbeiter eingestellt. Die gesamte Bewerbungsbranche hat natürlich darunter gelitten, denn wer niemanden einstellt, finanziert auch nicht in Angebote zur Vereinfachung des Bewerbungsverfahrens. 2009 mussten wir uns deswegen wieder mehr auf unsere klassischen Agenturtätigkeiten konzentrieren, wer weiß, wie es uns sonst ergangen wäre. Da Interlounge in vielfacher Hinsicht von der Zahl der Neueinstellungen abhängt, sind wir ein guter Indikator dafür, dass die Krise vorbei geht, denn die Nachfrage ist gerade in den letzten Monaten wieder enorm angestiegen.

Was steht bei Kinsa im Jahr 2010 an?

Küstner: Vor allem eins: Wir wollen unserem schon vorhandenen Aufwärtskurs deutlich mehr Auftrieb geben. Dafür haben wir mehrere Pläne: Einerseits wollen wir etwa die beginnende Zusammenarbeit mit Stepstone Solutions vertiefen, mit denen wir im März ein sehr erfolgreich verlaufenes Webinar abgehalten haben.

Wir wollen zudem mit unserem neuen Modul "Interlounge:portrait" an den Start gehen. Das Tool selbst besteht aktuell zu etwa 50 Prozent, deswegen wollen wir in den nächsten vier Wochen die Entwicklung weiter voran treiben und suchen dafür noch nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten. Außerdem stehen gerade noch Verhandlungen mit drei weiteren Top-Unternehmen an die allerdings noch nicht weit genug vorangeschritten sind als das ich hier davon berichten möchte.

Es gibt also einige Pläne und einiges zu tun. Wir blicken aber sehr optimistisch auf das Jahr 2010.

Dafür wünschen wir alles Gute und danken für das Gespräch.

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