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16.12.11

Gründer-Erfahrungen mit WechselButler

"Wir haben viele Fehler gemacht – manche auch zweimal"

Viele Gründer kommunizieren traurigerweise nur Ihre Erfolge – doch wir baten die Jungs von Wechselbutler uns ihre Geschichte zu erzählen – und andere Gründer an Ihren Erfahrungen, egal welcher Art, teilhaben zu lassen. Viel Vergnügen!

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Stromanbieterwechsel, ein Thema bei dem schon alles gesagt ist? Das fanden wir – die Gründer von WechselButler - ganz und gar nicht. Wir haben unseren ganz eigenen Weg entdeckt, wie in diesem schon recht vollen Marktsegment noch etwas Neues geschaffen werden kann – und daran hätte keiner von uns gedacht bevor wir uns im März 2011 auf dem IdeaCamp in Berlin kennengelernt haben.

Das IdeaCamp war damals als kreativer Ideenfindungs-Workshop konzipiert und darauf ausgerichtet, Menschen zusammen zu bringen, die einen möglichst unterschiedlichen Hintergrund haben. Und wenn man sich uns ansieht, scheint das Konzept recht gut funktioniert zu haben: Wie sonst sollte ein Team aus einem Physiker, einem BWLer, einem Unternehmensberater, einem Neue-Medien-Spezialist und einem Rhetoriker zustande kommen, das sich mit Strom- und Gasanbieterwechsel beschäftigt?

In Berlin ist uns dann aufgefallen, dass es zwar eine Fülle von Energie-Vergleichsportalen im Internet gibt, aber den Verbrauchern im Grunde überall nahezu die gleiche Leistung angeboten wird: man bekommt sehr schnell eine Liste angezeigt mit den günstigsten Anbietern, muss dann aber selbst recherchieren, auf was man achten sollte, wenn man einen verbraucherfreundlichen Tarif bekommen möchte und dementsprechend seine Ergebnisse filtern.

Das Problem ist offensichtlich: Die Verbraucher möchten zwar sparen, sind aber von der großen Auswahl überfordert und bleiben am Ende lieber beim teuren Grundversorger, da ihnen der Überblick und der direkte Vergleich fehlt. Mit unserem Konzept der Tarif-Empfehlung setzen wir an der Quelle des Informationsüberflusses an, indem wir die Tarife nach verbraucherfreundlichen Kriterien filtern und alles so unkompliziert wie möglich gestalten. So müssen sich Verbraucher auf der Webseite von WechselButler lediglich zwischen drei einfachen Varianten entscheiden, ihre Postleitzahl und ihren Verbrauch eingeben und schon bekommen sie eine individuelle Tarifempfehlung. Auf diese Weise haben selbst bisherige Nichtwechsler und wechselfaule Verbraucher nun die Chance in Minuten eine informierte Entscheidung zu treffen.

Was sich so einfach anhört, war ein langer Weg

Wir haben viele Fehler gemacht – manche auch zweimal! Am Anfang haben wir uns im Detail verloren und bspw. zu viel Zeit in die Erstellung eines Logos investiert - das später ersetzt wurde. Auch bei der Erstellung der Webseite lief wenig "wie geplant". Da kein Programmierer mit im Team war und die Kosten niedrig bleiben sollten, schaute wir uns nach Alternativen um. Über Elance haben wir zunächst ein Komplett-Paket für Design und Programmierung beauftragt und damit viele Wochen verloren und einige hundert Euro "verbrannt". Wir haben einfach keine gute Qualität bekommen und mussten am Ende alles noch mal neu machen.Die Lehre, die wir daraus gezogen haben: "Wenn man eine sehr gute Seite haben möchte, muss erst das Design jeder einzelnen Unterseite komplett stehen, bevor man einen sehr guten Programmierer beauftragt – sparen lohnt sich hier einfach nicht."

Die größte Herausforderung für die Gründer von WechselButler war jedoch– wie wir heute sagen müssen - zugleich unsere größte Chance: Wir kannten uns vorher nicht und alle wohnen in einer andern Stadt. Genauso breit gestreut wie die Kompetenzen, war zu Beginn auch die geografische Lage: London, Darmstadt, Berlin, Frankfurt und Ludwigsburg. Die meisten haben uns damals für verrückt erklärt, ein Unternehmen zu gründen, ohne die Mitgründer genau zu kennen - und dann auch noch nur online kommunizieren zu können.

Dass das Gelingen der Kommunikation wohl der Knackpunkt sein würde, war schnell klar. Unser Team hat aber die Möglichkeiten, welche die moderne Technik bietet, voll ausgeschöpft: Allgemeine Dinge haben sie zunächst über ein eigenes Forum diskutiert, speziellere Themen via E-Mail in kleineren Gruppen geklärt. Daten wurden standesgemäß über Dropbox geteilt und einmal in der Woche gab es ein gemeinsames Skype-Meeting.

Als das Unternehmen Konturen annahm, haben wir uns dann zusätzlich für die Nutzung von Basecamp (leistungsfähige und günstige Online-Projektmanagment-Software) entschieden, um schnell sehen zu können, wer gerade an was arbeitet oder Hilfe benötigt. Neben diesen technischen Voraussetzungen ist aber eine Sache wohl das Wichtigste gewesen: Wir fünf Gründer haben von Anfang an eine sehr offene Kommunikation untereinander vereinbart und auch des öfteren explizit eingefordert. So konnten potenzielle Konflikte schon früh abgefangen werden. "Eine offene Kommunikation ist sicher der Schlüssel für jedes erfolgreiche Unternehmen – das gilt insbesondere dann, wenn man sich nicht jeden Tag persönlich sieht."

Mittlerweile sind wir davon überzeugt, dass unser vermeintliches "Problem" der räumlichen Trennung wie ein Katalysator auf alles innerhalb des Unternehmens wirkt; Probleme, aber auch Erfolge potenzieren sich sehr schnell. Deshalb muss jedes Team-Mitglied immer voll dabei sein – virtuell versteht sich; auch wenn inzwischen alle fünf zumindest wieder in Deutschland leben.

Autor dieses Textes ist Sebastian Michel, Geschäftsführer von WechselButler. Alle Start-ups, die auch über Ihre Erfahrungen während des Gründens schreiben möchten, dürfen uns gerne anschreiben. CH

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