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25.09.13Kommentieren

Interview mit RA Dr. Daniel Biene, SmartLaw

„Wir haben eine Software entwickelt, die sozusagen das Gehirn von Juristen automatisiert“

Verträge aufzusetzen ist in der Regel kompliziert und teuer. Das Start-up SmartLaw dagegen verspricht: Vertrag. Und gut. Wie das genau funktioniert, welche Vorteile gegenüber Vorlagen oder Musterverträgen bestehen und in welche Richtung das bisherige Angebot weiterentwickelt werden soll, erklärt Gründer RA Dr. Daniel Biene im Interview.

SmartLaw-Gründer Dr. Daniel Biene

„Vertrag. Und gut.“ – Maßgeschneiderte Rechtsdokumente in wenigen Minuten – das verspricht Ihr Start-up SmartLaw. Wie genau funktioniert das?

RA Dr. Daniel Biene: Das funktioniert für den Nutzer ganz einfach, aber hinter den Kulissen hochkomplex: Wir haben eine Software entwickelt, die sozusagen das Gehirn von Juristen automatisiert, einschließlich über viele Jahre angesammelten fachspezifischen Erfahrungswissens. Ähnlich wie ein Anwalt stellt die Software dem Nutzer sehr einfache lebensnahe Fragen, die dieser beantwortet. Abhängig von der Antwort stellt die Software dann die nächste Frage, und am Ende wird das passgenaue Dokument generiert. Dahinter steckt über ein Jahr intensive Entwicklungsarbeit eines großen Teams von Softwareingenieuren und Juristen.

Welche Vorteile bieten Verträge von SmartLaw gegenüber Vorlagen oder Musterverträgen?

Biene: Musterverträge sind statisch. Es werden lediglich Lücken im Text ausgefüllt, vielleicht mal ein Textblock verschoben. Daher gibt es nur sehr geringe Gestaltungsmöglichkeiten für den Nutzer. Aktualität und Qualifikationen des Erstellers sind häufig zweifelhaft. Bei SmartLaw werden die Dokumente auf die Bedürfnisse des Nutzers maßgeschneidert. Alle Inhalte stammen von erfahrenen Fachjuristen aus führenden Kanzleien und werden ständig überwacht. Und es können keine später bei Gericht kostspieligen Fehler gemacht werden, weil das System nur Anpassungen innerhalb des rechtlich möglichen Rahmens zulässt.

Eine Vorsorgeregelung kostet laut Website 49,00 Euro, ein Wohnungsmietvertrag 29,00 Euro, ein ist Arbeitsvertrag ebenfalls ab 29,00 Euro zu haben. Da ist man von Anwälten ganz andere Preise gewohnt. Wie verdient SmartLaw also Geld?

Biene: Anwälte arbeiten heute noch völlig analog. Dort wird Manufakturarbeit betrieben, mit allen Vor- aber auch Nachteilen, einschließlich der Fehleranfälligkeit. Bei uns laufen die Arbeitsprozesse vollständig automatisiert. Das führt zu einer sehr hohen Skalierbarkeit und somit letztlich auch zu den niedrigen Preisen.

Wie sieht es mit komplizierteren Verträgen aus. Beispielsweise ein individueller GbR-Vertrag oder auch AGBs für den neuen Online-Shop?

Biene: Unser aktuelles Portfolio ist nur der Anfang. Es sind noch zahlreiche Dokumentenarten in Vorbereitung, darunter durchaus komplizierte. Auch GbR-Verträge und AGB. Technisch ist das alles machbar. Wir achten aber sehr darauf, unseren Nutzern echte Sicherheit zu bieten. Daher bieten wir Verträge mit sehr hohem individuellen Beratungsbedarf – wie beispielsweise Marketingpartnerschaftsvereinbarungen oder komplexe Finanzierungsvereinbarungen – nicht an. Das kann nur ein Anwalt verlässlich aufsetzen.

Wie ist die Idee zu SmartLaw entstanden?

Biene: Ich habe mich schon seit Jahren darüber geärgert, wie schwierig es ist, rechtliche Vereinbarungen schnell und zuverlässig aufzusetzen – vor allem, wenn man dafür kein Vermögen ausgeben kann oder will. Das fand ich schon in der juristischen Arbeit unbefriedigend, und später im Management von Medienunternehmen noch viel mehr. Dieses Problem hat sich seit dem Mittelalter nicht geändert, trotz völlig neuer technischer Möglichkeiten. In vielen Gesprächen mit Juristen und Technikern ist dann deutlich geworden, dass das überhaupt nicht so bleiben muss. Natürlich gibt es Grenzen, wie eben schon gesagt, aber der Löwenanteil solcher Aufgaben ist durch moderne Softwaretechnik – Stichwort “künstliche Intelligenz“ – durchaus darstellbar. Also haben wir das in Angriff genommen.

Wie ist das bisherige Feedback der Kunden?

Biene: Wir bekommen bisher ganz überwältigend gutes Feedback. Viele Kunden sind erleichtert, weil dort Knoten platzen, die seit langem Kopfschmerzen bereitet haben. Häufig war das die Entscheidung dazwischen, entweder in Unsicherheit zu leben und verlorene Rechtsstreitigkeiten zu riskieren oder sehr viel Geld auszugeben. Hier einen guten Weg zu finden ist offenbar sehr erleichternd.

Wie wollen Sie das Angebot weiterentwickeln?

Biene: Es wird wie gesagt einige weitere Dokumente aus verschiedenen Bereichen geben. Im Herbst geht beispielsweise das Thema Erbrecht an den Start. Auch viele häufig benötigte Dokumente für Unternehmen sind in Vorbereitung. Wir orientieren uns dabei immer sehr streng zum einen an der Nachfrage unserer Nutzer, zum anderen an der Frage, wo unsere Software die bestmögliche Wertschöpfung für den Nutzer schaffen kann.

Vielen Dank für das Interview!

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