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23.08.10Kommentieren

Interview mit Gunnar Berning, twago.de

"Wir haben bei Null angefangen und es in 12 Monaten geschafft, zur größten Vermittlungsplattform für internationale Dienstleister in Deutschland zu werden"

Offshoring und Outsourcing war bisher eher etwas für große Unternehmen. Dank twago.de haben nun auch kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, Aufgaben zu verlagern. Gründer und Geschäftsführer Gunnar Berning spricht im Interview mit förderland unter anderem über die Vorteile von twago und auf welchem Gebiet es einen Mangel an Arbeitskräften zu geben scheint.

Gunnar Berning, CEO von twagoGunnar Berning, CEO von twago

förderland: Guten Tag Herr Berning, bevor wir auf Ihr Unternehmen twago.de zu sprechen kommen, stellen Sie doch bitte kurz sich und Ihr Team unseren Lesern vor. Wer sind Sie und was können Sie?

Gunnar Berning: Wir sind ein junges Team von 16 Mitarbeitern. Zusammen mit Thomas Jajeh und Maria Lindinger haben wir das Unternehmen 2009 gegründet. Vorher waren wir alle bei Siemens in der Beratung tätig und haben viele und wichtige Erfahrungen gesammelt, vor allem in Hinsicht auf internationale Aspekte. Die Idee für twago kam uns nach intensiver Evaluierung der Märkte. Die Auslagerung von Aufgaben an deutsche und internationale Dienstleister, die man als Gründer nicht selbst erledigen kann, erschien damals wie heute eine gute Lösung mit gewaltigem Wachstumspotential. So kam es zu der Idee der Vermittlungsplattform für Dienstleistungen im Programmier- und (Web-)Design-Bereich, bzw. für Unternehmensservices. twago hilft Unternehmen sowohl in der Krise als auch in wirtschaftlich stabilen Zeiten und bietet ein krisensicheres, da transaktionsorientiertes Business-Modell.

Beschreiben Sie bitte, was twago.de genau ist. Was kann der Kunde für einen Nutzen daraus ziehen?

Berning: Wir ermöglichen Gründern, Startups sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen, die Vorteile des Offshorings und Outsourcing zu nutzen. Bislang konnten nur große Unternehmen von der Verlagerung von Aufgaben profitieren. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) hatten keine Möglichkeit, die notwendigen Kontakte zu knüpfen. Auf unserer Plattform können nun auch Kleinstunternehmen den geeigneten Geschäftspartner für Dienstleistungen aus den Bereichen Design & Medien, Web & Programmierung sowie Unternehmensservices finden. Diese Experten kommen mehrheitlich aus Deutschland. twago bietet jedoch als einzige Plattform in Deutschland auf  Kundenwunsch auch die Vermittlung von internationalen Dienstleistern an. Die Dienstleister profitieren natürlich in gleicher Weise. Sie können ihre Auslastung sowie ihr Auftragsvolumen steigern und dadurch Arbeitsplätze sichern.

Fast genau ein Jahr ist jetzt seit dem Launch Ihrer Plattform vergangen. Wie sieht Ihr Resümee für dieses Jahr aus? Wie ist das Feedback?

Berning: Das erste Jahr war extrem spannend. Wir haben bei Null angefangen und es in 12 Monaten geschafft, zur größten Vermittlungsplattform für internationale Dienstleister in Deutschland zu werden. Wir wachsen im Schnitt jeden Monat um knapp 50 Prozent, was uns zeigt, dass das Modell funktioniert. Unsere Kunden haben bereits heute Zugang zu über 20.000 Experten aus 114 Ländern weltweit.

Sehr spannend waren vor allem die Erlebnisse auf dem Weg dahin. So wurden wir vor einigen Wochen von Hackern attackiert. Etwa 650fach mehr Seitenzugriffe von der einen auf die andere Minute zwang kurzzeitig unsere Server in die Knie. Die Lösung solcher unvorhergesehenen Probleme war eine echte Herausforderung.

Wonach wird bei Ihnen denn am häufigsten nachgefragt? Auf welchem Gebiet scheint es also einen Mangel an Arbeitskräften zu geben?

Berning: Den Fachkräftemangel spüren wir insofern, dass die Nachfrage in allen Bereichen stark steigt. Besonders im IT-Bereich scheint der Fachkräftemangel erheblich zu sein, denn hier ist die Nachfrage am größten.

Standardprogrammiersprachen wie PHP, HTML oder Java werden am häufigsten nachgefragt, Grafikdesign macht ebenso einen wichtigen Anteil aus. Die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern auf Projektbasis ist unserer Meinung nach eine gute Möglichkeit, den Fachkräftemangel zu überbrücken und Projekte trotz fehlender Arbeitskräfte fertigzustellen.

Sie sind ja nun nicht alleine mit Ihrem Angebot der Dienstleistungsvermittlung. Was haben Sie der Konkurrenz voraus, dass sich Kunden für Sie entscheiden sollten?

Berning: twago bietet eine klare Differenzierung gegenüber anderen Marktplätzen:

1. Internationale Dienstleister finden,
2. Möglichkeit, Projekte Streng vertraulich mit NDA auszuschreiben und
3. Hohe Sicherheit durch Verifizierung von Kunde, Dienstleister und Referenzen.

Wir sind die Einzigen in Deutschland, die für Kunden aus ganz Europa nicht nur lokale, sondern Dienstleister aus aller Welt vermitteln. Mit keiner anderen deutschen Plattform werden mehr Experten beispielsweise aus Indien, Russland oder Italien vermittelt. Das ist natürlich aufgrund des in letzter Zeit in Presse und Politik vieldiskutierten Fachkräftemangels interessant, da unsere Kunden Zugriff auf einen viel größeren Pool von Experten haben. Wenn ein Kunde hingegen lieber mit einem Dienstleister aus Deutschland zusammenarbeiten möchte und die Vorteile von gleicher Sprache, der räumlichen und kulturellen Nähe nutzen will, wird er bei uns natürlich ebenso fündig. Unser Ziel ist es, dass jeder Kunde den für seine spezifische Situation am besten geeigneten Dienstleister findet. Aufgrund unseres Fokus macht die Vermittlung von deutschen Dienstleistern deutlich mehr als die Hälfte unseres Geschäftes aus.

Einzigartig bei twago ist zudem unsere NDA-Funktionalität für Kunden. Bei Nutzung der Vertraulichkeitsfunktion (NDA oder Non-Disclosure Agreement) kann der Kunde sicherstellen, dass nur von ihm persönlich ausgewählte Dienstleister, die zuvor zusätzlich seine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet haben, Zugriff auf die Projektbeschreibung und Spezifikation bekommen, um ein Angebot abgeben zu können. Der Kunde kann so sicherstellen, dass vertrauliche Informationen über das Projekt nicht an Dritte weitergegeben werden und nur gewünschten Dienstleistern auf der Plattform zugänglich gemacht werden. Das ist besonders für Startups interessant, die ihre kreativen Ideen zu Beginn geheim halten wollen, um sich gegen Nachahmer zu schützen.

Unser Fokus auf Sicherheit durch Verifizierung von Kunden, Dienstleistern und Referenzen bietet die dritte Einzigartigkeit von twago. Das twago-Sicherheitsteam überprüft und verifiziert hierbei die Existenz des Nutzers, um den schwarzen Schafen keine Chance zu bieten. Das ist ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Plattformen, bei denen Dienstleister nicht verifiziert sind und deren Existenz nicht nachgewiesen ist. Gerade wenn man seine Partner nie persönlich gesehen hat, ist es extrem wichtig, eine gemeinsame Vertrauensbasis zu haben.

Bei der Wahl zum Unwort des Jahres 1996 ist das Wort "outsourcing" unter die Top 4 gekommen mit der Begründung, es sei ein "Imponierwort, das der Auslagerung/Vernichtung von Arbeitsplätzen einen seriösen Anstrich zu geben versucht". Können Sie dieses Urteil entkräften?

Berning: Wie Sie selbst sagen, war das 1996. Heute sind die Vorteile des Offshorings und Outsourcings bekannt. Wenn man die Ideologie aus der Diskussion verbannt, erkennt man, dass unser Modell Arbeitsplätze sichert. Heute hat durch twago beispielsweise ein Grafiker oder Entwickler aus Berlin Zugang zu deutschen oder europäischen Kunden. Das erhöht den erreichbaren Markt für jeden Freiberufler und somit seine Auslastung. Gerade in Zeiten der Krise konnten unsere Dienstleister durch neue Kundengruppen so Ihre Umsatzeinbrüche ausgleichen.

Angst vor internationalen Dienstleistern mit niedrigeren Stundensätzen sollte nach unseren Erfahrungen kein deutscher Experte haben: Die deutliche Mehrzahl unserer Kunden präferiert die Zusammenarbeit mit deutschen Freiberuflern aufgrund der gleichen Sprache, der Möglichkeit zu persönlichen Meetings, der bekanntermaßen hohen Qualität von "Made in Germany", aber auch den typisch deutschen Tugenden wie Verlässlichkeit und Zeitmanagement.

Kunden, wie einige der Startups, die sich dagegen bei twago für einen internationalen Dienstleister entscheiden, hatten in allen uns vorliegenden Fällen so klare Budget-Restriktionen oder eine so starke Nachfrage nach in Deutschland nicht verfügbaren Experten, dass das Projekt mit einem lokalen Dienstleister nicht zustande gekommen wäre. Ziel von twago ist es, für die sehr spezifische Situation jedes einzelnen Kunden die für ihn optimale Lösung anzubieten.

Sie sind mit twago-Italien auch in - wie der Name schon sagt - Italien vertreten. Haben Sie vor, auch in andere Länder zu expandieren? Und wenn ja, gibt es schon konkrete Pläne?

Berning: Wir sehen uns als europäisches Unternehmen und wollen natürlich in vielen Ländern Europas vertreten sein. Derzeit beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Internationalisierung und beobachten eine hohe Nachfrage aus anderen Ländern, die es nun genau zu analysieren gilt. Mehr Informationen dazu wird es in den nächsten Monaten geben. Aus technischer Perspektive können wir innerhalb kürzester Zeit mit neuen Sprachversionen online gehen.

Vielen Dank für das Interview!

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