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29.04.13Kommentieren

Interview mit Philipp Roesch-Schlanderer, eGym

"Wir bedienen mit unserem Unternehmen die beiden Megatrends Big Data und Quantified Self"

Vollelektronische Trainingsgeräte, Software gesteuert und angebunden an moderne Kommunikationskanäle – mit dieser Innovation will die eGym GmbH den deutschen Fitnessmarkt erobern. Im Interview mit förderland erklärt Gründer und Geschäftsführer Philipp Roesch-Schlanderer, wie die Idee entstanden ist und was das Team in Zusammenarbeit mit namhaften Investoren in Zukunft erreichen will.

Sie testeten Fitness 4.0: LfA-Chef Otto Beierl, evobis-Geschäftsführer Carsten Rudolph und eGym-Gründer Philipp Roesch-Schlanderer (v.l.n.r.) bei der Vorführung der Hightech-Fitnessgeräte.

förderland: Hallo Herr Roesch-Schlanderer, stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor? Liegt Ihnen Unternehmertum im Blut? Oder wie sind Sie zur Gründung Ihres eigenen Unternehmens gekommen?

Philipp Roesch-Schlanderer: In der Tat waren meine Eltern beide Unternehmer. Da ist mir das Entrepreneurs-Gen wohl von Anfang an mit gegeben worden, und den einen oder anderen wichtigen Tipp fürs Geschäftsleben gab's obendrein gratis dazu.

Mit eGym ist es Ihr Ziel, "die deutsche Fitness-Branche durch effektivere Trainingsmethoden für die Nutzer und ein verändertes Businessmodell für Studiobetreiber auf eine neue Stufe zu heben". Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Roesch-Schlanderer: Wir starten gerade eGym Premium, unser neues Trainingsabo. Mit eGym Premium, das vom Mitglied zu einem günstigen Preis zugebucht werden kann, generieren wir Zusatzumsätze für die Studiobetreiber – ohne dass diesen weitere Kosten entstehen – und unterstützen diese dabei, Premiumstudio für Premium-Mitglieder zu sein.

Wer eGym Premium abonniert, kann nach den beiden neuen Trainingsmethoden isokinetisch und adaptiv trainieren: Beim isokinetischen Training arbeitet man mit einer konstanten Trainingsgeschwindigkeit. Dabei kann der Sportler den Trainingswiderstand in jedem Gelenkwinkel selbst bestimmen und visuell am Bildschirm mitverfolgen. So trainiert man immer am natürlichen Leistungsoptimum, und der aktuelle Kraftstatus wird bei jeder Wiederholung erfasst. Beim adaptiven Training passt sich das Trainingsgewicht auf Millisekunden genau an das noch vorhandene Muskelpotenzial an und übernimmt durch die Gewichtsreduktion während des Trainings die Funktion des Trainingspartners. Dadurch lässt sich der Muskel im Gegensatz zum Training mit konstanten Gewichten bis zu dessen völliger Erschöpfung auslasten.

Adaptiv trainiert man bis zu viermal so effektiv wie nach herkömmlichen Methoden. eGym Premium wurde nach modernsten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt, so dass jedes Mitglied optimal trainiert. Hinter jedem Trainingsziel steht ein Premium-Trainingsprogramm, dessen Parameter Periodisierung, Belastungs- und Pausendauer, Trainingsmethode und Intensität perfekt auf die Zielerreichung abgestimmt sind. Zudem erhält das Mitglied detaillierte sportwissenschaftliche Auswertungen zur weitergehenden Umsetzung mit dem Trainer.

Gibt es bereits erstes Kundenfeedback? Wie kommt eGym an?

Roesch-Schlanderer: Ich komme gerade von der FIBO in Köln zurück, der größten Fitnessmesse der Welt. Dort, so sagen mir unabhängige Beobachter, hat unser Stand zu den am besten frequentierten gehört – neben absoluten Branchenriesen wie Technogym, Precor oder Life Fitness. Bei unserem ersten FIBO-Auftritt im vergangenen Jahr waren wir mit einer handvoll Leuten vertreten, dieses Jahr hatten wir über 50 Trainer, Verkäufer und andere Mitarbeiter auf dem Stand. Obwohl wir erst in der zweiten Jahreshälfte 2012 unsere ersten Maschinen ausgeliefert haben, gehören wir bereits zu den Top-Playern im Markt. Unsere Geräte, so hören wir immer wieder, gehören schon heute zu den besten der Welt. Und unser Angebot ist von acht auf ein nunmehr aus 18 elektronischen Kraftgeräten bestehendes Vollsortiment angewachsen.

Wie ist die Idee entstanden?

Roesch-Schlanderer: Während meines Studiums in New York habe ich 2008 zum ersten Mal regelmäßig im Universitäts-Studio trainiert. Gleichzeitig hatte ich mein erstes iPhone und neben der fantastischen Erfahrung, in New York zu leben, begeisterten mich die Möglichkeiten der IT. Im Fitnessstudio fragte ich mich jedes mal, warum sich die ganze Welt durch IT so wahnsinnig verändert hat, nur das Studio technisch auf dem Niveau von vor 15 Jahren stehen geblieben ist. Nach kurzer Zeit trainierte ich dann auch mit einem Profi, der mir einige Tricks zeigte, durch die das Training erst richtig effektiv wird. Zurück in Deutschland drängte sich die Frage auf: kann man nicht das Training effektiver und gesünder machen und gleichzeitig mit mehr Spaß verbinden? Gemeinsam mit meinem Freund und jetzigen CTO von eGym, Florian Sauter, habe ich dann eGym gegründet, um meine beschriebene Vision Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen.

Sie konnten den ehemaligen Microsoft Deutschland-Leiter Jürgen Gallmann, das Gründernetzwerk evobis, den Risikokapitalgeber Bayern Kapital und die LfA Förderbank Bayern als Investoren gewinnen. Wie haben Sie die genannten überzeugt? Und wie hoch war die Finanzierungsrunde?

Roesch-Schlanderer: Technologie, Markt und Team von eGym haben unsere Investoren überzeugt, und dazu gehört sicherlich auch, dass ich in allen Bereichen nur mit den Besten arbeiten möchte. Wir bedienen mit unserem Unternehmen die beiden Megatrends "Big Data" und "Quantified Self", zudem ist der Fitnessbereich ganz grundsätzlich ein absoluter Wachstums- und Zukunftsmarkt.

Gesundheitsbewusstsein und zunehmende Selbstverantwortung stehen in unserer Gesellschaft ganz vorne. Die Menschen werden immer älter, gleichzeitig wollen sie sich so lange wir möglich fit halten, und das wirklich Neue daran ist, dass nunmehr auch der Lifestyle-Aspekt hinzutritt: Ich will nicht ins Fitnessstudio "müssen", sondern mich genauso darauf freuen wie etwa auf den Feierabend-Kick mit meinen Fußball-Kumpels.

Und genau dafür, für den Spaß am fit sein, am fit werden, steht das eGym System! Ein Gesamtkonzept aus Hightech-Geräten, innovativen Trainingsmethoden und – mittlerweile ganz wichtig – der Möglichkeit, mich über die Vernetzung mit Social Media wie z. B. dem eGym Fitnessteam oder auch per Facebook mit meinen Freunden über meine Trainingserlebnisse auszutauschen. Wir erleben so eine richtige Fitness-Lifestyle-Community. Jürgen Gallmann bestätigte mir in diesem Zusammenhang, dass er das eGym Konzept diesbezüglich sehr überzeugend und konsequent zu Ende gedacht finde. Deshalb engagiert er sich mit großer Freude.

Wie werden Sie das Kapital investieren? Und wie profitieren Sie darüber hinaus von der Zusammenarbeit mit den Kapitalgebern?

Roesch-Schlanderer: Wir investieren natürlich in die immer weitere Verbesserung unserer Geräte. eGym entwickelt, baut und vertreibt die modernsten Hightech-Produkte für den Fitnessmarkt. Das ist unser Anspruch, daran arbeiten wir kontinuierlich. Für mich ist aber mittel- und langfristig am aller wichtigsten, dass wir die Besten der ganzen Welt im Bereich Fitness-Software werden!

Das gilt sowohl für den Komplex der Weiterentwicklung unserer Trainingsmethoden, der Optimierung der Trainingsplanungs- und -auswertungsmöglichkeiten für Trainer und Kunden als auch für die von den Studios eingesetzte Software für effizienteres Management ihrer Anlagen. Das reicht von der Verschlankung von Abläufen im Studio bis hin zur Gewinnung von Neumitgliedern und der Absenkung von Fluktuationsraten.

Mit unseren Kapitalgebern stehen wir im kontinuierlichen Austausch, nicht zuletzt in unseren regelmäßigen Beiratssitzungen. Ich bin für jeden unserer Investoren sehr dankbar, weil wir von deren sehr unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen außerordentlich profitieren. Das geht bis hin zu gemeinsamen Workshops, in denen wir gemeinsam bereits eine Vielzahl toller Ideen entwickelt – und anschließend realisiert – haben.

Was sind die nächsten Meilensteine, die Sie erreichen möchten? Und wie werden Sie Ihr Produkt weiterentwickeln?

Philipp Roesch-Schlanderer: Wir wollen unser Produktsortiment ausbauen und uns in weitere Segmente entwickeln, wie etwa den Physiomarkt oder das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Neben der beschriebenen Weiterentwicklung unserer Hard- und Software wollen noch im Laufe diesen Jahres in zwei europäische Länder expandieren. Gegenwärtig vertreiben wir unsere Produkte in Deutschland und in der Schweiz.

Vielen Dank für das Interview!

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