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04.06.10

Praxistipp

Wieviel ist mein Start-up wert?

Wenn es zu einer Verhandlung über eine Beteiligung kommt, und sei sie auch noch so gering, sind Gründer darauf angewiesen, den Wert Ihres Start-ups zu bemessen. Doch wo und wie in aller Welt findet man den heraus? Hier im Artikel finden Sie einige handfeste Ansätze, die Ihnen helfen, zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen.

(c) cameraobscura/pixelio.deWieviel ist mein Start-up wert?

Bei der Psychoanalyse des Menschen ist es unabdingbar, eine Vielzahl an Einzelfaktoren zu registrieren, zu bewerten und dann zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Ähnlich müssen wir auch bei der Bewertung eines Start-ups vorgehen. Nachfolgend lernen wir hierfür einige Mittel kennen, die dem Gründer zwar helfen, einen Anhaltspunkt zu gewinnen, aber die nur im Zusammenspiel und im Vergleich ein ansatzweise realistisches Bild vermitteln können. Als Grundsatz sollte man sich jedoch immer vor Augen halten, dass es beim Beteiligungsmarkt im Grunde wie bei allen Märkten ist: Der Wert eines Gegenstandes ist der, den ein Käufer bereit ist, dafür zu zahlen.

Wo stehen wir?
Zunächst muss sich der Gründer darüber bewusst sein, in welcher Phase sich sein Unternehmen befindet. Die Skala reicht hier von der Vorgründungsphase, in der es gilt, eventuellen Kapitalgebern oder Mitgründern angemessene Anteile zukommen zu lassen bis hin zur Spätphase, in der das Unternehmen nahezu voll ausgeprägt ist und bereits einen klaren Stand im Markt hat. Je größer das Risiko für den Geldgeber, desto geringer sind freilich die zu erwartenden Quoten.

Wie ist das Team aufgestellt?
Der Faktor, der mit am schwersten bei der Start-up-Bewertung wiegt, ist die Aufstellung des Teams. Denn hier zeigt sich dem Investor am deutlichsten, wo die Reise hingehen kann, denn von den Gründern weiß man, im Gegensatz zum zu bewertenden Unternehmen, welche Vergangenheit sie haben, wie Ihre Vorbildung, ihr Charakter oder ihr Durchsetzungsvermögen ist. Für die Start-upper selbst ist sicherlich das Durchschnittsgehalt und die durchschnittliche Gewinnmarge der fraglichen Tätigkeit ein gewisser Anhaltspunkt. Auch Branchenkontakte und -erfahrung stellen Multiplikatoren dar, die für den Erfolg und die schnellen Entwicklungsmöglichkeiten eines Unternehmens eine immens wichtige Rolle spielen können. Ein Start-up-Bewertungs-Tool, welches vor allen Dingen die Team-Mitglieder in die Kalkulation mit einbezieht, ist younoodle. Hier gibt der User alle Randdaten in die Benutzermaske ein und erhält am Ende eine automatische Bewertung seines Start-ups. Zwar ist younoodle eher für den anglo-amerikanischen Raum geschaffen, kann aber eine erste Idee liefern.

Die Geschäftsidee
Der wohl am häufigsten überbewertete Punkt bei der Einschätzung des Unternehmenswertes ist die Geschäftsidee. Zwar kann man sie als Grundlage des gesamten Unternehmens betrachten, allerdings ist sie auch der unsicherste Faktor in der Rechnung. Der Investor muss sozusagen darauf wetten, dass sich das Potential der Geschäftsidee mit den anderen Faktoren multipliziert. Diese einfache Beispiel-Kalkulation sollte hier viele Gründer auf den Boden der Tatsachen zurückholen: 1000 x 0=0, 500x2=1000. Bedeutet: Auch die beste Idee ist nur etwas Wert, wenn die übrigen Faktoren stimmen. Und eine Geschäftsidee mit weniger Potential kann sich für einen Investor zu einer attraktiven Gelegenheit entwickeln, wenn sie auch kompetent durchgezogen wird. Wer wissen möchte, wie ein Venture-Kapitalgeber bei seiner Arbeit genau vorgeht, der lese am besten Olaf Jakobis Beitrag hier auf förderland .

Vergleiche mit anderen Start-ups
Sowohl für Investoren als auch für Gründer stellt der Vergleich mit Start-ups, die in ähnlichen Branchen tätig sind und bereits Beteiligungen erhalten haben, einen wichtigen Anhaltspunkt dar. Erst, wenn man vergleichen kann, kann man von einem richtigen "Markt" sprechen. Doch woher bekommt man die nötigen Informationen über Unternehmens-Beteiligungen in der Vergangenheit oder den Wert von Anteilen aktueller Start-ups? Bei börsennotierten Aktiengesellschaften ist das einfach, denn diese werden ganz transparent gehandelt. Doch auch für Start-ups bildet sich mehr und mehr, wenn auch nur im Ausland, ein offener Anteils-Markt heraus. Beispiele hierfür sind etwa die drei Plattformen growvc, privanetanti und first north. Obwohl diese in Finnland zu Hause sind, steht auch einem deutschen Gründer nichts im Wege, dort nach vergleichbaren Start-ups Ausschau zu halten und sich deren Anteilspreise zu Gemüte zu führen. Wer Informationen über Unternehmensanteile deutscher Start-ups herausfinden möchte, der ist auf der Datenbank von Gründerszene sehr gut aufgehoben.

Veranstaltungstipp
Wer wissen möchte, welche Faktoren von einem Business Angel wie bewertet werden, dem steht am 23. Juni in Essen ein ganz spezieller Referent zur Seite. Der Business-Angel des Jahres 2009, Ingo Kett, stellt sich all den Fragen, die nicht schon durch seinen Vortrag: "Unternehmensbewertungen von Business Angel Investments - im Spannungsfeld zwischen Schnäppchenjägermentalität und Mondpreisillusionen", beantwortet wurden. Anmeldeschluss ist der 16. Juni; die Veranstaltung findet in Essen, in den Räumen der PwC Deutsche Revision AG statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

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