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16.01.14Leser-Kommentare

Interview mit Stefan Melbinger, Mystery Lunch

Wie wäre es, wenn sich der CEO jede Woche mit 5 Mitarbeitern trifft, um deren Perspektiven kennenzulernen?

Mystery Lunch bringt Schwung in den schnöden Büroalltag, vernetzt Mitarbeiter und fördert den sprichwörtlichen Blick über den Rand den Tellerrand. Wie das funktioniert, erklärt Stefan Melbinger, Co-Founder des Münchner Start-ups TheInnerCrowd, das die Idee entwickelt hat, bereits viele Nutzer von o2 und Telefónica für einen Mystery Lunch begeistern konnte und noch viel vor hat.

Stefan Melbinger, Co-Founder des Münchner Start-ups TheInnerCrowd, das Mystery Lunch entwickelt hat

förderland: Hallo Stefan, was verbirgt sich hinter dem mysteriösen Namen „Mystery Lunch“?

Stefan Melbinger: Mystery Lunch ist ein Service, der Mitarbeiter großer Firmen über Mittag miteinander vernetzt. Über ein Online-Tool werden automatisch in regelmäßigen Abständen Angestellte aus unterschiedlichen Abteilungen in Paaren ausgelost und zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen. “Mysteriös” und spannend ist dabei, mit wem man beim nächsten Mal essen geht - unser intelligenter Algorithmus sorgt dafür, dass Teilnehmer ständig neue Kollegen und Abteilungen kennenlernen!

Welche Vorteile hat es, wenn via Mystery Lunch zugeloste Mitarbeiter miteinander zu Mittag essen?

Melbinger: Für den einzelnen Mitarbeiter bedeutet Mystery Lunch zunächst Abwechslung vom Büroalltag, interessante Gespräche, die Erweiterung des persönlichen Netzwerks und die Möglichkeit zum buchstäblichen Blick über den Tellerrand.

Für das Unternehmen geht es jedoch noch um viel mehr. Große Firmen leiden unter der starken Abgrenzung zwischen Abteilungen, ja sogar zwischen Teams innerhalb der selben Abteilung. Angestellte müssen oft erst mühsam den richtigen Ansprechpartner in der eigenen Firma suchen, Projekte verzögern sich wegen falscher Annahmen, ungenaue Kommunikation resultiert in Missverständnissen und Vorurteile zwischen den Gruppen können eine schlechte Arbeitsatmosphäre erzeugen.

Durch Mystery Lunch kann das Unternehmen die engere Vernetzung der Angestellten bewirken und sich als “great place to work” beweisen: So wird Wissenstransfer ermöglicht, Vorurteile zwischen Teams werden abgebaut, sogenanntes “Silodenken” wird verhindert und eine tolle Arbeitsatmosphäre wird hergestellt. Wir geben der Personalabteilung somit ein Tool zur Hand mit dem viele Probleme großer Organisationen (Firmen, Universitäten, Behörden, …) gelöst werden können.

Eure ersten Nutzer sind o2 und Telefónica. Wie wird das Konzept bei deren Mitarbeitern angenommen und wie ist das Feedback?

Melbinger: Wir fingen bei o2 in München mit einer “Beta”-Version des Mystery Lunch an und erhielten sofort äußerst positives Feedback der Teilnehmer. Selbst Mitarbeiter an entlegeneren Standorten meldeten sich selbständig und halfen uns, das Mystery Lunch auch dort einzuführen. Das Projekt hat klein begonnen, umso überraschter waren wir dann aber als wir sahen, dass sich auch Mitglieder des Top-Managements anmeldeten!

Beflügelt durch diesen Erfolg und die Teilnehmerzahlen haben wir unseren Service dann auch in die weitere Telefónica-Gruppe expandiert und bieten das Mystery Lunch nun auch in Spanien, England, Irland und Tschechien an. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: wir konnten nun bereits über 4000 Mystery Lunches organisieren - jedes einzelne von ihnen eine riesige Chance für das Unternehmen.

Welche Leistungen bietet Eure Firma, TheInnerCrowd, ihren Kunden? Gerade in sehr großen Unternehmen ist es ja nicht nur die Technik – vor allem die Kommunikation, die Mitarbeiter zum Mitmachen motiviert, scheint der entscheidende Faktor ...

Melbinger: Das ist richtig. Es gibt viele tolle Human Resources (HR) Projekte die auch nach Monaten und Jahren nie richtig bei den Mitarbeitern ankommen bzw. angenommen werden. Wir stellen sicher, dass das Mystery Lunch keines dieser Projekte ist!

Wir unterstützen das Unternehmen bei der Erstellung eines Kommunikationsplans und gehen auf individuelle Bedürfnisse und die Eigenheiten der Unternehmenskultur ein. Für die Mitarbeiter muss klar sein, dass es sich hierbei nicht um ein top-down aufgezwungenes Change-Projekt handelt, sondern dass sie im Mittelpunkt stehen und selbst dafür verantwortlich sind, aus dem Mystery Lunch das zu machen was ihnen in der “normalen” Bürowelt fehlt.

Wie wollt Ihr neue Kunden von Eurem Konzept überzeugen? Und wer sind Eure Wunschkunden? Ist Mystery Lunch auch für kleinere Unternehmen interessant?

Melbinger: Wir überzeugen unsere Kunden mit einer einfachen, schnell umgesetzten und personalisierten Lösung. Heute dreht sich in Großunternehmen viel um digitale Kommunikation, wobei die menschliche Kommunikation immer mehr vernachlässigt wird. Mit Mystery Lunch nutzen wir aktuelle Techniken um Menschen im “echten Leben” miteinander zu vernetzen.

Unser “Wunschkunde” ist eine Firma mit über 500 Mitarbeitern, die erkannt hat dass ihre Abteilungen nicht gesamtunternehmerisch denken und effektive Kommunikation durch Barrieren in den Organisationsstrukturen und in den Köpfen der Mitarbeiter behindert wird. Diese Firma kann mit dem Mystery Lunch eine einzigartige Möglichkeit zum Networking bieten und somit die Zusammenarbeit zwischen Bereichen auf ein neues Level bringen.

Wir werden uns aber natürlich ganz genau ansehen, ob unser Produkt bei einer interessierten Firma auch tatsächlich zu einer Stärkung der internen Netzwerke beitragen könnte. Eine gewisse Mindestgröße ist dabei eine Voraussetzung um Abwechslung und spannende Lunches für die Mitarbeiter zu garantieren. Wir freuen uns aber auch über kleinere Unternehmen die sich bei uns melden - gerne können wir gemeinsam überlegen wie wir sie unterstützen und unser Know-how einbringen können.

Der Mystery Lunch bringt ja ein Stück Start-up-Spirit in größere, unübersichtliche Unternehmen. Was können aus Eurer Erfahrung die großen von den kleinen lernen?

Melbinger: In großen Firmen laufen viele Prozesse und Projekte zum Selbstzweck, bzw. weil die Dinge “immer schon” so gemacht wurden. Von Start-ups können diese Firmen lernen, sich ausschließlich auf die Kundenbedürfnisse zu fokussieren. Nachdem wir das Problem der fehlenden internen Vernetzung identifiziert haben, starteten wir mit einer schnellen “proof of concept” Lösung und haben uns seitdem ständig entsprechend dem Kundenfeedback angepasst.

Wie ist die Idee zu Mystery Lunch entstanden? Wie hat das TheInnerCrowd-Team zusammengefunden? Und: Sind weitere Produkte in Planung?

Melbinger: Christoph, Matthew und ich kannten uns, als wir gleichzeitig in einer großen Firma in unterschiedlichen Abteilungen zu arbeiten begannen. Das bot uns die einmalige Gelegenheit, die Vorurteile und Annahmen die zwischen Organisationseinheiten existieren kritisch zu hinterfragen. Schnell merkten wir wie groß das Bedürfnis bei vielen Kollegen war, über den Tellerrand zu blicken und besser zu verstehen wie das Unternehmen wirklich tickt. In vielen Unternehmen ist die Kantine der beliebteste Treffpunkt zum Socializen, und somit war es nicht mehr weit zur Idee zum Mystery Lunch.

Momentan richten wir unseren ganzen Fokus auf die Weiterentwicklung des Mystery Lunch und lernen im ständigen Austausch mit Personalabteilungen enorm viel über deren aktuelle Herausforderungen. Aus dieser Zusammenarbeit werden aber bestimmt weitere Produktideen entstehen.

Wie ist die „Unternehmenskultur“ bei TheInnerCrowd. Geht man zusammen Mittag essen? Welche Weiterentwicklungen für Mystery Lunch werden da besprochen?

Melbinger: Tatsächlich ist meistens Essen im Spiel, wenn wir Drei zusammensitzen und arbeiten ;) Unsere Unternehmenskultur ist dementsprechend locker - wir sind drei Freunde, die ein Problem erkannt und eine praktische Lösung entwickelt haben. Das tolle Feedback das wir dazu erhalten haben treibt uns an, unsere Idee zu verbreiten und die Arbeitsatmosphäre, den Wissensaustausch und somit auch die Effizienz in möglichst vielen Unternehmen nachhaltig positiv zu verändern!

Ideen haben wir noch eine Menge. Wie wäre es, wenn sich der CEO jede Woche mit 5 Mitarbeitern trifft, um deren Perspektiven kennenzulernen? Könnten neu eingestellte Mitarbeiter am Mystery Lunch teilnehmen um möglichst schnell einen Überblick über die Firmenstrukturen zu erhalten? Könnte die HR-Abteilung unternehmensweite Change-Projekte mit Hilfe unserer Technologie im Grassroots-Ansatz von unten her aufbauen und so ehrliches Commitment der Mitarbeiter erhalten? All das und noch viel mehr ist möglich, und wir freuen uns über jeden Partner mit dem wir gemeinsam am Arbeitsumfeld der Zukunft arbeiten können.

Vielen Dank für das Interview!

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Kommentare

  • Bernd

    17.01.14 (00:15:09)

    Die Idee ist gut und lobenswert. Ähnliche Konzepte gab es ja schon häufig in der Vergangenheit. Hier ist übrigens ein Blick auf das Buch "Der kleine Machiavelli". Dort ist sehr gut beschrieben, warum solche Konzepte in der Wirklichkeit leider nie funktionieren. Aber der Imagefaktor wird angehoben und nach außen kann ein neuer Wert transportiert werden.

  • Stefan Melbinger

    19.01.14 (20:18:16)

    Danke für Dein Feedback, Bernd. Wir freuen uns dass Du die Idee gut findest. Danke auch für die Buchempfehlung, das satirische Werk scheint ja viele traurige Tatsachen aus der Berufswelt pointiert darzustellen und kommt definitiv auf meine Leseliste!

    Dennoch kann ich Dir aus unseren Erfahrungen berichten, dass die Idee Mystery Lunch funktionieren kann. Natürlich ist die Teilnahmequote im mittleren und oberen Management aufgrund von dichten Terminkalendern geringer als bei "normalen" Angestellten, insgesamt repräsentieren die vielen aktiven Teilnehmer aber doch das gesamte Unternehmen. Zusätzlich haben wir diverse Ideen um wirklich allen Mitarbeitern die Teilnahme schmackhaft und möglich zu machen, wie eben z.B. monatliche Lunch-Runden an denen das Top-Management teilnimmt.

    Falls Du weiteres Feedback hast würden wir uns freuen von Dir zu hören, gerne kannst Du uns unter info(at)mysterylunch(dot)com erreichen!

  • Anna F.

    18.02.14 (01:30:06)

    Ich habe mich mit dem Thema einmal auch auseinandergesetzt. Wir betreuen einige mittlere Webunternehmen, bei dem es ja sowieso meistens lockerer zugeht, als bei den klassischen Firmen. Was mir auch bei diesem Konzept auffällt,das Strukturen, Verhalten und Prozesse eigentlich gleich sind wie bei einem Dating zwischen zwei Menschen, die flirten möchten. Auch das im Kommentar angesprochene Lunch Treffen erinnert dabei an die Umstände bei einem Date. So spielen in beiden Bereichen natürlich die gegenseitige Sympathie die maßgeblichen Rollen. Während Leistung zunächst nach hinten rückt. Dennoch halte ich solche Treffen in der Geschäftswelt für durchaus sinnvoll. Gerade in der Führungsetage geht der Blick für das Wesentliche oft verloren. Wichtige Faktoren werden nicht mehr wahrgenommen und können so über Jahre hinweg zu einem verzehrten Bild führen, das letztendlich auch Gräben zwischen oben und unten schafft.

    Einzig die Zeitfrage sehe ich als kritisch. Wöchentlich Treffen mit 5 Mitarbeitern zu organisieren, dürfte die Agenda stark belasten. Immerhin sollten für solche Gespräche keinesfalls nur wenige Minuten eingeplant werden.

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