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04.02.10Kommentieren

Interview mit Andreas Prokop, IQ-Innovationspreis

"Wie tickt ein Juror?"

Viele Gründer spielen mit dem Gedanken, mit ihrem Team an einem Start-up-Wettbewerb teilzunehmen. Die Motivationen hierfür sind verschieden: Geldpreise, die Betreuung oder aber die fachliche Beurteilung des Gründerkonzepts spielen hier eine Rolle. Überlassen wir heute Andreas Prokop vom IQ Innovationspreis Mitteldeutschland das Wort, um uns einen Eindruck zu verschaffen, wie ein Wettbewerb aus der Sicht eines Jurors aussieht.

Andreas Prokop, JurorAndreas Prokop, Juror

Herr Prokop, Sie fungieren beim Wettbewerb IQ Innovationspreis Mitteldeutschland als Juror. Bitte stelle Sie sich doch kurz unseren Lesern vor. Wer sind Sie? Was sind Ihre Kompetenzen? Warum sind Sie Juror bei dem Wettbewerb?

Andreas Prokop: Wer ich bin: Ich bin Jahrgang 67, ausgebildeter IT-Systemelektroniker mit anschließendem Studium der Industriellen Elektronik, also technisch "vorbelastet".16 Jahre war ich im Bereich Information und Kommunikation bei einem der innovativsten deutschen bzw. internationalen Großunternehmen tätig, der Siemens AG. Davon rund 10 Jahre in Leitungspositionen. Seit 3 Jahren habe ich ein eigenes Beratungsunternehmen mit den Schwerpunkten Strategieberatung, Vertriebsmanagement und Mergers & Aquisitions. Der Fokus liegt im Bereich IT und Technologieunternehmen.
Warum Juror? Siemens ist  Mitgliedsunternehmen der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland, die den IQ Innovationspreis ausschreibt. So habe ich den Wettbewerb erst als Preisstifter der Clusterpreises Informationstechnologie kennengelernt und das Jurymandat dann als mittelständischer Unternehmer fortgeführt. Meine Erfahrungen aus Management, Technologie (transfer) und Unternehmensentwicklung verbunden mit dem Interesse für Trends und Innovationen in der Branche kann ich als Juror sehr gut einbringen.

Haben Sie bereits selbst schon an Wettbewerben teilgenommen? Wenn ja an welchen?

Prokop: Direkt nein.  Allerdings berate ich Unternehmen, die an ähnlichen Wettbewerben teilnehmen vor Einreichung bei ihren Ideen/Innovationen bzw. bei der Verifizierung ihrer Businesspläne. Und natürlich auch, wie man einen gelungenen Auftritt vor Jurymitgliedern plant und umsetzt.

Und haben Sie selbst schon einmal gegründet?

Prokop: Ja selbstverständlich! Zuletzt im September 2009. Schließlich genügt es nicht, nur theoretisch gute Ratschläge zu erteilen. Eigene Erfahrungen sind dabei Pflicht. Insbesondere wie eine Innovation oder Geschäftsidee zum Laufen kommt.

Was ist eigentlich am IQ Innovationspreis besonders? Warum sollte man teilnehmen?

Prokop: Der Wettbewerb wird von der vornehmlich privat getragenen Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland ausgelobt mit dem Ziel, junge Unternehmer zu fördern. Der „IQ“ ist ein branchenbezogener Wettbewerb, der sich an den strukturbestimmenden Clustern einer Region orientiert. Die Gewinner der Clusterpreise erhalten nicht nur ein hohes Preisgeld, sie werden auch für ein Jahr Mitglied in der Wirtschaftsinitiative und erlangen damit den Zugang zu einem Unternehmernetzwerk, das den Einstieg in den Markt begünstigt. Vorjahresgewinner konnten bereits durch Referenzaufträge oder Kreditvermittlungen profitieren. Zudem werden die IQ-Gewinner intensiv bei der Vermarktung ihrer Innovation vor allem in den Medien unterstützt. Alles in allem ein interessantes Paket, das da für die Gewinner geschnürt wird.

Welche besonderen Chancen bieten sich Gründern auf Wettbewerben? Wäre die Zeit nicht besser investiert, indem man noch intensiver an seinem Produkt arbeitet?

Prokop: Das eine bedingt, so glaube ich, das andere; nur wenige gute Produkte und Geschäftsideen verkaufen sich von selbst. Die Geschichte kennt da genügend Beispiele. Und selbst ein gut präsentiertes Produkt wird sich kaum durchsetzen, wenn es nicht den Wert beim Kunden schafft, den es verspricht. Gehen beide Dinge Hand in Hand, erhöhen sich sicher die Erfolgschancen beträchtlich.  Allerdings ist dies davon abhängig, welcher Wettbewerb der geeignete Katalysator für die/das betreffende Geschäftsidee/Produkt ist.Hier leistet der IQ Innovationspreis Mitteldeutschland  mit seinen Clusterpreisen und den Fachexperten eine sehr gute Arbeit.

Meist sieht man als Juror zuerst den Businessplan der Bewerber. Entwickelt man dort schon ein inneres Bild von den Gründern? Bestätigt es sich oft dann, wenn man sie persönlich trifft?

Prokop: Das ist sicher in den meisten Fällen so. Der Grad der Professionalität, mit der Businesspläne gemacht sind, findet zumeist seine Fortsetzung im persönlichen Gespräch bzw. bei der Präsentation. Allerdings werden die besonders guten Businesspläne meist von Gründern eingereicht, die ihre Vorbildung im betriebswirtschaftlichen Bereich erworben haben; die Gründungsideen zielen hier vor allem auf Geschäftsmodelle ab, weniger auf Produktinnovationen im technologischen Bereich. Dies könnte, leider, daran liegen, dass Gründerthemen und Basis Know How für Unternehmer in den technologieorientierten Ausbildungsrichtungen und der anwendungsorientierten Grundlagenforschung noch nicht ausreichend berücksichtigt werden

Was gewichten Sie bei Ihrer Bewertung am höchsten? Ist es die Idee? Die Umsetzung? Das Potential oder die Gründer selbst?

Prokop: Es ist die Kombination aus den o.g. Punkten mit einer hohen Priorität auf Umsetzung und Potential. Schliesslich sollen hier auch langfristig erfolgreiche Unternehmen enstehen und da ist meiner Einschätzung nach vor allem eine stringente Umsetzung des Businessplanes bei präzise eingeschätztem Potential gefragt. Die Person des Gründers spielt sicher auch eine gewichtige Rolle.  Allerdings ist hier eine solide Einschätzung nur sehr selten möglich.

Wo sehen Sie die häufigsten Mängel an den eingereichten Businessplänen?

Prokop: Hier würde ich vor allem bei Budget- und Potentialeinschätzungen der Produkt- bzw. Geschäftsideen die meisten Fragezeichen machen. Die Einschätzungen sind zumeist etwas sehr optimistisch.

Wie steht es um ganz banale Dinge, wie etwa die Fähigkeit zur Formulierung? Der Sprache? Der grafischen Aufbereitung der Businesspläne? Sind Sie zufrieden?

Prokop: Lassen Sie mich mit einer Weisheit antworten: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler. Insofern wäre es sehr hilfreich, wenn die Geschäftsideen und Businesspläne sich mehr nach dem "Geschmack" der Jury richten würden. Auch hier ist Professionalität das A und O. Beides gilt im späteren Geschäftsleben um so mehr!

Vielen Dank für das Interview.

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