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11.10.11Leser-Kommentare

Recht

Werden Sie das private Mail-Schreiben erlauben?

Haben Sie schon viele Chefs erlebt und möchten nun endlich mal selbst ran ans Ruder? Oder sind Sie der Youngster, der von vornherein sein eigener Herr sein will? Egal. Früher oder später müssen Sie sich mit der Frage beschäftigen: Welche Art Chef will ich sein? Wie sollen sich Ihre Angestellten in Ihrer Firma verhalten dürfen? Gerade die Entscheidung "private E-Mails ja/nein" ist von elementarer Bedeutung. Einmal "ja" gesagt, wird man das "private Gespenst" nicht mehr so schnell los. Wichtig ist, dass man vorab genau weiß, auf was man sich eventuell einlässt – auch mit den rechtlichen Konsequenzen, die zum Teil sehr gruselig daher kommen.

Das mit den privaten E-Mails in der Arbeit ist wie mit dem Fernsehen. Der pädagogisch sinnvolle Weg ist wohl, dass man Fernsehen (und privates Mailschreiben) erlaubt, aber mit festen Regeln, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Nur gibt es eben immer ein paar, die es trotz Vereinbarung übertreiben und so stellt sich die Frage: doch gleich komplett verbieten? Bei den privaten Mails gibt es noch einen weiteren Knackpunkt: Privates Mail-Schreiben von der privaten Mail-Adresse aus, ist die eine Sache. Wie sieht es aber mit privaten Mails von der Geschäftsadresse aus? Hier ist technisch gesehen ein Nachkontrollieren ja um ein Vielfaches leichter. Aber: Darf man dem Mitarbeiter nachspionieren?

Juristisch ist genau diese Sache hochproblematisch. Experten aus dem Arbeitsrecht  weisen darauf hin, dass eine Firma zum "Telekommunikationsanbieter" wird, sobald sie die private Nutzung ihrer E-Mail-Systeme erlaubt. Somit unterliegen die Arbeitnehmer dem Fernmeldegeheimnis und der Chef darf nicht kontrollieren. Das heißt, es ist für einen Inhaber sogar problematisch, wenn er an den Mail-Account des Mitarbeiters muss, weil dieser krank ist, dort aber wichtige Geschäftsmails auflaufen.

Deshalb unser Tipp: Private Mails generell lieber nicht von der Geschäftsadresse erlauben und für Geschäftsadressen, die erheblichen Einfluss auf das Tagesgeschäft haben, unbedingt mehrere Backup-Szenarien aufbauen.

Das ist allerdings noch nicht alles. Ganz allgemein ist es Arbeitgebern schon gestattet, Telefonate, Internet- und E-Mail-Aktivitäten von Arbeitnehmern zu überwachen. Derzeit stehen diesem Zugeständnis an den Arbeitgeber aber noch zu viele Gesetze "im Weg" (Persönlichkeitsrecht, Recht auf Selbstbestimmung, Bundesdatenschutzgesetz). Und eine generelle, systematische Überwachung ist nach Ansicht deutscher Gerichte sowieso unzulässig. Nicht zuletzt gibt es auch noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen, was speziell die Kontrolle der E-Mail-Kommunikation oder der Internetnutzung am Arbeitsplatz betrifft. Zynisch gesprochen: Kontrollieren ist erlaubt, man darf es nur nicht in die Tat umsetzen, weil die entsprechenden Gesetze (noch) fehlen. Es zählt der Einzelfall, der für den Arbeitgeber aber einen höchst ungewissen Ausgang bedeutet.

Nun geht es natürlich auch noch um den Umfang. Wie viele Minuten privates Mailschreiben pro Tag ist akzeptabel? Oder sollen die Angestellten nur in der Mittagspause schreiben dürfen? Schauen wir uns kurz die Anfänge an: Am Anfang stand das Telefon, Handys gab es noch nicht. Daraus entstand das Gewohnheitsrecht, dass Arbeitnehmer das Geschäftstelefon für kurze (Orts-) Telefonate benutzen dürfen. War also früher kurzes, privates Telefonieren erlaubt, ist die Frage, ob Arbeitnehmer nicht quasi davon ausgehen können, dass in vergleichbarem Umfang auch (kurze) private E-Mails und (geringfügige) Internetnutzung möglich sind - zumindest dann, wenn beim Arbeitgeber keine zusätzlichen Kosten entstehen und der Mitarbeiter dringliche Sachen abends einfach nicht erledigen kann. Wenn man das natürlich alles zusammenzählt, kommt ganz schön viel private Zeit zusammen: Einen Zahnarzttermin vereinbart, die Erzieherin vom Kindergarten zurückgerufen, kurz noch das Wetter im Web gecheckt und der Nachbarin eine SMS geschrieben, dass sie bitte die Mülltonne mit rausstellt. Und dann wollte man ja noch die Fotos vom letzten Teambuilding auf Facebook hochladen… Die Erledigung solch dringlicher Dinge summiert sich natürlich auch aufgrund der immer besser werdenden, technischen Möglichkeiten. Sie haben aber nun mal alle nichts mit der Arbeit zu tun, für die der Arbeitnehmer bezahlt wird.

Was tun? Zunächst macht es sicherlich Sinn, seine wesentlichen Vorstellungen auf Papier festzuhalten und von den Mitarbeitern gegenzeichnen zu lassen. Das macht spätere Diskussionen einfacher (wer Kinder hat, weiß wovon wir sprechen). Allerdings wird man so den Dingen nicht gänzlich Herr werden. Wenn Sie zudem Ihre Zeit nicht als Kontrollfreak verbringen wollen, können Sie eigentlich nur das Pferd von hinten aufzäumen: mit effektiven und knackigen Zielvereinbarungen. Wenn der Mitarbeiter diese zur vollen (Entschuldigung "vollsten") Zufriedenheit erfüllt, dann kann er in der verbleibenden Zeit doch gerne Geburtstagseinladungen versenden. Vielleicht sind Sie als toleranter Chef dann auch im Verteiler? Würde doch auch beitragen – zum Teambuilding.

Kommentare

  • Tanja Handl

    12.10.11 (09:53:39)

    Ein Thema, dass ganz sch?n Stress produzieren kann - auch zwischen Mitarbeitern, die sich gegenseitig ja auch beobachten. Wir in der Firma handhaben die Sache deshalb so: Kurze private Aktivit?ten sind erlaubt, wenn mal etwas l?nger dauert, schalten wir die hauseigene Zeiterfassung mit einem Klick auf Pause um.

    Der Vorteil: Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, und mein Chef kann mir voll vertrauen. So ist die Nutzung klar geregelt, und es entstehen erst gar keine unangenehmen Diskussionen.

  • Wissentlich

    15.10.11 (16:59:46)

    Ich w?rde es im Arbeitsvertrag untersagen, in der Praxis aber dulden und so tun, als w?rde ich es nicht wahrnehmen. Solange die Leistung ?berezugend ist. Wenn das nicht mehr der Fall ist, hat man ein nichtmonet?res Druckmittel. Ich wei? nicht, ob das rechtlich so ok ist, finde es aber eine plausible Umgangsweise mit dem Thema.

  • Wissentlich

    17.10.11 (08:50:59)

    Ich w?rde es im Arbeitsvertrag untersagen, in der Praxis aber dulden und so tun, als w?rde ich es nicht wahrnehmen. Solange die Leistung ?berezugend ist. Wenn das nicht mehr der Fall ist, hat man ein nichtmonet?res Druckmittel. Ich wei? nicht, ob das rechtlich so ok ist, finde es aber eine plausible Umgangsweise mit dem Thema.

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