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21.02.11Leser-Kommentare

Interview mit Stefan Wolpers

"Wer will schon Nr. 1 in Paderborn sein, wenn er Nr. 3 oder besser in Berlin sein kann?"

18. - 20. März 2011: Diesen Termin sollten Sie sich unbedingt merken, wenn Sie Gründer oder gründungsinteressiert sind. Denn da findet das Startup Camp Berlin statt. Und der Veranstalter dieses Camps, Stefan Wolpers, erklärt heute, warum sich eine kleine Reise zu der Veranstaltung lohnt und wie es um die deutsche Gründerszene steht.

Stefan Wolpers, Veranstalter des Startup Camps BerlinStefan Wolpers, Veranstalter des Startup Camps Berlin

förderland: Hallo Herr Wolpers, Sie sind Veranstalter des Startup Camp Berlin, Gründer und Vorstandsmitglied des Entrepreneurs Club Berlin e.V. und außerdem Social Media- und Start-up-Berater. Woher kommt Ihre Affinität zur Start-up Szene und was waren weitere Meilensteine Ihrer beruflichen Karriere?

Stefan Wolpers: [Lach] Meilensteine klingt gut! Ich habe mich schon zu Studiumszeiten mit Start-ups beschäftigt, auch wenn damals keiner wusste, dass es sich um welche handelte. Venture Capital war in Deutschland praktisch auch unbekannt. Das Funding meines ersten Start-ups wurde 1990 über Friends, Fools & Family quasi zusammengekratzt. Und sie wollten erstaunlicherweise dafür im Gegenzug noch nicht einmal Sitze im Board, Vesting-Regeln oder Liquidationspräferenzen.

Mit Start-ups im engeren Sinne habe ich mich um 1998/99 begonnen zu beschäftigen. Ich habe dann für ein NASDAQ-notiertes Technologie-Start-up aus den USA gearbeitet – die Spesenbrennerei ist mir noch heute leibhaft in Erinnerung –, war in einer Webagentur beschäftigt und habe 2006/2007 die Anfangszeit von Qype mitgemacht. 2007 bin ich nach Berlin gezogen, um mit Nico Hagenburger ein Start-up namens Susuh aufzubauen, welches heute leider nicht mehr existiert. Aber Scheitern gehört zum Unternehmertum dazu – nach dem Star-tup ist vor dem Start-up.

Heute soll das Startup Camp Berlin im Fokus stehen. Warum sollten Gründer bzw. gründungsinteressierte Mitte März unbedingt einen Trip in die Hauptstadt planen?

Wolpers: Networking ist für Start-ups essentiell und dies sollte der Entrepreneur dort tun, wo die Dichte von Unternehmern und der Wettbewerb der Ideen am stärksten ist – oder: Wer will schon Nr. 1 in Paderborn sein, wenn er Nr. 3 oder besser in Berlin sein kann?

Worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Wolpers: Neue Menschen kennen zu lernen und spannende Ideen aufzuschnappen. Und auf’s Ausschlafen am Montagmorgen.

Wie ist die Idee zum Startup Camp entstanden? Und wie verlief der Weg von der Idee bis zur Umsetzung?

Wolpers: Die ersten Überlegungen zum Startup Camp Berlin 2011 entstanden bereits Anfang 2010 – und wir machten anfänglich auch schnell Fortschritte. Insbesondere gelang es Andrea Peters, sie ist die Geschäftsführerin von unserem Ko-Veranstalter media.net berlinbrandenburg e.V., kurzfristig mit dem MD.H einen perfekten Location-Partner zu identifizieren.

Danach wurde es dann alles etwas aufwendiger als gedacht. Zum Beispiel mussten wir erst den Entrepreneurs Club Berlin e.V. (ECB) gründen, um als vertrauenswürdiger Veranstalter auch im rechtlichen Sinne auftreten zu können. Dann wurde es Sommer, dann beschlossen wir, erst die Abendveranstaltung des ECB als Format zu entwickeln, und schließlich wurde es Dezember 2010, bis wir mit der eigentlichen Organisation des Camps beginnen konnten. Und seitdem entwickeln wir das Startup Camp sozusagen agil am Budget und den Interessen der Teilnehmer entlang.

"Es sollen viel mehr kreative Köpfe aus allen Teilen Europas herziehen, die in Berlin ihr Start-up realisieren wollen", heißt es auf Ihrer Website. Was zeichnet Berlin als Gründungsstandort aus? Und was tun Sie, um dieses Ziel zu erreichen?

Wolpers: Was Berlin auszeichnet? Seine Urbanität, Kultur, Kunst, die bunten Menschen an Menschen, die Geschwindigkeit des Lebens, die räumliche Nähe zu anderen Start-ups – das alles hat meines Erachtens einen ungemein stimulierenden Einfluß auf den Wettbewerb der Ideen. Und je mehr Leute kommen, desto besser wird das: 1 + 1 ist in diesem Fall wirklich mehr als 2.

Und der Entrepreneurs Club Berlin e.V. als private, aus der Community entstandene Organisation passt sehr gut dazu, denn wir sind authentisch. Wir sind nicht mit Steuergeldern finanziert, wir haben keine hidden agenda, wir verkaufen nichts. Unabhängigkeit ist oftmals unbequemer, aber viel praktischer, wenn man etwas erreichen möchte. Unser Ziel ist klar: Lernt voneinander und gründet neue Unternehmen, schafft Arbeitsplätze und tragt zum Gemeinwohl bei.

Wie steht es – Ihrer Meinung nach – generell um die deutsche Gründerszene – verglichen mit anderen europäischen Ländern oder den USA? Was läuft gut? Was können Gründer, Politiker oder Investoren in Deutschland besser machen?

Wolpers: Es gibt meines Erachtens nach wie vor einen deutlichen Mentalitätsunterschied zwischen Deutschland und den angelsächsischen Ländern. Das Valley zeichnet sich hauptsächlich durch eine enorme Toleranz gegenüber dem Scheitern aus – und das ist die Regel, nicht die Ausnahme bei Start-ups. Max Levchin, einer der Paypal-Gründer hat das auf der FailCon 2009 einmal sehr schön formuliert:

"The very first company I started failed with a great bang. The second one failed a little bit less, but still failed. The third one, you know, proper failed, but it was kind of okay. I recovered quickly. Number four almost didn't fail. It still didn't really feel great, but it did okay. Number five was PayPal." Textkonserve hier!

In Deutschland hätte er spätestens nach dem zweiten Mal Hartz IV bezogen – denn der deutsche Kaufmann geht nicht pleite, sondern im Falle eines Falles mit dem Schiff unter. Denn beschäftigt wird er hinterher in der Regel nicht mehr, von anderen Dingen ganz zu schweigen.

So lange sich diese gesellschaftliche Einstellung nicht ändert und sich dies auch nicht in gesetzlichen Regeln wie zum Beispiel der Insolvenzordnung widerspiegelt, werden wir meines Erachtens dem Valley auf Dauer hinterherhecheln. Das nächste Facebook wird wieder nicht in Deutschland entstehen; SAP befindet sich allein auf weiter Flur.

Gibt es jetzt schon Pläne für das nächste Startup Camp?

Wolpers: Aber ja! 2012 – und wir sparen schon für Eric Ries & Morton Lund... :)

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Kommentare

  • Philipp Jorek

    22.02.11 (22:53:12)

    Paderborn hat den Webmontag, den Onlinebusinessclub, die Internet Days, die MEIM, das open e-lab ... und Berlin? Ein Camp? Kein Wunder, dass Berlin Nr. 3 ist ;)

  • Andreas K

    27.02.11 (21:45:21)

    Philipp, meinst Du wirklich, Berlin h?tte nicht mehr zu bieten als das Camp? Frag doch mal den Neuank?mmling Steffen, der m?sste doch den direkten Vergleich wagen k?nnen :-)

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