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03.07.07Kommentieren

Interview mit Thomas Promny, gimahhot.de

"Wer keinen plausiblen Plan hat, wird auch kein Geld bekommen"

Interview mit Thomas Promny, Marketingleiter der Gimahhot GmbH, über große Ziele, Unterstützung durch den HTGF, zu leistende Überzeugungsarbeit, Businesspläne, die nur auf Geldverbrennung hinauslaufen und eine weltweit einzigartige "Produktbörse".

Das siebenköpfige Team der Gimahhot GmbHDas siebenköpfige Team der Gimahhot GmbH. Bild: Gimahhot GmbH

förderland: Herr Promny, würden Sie sich und Ihr Unternehmen, die Gimahhot GmbH, bitte kurz vorstellen?

Thomas Promny: Die Gimahhot GmbH betreibt eine weltweit einzigartige Online-Shopping-Plattform. Das besondere an dieser ist die freie Preisbildung beim Handel mit originalverpackter Markenware, wie an der Börse. Deswegen nennen wir die Plattform auch "Produktbörse".

Wir sehen uns als Weiterentwicklung der Preisvergleiche und Produktsuchmaschinen. Wir haben verschiedene Händler an die Plattform angebunden - momentan zirka 300 - deren Angebote zu einem bestimmten Produkt der Käufer bequem vergleichen und dann, im Unterschied zu anderen Plattformen, direkt bei uns kaufen kann. Aber nicht nur das, der Käufer kann auch ein verbindliches Gebot abgeben, wenn ihm der aktuell günstigste Angebotspreis zu hoch erscheint. Dieses Gebot gilt dann für eine vom Käufer festgelegte Zeit gegenüber dem gesamten Markt. Jeder Händler, der das Produkt anbieten kann, kann dann also auf dieses Gebot eingehen. Dieses Konzept ist bisher weltweit einmalig und von Gimahhot erfunden worden.

Vielleicht kann ich an dieser Stelle auch noch eine häufig gestellte Frage zu Gimahhot abhaken: Der Name "gimahhot" stammt aus der althochdeutschen Sprache des achten Jahrhunderts und bedeutet "gemacht" - mit dem klassischen Handschlag und einem "gimahhot" wurde schon damals der Handel perfekt gemacht.

förderland: Wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden und wer sind die Menschen hinter Gimahhot?

Promny: Wie viele Ideen ist auch Gimahhot beim Bier trinken entstanden. Ungefähr folgendes Gespräch fand 2004 zwischen den Gründern Jürgen Lankat und Henning Fredersdorf statt: "Eine Shoppingplattform, die nach dem Börsenprinzip funktioniert, das geht wohl nicht, oder?" "Doch, das geht, und darauf ist noch keiner vor uns gekommen, lass uns das mal machen."

Jürgen Lankat: Vor Gimahhot habe ich insgesamt acht Jahre als Börsenmakler in Frankfurt, London und New York gearbeitet. Unter anderem war ich Leiter des Aktienhandels bei Julius Bär in Frankfurt. Dort hab ich mit einem fünfköpfigen Handelsteam monatlich eine Milliarde DM umgesetzt. Ab 2004 habe ich mit meinem Schulfreund und Mitbegründer, Henning Fredersdorf, die Gimahhot-Idee entwickelt.

Henning Fredersdorf: Nach dem Uni-Abschluss in Bauingenieurwesen orientierte ich mich in Richtung Softwareentwicklung und arbeitete über zwei Jahre als Projektleiter und Entwicklungsingenieur für Bausoftwarefirmen. Ende 2003 habe ich mich als Online-Händler selbstständig gemacht und dann 2004 die Gimahhot GmbH gegründet.

Promny: Ich bin seit Anfang 2000 als Internet-Unternehmer tätig. Meine erste Firma - die adfire GmbH - betreibt verschiedene erfolgreiche Webprojekte und ist besonders auf Suchmaschinenmarketing spezialisiert. Seit 2005 bin ich parallel dabei, mit Gimahhot ganz neue Wege im E-Commerce zu beschreiten.

förderland: Der lange Weg von der ersten Idee bis zum tatsächlichen Launch Ihres Portals - welche Hindernisse mussten Sie und Ihre Mitstreiter aus dem Weg räumen?

Promny: Besonders die technische Entwicklung hat viel Zeit gebraucht. Eine Börse ist eben keine ganz unkomplizierte Angelegenheit. Auch die Wertpapierbörsen haben viel Zeit gebraucht für die Entwicklung ihrer elektronischen Börsen.

Abgesehen davon ist es aber insgesamt erfreulich einfach, eine Internetfirma zu gründen und möglich, mit wenig finanziellem Einsatz sein Projekt online zu bringen. Aber das ist natürlich erst der erste Schritt. Ein Projekt in einem so umkämpften Markt profitabel zu machen, ist noch mal eine ganz andere Aufgabe.

förderland: Wie haben Sie die Startphase Ihres Unternehmens finanziert und in welchen Dimensionen bewegen wir uns? 

Promny: Die ersten zwei Jahre bewegen sich - wenn man den Gehaltsverzicht der Gründer nicht mit einberechnet - nur im fünfstelligen Bereich. Da wir alle vorher schon andere gutbezahlte Jobs bzw. erfolgreiche Unternehmen hatten, konnten wir das selbst finanzieren.

förderland: Eine erste Finanzierungsrunde haben Sie nun erfolgreich abgeschlossen. Neben anderen Investoren hat sich der High-Tech Gründerfonds mit ca. 500.000 Euro an Ihrem Unternehmen beteiligt. Ist das Geld schon verplant?

Promny: Natürlich ist das Geld im Rahmen eines Businessplans ziemlich genau bis auf den letzten Cent verplant. Wir haben große Ziele und werden diese auch nur erreichen, wenn wir dieses Kapital sinnvoll verwenden, um das weitere Wachstum der Plattform zu ermöglichen.

förderland: Wie ist der Kontakt zum High-Tech Gründerfonds zustande gekommen und wie haben Sie die Investoren von sich und Ihrer Geschäftsidee überzeugt? 

Promny: Ein Freund hat uns den HTGF empfohlen. Mit Unterstützung der MAZ Seed Invest GmbH als HTGF-Coach sind wir dann an den Fonds herangetreten. Die Investmentmanager des HTGF haben sich sehr gut und ausführlich mit unserem Businessmodell auseinandergesetzt und wir hatten mehrere lange Diskussionen, in denen auch einige sinnvolle Verbesserungsvorschläge ihrerseits kamen. Überzeugt waren die Kollegen des HTGF aber doch relativ schnell, da die Notwendigkeit unseres Konzepts eigentlich auch ziemlich auf der Hand liegt.

förderland: Wie würden Sie Ihre Zielgruppe definieren und womit wollen Sie letztendlich Geld verdienen?

Promny: Prinzipiell ist jeder Online-Käufer unser potentieller Kunde. Die größten Vorteile bieten wir aber der besonders preisbewussten Zielgruppe. Geld verdienen wir schon mit der Umsatzprovision. Unsere Händler zahlen drei Prozent der Kaufsumme an uns, wenn sie etwas über Gimahhot verkaufen.

förderland: Was steht als nächstes auf Ihrer Agenda?

Promny: Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wir müssen vor allem noch deutlich größer werden, um profitabel arbeiten zu können. Also geht es besonders darum, in den nächsten Monaten noch mehr Käufer und Händler von den Vorteilen zu überzeugen, die Gimahhot beiden Seiten bietet. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg dahin, wachsen momentan kräftig sowohl auf der Käufer- als auch auf der Händlerseite.

förderland: Welche Tipps würden Sie jungen Gründern mit auf den Weg geben, die gerade auf der Suche nach Kapitalgebern sind?

Promny: Zuerst sollte man sich ausführlich Gedanken über das eigene Geschäftsmodell machen. Heutzutage sind wieder einige Leute mit Businessplänen unterwegs, die nur auf Geldverbrennung hinauslaufen. Die Investoren sind aber heute auch deutlich vorsichtiger und wer keinen plausiblen Plan hat, wird auch kein Geld bekommen.

Zudem sollte man sich natürlich als Gründer auch den potentziellen Kapitalgeber genau ansehen. Auch auf dieser Seite sind Leute unterwegs, die viel versprechen, aber nichts leisten.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

© 2007 förderland

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