<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

29.07.09Kommentieren

Interview mit Robert Basic

"Wenn ich dann mit dieser Strategie scheitere, war es wenigstens spannend bis zum Schluss"

Robert Basic hat den sicheren Hafen seines Blogs verlassen, um mit Buzzriders ins eisig kalte Wasser der offenen, kollaborativen und transparenten Projektentwicklung zu springen. Die einzige Gewissheit ist dabei die Ungewissheit. Im Interview mit förderland erklärt Basic, warum ihn gerade dieser Umstand antreibt, wie sich sein Projekt entwickelt, warum Innovation für ihn nicht das Allheilmittel ist und was ihn zum Mitmachen bei der aktuellen Vodafone-Kampagne animierte.

Robert BasicRobert Basic

förderland: Hallo Robert, vor kurzen hast Du das erste Buzzcamp veranstaltet, um dein neues Projekt Buzzriders weiterzuentwickeln. Was ist Buzzriders? Warum das Buzzcamp? Und was gibt es vom Buzzcamp zu berichten?

Robert Basic: Buzzriders soll sich als eine allgemein bekannte Anlaufstelle im Netz etablieren, wenn es um Fragen des gegenseitigen Informierens, Handelns und Kennenlernens auf lokaler Ebene geht. Das Buzzcamp ist eine Veranstaltungsreihe, bei der Menschen zusammenkommen, die Interesse an Buzzriders haben. Ob es nun ums Mitmachen oder einfach nur ums Beobachten geht. Auf den Buzzcamps versuchen wir gemeinsam, Buzzriders so weit zu konkretisieren und zu diskutieren, dass wir Stück für Stück ein Startpaket entwickeln können. Was übrigens auch nach dem "anklickbaren" Start gilt, dass sich Interessenten einbringen können.

Das erste Buzzcamp fand in Bad Homburg Anfang Juli statt. Das zweite Buzzcamp wird am 1. und 2. August in Essen im Unperfekthaus stattfinden. Auf dem ersten Buzzcamp haben die Teilnehmer intensiv über Richtungsfragen von Buzzriders diskutiert. Das war vor allen Dingen am ersten Tag so. Am zweiten Tag wurde es konkreter, nachdem die Teilnehmer ihr eigenes Bild von Buzzriders gewonnen hatten. Was für mich spannend war: Wenn ich nur ganz grundlegende Dinge von außen vorgebe, wird sich eine Gruppe frisch zusammengekommener Menschen soweit selbst organsieren, um Ergebnisse eigenständig zu erarbeiten? Antwort: Nein, dazu müssten sich die Teilnehmer im Vorfeld viel mehr mit Buzzriders beschäftigen, so dass sie sich ausgehend vom lokalen Grundgedanken immer weiter in die Ausgestaltung hineindenken.

Bedeutet? Man organisiert die einzelnen Workshops auf dem Buzzcamp viel stärker durch (was nicht unbedingt heißt, dass man die Inhalte vorgibt). Und bereits im Vorfeld knüpft man mit den Teilnehmern Kontakte, um sie besser zu aktivieren – basierend auf ihren Kenntnissen, Erwartungen und Interessen. Auf dem zweiten Buzzcamp werden wir uns organisatorisch der Workshop-Orga annehmen. Und für das dritte Buzzcamp, das spätestens vier Wochen danach folgen soll, wird das Thema "persönliche Ansprache und Vorbereitung" in Angriff genommen.

Du hast Dein gut gehendes Blog "Basic Thinking" verkauft, um mit Buzzriders ein neues Projekt anzugehen, dessen Erfolg ungewiss ist. Warum? Was ist Dein Antrieb?

Basic: Du hast die Antwort bereits mit der Frage geliefert:) Ich habe das BT Blog verkauft, um ein neues Projekt zu starten, was schon aus zeitlichen Aspekten ein Muss war. Warum? Die Formulierung "ungewiss" ist negativ bewertet in der Frage. Aber das adjektiv ist richtig gewählt fürs "Warum". Ich würde sagen "weil es so ungewiss ist", ist es ein positiver Antrieb. Mich interessieren ausgelutschte, entdeckte Pfade nicht.

Du hast dich entschieden, Buzzriders von Anfang an nicht hinter verschlossenen Türen zu entwickeln, sondern ziehst bewusst Außenstehende mit ein. Viele Gründer gehen genau den anderen Weg, und halten mit ihrer Idee solange als möglich hinter dem Berg. Welche Vorteile siehst Du bei der offenen, transparenten Projektentwicklung? Welche Nachteile bringt dieser Weg vielleicht auch mit sich?

Basic: Neutral betrachtet scheitern im Web – wenn man es kommerziell betrachtet – mit Sicherheit über 95 Prozent aller Vorhaben. Also kann man sich die Frage stellen, wo des Pudels Kern liegt. Der Mensch entscheidet. Und der Fehler sitzt damit vor dem Monitor. Wenn aber eine größere Gruppe von Menschen den Einzelnen vor seiner eigenen Beschränktheit schützt, warum nicht von Beginn an ein Projekt auf viele Schultern verteilen? Anders gesagt: Wenn die Chance zu Scheitern eh 95 Prozent ist, wozu nicht einen anderen Weg beschreiten? Um es schwarzhumorig zu sagen: Wenn ich dann mit dieser Strategie scheitere, war es wenigstens spannend bis zum Schluss.

Ein weiterer, sehr pragmatischer Aspekt ist: Wie kann ein herkömmlicher Gründer auf eine größere Anzahl von Köpfen/ Experten zurückgreifen, wenn er sich diese finanziell eh nicht leisten kann? Was kann er stattdessen den Interessenten anbieten? Wissensteilung und Erfahrung am lebenden Objekt? Ja. Ruhm und Ehre und soziale Anerkennung? Natürlich auch das. Was noch? Herausforderung mit einem komplexen Vorhaben, sich und seine Intelligenz an der Aufgabe zu messen. Und wenn es funktioniert auch eine Aussicht auf finanzielle Partizipation zu geben, die nachvollziehbar ist, Chancen und Risiken klar gegenüberstellt. Außerdem glaube ich grundsätzlich, dass Menschen in Gruppen eine wesentlich größere Power entwickeln, wenn sie zusammen und freiwillig an einer Sache arbeiten. Naturgemäß bedingt eine derartige Vorgehensweise ein größtmögliche Kommunikation in Richtung Offenheit und Nachvollziehbarkeit.

Die Nachteile werden wir alle erfahren. Man kann es sich schon denken, dass der Koordinationsaufwand steigt, der Bedarf an dynamisch zu erarbeitenden Mitgestaltungsregeln, persönliche Interessen mit den Gruppeninteressen kollidieren können, unterschiedliche Charaktere in einem offenem Umfeld schwer zu einer Gruppe zusammenzufügen sind, usw. usf. etcpp. Man handelt sich damit eine ganze Palette von Lösungspunkten ein, aber das ist exakt das, was ich genial finde. Niemand hat meines Wissens bisher ein Buch geschrieben, wie man denn ein Unternehmen handbuchmäßig startet, wenn man dermaßen partizipativ und offen vorgeht.

Und es gibt einen nicht zu vergessenden, strategischen Aspekt: Wenn ein Unternehmen offen-partizipativ ausgestaltet wird, nehme ich an, dass es ein Genom der Dynamik und Offenheit auf den Weg mit bekommt. Man lässt zu und animiert, dass ein steter und frischer Ideenstrom in das Unternehmen einfließen können.

Wie wichtig ist es für dich, viele Leute zu kennen? Denkst Du, dass deine vielen Kontakte die Grundlage deines Erfolges sind?

Basic: Es hat sicher einen Startvorteil, dass die Menschen mich kennen. Doch mit der Zeit wird dieser Aspekt zu vernachlässigen sein. Das Ideal ist, dass die Mitmacher der ersten Stunde selbst zu Botschaftern und Repräsentanten einer Idee werden.

Ein Projekte wie Buzzriders kollaborativ zu entwickeln wäre noch vor einigen Jahren kaum möglich gewesen. Heute ist die Vernetzung und der Informationsaustausch dank Social Media kein Problem – und Du bist ja auch in dieser Hinsicht sehr aktiv. Welche Vorteile – und vielleicht auch Nachteile – eröffnen sich den Menschen durch Social Media? Wie hat Social Media Dein privates wie auch berufliches Leben bereichert?

Basic: Darf ich statt Social Media – was mir zu neumodische Agentursprache ist – einfach nur Internet sagen? Es hat mir in einer nie dagewesenen Art und Weise ermöglicht, meine Interessen und mein Leben per se zu erweitern, wo ich vorher auf das rein real-lokale Umfeld eingeschränkt war. Als Beispiel pflege ich gerne zu sagen, dass ich in meinem Heimatort Usingen nicht ohne Weiteres Menschen finden und zusammenbringen könnte, die sich gerne über neue Internettrends austauschen. Ich kann mich zudem nicht einfach so um 2 Uhr morgens mit denen treffen. Oder um 15 Uhr. Ich gehe ins Netz, also bin ich:) Die Nachteile sind? Hmm ... was sind die Nachteile? Wenn man das Lernen im Umgang mit diesem sehr jungen Medium als Nachteil betrachten mag, dass es eben dauert, müsste ich uns Menschen als Wesenheit mit beschränkten, intellektuellen Talenten bezeichnen. Doch wozu, wir sind das, was wir sind.

Du hast bei der aktuellen Vodafone-Kampagne mitgewirkt, die bei Twitter und in diversen Blogs heiß diskutiert wird. Wie ist es dazu gekommen? Wie ist Dein Statement zu der ganzen Geschichte? Kannst Du den ganzen – mehrheitlich negativen – Buzz nachvollziehen?

Basic: Wie es dazu kam ist einfach: Willst bei einem Spot mitmachen? Ja, da ich neugierig bin, so was noch nie gesehen habe, wie man das "macht". Und gibt es Geld dafür? Ja. Also war die Sache klar. Ich bekomme Geld, um meine Neugier zu stillen. Cool:) Das war wie beim Bloggen, für etwas Geld zu bekommen, dass man sowieso gerne macht:)

Was nun den negativen Buzz angeht: Sehe das super entspannt. Nicht, weil ich nicht unter persönlichem Beschuss stehe (dafür haben Lobo und Schnutinger leider genug Scheiße abbekommen). Sondern? Weil es ein Unternehmen ist, dass Marketing betreibt. Was so alt wie Bart ist. Es wirbt und trommelt, um seine Services und Produkte los zu werden. Ich finde Werbung manchmal langweilig, manchmal witzig, manchmal sogar informativ. Aber unterm Strich bewegt mich das geistig nicht zu sehr. Was ich gut finde: Vodafone will den mobilen Internetsektor stärker beackern. Angesichts der Vorteile des Webs für uns als Menschheit ist das per se in Ordnung. Es wird Zeit, dass die Telkobranche diesbezüglich viel mehr tut und sich im gegenseitgen Wettbewerb nach vorne peitscht. Das zählt für mich unter dem Strich. Wie es das nun step by step tut, wie das Marketing aussieht, interessiert mich zero. Mich interessiert der mittel- und langfristige Trend und das, was damit einhergeht: Eine Mobilisierung des Internets zum Menschen hin. Dass sich nun über Vodafones Kampagne zahlreiche Menschen den Kopf machen, ist deren Sache. Ich beurteile nicht die Interessen Einzelner. Ich kann höchstens sagen, dass ich Ausuferungen dessen für dumm halte, wenn es persönlich wird.

Wie hoch schätzt Du den Innovationsgrad von Buzzriders ein? Ist es eine wirkliche Innovation oder vielmehr ein Mashup vieler Ideen? In diesem Zusammenhang: Wie wichtig ist Deiner Meinung nach der Innovationsgrad für eine Unternehmensgründung? Und denkst Du, dass es in Deutschland zu wenige wirkliche neue Ideen, Leute, die was ausprobieren gibt, aber zu viele Copycats?

Basic: Der Innovationsgrad von Buzzriders am Produkt gemessen ist zur Zeit zero, da wir kein Produkt vorzuweisen haben. Als innovativ würde ich höchstens die Vorgehensweise betrachten. Sprich, die Frage nach dem Innovationsgrad des Produkts kann ich Dir erst dann beantworten, wenn wir was stehen haben, was man "anklicken" kann (eben das, was die Menschen greifen können ... so kann man Flickr kaum als innovativ bezeichnen, wenn man darüber spricht, dass es eine "Bilderdatenbank" unter dem Strich ist, man muss es erfühlen und erfahren). Die generelle Frage ist, ob man innovativ sein muss als Unternehmer? Dazu wurden tausende von Büchern geschrieben, welche Strategien ein Unternehmen verfolgen kann. Dazu gehört mitunter Innovation, es ist aber nicht die alleinige Strategie. Ebenso kann man extrem gut kopieren und verbessern, um bestehende Dinge noch besser zu machen. So ist Google ein Copycat einer Idee: Suchen und Finden. Toyota das größte Automobilunternehmen der Welt, die das Auto nicht erfunden haben. Manche erfinden, manche verbessern, manche kopieren einfach nur. Ich sehe keinen Zwang für Buzzriders, auf Teufel komm raus innovativ zu sein. Wenn es das wird und es nutzt unterm Strich, gut, wenn nicht, auch ok. Solange es Menschen etwas nutzt und sich ökonomisch trägt, ist das am besten. Das ist mein einziger Erfolgsmesser.

Du fragst nach Deutschland und Innovationsgrad: Damit wirst Du sicher nicht die Automobilbranche oder aber die Maschinenbauer meinen. Nehmen wir die gesamte Volkswirtschaft. Bei den Patentanmeldungen als einen Indikator zählt Deutschland zu den führenden Nationen. Gehen wir wieder zurück zu einer Branche, dem ITK-Sektor und dort dem Umfeld "Internetanbieter", fällt es mir schwer, auf einen Anbieter zu deuten. Was nicht heißt, dass es keine Innovationen gibt. Denn wie so immer gilt, dass Innovation erst dann als solche angenommen wird, wenn sie allgemein für Anerkennung bzw. Buzz sorgt. Auf internationalem Parkett nennt man gerne Facebook und Twitter. Mal Hand aufs Herz: Wo sehen wir etwas wirklich Innovatives, so Neuartiges? Ich sehe nur Sachen bei denen, die im Grunde genommen asbach-uralt sind. Wir vertauschen gerne Buzz/Massenandrang mit Innovation.

Wie verdienst Du eigentlich momentan Dein Geld? Wie viel Deiner Zeit planst Du für Buzzriders ein und wie finanzierst Du das ganze?

Basic: Ich muss ganz normal schaffen gehen, wie alle anderen auch, um mich zu ernähren. Und über die Finanzierung von Buzzriders mache ich mir dann den Kopf konkret, wenn ich sehe, wo es etwas zu finanzieren gibt. Sorry für die kurze Antwort, aber die Frage ist halt etwas banal.

förderland: Wag mal einen Blick in die Zukunft. Wo stehen Robert Basic, Buzzriders, und all die Menschen, die daran mitgewirkt haben, in drei Jahren?

Basic: Fiese Frage. Wunsch und Realität:) Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann das: 1. Buzzriders lebt 2. Es lebt gut 3. Die Mitmacher haben etwas geschaffen, auf das sie stolz sind 4. Sie haben daran verdient 5. Die Kunden sind top zufrieden, was das Wichtigste ist.

Hast Du abschließend noch einen Tipp für Gründer – vor allem was die Nutzung von Social Media angeht?

Basic: Ein womöglich gemeiner Tipp, da er auf meiner Persönlichkeit beruht: Einfach machen, nicht zuviel nachdenken, Fehler wird man so oder so begehen. Die Erfahrungen unterwegs machen, fixen,wo es was zu fixen gibt, weiter machen. Gründer müssen Macher sein, nicht mehr Zweifler als Macher. Aber gut, sonst wären sie keine Gründer.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer