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29.11.07 09:00
Interview mit Dr. Valentin Kahl

Was zählt, ist: Verantwortung zu tragen und an seine Idee zu glauben

Ein Gespräch mit Dr. Valentin Kahl, ibidi GmbH, im Rahmen der Veranstaltung "Entrepreneure im Dialog" des Münchener Business Plan Wettbewerbs, über erfolgreiches Unternehmertum und die Zusammenarbeit mit Investoren.

Dr. Valentin Kahl, ibidi GmbH.
Bild: MBPW

Dr. Valentin Kahl gründete im Februar 2001 gemeinsam mit Dr. Roman Zantl, Dr. Ulf Rädler und Prof. Dr. Joachim Rädler die ibidi (Integrated BioDiagnostics) GmbH. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Biochips und entsprechende Peripheriegeräte für die (Lebend-)Zellanalyse und strebt eine führende Rolle in der "high content" Zellanalytik an. Finanziert wird ibidi von mehreren Privatinvestoren, zu denen auch der erfolgreiche Unternehmer Eberhard Färber zählt.

Direkt aus der Uni heraus haben Sie ibidi gegründet. Wollten Sie schon immer Unternehmer werden?


Dr. Valentin Kahl: Da ich aus einer Unternehmerfamilie stamme, war mir Unternehmertum bereits vertraut und ich konnte mir durchaus vorstellen, selbst auch Unternehmer zu werden. Ein zusätzlicher Ansporn für mich war ein Unternehmer in Boston, den ich während eines beruflichen Praktikums in den USA kennen lernte. Dieser hatte mit Mitte vierzig sein erstes, sehr erfolgreiches Unternehmen gegründet und dafür auf seine einstige Professur am MIT in Boston verzichtet.

Hat Sie die Teilnahme am MBPW 1999/2000 dann endgültig zur Gründung motiviert?

Kahl: Ja, denn die Teilnahme hat uns geholfen, die Produktidee, die wir als Doktoranden an der TU München entwickelt hatten, auf ihre Vermarktbarkeit hin zu überprüfen. Und als wir während des Wettbewerbs feststellten, dass unsere Idee tragfähig ist, war uns klar, dass wir auch ein Unternehmen gründen wollen.

Obwohl Ihr Team beim MBPW zwar nominiert war, aber keinen Preis gewonnen hat?

Kahl: Natürlich waren wir enttäuscht darüber, dass wir nicht gewonnen haben. Doch gleichzeitig war diese Enttäuschung für uns ein Ansporn dafür, jetzt erst recht ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Ich bin überzeugt davon, dass es nicht die Preisgelder sind, die ein Gründerteam motivieren, sondern dass es darauf ankommt, ob jemand tatsächlich Unternehmer sein möchte. Und wer dieses Ziel hat, der lässt sich auch durch einen Rückschlag nicht entmutigen.

Wie haben Sie Ihre Teampartner gefunden und was waren die größten Herausforderungen bei der richtigen Teambildung?

Kahl: Bei der Teilnahme am Business Plan Wettbewerb war noch unsere gesamte Doktorandengruppe beteiligt, bei der tatsächlichen Unternehmensgründung waren wir nur zu viert. Dass dies  die richtigen Partner waren, hat sich auch daran gezeigt, dass alle bereit waren, den Unternehmensstart mit eigenem Geld zu finanzieren. Denn wer eigenes Geld einbringt, glaubt an das Unternehmen und ist bereit, sich voll und ganz zu engagieren. Das Team hat sich somit während der Gründungsphase gefunden. Ich kenne zwei Gründungen, bei denen sich "alte" Freunde zusammengefunden haben. Diese sind letztendlich an zwischenmenschlichen Konflikten gescheitert.

Mit welchen Mitteln haben Sie die ersten Wachstumsschritte von ibidi finanziert?

Kahl: Zehn Monate nach der eigentlichen Gründung der ibidi GmbH haben wir unsere erste Finanzierungsrunde mit Business Angels als Investoren abgeschlossen. Dies ist bis heute so geblieben. Eine Venture Capital-Gesellschaft hatte sich zwar auch für eine Beteiligung interessiert, doch da deren Vertragsbedingungen für uns nicht passten, haben wir uns dagegen entschieden.

Wie haben Sie Ihre Investoren gefunden und warum haben Sie sich für diese entschieden?

Kahl: Wir haben unsere Geschäftsidee beim Münchener Business Angel-Netzwerk präsentiert und sind auf großes Interesse gestoßen. Entschieden haben wir uns für jene Investoren, deren Persönlichkeit uns am meisten zugesagt hat. Ob diese auch Erfahrung aus unserer Branche mitbringen, war für uns zweitrangig. Da das operative Geschäft sowieso nicht von den Investoren betrieben werden sollte, sondern ausschließlich von den Unternehmern verantwortet werden muss, spielt das branchenspezifische Wissen der Kapitalgeber nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger für uns ist der unternehmerische und menschliche Erfahrungsschatz, der eingebracht wird.

Was ist der besondere Mehrwert, den ibidi von seinen Investoren bekommt?

Kahl:
Unsere Investoren sind erfahrene Führungspersönlichkeiten und Unternehmer und können uns deshalb wertvolle unternehmerische Tipps geben. Wie man zum Beispiel mit seinen Produkten einen echten Kundennutzen generiert, wie man neue Kunden gewinnt oder wie man erfolgreich ein Unternehmen führt. All das weiß derjenige am besten, der selbst ein erfolgreicher Unternehmer war oder ist, und für uns ist solch ein Wissen ein großer Gewinn. Ebenfalls von großem Wert ist, dass wir uns auf unsere Investoren auch in schwierigen Situationen verlassen können. Denn sie verstehen sich auch als Mentoren und Wegbegleiter und schauen nicht nur zuerst auf die mögliche kurzfristige Rendite ihres Investments.
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Kommentare zu Was zählt, ist: Verantwortung zu tragen ...

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Ein lesenswertes Interview. Aber trotz dieses positiven Beispiels wird meiner Ansicht nach gerade der wissenschaftliche Nachwuchs noch viel zuwenig dabei unterst?tzt, die entwickelte "Theorie" auch in die Praxis umzusetzen. Da besteht in Deutschland wirklich noch Nachholbedarf.

Diese Nachricht wurde von Peter am 29.11.07 (13:58:56) kommentiert.

F?r`s Leben lernen

Ich denke, viele Akademiker sind geniale Wissenschaftler, aber zum erfolgreichen Unternehmer braucht`s eben mehr. Was n?tzen einem drei theoretische Physiker oder vier Biochemiker, wenn keiner was von Buchf?hrung versteht? Und genau hier m?sste die universit?re Ausbildung ansetzen.

Diese Nachricht wurde von Zilo am 29.11.07 (14:55:43) kommentiert.

Hr

Ich w?nsche Hrn. Kahl, dass es ihm nicht so geht, wie dem Gr?nder von Remos, dem hat der Business Angel F?rber innerhalb eines Jahres die Firma abgenommen und ihn selbst aus der Firma gedr?ngt. Siehe auch http://www.kreitmayr.de/de/richtigstell2.html

Diese Nachricht wurde von Leichter am 05.01.08 (14:00:21) kommentiert.
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