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11.11.11

Gründer-Wissen

Was bedeutet eigentlich "Lean Startup"?

Nicht nur auf Grund eines kürzlich erschienenen US-Bestsellers macht gerade in den angelsächsischen Ländern der Begriff "Lean Startup" gerade ganz viel Buzz. Dass das ganze im Grunde gar nicht so neu ist, sondern ein Mischmasch an verschiedenen Ideen, das beleuchten wir heute.

Lean StartupLean Startup

Im Silicon Valley sprechen alle davon – kein Wunder, denn die dortigen Investoren sind mittlerweile recht arrogant geworden und geben Start-ups einfach kein Seed-Kapital mehr. Nur erprobte Geschäftskonzepte mit ausreichend Referenzkunden haben Chancen auf Venture Capital – dann aber reichlich. Die Rede ist vom "Lean Startup" - also dem schlanken Start-up. Und nach der Denke von Eric Ries, der in seinem Bestseller diesen Begriff geprägt hat, ist die Methodik hinter der Lean Startup-Philosophie genau der richtige Ansatz, um mit wenig Kapital schnell voranzukommen.

Doch so neu sind die ganzen Ideen hinter dem Begriff gar nicht, vor allem hierzulande, wo das Venture Kapital noch nie auf der Straße lag, kamen Gründer auch ohne die Begrifflichkeit schon lange mit ihren Start-ups zurecht. Schauen wir doch auf die unterschiedlichen Ideen, die die "Lean Startup"-Theorie miteinander vereinbaren möchte:

Bootstrapping – Gründen mit wenig oder gar keinem Geld – viele deutsche Start-ups können davon ein Liedchen singen. Besonders schön singt dabei Michael Kubens, Mitgründer von designenlassen.de, der uns vor nicht allzu langer Zeit einen Einblick verschafft hat, wie sich die Online-Design-Börse langsam hochrappelte.

Rapid Prototyping – Nicht lange konzipieren – sondern so schnell wie möglich einen Prototypen bauen. Hört sich irgendwie nach der falschen Reihenfolge an – aber diese Strategie hilft tatsächlich. Jeder, der bereits einmal bei einem Startup Weekend oder einem ähnlichen Jam teilgenommen hat, weiß, dass nach 48 Stunden ein Ergebnis vorzuzeigen ist. Die Folge: Stolz auf die eigene Arbeit und eine Diskussionsgrundlage intern und für die angehenden Kunden. Lesen Sie hierzu auch den letzte Woche erschienenen Beitrag zum Thema "Service Design Tools".

Kleine Produktzyklen – Entwickeln Sie die kleinste funktionierende Produktschlaufe. Das kann etwa so aussehen: Bestellung geht ein – Auftrag wird bezahlt - Bestellung und Druckmotiv werden weitergeleitet an die Druckerei – diese verschickt an den Kunden – Lager-Nachbestellung von neuem Basis-Shirt. Bringen Sie einen solchen Zyklus zum Laufen – erst dann denken Sie über zusätzliche Features nach, wie Sie die Sache vermarkten und wie man dafür sorgen kann, dass diese Zyklen auch in höherer Zahl ablaufen können. Lesen Sie hierzu unsere Interviews mit Thomas Jakel und erfahren Sie seinem Rooting Framework, aber auch das Gespräch mit Flo Beyer von fbshirts und wie er ganz alleine ein schlankes Start-up aufzog.

4-Hour Workweek – Tim Ferris, ein US-Blogger und Gründer hat sich ziemlich lange darüber den Kopf zerbrochen, wie er ein Start-up gründen und schmeißen kann, ohne sein Leben komplett umzustülpen. Er erarbeitet eine Reihe von Methoden, um seine Arbeit und die Prozesse dahinter auf ein Minimum zu reduzieren. Ein wichtiger Gedanke dahinter ist, dass man Arbeiten stets auslagern sollte, anstatt sich selbst daran zu versuchen. Wichtiger Vordenker ist hier auch Günter Faltin, der mit seiner Tee-Kampagne ohne größere Investitionen einen Teehandel-Direktvertrieb aufbaute und das wichtige Gründer-Buch "Kopf schlägt Kapital" schrieb.

Fazit

Obwohl der Begriff zwar neu ist, ist sein Inhalt nicht neu. Er fasst aber noch einmal die Bemühungen vieler Vordenker zum Thema Start-up zusammen und listet ihre Methoden auf. Regelmäßige förderland-Leser brauchen sich keine Gedanken darüber zu machen, dass sie etwas verpasst haben. Jeder, der selbst einmal seine Nase ganz praktisch ins Thema stecken möchte, darf gerne auf die nächstens anstehenden Startup Weekends in Nürnberg und Stuttgart gehen, deren Orga-Teams bestens mit den oben genannten Theorien und noch vielem mehr vertraut sind.

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