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29.01.16Kommentieren

Versteht Euch!

Warum Selbstreflexion für Gründer unverzichtbar ist

Morgens aufstehen und zehn Ideen haben. Loslegen und sie umsetzen. Chefin im eigenen Haus sein. Selbst entscheiden. Frei sein (na ja, zumindest gefühlt). Ich weiß schon, warum ich Unternehmerin geworden bin!

Was ich allerdings auch weiß: Wer sich selbst nicht gut kennt, kann mit dem eigenen Business schnell baden gehen. Ich weiß, wovon ich schreibe: Vor fünf Jahren landete ich mit Burn-out in einer Klinik im Rheinland – und hatte keine Ahnung, wie ich dort überhaupt hingekommen bin. Ich fand mich zwischen Leistungsträgern unserer Gesellschaft. Erfolgreichen Businessmenschen und Unternehmern. Die etwas unternommen haben – und dann abgeschmiert sind.

Nach sechs Wochen (und die waren kein Spaziergang) war ich bei der Hauptursache meiner Erkrankung angekommen: Meinem Selbstbetrug. Ich musste anerkennen, dass ich mich schlichtweg angelogen hatte mit meinem Superwoman-Denken: Krieg ich schon hin. Kein Problem. Meine Arbeit macht so viel Spaß, ich brauche keine Freizeit. Schlaf wird ja generell überbewertet – und Pausen brauche ich auch nicht.

Ich nehme es mal vorweg: Mein Verstand denkt das heute immer noch (oft). Ich zähle inzwischen zu den Anonymen Workaholics und bin dankbar, dass ich Menschen in meinem Umfeld habe, die mich ausbremsen bevor es mein Körper wieder tut. Nach meiner Klinik-Zeit habe ich mich zum Coach ausbilden lassen. Meine Leidenschaft besteht heute darin, Menschen ihre blinden Flecke aufzuzeigen. Sie dabei zu unterstützen, ihre unbewussten Denk- und Handlungsmuster zu durchschauen und sich aus diesen Erkenntnissen einen präventiven Schutzmantel zu basteln. Meine Empfehlung: Denken Sie an Ihr psychologisches Rüstzeug und starten Sie nicht blind in Ihren Traum.

Nicht nötig? Brauch ich nicht? Da halte ich dagegen. Bei jedem Menschen lässt sich eine Leidenschaft finden, die – wenn sie nicht bewusst reflektiert wird – früher oder später in den unternehmerischen Abgrund führt. Für mich als Coach sind diese Leidenschaften der Karriere-Killer Nummer 1. Ist ein Unternehmer sich seiner Leidenschaft nicht bewusst, sich seiner selbst nicht bewusst – geht es früher oder später schief.

Ich gebe Ihnen im Folgenden zehn Beispiele, wie aus einer Leidenschaft eine Falle werden kann. Sieben davon kommen Ihnen vielleicht bekannt vor, es handelt sich um die sieben christlichen Todsünden – ergänzt um drei weitere Leidenschaften, die Leiden schaffen.

Völlerei

Leidenschaft für das eigene Business und Spaß am Leben sind wichtige Qualitäten für  Unternehmer. Nur wer das liebt, was er tut, wird nachhaltig – und mit Spaß an der Sache – erfolgreich sein. Wenn allerdings die Ablenkung von ungeliebten Tätigkeiten und den eigentlichen Aufgaben Überhand nimmt, droht der Absturz. Als Unternehmer brauchen Sie einen fitten Körper. Und dass zu viel ungesundes Essen + Alkohol schaden, weiß ja inzwischen jedes Kind.

Zorn

Genauigkeit und ein hoher Anspruch an die eigene Leistung – und die der Mitarbeiter - sind wertvolle Unternehmertugenden. Übersteigert sich die Liebe zum Detail, wird sie zur pingeliger Erbsenzählerei: Zu unterdrücktem Zorn. Dann leidet das Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter und die eigene Unzufriedenheit überträgt sich. Ein mieses Betriebsklima ist die Folge – mit Auswirkungen und die Motivation und Produktivität Ihrer Mitarbeiter. Ist klar.

Neid

Immer anders als die anderen sein zu wollen und trotzdem auf deren Erfolg zu schielen  – dieses Motto kann funktionieren. Den Status des Vorreiters auch dauerhaft halten zu müssen, kann gefährlich werden. Entweder weil auch andere Anbieter gute Ideen haben oder weil der Touch fürs Besondere zu sehr abdriftet. Das Besondere ist immer auch ein Wagnis. Kleiner Trost: Wenn es schief geht, dann wird immerhin in Schönheit gestorben.

Geiz

Wissen ist Macht – bringt aber nicht immer Geld. Nur wenige Kopfgenies schaffen es, ihr besonders Fachwissen auch mit anderen Menschen zu teilen und zugänglich zu machen. Und sollte es doch gelingen, bleibt der menschliche Austausch auf der Strecke. Zwischenmenschliche Beziehungen und Networking gehören zum Unternehmertum dazu! Wer mit sich geizt und sich nicht mitteilen kann, ruiniert sein Geschäft - und im Übrigen auch schnell sein Privatleben.

Furcht

„Soll ich – oder soll ich nicht? Was passiert, wenn ich mich für links entscheide? Woher soll ich wissen, dass rechts nicht besser oder richtiger ist?“ Wer ständig zweifelt und sich eher doppelt absichern als mutig in den Markt stürzen will, wird früher oder später über seine mangelnde Entscheidungsfreudigkeit stolpern. Auch wenn es mal die Falsche ist: Nichts ist für das eigene Business riskanter als gar keine Entscheidungen zu treffen.

Macht

„Vorschriften und Regeln? Gelten für andere. Ich entscheide, was gemacht wird! Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ Wer als autoritärer Pate das Unternehmen regiert darf sich nicht wundern, wenn Mitarbeiter sich gegen diesen „Top down“- Stil wehren und aus Angst vor Bestrafung krumme Dinger drehen. Der VW-Skandal ist ein gutes Beispiel für diese Führungsfalle. Und: Wer auf dem Thron sitzt, muss immer damit rechnen, von den Rebellen von eben diesem geschubst zu werden!

Stolz

Eine gesunde Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter gehört zu den modernen Tugenden eines Unternehmers. Genauso wie eine gesunde Selbstfürsorge. Wenn die eigene Aufmerksamkeit sich nur darauf ausrichtet, dass es allen Mitarbeitern gut geht, leidet die Delegationsfähigkeit. Wer nur noch für andere da ist und arbeitet, verliert an eigener Kraft. Das Ergebnis: Running on empty. Das gilt dann für das Unternehmen und den Menschen. Denn dahinter steckt letztlich nur der Stolz, dass es „ohne mich nicht geht.“

Täuschung

Der Aufbau eines eigenen Unternehmens fordert Opfer und Verzicht. Man hat wenig Zeit für Sport und Familie, Freunde und den Müßiggang. Kein Problem – wenn diese Phase auch ein Ende findet. Wer nur unter dem Schreibtisch schläft und der Meinung ist, das sei schon in Ordnung, täuscht sich selbst und andere. Mag die Arbeit noch so viel Freude machen und leicht von der Hand gehen: Irgendwann rächt sich der Körper. Mit einem Burn-out.

Trägheit

Gut, wenn man sich mit Kunden und Mitarbeitern gut versteht, das Miteinander harmonisch ist. Niemand fühlt sich wohl, wenn der Arbeitsalltag durch Kleinkriege beherrscht wird. Doch wer zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen permanent aus dem Weg geht, verliert auf Dauer die Führung. Irgendwann lassen sich schwelende Konflikte nicht mehr unter den Teppich kehren – und dann knallt es fürchterlich!

Widerstand

Sich im Markt durchbeißen, gegen alle Widerstände kämpfen und gewinnen: Solche Taktiken bescheren tiefe Glücksgefühle - die allerdings nicht nachhaltig sind. Wer permanent das Prinzip Contra lebt, verliert den roten Faden und kämpft letztlich gegen sich selbst. Kampf verwehrt den Zugang zum Flow. Manche Dinge entwickeln sich auch, ohne dass man für sie kämpfen muss. Besser die eigenen Ressourcen schonen und nicht alles durchboxen!

Autor: Mira Christine Mühlenhof

Journalistin und Sozialpsychologin
Website des Autors
Mira Christine Mühlenhof

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