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02.04.12Kommentieren

Pflichtprogramm

Warum jeder Gründer einmal auf einem Barcamp gewesen sein muss

Barcamps haben sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der deutschen Gründerszene gemausert. Doch was haben die Teilnehmer tatsächlich davon und wie sollte man sich darauf vorbereiten? Am Beispiel des Nürnberger Barcamps zeigen wir, wie's geht.

Barcamp NuernbergBarcamp Nuernberg

Zu erst einmal: Was ist überhaupt ein Barcamp? Bei dieser Veranstaltung tauschen sich die Teilnehmer aktiv über Themen aus den Bereichen Internet, Start-ups, Technologie, IT, Do-It-Yourself, Arbeitsmethoden, persönliche Entwicklung, Games und so weiter aus. Anders als auf herkömmlichen Konferenzen, gibt es keine feste Agenda, denn die machen die Teilnehmer selbst. Sie halten Sessions und lauschen Sessions, lernen voneinander.

Wer also das erste Mal auf ein Barcamp marschiert, wird erst einmal der Länge nach ins kalte Wasser gestoßen. Von Anfang an ist Eigeninitiative und Entscheidungsfreude gefragt, denn für gewöhnlich startet so ein Event mit einer Sessionplanung für den Tag. In einer langen Schlange stellt sich nun jeder an, der meint er hätte etwas über ein bestimmtes Thema zu sagen. Er oder sie stellt nun kurz sein Projekt vor versammelter Mannschaft vor und sondiert, wie groß das Interesse daran ist. Meldet sich keiner, dann wird das Thema eingestampft. Melden sich viele, wird ein größerer Raum für die Session benötigt. Der Barcamp-Besucher sollte sich nicht scheuen, sich in die Schlange einzureihen, auch wenn er keinen Vortrag vorbereitet hat, kann er doch eine Runde moderieren, in der sich Interessierte über ein Thema austauschen.

So sehen Sessions aus

Auf dem Nürnberger Barcamp hielt beispielsweise ein Interessierter andere Teilnehmer über einen 300-Dollar-3D-Drucker auf dem Laufenden und jeder hatte eine interessante Neuigkeit beizusteuern. Kontakte wurden geknüpft und über Bestellungen informiert.

Andere Sessions waren darauf ausgerichtet, dass ein jeder in der Runde, seine Erfahrungen zu einem bestimmten Thema beisteuert: Wie bleibst Du kreativ? Wie arbeitest Du effizient? Welche Software benutzt Du? So initiierte etwa eine Teilnehmerin ein Speed Apping. Ähnlich wie beim Speed-Dating rotierten die Partner durch und stellten sich gegenseitig ihre Lieblings-App vor.

Doch viele Themen, die auf einem Barcamp angesprochen werden, sind den meisten Zuhörern unbekannt und man lauscht dem Session-Halter und fragt nach, wenn man die Sache tiefer ergründen möchte: Mastermindgruppen, Microsoft Kinekt SDK, Mnemo-Techniken – um nur einige zu nennen.

Zu guter Letzt gibt es Sessions, die vom Teilnehmer verlangen, tatsächlich in Aktion zu treten: Hier gilt es kleine Roboter zu bauen und gegeneinander antreten zu lassen, die Instrumente eines VJs zu erlernen oder den Reiz des Skatspiels zu entdecken.

Zwischendrin sollte der Besucher nicht versäumen, Essen zu sich zu nehmen, das auf den meisten Barcamps im Ticket inbegriffen ist. Oft gibt es eine Lounge zum Abhängen und Austauschen und für Hardcore-Besucher werden auch Nachtsessions angeboten. Auf dem Nürnberger Camp stand das örtliche Fablab mit einem Laser- und T-Shirtstand bereit, um den Besuchern ihre T-Shirts zu bedrucken oder Tablets zu gravieren. Barcamps bieten übrigens eine prima Möglichkeit, das eigene Start-up vorzustellen, was in Nürnberg etwa von den Gründungen flinc und
appyourself wahrgenommen wurde. Sponsoren wie Mymuesli haben ihre Start-up-Herkunft nicht vergessen und beliefern einige Barcamps mit Frühstücksflocken.

Ein besonderes Highlight des diesjährigen Nürnberger Barcamps hat die Microsoft-Bashing-Session offenbart. In vielen Tech-Kreisen hat der Software-Riese aus Redmond einen schlechten Ruf: Ärgerliche Browser, gängelnde Lizenzbestimmungen und das spießige Image haben die Netzgemeinde aufgebracht und es wird im Netz geschimpft und getrollt, was das Zeug hält. Drei Microsoft-Mitarbeiter stellten sich nun allen anwesenden Kritikern und konnten mit Vorurteilen aufräumen, viele technische Probleme klarstellen, Lösungen anbieten. Mit erstaunlichem Detailwissen parierten sie viele Vorwürfe und nahmen gut sortierte Kritik mit zurück auf die Arbeit. Wir lernen also: Auch für große Unternehmen sind Barcamps Gold wert, vor allem, wenn auf das Format der Veranstaltung eingegangen wird.

Ich packe meinen Koffer ...

Zusammenfassend kann man festhalten: Auf ein Barcamp sollte man Interesse an Neuem, eine Präsentation seines Lieblingsthemas, einen Schreibblock (ersatzweise ein Tablet), im Notfall einen Schlafsack, Visitenkarten und eventuell ein Spiel mitnehmen, das man auf einer Nachtsession vorstellen kann. Flyer und Promomaterial des eigenen Start-ups sollte man auch mitnehmen, zum Auslegen und in die Hand drücken. Man sollte darauf vorbereitet sein, Sessions zu halten, denn schnell lässt man sich von dem Geist eines Barcamps anstecken und möchte selbst ran. Auch Jobs können hier übrigens gepostet werden, eine Twitterwall informiert über Rückmeldungen der Teilnehmer. Wer nun Lust auf ein Barcamp bekommen hat, der sollte den förderland-Terminkalender im Auge behalten oder uns auf facebook folgen – hier findet man die anstehenden Barcamp-Termine. Viel Spaß!

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