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02.10.12Leser-Kommentar

Recht

Vorsicht Diskriminierung: Das kleine Einmaleins der korrekten Stellenausschreibung

Ein Urteil, das uns zunächst keine Zuckungen entlocken konnte: "Unternehmer dürfen Bewerber mit frischem Hochschulabschluss suchen". Na und? Das Problem: Das Ganze kollidiert nämlich eigentlich mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Warum das Unternehmen dennoch gezielt nach Berufsanfängern suchen durfte, und was Start-ups bei ihrer Suche nach beispielsweise "frischem" Personal beachten müssen, erfahren Sie hier.

Die meisten Unternehmen wünschen sich neue Mitarbeiter mit Erfahrung. Wenn ein Arbeitgeber aber gezielt nach unerfahrenen Bewerbern sucht, könnte das eine unzulässige Altersdiskriminierung beinhalten. Nicht so in diesem Fall:

Um was es im Fall ging

Eine Versicherungsgesellschaft hatte 2009 mehrere Stellen für ein auf ein Jahr befristetes Trainee-Programm in verschiedenen Fachrichtungen ausgeschrieben, darunter Rechtswissenschaften. Gesucht waren Bewerber mit einem "sehr guten Hochschulabschluss …, der nicht länger als 1 Jahr zurück liegt". Das erste juristische Staatsexamen des damals 35-jährigen Klägers lag bereits zehn Jahre zurück. Er erhielt eine Absage. Mit seiner Klage verlangt er von dem Versicherungsunternehmen eine Entschädigung wegen Altersdiskriminierung in Höhe von 14.000 Euro - ohne Erfolg. Zwar sei in der Ausschreibung durchaus eine indirekte Altersdiskriminierung zu sehen. Denn der angesprochene Kreis der Berufseinsteiger sei "üblicherweise noch unter 30 Jahre alt". Dies sei aber durch die Ziele des Trainee-Programms gerechtfertigt. So urteilte das Hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt am Main in einem inzwischen schriftlich veröffentlichten Urteil vom 16. Januar 2012 (Az.: 7 Sa 615/11).

Fassen wir also zusammen: Die Firma hatte bei dem Rechtsverfahren Glück, weil sie "nur" einen Trainee gesucht hatte. Hätte sie eine unbefristete Stelle mit dem Wunschprofil "Hochschulabsolvent" ausgeschrieben, hätte sie vermutlich an den Kläger zahlen müssen; zumindest aber sehr viel schlechtere Chancen gehabt. Denn das Gericht hat sehr wohl befunden, dass zumindest eine "indirekte" Altersdiskriminierung vorlag. Schuld ist das bereits benannte Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG).

Das Einmaleins der Stellenausschreibung

Demnach gilt für jede Stellenausschreibung – und da können sich Start ups auch nicht mit ihrem jugendlichem (Firmen-)Alter herausreden: Niemand darf aufgrund des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters, der Rasse oder der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung und der sexuellen Identität benachteiligt werden. Im Hinblick auf eine Stellenausschreibung bedeutet dies, dass ein Arbeitsplatz nur unter Berücksichtigung aller dieser Punkte ausgeschrieben werden darf.

Beispiel: "Die Müller GmbH sucht für ihre Filiale Süd einen Assistenten" ist diskriminierend, da die üblichen Tätigkeiten eines Assistenten auch von einer Assistentin ausgeübt werden können.

Korrekt ist dagegen: "Radio 93,7 sucht einen Radiosprecher (m/w). Voraussetzung sind fließende Deutschkenntnisse und Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift", da diese Sprachkenntnisse für die Tätigkeit von zentraler Bedeutung sind.

Die oben genannten Beispiele mögen noch einigermaßen einleuchtend sein, aber damit man nicht gleich mit der ersten Stellenausschreibung eine Klage am Hals hat, lohnt es sich sicherlich einen spezialisierten Rechtsanwalt (zum Beispiel einen Fachanwalt für Arbeitsrecht) über die ersten Stellenausschreibungen schauen zu lassen. Für alles was danach kommt (Arbeitsvertrag, Urlaubsanspruch etc.), kann man sich im förderland-Archiv zum Thema "Personal" informieren – oder gleich den dann bereits bekannten Rechtsanwalt beauftragen. Denn: Anwälte müssen nicht so teuer sein wie ihr Ruf, zumindest Fragen (nach den Gebühren) kostet bekanntlich nichts.

Kommentare

  • J.W.

    22.10.12 (13:40:29)

    Muß das im Anriss nicht "kollidiert" heißen? Wenn es mit dem AGG _korellieren_ würde, wäre das tatsächlich keine weitere Erwähnung wert.

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