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06.03.08Kommentieren

Interview mit Andreas R. Boué

"Viele Unternehmer wissen nicht, worauf sie sich mit einem VC-Partner einlassen"

förderland im Gespräch mit Andreas R. Boué - Investment Manager und Autor des Buches "Wie komme ich zu Venture Capital?" - über die Suche nach Kapitalgebern, "Added Value" und die Auswahlkriterien der Investment Manager.

"Je früher die Unternehmensphase desto schwieriger ist es, hier zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen.""Je früher die Unternehmensphase desto schwieriger ist es, hier zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen." Bild: Boué

förderland: Herr Boué, würden Sie sich und Ihre Tätigkeit bitte kurz vorstellen?

Andreas R. Boué: Ich bin Investment Manager bei der IPO Beteiligungs-Management AG, einem österreichischen Private Equity Haus, das insgesamt fünf Fonds verwaltet. Insgesamt bin ich seit rund zehn Jahren im VC-Geschäft tätig - sowohl wissenschaftlich (Wirtschaftsuniversität Wien, Växjö University, Universitad Autònoma de Barcelona) als auch praktisch. Hier ist unter anderem T-Venture zu nennen, die Corporate-Venture-Capital-Gesellschaft der Deutschen Telekom AG, wo ich am Aufbau des T-Online Venture Funds mitgewirkt habe.

Meine Tätigkeit umfasst den kompletten Prozess einer Venture Capital Finanzierung: von der Auswahl über die Analyse und der Strukturierung bis hin zu Betreuung der Investments und Exit.

förderland: Ihr neues Buch trägt den Titel "Wie komme ich zu Venture Capital?". Warum haben Sie dieses Buch geschrieben und an wen richtet sich Ihr Buch? 

Boué: Mein Buch richtet sich in erster Linie an Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Unternehmen mit Venture Capital zu finanzieren. Im Laufe meiner Tätigkeit habe ich sehr häufig die Erfahrung gemacht, dass sich Unternehmer bei ihrem Bemühen um Venture Capital selbst im Wege stehen. Viele Projekte sind aus technologischer Sicht sehr interessant und innovativ, verfügen über einen ausreichend großen Markt und weisen einen klaren USP (Unique Selling Proposition/ Point - Alleinstellungsmerkmal) auf. Leider werden sie jedoch oftmals nicht optimal präsentiert beziehungsweise werden sie von UnternehmerInnen vorgestellt, die mangelhaft vorbereitet oder mit unrealistischen Erwartungen in ein Gespräch mit ihrem potenziellen Investor gehen. Viele Unternehmer wissen nicht, worauf sie sich mit einem Venture-Capital-Partner einlassen, welche Anforderungen und Absichten dieser verfolgt und sind mit dem VC-Prozess überfordert. Und spätestens bei den Vertragsverhandlungen - wenn es soweit überhaupt kommt, die meisten (oft sehr guten) Projekte werden vorher bereits abgesagt - rächt sich dies zum Beispiel mit ungünstigen Konditionen.

förderland: Für welche Unternehmen ist eine VC-Finanzierung überhaupt von Interesse?

Boué: Grundsätzlich gilt: für potenziell sehr wachstumsstarke Unternehmen. Die Branche ist dabei nebensächlich, wobei es natürlich Branchen gibt, die hinsichtlich ihrer Wachstumsraten vielversprechender sind als andere. Das wechselt alle paar Jahre - bestimmte Branchen verschwinden vom Radar der Investoren und neue tauchen auf.

Ebenso wichtig für eine erfolgreich verlaufene VC-Finanzierung ist jedoch das Management des betreffenden Unternehmens - und das ist in aller Regel der Unternehmer. Ich habe den Eindruck, dass manche Unternehmerinnen und Unternehmer diesem Punkt nicht die Aufmerksamkeit entgegen bringen, die er verdient.

Aus Unternehmersicht kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass Investoren nicht "nur" Geld in die Partnerschaft einbringen, sondern auch sogenanntes "Added Value" also nicht-monetäre Leistungen, die das Ziel haben, den Unternehmenswert zu steigern (zum Beispiel ein umfangreiches Netzwerk von Personen und Unternehmen, die für das Unternehmensprojekt von großem Nutzen sein können).

förderland: Wie viel Zeit muss man für die Suche nach einem Kapitalgeber einplanen? Wie schwer ist Venture Capital zu bekommen?

Boué: Die Statistiken sprechen eine sehr klare Sprache. Es wird davon ausgegangen, dass oftmals nicht mehr als fünf Prozent aller erstellten und an VC-Gesellschaften versandten Unternehmensprojekte eine erfolgreiche VC-Finanzierung durchlaufen. Je früher die Unternehmensphase desto schwieriger ist es, hier zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen. Umso wichtiger ist es, möglichst keine Fehler während des Investmentprozesses zu begehen - mein Buch soll dabei helfen. Wie lange dies dauert, ist schwer zu sagen und hängt von einer Reihe von Faktoren ab: der Qualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen, der Komplexität des Projekts, aber auch von Punkten, die die UnternehmerInnen nicht selbst in der Hand haben, zum Beispiel internen Abläufen beim potenziellen Investor etc. Als Faustregel gilt: zwischen drei und sechs Monate, wobei es auch länger dauern kann!

förderland: Wie findet man überhaupt einen Investor und welche Kriterien sollte man bei der Suche zugrunde legen? Gibt es typische Fehler, die Unternehmen bei der Suche nach Investoren begehen?

Boué: Dieser Frage widme ich mich in meinem Buch in einem ganzen Kapitel. Zunächst einmal sollte man verhindern, dass man wahllos an alle möglichen VC-Geber seinen Businessplan verschickt. Es bietet sich vielmehr an, eine kritische Analyse des betreffenden Projekts durchzuführen und es mit dem Anforderungsprofil potenzieller Investoren abzugleichen. Aus den Ergebnissen dieser Analyse abgeleitet ergibt sich eine Shortlist aus potenziellen Investoren, die der kapitalsuchende Unternehmer weiter verfeinern kann. Offensichtliche Selektionskriterien sind unter anderem Unternehmensphase und -branche oder geografische Faktoren, da manche Investoren zum Beispiel nur innerhalb eines gewissen Bundeslandes arbeiten (dürfen). Selektionskriterien, die etwas mehr Recherchearbeit erfordern, haben mit dem individuellen Anforderungsprofil des Unternehmens zu tun. Sollte beispielweise vor allem konkrete Branchenkontakte und fachliches Know-how benötigt werden, lohnt es sich, einen Investor zu wählen, der bereits in Unternehmen der gleichen Branche investiert hat.

Typische Fehler hängen oft damit zusammen, dass die Ansprüche an den Investor nicht kompatibel sind mit den Leistungen, die dieser bereitstellen kann und will. Nicht jeder Investor ist zum Beispiel ein sogennanter "hands-on Investor". Unternehmer, die viel "Added Value" benötigen, müssen sich auch einen Investor suchen, der diesen bereitstellen will und kann.

förderland: Nach welchen Kriterien suchen Investment Manager ihre Investitionsobjekte aus?

Boué: Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und hängt von der Strategie des VC-Fonds ab. Es liegt in der Natur der Sache, dass Finanzinvestoren vor allem hohe Renditen erzielen wollen. Strategisches Venture Capital - zum Beispiel seitens einer Corporate-Venture-Capital-Gesellschaft - verfolgt zusätzlich in aller Regel nicht-monetäre Absichten, zum Beispiel einem großen Konzern einen mittelbaren Zugriff auf vielversprechende zukünftige Technologien zu sichern.

Das Kriterium, das jedoch jedes Management bei der Projektprüfung heranziehen wird, ist das Vorhandenseins eines attraktiven Marktsegments, das sich zum Beispiel durch starkes Wachstum und eine überschaubare Wettbewerbssituation auszeichnet. Ein anderes Kriterium ist das Vorhandensein eines USPs, also eines Alleinstellungsmerkmals. Häufig machen Unternehmer hier beispielsweise den Fehler, dass sie auf diesen USP zu wenig eingehen und es für selbstverständlich halten, dass jeder (bis dato unbeteiligte) Leser von selbst auf die Besonderheit des Projekts kommt. Weitere Kriterien hängen stark vom "Geschmack" des Investors ab. Am besten fährt man sicherlich, wenn man jedem Kapitel im Businessplan maximale Aufmerksamkeit zukommen lässt. Zentrales Selektionskriterium wird aber für jeden Investor ein qualitativ hochwertiges Management sein. Schließlich können Pläne noch so schön sein - umgesetzt werden müssen sie von Menschen.

förderland: Worauf muss man sich einstellen, wenn man einen Venture Capital-Geber ins Boot holt?

Boué: Auf einen selbstbewussten und professionellen Partner, der das Wachstum Ihres Unternehmens so gut wie möglich unterstützt, der jedoch auch bereit ist, seine Rechte zu wahren. Und diese Rechte gehen über das gesetzlich vorgesehene Maß deutlich hinaus. Ein Kapitel meines Buches beschäftigt sich intensiv mit Regelungen, die sich heutzutage in fast jedem Beteiligungsvertrag finden lassen, erläutert, wohin diese im Einzelnen führen können und gibt Hilfestellungen und Tipps, wie die eine oder andere Regel zugunsten des Unternehmers/ der Unternehmerin beeinflusst werden kann. Speziell auf die Informations- und Mitbestimmungsrechte sei hier verwiesen, aber auch auf spezielle Exit-Regelungen, die normalerweise eine asynchrone Verteilung des Exiterlöses - zumindest bis zu einer bestimmten Höhe - vorsehen.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

© 2008 förderland

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