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12.04.07Kommentieren

Interview mit Frank Schäfer, ProContour

Verkehrssicherheit durch Sensortechnik

förderland im Gespräch mit Frank Schäfer, Geschäftsführer und Gründer der ProContour GmbH, die eine Technik entwickelt hat mit der die Messung der Profiltiefe und -art von Reifen im fließenden Verkehr ermöglicht wird.

Jochen Moesslein, Frank Schäfer und Dr. Ali Yarayan (v.l.).

förderland: Vorab, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz beim diesjährigen start2grow-Gründungswettbewerb. Was stellen Sie mit den 15.000 Euro Preisgeld an?
Schäfer:
Wir werden dieses Preisgeld in die Prototypen und Zulassungsarbeit investieren.

förderland: Im Sommer 2005 haben Sie das Projekt "Mehr Verkehrssicherheit für alle, durch bessere Bereifung" gestartet. Woher kommt Ihr Engagement gerade in diesem Bereich?
Schäfer:
Aufgrund der Betroffenheit im persönlichen Umfeld, welche Auswirkungen schlechte Bereifung an einem Wintertag haben kann, entwickelten meine Frau Silke Schäfer und ich diese Idee.

förderland: Sie haben eine Technik entwickelt, die es möglich macht, die Profiltiefe und -art von Reifen im fließenden Verkehr zu messen. Wie muss ich mir das vorstellen?
Schäfer:
Das Grundprinzip der Messeinrichtung ist die "Lasertriangulation". Durch einen in die Fahrbahn eingelassenen Messschlitz wird über eine spezielle Digitalkamera das 3D-Profil eines Reifens vermessen und aufgezeichnet. Dank schnellster Bildverarbeitung mit "on-chip-processing" werden 60 3D-Profile in 2,4 ms analysiert und damit die Profiltiefe des Reifens berechnet.

förderland: Welchen beruflichen Hintergrund bringen Sie und Ihr fünfköpfiges Team mit?
Schäfer:
Hinter ProContour steht ein Team aus Experten, deren Mitglieder langjährige Berufserfahrung aus den Bereichen Technologie und öffentliches Recht einbringen. Insgesamt verfüge ich über 18 Jahre Erfahrung im Bereich Anlagenbau, Verfahrenstechnik und Softwareerstellung, acht Jahre davon als angestellter Geschäftsführer mit 30 Mitarbeitern. Ich habe zahlreiche komplexe Geräte und Maschinen eigenständig entwickelt und auch die Idee der neuen Reifenmesstechnik für den fließenden Verkehr stammt von mir. Ich habe die Gründung vorangetrieben und das Netzwerk der ProContour GmbH aufgebaut.

Dr. iur. Ali Yarayan ist Rechtsanwalt und begleitet mich schon seit Jahren. Er war bereits im Sommer 2005 von der Gründungsidee überzeugt und hat unter anderem das Rechtsgutachten erstellt. Dr. Yarayan hat im Bereich des Urheberrechts über den Schutz von Datenbanken im deutschen und türkischen Recht promoviert. Er ist Lehrbeauftragter der Uni Erlangen und darüber hinaus Experte der türkischen Delegation der EU-Kommission. Wie bisher soll er das Unternehmen auch in Zukunft rechtlich betreuen

Dipl.-Ing. Ulrich Thielmann hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert und verantwortet zurzeit als Regional Manager den Vertrieb eines großen deutschen Maschinen-Unternehmens in Afrika und dem Mittleren Osten. Er verfügt über elf Jahre Vertriebserfahrung, davon sieben Jahre im Ausland. Ferner konnte Herr Thielmann über sieben Jahre Führungserfahrung als technischer Offizier der Bundesluftwaffe, davon zweieinhalb Jahre als Austauschoffizier bei der Italienischen Luftwaffe sammeln. Es ist geplant, dass Herr Thielmann auch operativ voll einsteigt.

Prof. Dr. Ing. Andrew H. Clarke blickt auf einen reichhaltigen Erfahrungschatz bei der Entwicklung von Mess- und Bildverarbeitungssystemen zurück. Er hat als leitender Wissenschaftler für diese Gebiete an US-amerikanischen und europäisch-russischen Raumfahrtmissionen teilgenommen (Spacelab 1, D1, Mir 92, Euromir 94, Euromir 95, ISS 2004, Astrolab 2006). Darüber hinaus hat er als Entwicklungsleiter gemeinsam mit Dr. Baartz eines der führenden Technologieunternehmen im Bereich von Hochgeschwindigkeits-Bildsensoren gegründet, die Chronos Vision GmbH. Ursprünglich hat Prof. Clarke Elektrotechnik studiert. Er bringt - wie Dr. Baartz - als Gesellschafter der ProContour GmbH langjährige Erfahrungen und Marktkontakte im Bereich der Hochgeschwindigkeits-Bildverarbeitung ein. Über die Chronos Vision GmbH können wichtige F&E-Projekte kompetent und zügig durch erfahrene Entwickler und Technologen abgewickelt werden.

Dr. rer. nat. Friedrich-J. Baartz ist Dipl.-Physiker. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Chronos Vision GmbH, wo er für den Bereich Machine Vision verantwortlich ist. Dr. Baartz hat ebenso wie Prof. Clarke raumfahrtqualifizierte medizintechnische Messgeräte entwickelt. Im Rahmen des ESPRIT Programms leitete er mehrere internationale F&E Projekte. Ebenso arbeitete er an den Raumfahrtprojekten MIR’92, Altair, EUROMIR`94 und MIR’92-E mit.

Dipl.-Ing. Manfred Weber hat an der Gauss Akademie Berlin Mess- und Regeltechnik sowie an der RWTH Aachen Festkörperelektronik studiert. Neben weiteren Positionen war er bei Blaupunkt Leiter der Steuerungstechnik. Seit 1985 arbeitet er selbstständig als Entwickler. Als Gründer bringt er die Erfahrung und das Wissen von zahlreichen elektronischen und messtechnischen Entwicklungen und Projekten des Sondermaschinenbaus ein. Herr Weber hat wesentliche Bereiche des bereits erfolgreich getesteten Funktionsmusters hergestellt. Wie Herr Thielmann wird sich Herr Weber auch operativ engagieren.

förderland: Unternehmensgründungen im Technologiesektor sind teuer. Nach eigenen Angaben sind für Ihren Start vier bis fünf Millionen Euro nötig. Wo haben Sie Investoren für Ihr Projekt gefunden und wie konnten Sie sie von sich und Ihrer Geschäftsidee überzeugen?
Schäfer:
Über die "wer-liefert-was"-Suchmaschine habe ich alle strategischen Investoren ermittelt und angesprochen. Auch über den Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften konnten 200 Kontakte beschafft und davon zwei Duzend kontaktiert werden.

Durch eine intensive sechsmonatige Vorarbeit eines vierköpfigen Teams konnten die entsprechenden Unterlagen erarbeitet werden, so dass allen potentiellen Investoren eine präzise herausgearbeitete Mappe übergeben werden konnte. Maßgebend an dieser Entscheidung beteiligt war Jochen Moesslein, Geschäftsführer der Venture Consulting GmbH. Er hat das Gründerteam nicht nur bei der Finanzierung und Transaktionsstruktur beraten, sondern auch einen erheblichen Beitrag bei der Erstellung des Businessplans geleistet.

förderland: Inwieweit konnte Sie die RKW-Förderberatung bei Ihrem Vorhaben unterstützen?
Schäfer:
Die RKW-Förderberatung war für uns extrem wichtig, da über diese Beratung klar wurde, dass dieses Projekt Sinn macht und uns der Berater intensiv begleitet hat.

förderland: Sie haben ein Gründer-Coaching absolviert. Wie sah dieses Coaching aus und hat es sich für Sie persönlich gelohnt?
Schäfer:
Das Coaching hat sich wirklich gelohnt. Ich wusste hinterher, dass sehr viel Arbeit nötig ist um einen lückenlosen Businessplan zu erstellen.

förderland: Wie groß ist Ihre Angst, dass Ihnen ein großes Unternehmen die Idee wegschnappt?
Schäfer:
Es ist zu erwarten, dass die ProContour GmbH gekauft wird. Der Kauf durch ein großes Unternehmen ist für dieses wesentlich kosteneffizienter als ein eigenes Produkt zu entwickeln (Time-To-Market). In den Genen der Gesellschaft ist vorgesehen, dass ein solcher Kauf möglich ist.

förderland: Wo könnte die von Ihnen entwickelte Technologie künftig eingesetzt werden? Haben sich schon potentielle Kunden bei Ihnen gemeldet? 
Schäfer:
Mit verschiedenen potentiellen Kunden finden seit Frühjahr 2005 Gespräche statt. Zu diesem Zweck wurde von Dr. Yarayan ein Rechtsgutachten erstellt, welches belegt, dass der Einsatz der Technologie für unseren Kundenkreis in Deutschland ermöglicht wird.

förderland: Herr Schäfer, vielen Dank für das Gespräch. 

© 2007 förderland

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