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25.08.17

VALUEversitas - Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette Lebensmittelproduktion vernetzen

Interview mit einer der Gründer, Nicole Wülbeck, von VALUEversitas UG

Unsere Gesprächspartnerin ist Nicole Wülbeck, die mit Ihrem Geschäftspartner, Johannes Tschesche, im Juli 2017 zusammen das Unternehmen VALUEversitas UG (haftungsbeschränkt) gegründet hat. Zusammen wollen sie Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette durch stärkere Vernetzung und bessere Zusammenarbeit dabei unterstützen, eine höhere Wertschöpfung zu erzielen.

Nicole Wülbeck

förderland: Sie haben bisher in der Innovationsberatung für technisch innovative Unternehmen gearbeitet. Wieso haben Sie sich für die Lebensmittelbranche als Zielgruppe entschieden?

Nicole Wülbeck: Zunächst gibt es da einen ganz einfachen Grund: Mein Mitgründer und ich essen und trinken beide sehr gerne. Darüber hinaus haben wir einen Bezug zur Landwirtschaft. Aber der Reihe nach.

Der Beratungsalltag im technischen Umfeld zeigte uns, dass aktuell viele Strukturen im Umbruch sind. Die Digitalisierung und ein verändertes Konsumentenverhalten mit neuen, oft zusätzlichen Anforderungen bringen viele Herausforderungen mit sich. Aber eben auch viele Chancen, aufgrund des bevorstehenden Strukturwandels in einigen Branchen. Und da ist insbesondere die Lebensmittelbranche hervorzuheben. Diese ist riesig, absolut inhomogen und es gibt jede Menge moderne Technologie sowie Chancen für neue Geschäftsmodelle. Natürlich auch viele Baustellen. Und das ist das extrem spannende.

In der Lebensmittelbranche kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Bisher war für viele Lebensmittelproduzenten das, was man als Kundennutzen bezeichnet, einfach einzuordnen. Es ging um ein Stück Käse, ein Steak, Kartoffeln, Milch oder Obst. Heutige Verbraucher möchten mehr als mit einem bestimmten Geschmack gesättigt werden. Sie wollen Identität, Bequemlichkeit, ein gutes Gewissen und nicht zuletzt Spaß. Viele Produzenten müssen erst lernen, was das im Hinblick auf Ihre Produkte heißt.

Um nochmal auf unseren Bezug zur Branche zurückzukommen. Ich selbst bin Reiterin. Mein Pferd steht auf einem Hof, der auch Viehzucht betreibt. Da ich Selbstversorgerin bin, muss ich selbst aktiv im und um den Stall mitarbeiten und bekomme natürlich viel von den Sorgen und Nöten der Betriebseigentümerin mit. Insbesondere lernt man den Wert und die Mühe der täglichen Arbeit kennen, die in der landwirtschaftlichen Urproduktion steckt. Deshalb habe ich schon vor Jahren begonnen, bei der Direktvermarktung zu unterstützen.

In der Familie meines Geschäftspartners gab es noch bis vor wenigen Jahren einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb. Noch heute bewirtschaftet die Familie Streuobstwiesen. Er hat außerdem mit seiner Frau die einzige Crowdfunding-Plattform für Lebensmittel entwickelt und den Begriff Foodfunding geprägt. Darüber hinaus ist er aktiver Jäger.

förderland: Inwiefern unterscheidet sich die Lebensmittelbranche von den bisher hauptsächlich technisch geprägten Betrieben?

Wülbeck: Im Großen und Ganzen gar nicht. Lebensmittel werden heute technisch erzeugt. Selbst der Demeter-Betrieb setzt moderne Technik ein - und wenn es nur in der Vermarktung ist. In der Lebensmittelverarbeitung und der Logistik geht ohne Technologie ebenfalls nichts mehr. Wir haben uns also nicht von der Technik distanziert, sondern nutzen unseren technologisch geprägten Hintergrund weiterhin, nur eben auf eine Branche fokussiert. Und wenn man sich die Branche anschaut, dann wird sie immer technischer. Denken Sie an Urban Farming, Onlinevertrieb und die neuen Eiweissquellen anstelle von Hühnchen, Schwein und Rind. Auch, wenn man es ungern zugibt: Lebensmittel und Technologie gehören heute einfach zusammen. Und wie gesagt, alle nutzen Technologie und wenn es nur die Nutzung moderner Kommunikationstechnik zur Vermarktung des eigenen Produktes ist.

förderland: Welches sind ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen denen sich diese Branche gegenüber sieht?

Wülbeck: Puh…das sind so viele, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Natürlich gibt es da die Megathemen Urbanisierung und Klimawandel. Aber das ist vielleicht etwas abstrakt. Konkreter sind z.B. regulatorische Anforderungen und Bürokratie. Oder aber auch die zusätzlichen Anforderungen der Verbraucher. Die unterschiedlichen Produzenten müssen stärker in der Öffentlichkeit vertreten sein, um ihre Produkte und Marken zu präsentieren. Darüber hinaus sind Informationen zur Produktentstehung und Herkunft von Interesse, was ebenfalls zusätzliche Arbeit bedeutet. Stark vereinfacht wird da häufig der Dialog mit den Verbrauchern angeführt. Das verklärt allerdings die Tatsache, dass es nicht ausschließlich um den Dialog, sondern vielmehr um veränderte Anforderungen geht.

Aber auch der Vertrieb wird sich mittelfristig ändern. Die Handelsstrukturen werden aufbrechen und die aktuellen Wertschöpfungsketten werden sich zu Wertschöpfungsnetzwerken wandeln. Das wird bedeuten, dass vieles, was bis heute noch Aufgabe einer Wertschöpfungsstufe war, plötzlich an einer anderen Stelle mit einer veränderten Intensität bearbeitet werden muss.

Um zu verdeutlichen, was ich meine, will ich ein stark vereinfachtes Beispiel aus der Rinderzucht nehmen. Der Weg eines Rindersteaks war bisher klar und einfach. Nach Aufzucht und Mast des Rindes ging es zum Schlachthof. Anschließend wurde das Tier für die großen Handelsketten im industriellen Maßstab zerwirkt oder in größeren Portionen an die Metzgereien verkauft. Verbraucher kann sein Steak dann entweder abgepackt im Kühlregal oder beim Metzger individuell portioniert kaufen. Für den Viehbetrieb war das in Anführungszeichen einfach. Man hat seine Arbeit gemacht und anschließend die Tiere zum Marktpreis verkauft. Dummerweise sind die Marktpreise aktuell so niedrig, dass die Margen der Produzenten kaum existent sind. Heute gibt es hier im Rahmen der Digitalisierung neue Möglichkeiten. Die Direktvermarktung könnte auf einmal lukrativ werden oder es können sich zusätzliche Einkommensquellen im Zusammenhang mit den eigenen Produkten ergeben. Das bedeutet aber eben auch mehr Arbeit und möglicherweise Investitionen, insbesondere in den Faktor Zeit.

Eine weitere Herausforderung ist eine kulturelle Problemstellung. Aus der Innovationsforschung weiß man, dass kooperierende und zusammenarbeitende Unternehmen innovativere Produkte entwickeln, für ihre Mitarbeiter interessanter sind und letztlich auch wirtschaftlich stabiler da stehen. Das deckt sich auch stark mit unseren bisherigen Erfahrungen, insbesondere auch in unserer beruflichen Vergangenheit. Wer heute unternehmerisch dauerhaft erfolgreich sein möchte, kommt an Kooperationen mit anderen Unternehmen also nicht vorbei. Sei es die bereits erwähnte Transformation heutiger Wertschöpfungsketten zu Wertschöpfungsnetzen oder aber schlicht das Erfordernis, dass bestimmte strategische Ziele und Entwicklungen nur gemeinsam mit anderen erreicht werden können. Zur Verdeutlichung muss man sich nur vor Augen halten, wie oft man in Situationen war, in denen Sätze wie „Wenn man jetzt jemanden hätte, der (…) könnte…“ oder „Wenn man jemanden hätte, der (…) bräuchte…“ oder „…, der das wüsste oder beschaffen könnte“ passend waren. Hinzu kommt, dass Innovationen gemeinsam besser gelingen und häufig auch Vertriebsaktivitäten durch Netzwerkpartner ganz beiläufig generiert werden. Die Vorteile von Kooperationen und dem Zusammenarbeiten sind bekannt und liegen auf der Hand. Aber für viele Unternehmen ist das noch keine gelebte Realität oder es wird mit der losen Bündelung in oft zu großen oder rein interessenvertretenden Netzwerken verwechselt. Das gilt aber nicht nur für die Lebensmittelbranche.

förderland: Welche Lösungen bieten Sie an?

Wülbeck: Jeder Betrieb ist zunächst mal vollkommen unterschiedlich und daher auch individuell zu betrachten. Und genau das tun wir auch. Das heißt, wir setzen bei den Menschen an, die das Unternehmen prägen. An erster Stelle ist das der Unternehmer oder es sind die Geschäftsführer bzw. Vorstände. Aber eben nicht nur. Sie geben vieles vor und in der Regel prägen sie das Verhalten ihrer Mitarbeiter. Es sind aber auch die Angestellten. Sie müssen letztlich die Ideen der Führung umsetzen oder die Führung von eigenen Ideen überzeugen. Daher haben wir einen Dienstleistungsbereich, der sich mit allem rund um die Unternehmenskultur und die Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen sowie Verbesserungen beschäftigt.

Ebenfalls sehr individuell ist auch die Zukunft eines Unternehmens zu bewerten. Soll es wachsen? Soll es stabil bleiben? Steht eine Unternehmensnachfolge an? Was passiert mit den Märkten? Wie verändern sich die Kunden, Lieferanten und die verwendeten Technologien? Welche Themen werden zukünftig für das Unternehmen wichtig? Diesen Fragestellungen widmen wir uns mit einem zweiten Dienstleistungsbereich.

Am Ende stehen die Erlöse eines Unternehmens. Oder anders ausgedrückt: alles, was mit der Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen zu tun hat. Das ist unser dritter Dienstleistungsbereich. Dabei liegt unser Schwerpunkt auf zukunftsfähigen Vermarktungslösungen und dem Blick nach vorne.

Wir arbeiten in diesen drei Dienstleistungsbereichen mit unseren Kunden genau in dem Umfang zusammen, der benötigt wird. Das kann teils telefonisch oder per Skype erfolgen, im Rahmen von Workshops oder aber auch tageweise vor Ort. Aber auch hier haben wir die Bedürfnisse unserer Kunden im Blick. Das Tagesgeschäft und die betriebliche Organisation nehmen die Betriebe aller Stufen entlang der Wertschöpfungskette meist so in Beschlag, dass oft nur wenig bis gar keine Zeit da ist. Gleichzeitig sind die eigenen personellen und finanziellen Ressourcen typischerweise knapp.

Damit trotz aller Knappheit möglichst viel erreicht werden kann, setzen wir auf Kooperationen und die aktive Zusammenarbeit der Unternehmen. So können sich bei gleicher strategischer Zielsetzung mehrere Unternehmen zusammen tun. Die Unternehmen profitieren von komplementären oder verstärkenden Fähigkeiten und teilen sich unser Beratungshonorar.

Und: Wir machen uns auch persönlich "die Hände schmutzig" und unterstützen unsere Kunden aktiv. Wir haben keine Scheu davor, beispielsweise ein von uns entwickeltes Vertriebskonzept oder einen Piloten persönlich für unsere Kunden in die Tat umzusetzen!

Unsere Idealvorstellung ist es, dem Kunden ein Rundumsorglos Paket anbieten zu können. So muss er sich nicht neben seinem bereits ausfüllenden Tagesgeschäft Gedanken über "Nebensächlichkeiten" machen und kann sich sicher sein, dass er gut betreut wird.

förderland: An was arbeiten Sie gerade? Wo liegen gerade Ihre Tätigkeitschwerpunkte?

Wülbeck: Unser Hauptaugenmerk liegt zurzeit im Ausbau des Kundennetzwerkes und in Gesprächen mit Unternehmen, die gerne sogenannten Wertschöpfungsverbünde initiieren möchten. Darunter verstehen wir einen aktiv gemanagten Zusammenschluss von Unternehmen, die sich gemeinsam einer Aufgabe, einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Region widmen möchten. Unsere Rolle dabei wird die Förderung und Koordination der gemeinsamen Aktivitäten sein.

Außerdem haben wir jede Menge mit der Organisation unserer Veranstaltungsreihe "Unternehmens-Speed-Dating 2017/2018" zu tun. Wir werden an insgesamt 44 unterschiedlichen, über ganz Deutschland verteilten Standorten an 44 unterschiedlichen Terminen Treffen durchführen, die der Anbahnung von Kooperationen und dem Austausch von Ideen dienen. Das Ganze beginnt schon Ende Oktober dieses Jahres und geht bis März 2018.

förderland: Was kann der Teilnehmer von der Veranstaltung erwarten?

Wülbeck: Die Veranstaltungen werden in gemütlicher Atmosphäre und unter dem Leitthema "Kooperieren und zusammenarbeiten für eine moderne Vermarktung" stattfinden. Hier treffen sich Unternehmer und Entscheider aus der Lebensmittelbranche und Unternehmen mit Branchenbezug, die auf der Suche nach Partnern für gemeinsame, unternehmerische Aktivitäten sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bereits eine Idee haben und einen Ausführungs- oder Entwicklungspartner suchen oder ob sie auf der Suche nach Impulsen und neuen Ideen sind. Am Abend des Speed-Datings erhalten die Teilnehmer zunächst eine kurze thematische Einführung, um alle auf den Abend einzustimmen und um zu erfahren, wie man gemeinsam mehr erreichen kann. Anschließend lernen sich die Teilnehmer in jeweils 90 Sekunden kennen. Dafür ist im Vorfeld eine gewisse Vorbereitung erforderlich, bei der die Teilnehmer von uns unterstützt werden. Im Anschluss haben alle Teilnehmer in lockerer Atmosphäre ausreichend Gelegenheit, im Detail über die jeweiligen Motivationen und potenzielle gemeinsame Aktivitäten zu sprechen.

förderland: Was sind Ihre nächsten Schritte?

Wülbeck: Für unsere Kunden wollen wir mit unserem Konzept in erster Linie eine Erhöhung der Wertschöpfung erzielen. Einen der möglichen Wege hierfür sehen wir, wie oben beschrieben, in der Vernetzung und Zusammenarbeit. Diese Aktivitäten wollen wir ausweiten.

Unsere Idee und gleichzeitig unsere Vision ist es, Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, mit der Branche zusammen Konzepte für neue und direktere Vertriebswege zu entwickeln und damit die Wachstumsziele auf Basis einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Geschäftstätigkeit erhöhen.

Das bedeutet für uns vor allem, dass wir unsere internen Werkzeuge als Plattformen zur Verfügung stellen werden. Das bedeutet aber auch noch eine Menge Arbeit.

föderland: Vielen Dank für das Interview!

Kontakt:

Nicole Wülbeck
wuelbeck@valueversitas.com
+49 (0) 6196 2048502
Johannes Tschesche
tschesche@valueversitas.com
+49 (0) 6196 2048503

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