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14.04.11

Gründerstory meinpraktikum

Ursula, der Bulli und wir!

Ein kleines Dreimann-Start-up aus Witten machte in letzter Zeit ziemlich von sich Reden, weil es ein Angebot entwickelt hat, das praktisch ist, den Zeitgeist trifft und prominente Unterstützung einsacken konnte. Die Rede ist von "meinpraktikum" und wir wollten von den Gründern persönlich ihre Geschichte hören. Viel Vergnügen!

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Es war einmal ...

Ideen rund ums Gründen hatten die beiden schon immer im Kopf, doch an diesem Abend in Hamburg und mit freundlicher Unterstützung der örtlichen Brauereien wurde es ernst. Und wie wahrscheinlich die meisten guten Ideen in der Welt am Tresen ausgeklügelt wurden, so sollte es auch dieser beschieden sein: Stefan Peukert und Daniel Pütz, beide an der Universität Witten-Herdecke, schwatzen über die Freuden und Leiden des Studentenlebens und als sie bei den Leiden angekommen waren, stellten sie fest, dass ein Praktikum in einem Unternehmen oft einer Runde Chatroulette gleichkommt - da man nie weiß, wo man landet: am Kopierer oder am Flipchart, droht Bore-out oder Burn-out? - Da lässt sich doch was draus machen!

Doch anders als bei den meisten guten Tresen-Ideen, schafften es die beiden Wirtschaftswissenschaftler, diese in den nächsten Tag hinein zu retten und machten sich umgehend an eine Online-Recherche, die große Frage war: "Wo finde ich Infos im Netz, ob ein Praktikum etwas taugt oder nicht". Und mit heimlicher Freude stellten sie fest, dass Ihre Suche in einer großen leeren Marktlücke endete. Eine Lücke, die sie innerhalb des nächsten Jahres mit einem Online-Portal namens "meinpraktikum" füllen sollten.

With a little help from my friends

Doch wie packt man so etwas überhaupt an? - Klar, sie hatten im Studium einiges gelernt: Unternehmensgründung, - führung, Geschäftskonzepte, Rentabilität und alles was dazugehört - doch ein Webportal zu konzipieren und zu programmieren, davon hatten sie keinen Schimmer! Also hörten sie sich im Bekanntenkreis um und fanden schneller Unterstützung als geahnt: Auf einmal war das Design kein Problem mehr, Pressemitteilungen konnte jemand schreiben und auch mit einer Bochumer Programmierschmiede kam man ins Gespräch. Und langsam nahm auch das Konzept konkrete Form an: Als zentrales Element wurde ein Fragebogen ausgemacht, anhand dessen Studenten ihre Praktikumserfahrung dokumentieren und bewerten können und der umgekehrt für Interessierte leicht zu verstehen und einzuschätzen sein müsste. Mit der Bochumer Online-Agentur (9elements) hatte man mittlerweile einen fruchtbaren Deal geschlossen - Entwickeln und Programmieren für "meinpraktikum"-Anteile. Und damit diese Anteile an Wert gewinnen, legten sich die Geeks ordentlich ins Zeug, um etwas vorzeigbares zu entwickeln. Das war nämlich der Knackpunkt: Die Unternehmen, an die die beiden herantraten waren nur mit Screenshots nicht zu überzeugen - etwas handfestes musste her. Mittlerweile mussten Stefan Peukert und Daniel Pütz einsehen, dass die Arbeit ihnen über den Kopf wuchs und dass ein Zweierteam für "meinpraktikum" einfach nicht ausreicht. Doch glücklicherweise bot sich die Gelegenheit, einen fleißigen Kommilitonen, Joschka Felten, mit ins Boot zu holen, was man auch tat!

Ein Start-up entsteht

In den Arbeitsalltag musste man sich allerdings erst einmal hineinfinden: "Am Anfang machte noch jeder alles", berichtet Stefan Peukert, "doch dann fingen wir glücklicherweise an, die Arbeit langsam zu differenzieren. Aktuell sieht es nun so aus, dass ich die Presse- und Marketingsachen in die Hand nehme, Daniel kümmert sich um die Produktentwicklung und Joschka sorgt für die Qualitätssicherung und die Bewertungen. Und das ist ein zentraler Punkt - dass die Bewertungen unabhängig bleiben. Wir werden öfters danach gefragt, aber nein, bei uns wird keine regelkonforme Bewertung abgeändert, nur weil es ein Kunde verlangt. Daran hängt unsere gesamte Glaubwürdigkeit!", führt Stefan Peukert weiter aus.

Hurra, wir gehen offline!

Auch wenn sich das Produkt nun technisch weiter entwickelte, kam auf die Gründer ein ernst zu nehmendes Problem zu: "Wer nutzt eine Online-Plattform für Praktikabewertungen, wenn dort keine einzige Bewertung zu finden ist?" Dieses Problem der kritischen Masse kann schnell darüber entscheiden, ob ein Konzept angenommen wird oder nicht - denn wer geht schon in eine leere Disko? Doch hier wurden die Jungs richtig kreativ und da der Berg nicht zum Propheten kam, musste der halt zum Berg. Also organisierte man sich kurzerhand einen Transporter, einen Präsentations-Stand sowie Promotionartikel und als Allerwichtigstes: einen riesengroßen Stapel Fragebögen. Und dank einiger hilfsbereiter Kommilitonen konnte es nun aufgehen zu einer deutschlandweiten Tour durch 20 Unis, in denen Halt gemacht wurde und die Studenten vor Ort zu ihren Praktikums-Erfahrungen befragt wurden. Und diese clevere Aktion wurde gleich zum dreifachen Erfolg: Zum einen sammelte man über wertvolle 1000 Praktikumsberichte ein, zum anderen machte man die Studenten mit dem "meinpraktikum"-Angebot vertraut und bekam als Sahnehäubchen auch noch hilfreiche Rückmeldungen den Fragebogen selbst betreffend. Mit diesem Erfolg im Rücken stand dem Online-Gang Anfang diesen Jahres nichts mehr im Weg.

Hinter den Kulissen

Die berechtigte Frage, ob sie denn überhaupt einen Businessplan geschrieben haben, beantwortet Stefan Peukert schmunzelnd:"Ja, natürlich haben wir einen geschrieben und er war uns am Anfang auch sehr hilfreich dabei, das Konzept zu straffen, doch nach etwa einem halben Jahr war das Ding hoffnungslos veraltet!" Und womit sie denn nun eigentlich Geld verdienten, beantwortet der junge Mann: "Das Geld wird mit den Unternehmensprofilen verdient. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, den Interessierten zu zeigen, wie ihr zukünftiger Arbeitsplatz aussieht, wer sie betreut und welche Aufgaben auf sie zukommen. Es gibt einen FAQ-Bereich und in Video-Interviews können Praktikanten, die schon dort gearbeitet haben, erzählen, wie es ihnen gefallen hat." Und auf die Nachfrage, ob es denn die Unternehmen nicht störe, dass auf einmal so freimütig über die Zustände vor Ort erzählt würde, entgegnet Peukert:"Ganz im Gegenteil - die Unternehmen scheinen das als Chance zu begreifen, die Qualität ihrer Angebote zu überarbeiten. Wir haben bereits 19 Unternehmen für die Profile akquirieren können, darunter auch bekannte Namen wie Otto, Tschibo und Bertelsmann". Allerdings ist der junge Gründer noch nicht ganz zufrieden mit dem Angebot: "Wir wünschen uns eigentlich, dass noch viel mehr kleinere Unternehmen mit interessanten Praktikumstellen auf unser Angebot zurückgreifen würden, etwa Spiele- und Softwareschmieden, Werbe- und Designagenturen oder gar Handwerker. Nicht nur die Großen haben bei uns Platz - wir haben auch attraktive und maßgeschneiderte Angebote, die sich preislich nach der Größe der Unternehmen richten." Und wo wir gerade beim Thema 'Baustellen' sind, wo drückt eigentlich noch der Schuh? "Wir haben noch das Problem, dass manche interessanten Inhalte noch nicht an Ort und Stelle sind und somit von den Besuchern gar nicht wahrgenommen werden. Ein weiteres Ding ist die Suchmaschinenoptimierung. Wer vorn bei Google mitspielen möchte, der muss halt einiges dafür tun." Ernst zu nehmende Konkurrenz sieht Peukert im Moment nicht, obschon einiges aus dem Bereich Praktikum geboten wird. "Warum sich vor Konkurrenz fürchten. Im Gegenteil: Wir könnten uns sogar Kooperationen mit etablierten Recruiting- und Networking-Angeboten vorstellen, die ihr Angebot um einen interessanten Aspekt erweitern wollen."

Die Mühen rund um ihr Start-ups scheinen sich für die Gründer auszuzahlen: Viele bekannte Medien haben bereits über "meinpraktikum" berichtet und ein Kontakt mit dem Arbeitsministerium brachte dem noch jungen Unternehmen ein schriftliches Lob und Zuspruch von Ursula von der Leyen persönlich ein. Besser hätte es eigentlich für die Jungs nicht laufen können, deren Engagement sich mittlerweile zu einem Vollzeitjob entwickelt hat und für den sie alle drei ihr Studium tüchtig schleifen lassen. Noch arbeiten sie in einem kleinen Büro in Sichtweite der Uni, jeden Tag von früh bis spät, bis auf einen, der montags schon etwas eher zum Fußball abhaut. Sie zahlen sich noch keinen Lohn aus und sind auf viele fleißige Hände angewiesen. Und ganz nebenbei haben sie eine Geschichte geschrieben, die vielen anderen Gründern Mut macht. Bleibt zu hoffen, dass der ein oder andere Leser die Einsicht mitgenommen hat, dass man sich für sein Online-Startup halt manchmal in einen Bulli setzen und dem "User" einen Zettel und einen Stift in die Hand drücken muss, um Boden für einen nachhaltigen Erfolg aufzubereiten. Nachmachen!

PS: Anfang der Woche startete das Team seine zweite Deutschlandtour - also Augen auf und fleißig Zettel ausfüllen!

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