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01.10.08Kommentieren

Interview mit Prof. Dr. Olaf G. Wilhelm, WILEX AG

Unternehmerischer Erfolg bedeutet, auch ethische Werte zu leben

Zur Person: Prof. Dr. Olaf G. Wilhelm ist Mitgründer und seit 2001 Vorstandsvorsitzender der WILEX AG, München. Das Unternehmen wurde 1997 von Ärzten und Krebsforschern der TU München gegründet, war Sieger des ersten MBPW 1996/97 und ging 1998 nach einer ersten Finanzierungsrunde in Höhe von 3 Mio. Euro operativ an den Start. WILEX ist ein Pionier in der Forschung und Entwicklung von Antikörper-basierten Diagnostika und Arzneimitteln zur Behandlung verschiedener Krebsarten. Seit November 2006 ist das Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse im Regulierten Markt/Prime Standard notiert.

Prof. Dr. Olaf G. Wilhelm, WILEX AGProf. Dr. Olaf G. Wilhelm, WILEX AG

Wollten Sie schon immer Unternehmer werden oder sind Sie erst durch den Münchener Businessplan Wettbewerb dazu gekommen?

Prof. Dr. Olaf G. Wilhelm: Ohne den Wettbewerb hätte es keine Unternehmensgründung gegeben. Ich war damals Oberarzt am Münchener Klinikum Rechts der Isar und hatte vor, diesen beruflichen Weg weiter zu gehen. Außerdem gab es in Deutschland keine wirkliche Gründerkultur und der Zugang zu Venture Capital war ebenfalls kaum vorhanden. Erst durch den Businessplan Wettbewerb hat sich bei uns die Idee entwickelt, dass wir mit unserer medizinischen Forschung unternehmerisch erfolgreich sein könnten und dass dies eine interessante berufliche Alternative wäre.

Konnten Sie von dieser Idee auch gleich weitere Gründungspartner überzeugen oder war die Teambildung eher schwierig?

Wilhelm: Mit dem Businessplan bin ich zunächst alleine im Wettbewerb angetreten. Erst in der zweiten Stufe kamen zwei weitere Kollegen dazu, mit denen ich bereits jahrelang zusammengearbeitet hatte und auch befreundet war. Fachlich und menschlich waren wir ein gutes Team. Aufgebaut habe ich das Unternehmen dann allerdings zusammen mit anderen Partnern, da sich meine beiden Kollegen entschieden hatten, doch bei ihrer akademischen Arbeit zu bleiben.

Haben auch Sie selbst damals daran gezweifelt, ob der unternehmerische Weg für Sie der richtige ist?

Wilhelm: Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich den Absprung aus meiner angestellten Tätigkeit wirklich schaffe. Denn Unternehmer zu sein bedeutet ja auch, dass man komplett die Verantwortung trägt und keine wirklichen Sicherheiten hat. Jeder, der diesen Schritt wagt, sollte sich fragen, ob er diese Herausforderungen aushalten kann.

Wirklich gezweifelt habe ich an meiner Entscheidung allerdings nicht. Zumal ich gesehen habe, wie gut die Geschäftsidee im Businessplan Wettbewerb angekommen ist.

Der operative Start von WILEX erfolgte dann 1998 mit drei Millionen Euro Venture Capital. Sind die Investoren damals auf Sie zugekommen oder mussten Sie das Kapital akquirieren?

Wilhelm: Unser Vorteil war sicher, dass wir den Wettbewerb gewonnen hatten. Somit war das Interesse der Investoren groß. Unser Erstinvestor, Apax Partners, hatte allerdings mit dem Wettbewerb nichts zu tun. Nur sechs Wochen nach dem ersten Treffen kam das Termsheet mit der Finanzierungszusage von Apax. Ich halte es für wichtig, dass jeder Unternehmer nur mit Investoren zusammen arbeitet, die zu ihm passen.

Was überzeugte Apax Ihrer Meinung nach an WILEX?

Wilhelm: Ich denke, es waren vor allem die Qualität unserer Forschungsarbeit, die beruflichen Erfahrungen, die wir mitbrachten und die generellen Marktperspektiven.

Acht Jahre nach dem Start ging WILEX an die Börse. Hatten Sie diesen sogenannten Königsweg frühzeitig geplant? War Ihnen bewusst, was damit auf Sie zukommt?

Wilhelm: Der Börsengang war unternehmerisch notwendig, weil wir zusätzliches Kapital für den nächsten Wachstumsschritt brauchten. Frühzeitig geplant war er allerdings nicht, sondern er hat sich aus dieser Notwendigkeit heraus ergeben.

Welcher Aufwand damit verbunden war, war mir allerdings schon bewusst. Vor allem die Gespräche mit den potentiellen Investoren beanspruchten viel Zeit. Ich habe diese jedoch immer als sehr interessant empfunden, da die gestellten Fragen zusätzliche Aspekte hervorgebracht haben, die für mich unternehmerisch wichtig waren.

Was der Börsengang für mich persönlich bedeutet, war mir ebenfalls klar. Ich bin seitdem weniger für operative Aufgaben verantwortlich, sondern habe einen klaren Fokus auf die strategische Ausrichtung und das Wachstum des Unternehmens. An meinem grundsätzlichen Verantwortungsbewusstsein für alle Bereiche des Unternehmens hat meine Position als Vorstandsvorsitzender jedoch nichts geändert.

Leitet sich aus dieser persönlichen Haltung auch die Unternehmenskultur ab, die Sie bei WILEX geprägt haben?

Wilhelm: Ja, denn eine Unternehmenskultur gründet immer auf der menschlichen Haltung derjenigen, die das Unternehmen führen. Ich habe zum Beispiel stets viel Wert darauf gelegt, mit meinen Mitarbeitern persönliche Gespräche zu führen und nicht nur über Berufliches zu reden, damit ich die Menschen kennenlernen kann. Diese menschliche Verbindung haben wir auch durch gemeinsame Ausflüge und Feste gepflegt und tun dies bis heute.

Noch wichtiger ist jedoch, dass wir immer offen miteinander gesprochen haben, denn nur so kann gegenseitiges Vertrauen entstehen. Und dieses Vertrauen ist enorm wichtig, um gemeinsam auch unternehmerische Tiefpunkte überstehen zu können.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Unternehmer aus?

Wilhelm: Er benötigt viel Durchhaltevermögen, um auch schwierige Phasen durchzustehen, und gleichzeitig genügend unternehmerischen Biss, um seine Ziele konsequent zu verfolgen. Darüber hinaus halte ich charakterliche Stärke für besonders wichtig. Dazu gehört, dass sich ein Unternehmer seiner Verantwortung stets bewusst ist, eine klare Haltung vertritt und seine ethischen Prinzipien niemals aufgibt. Er muss selbst vorleben, worüber er spricht und was er von anderen erwartet, und zwar ohne Einschränkung.

Vermissen Sie eine solche Haltung bei vielen oder sogar den meisten Unternehmern?

Wilhelm: Ich habe den Eindruck, dass inzwischen zu viel auf den rein materiellen Erfolg geachtet wird und dass Ethik und Moral einen deutlich geringeren Stellenwert bekommen haben. Natürlich gibt es auch erfreuliche Ausnahmen, doch in der öffentlichen Wahrnehmung gilt vor allem derjenige als erfolgreich, der viel Geld verdient und seine persönlichen Interessen durchsetzt, während Charakterstärke zu wenig Beachtung findet.

Würden Sie selbst unternehmerisch heute etwas anders machen als bei der Gründung von WILEX?

Wilhelm: Ich würde darauf achten, dass das Unternehmen bereits von Anfang an mit einem professionellen Managementteam besetzt ist, damit das notwendige Know-how schon beim Start vorhanden ist.

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Monika Thiel, PR Consulting am 23. September 2008 für die Gesprächsreihe "Entrepreneure im Dialog" des Münchener Business Plan Wettbewerbs.

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