<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

15.08.13Kommentieren

Interview mit Paul Jozefak, Liquid Labs

„Unsere Aufgabe ist es, neue Unternehmen zu erschaffen“

Paul Jozefak ist bereits seit 15 Jahren in der Welt des Venture Capitals zu Hause. Jetzt hat er gemeinsam mit Michael Backes die Liquid Labs GmbH gegründet, ein Innovationslabor für neue Unternehmen und Produkte aus dem Bereich Finanztechnologie. Was für Unternehmen und Produkte das genau sind, wie er die deutsche Gründerszene sieht und was er mit Liquid Labs noch vorhat, erklärt er im Interview mit förderland.

Paul Jozefak, Geschäftsführer der Liquid Labs GmbH

förderland: Hallo Herr Jozefak, Sie sind bereits seit 15 Jahren in der Welt des Venture Capitals zu Hause – zuletzt bei Neuhaus Partners. Jetzt gehen Sie mit Liquid Labs neue, eigene Wege. Warum? Was ist das Besondere an Liquid Labs?

Paul Jozefak:
Nach einer spannenden Zeit in der Welt des Venture Capitals, wollte ich wieder aktiver und mehr operativ tätig sein; wieder mehr Mitspieler anstelle des Beobachters sein. Zudem war der Zeitpunkt mit Ende 30 für mich genau der Richtige. Ich glaube, mit fortgeschrittenem Alter hätte ich diesen Schritt nicht mehr gewagt.

Das Besondere an Liquid Labs ist, dass es mir die Möglichkeit gibt, all meine Erfahrungen aus meinen Karrierestationen zum Beispiel als Unternehmer oder Berater in diesem Job zu vereinen. Mein Mitgründer Michael Backes und ich sind stark in unser operatives Geschäft eingebunden und behalten dabei dennoch jene Positionen inne, die wir als VCs hatten. Klar bedeutet dies für uns einen höheren Arbeitsaufwand, dem wir uns aber täglich nur zu gerne stellen, da wir bei Liquid Labs die Früchte unserer Arbeit betrachten können.

Die Liquid Labs GmbH versteht sich als Innovationslabor. Der Begriff Innovation wird ja inflationär und vielleicht oftmals vorschnell verwendet. Was ist für Sie eine Innovation? Und warum sind Innovationen überhaupt wichtig?

Jozefak: Innovation ist für mich eine Denkweise und ja, ich muss Ihnen zustimmen, der Begriff wird viel zu leichtfertig verwendet. Zu oft wird er mit „neu“ verwechselt. Für uns bei Liquid Labs steht Innovation jedoch dafür, Dinge auszuprobieren. Wir haben daher eine Arbeitsumgebung erschaffen, die es erlaubt, kalkulierte Risiken einzugehen ohne dafür „bestraft“ zu werden. Daher auch der Begriff „Labor“, in dem wir als „Wissenschaftler“ arbeiten. Wir experimentieren, wir verwerfen Dinge oder fangen oft wieder bei Null an. Wir verstehen dies als einen Prozess, der die Freiheit des Experimentierens  voraussetzt. Nur so können wir mit Stolz auf erfolgreiche Produkte wie Device Ident oder Kreddible blicken. Unsere Aufgabe ist es, neue Unternehmen zu erschaffen. Wir glauben fest daran, dass unsere Prozesse bei Liquid Labs es uns ermöglichen, Neuerungen einzuführen oder Innovationen voranzutreiben – für die Gruppe als Ganzes.

Liquid Labs ist spezialisiert auf Finanztechnologie. Was genau ist das? Und warum ist das spannend?

Jozefak: Finanztechnologie oder FinTech, wie wir es lieber nennen, ist die Schnittfläche zwischen neuen Technologien und finanziellen Dienstleistungen. In den vergangenen Jahren wurde dieser Begriff ebenfalls inflationär verwendet und pauschalisiert.

Für uns nimmt FinTech die neuesten und innovativsten Technologien und verbindet diese mit Prozessen, die den finanziellen Sektor streifen. Wir erfinden nicht zwingend das Rad neu, wenn es um den Vorgang an sich geht, aber wir ersetzen häufig manuelle Prozesse mit Technologien und automatisieren viele Dinge, die in der Vergangenheit häufig manuell durchgeführt wurden. Device Ident ist dafür das beste Beispiel. Es ist ein Produkt, das Betrug im Einzelhandel bekämpft und macht somit etwas, das in der Vergangenheit häufig mühsam per Hand erfolgte.

Wir haben eine neue Technologie kreiert, die den Prozess komplett automatisiert und das in nahezu in Echtzeit. Es verbessert zudem auch die Genauigkeit, da keine menschlichen Fehler zugelassen werden. Das genau ist FinTech für uns bei Liquid Labs: die Schnittfläche von finanziellen Dienstleistungen und innovativen Technologien.

Ideen- und Start-up-Inkubatoren schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Konkurrenz ist also groß. Wie will sich Liquid Labs die hoffnungsvollsten Talente und die aussichtsreichen Ideen sichern bzw. entwickeln?

Jozefak: Da wir kein Inkubator sind, ziehen wir ganz andere Menschen an, als die meisten Accelerators oder jene Inkubatoren. Wir mobilisieren Menschen, die in einer Start-up-Umgebung und an innovativen Projekten arbeiten möchten, geben aber auch weniger risikofreudigen Interessenten eine Chance.

Nicht jeder ist bereit, seine Karriere oder sein Gehalt für eine Unternehmensgründung aufs Spiel zu setzen. Unsere Gründer müssen beim Start ihres Unternehmens weder Kapital stellen noch eigenes Geld riskieren. Hinzukommen eine sehr wettbewerbsfähige Vergütung, mit der Möglichkeit auf Eigenkapital oder Gewinn- beziehungsweise Kapitalbeteiligung nach der Ausgliederung von Liquid Labs.

Wir bieten allen weniger risikofreudigen Gründern die Option, unsere Service-Strukturen zu nutzen, die neben der Finanzierung auch die tägliche Beratung und den Austausch mit anderen, erfahrenen Playern aus gleichen Bereichen beinhaltet.

Warum haben Sie sich für den Standort Hamburg entschieden? Das Herz der deutschen Gründerszene schlägt doch in Berlin.

Jozefak: Ich denke nicht, dass Gründer nur Berlin im Visier haben. Sicherlich ist Berlin attraktiv, besonders seitdem sich dort die Venture Capital Szene mehr und mehr konzentriert. Für uns ist es aber vor allem wichtig, dass Unternehmer, VCs und die Mitarbeiter eines Start-ups buchstäblich unter einem Dach arbeiten. Zudem gibt es auch in Hamburg eine Menge smarte und talentierte Mitarbeiter, die entgegen dem Berlin-Hype, die ruhige und eher „konservative“ Atmosphäre Hamburgs schätzen.

Wir sind mit weitaus weniger Jobwechseln konfrontiert und können unsere Mitarbeiter besser in unserem Team halten. Das heißt aber nicht, dass wir Berlin gänzlich von unserem Radar gestrichen haben – die Zugverbindungen sind ja exzellent.

Und wie sehen Sie generell die deutsche Gründerszene und Innovationskultur im internationalen Vergleich? Was wünschen Sie sich für die deutsche Gründerszene?

Paul Jozefak: Ich glaube und das sage ich schon seit Jahren, dass die deutsche Gründerszene immer mehr aufholt. Es war und bleibt eine Generationsfrage. Die neuen Generationen sind viel internationaler, unternehmerischer und kosmopolitischer. Sie haben im Ausland gearbeitet oder studiert. Sie wollen ihr eigenes Unternehmen aufbauen anstatt nur für ein großes zu arbeiten.

Ich bin sicher, dass Deutschland seine eigenen internationalen Vergleiche hält und sich positiv weiterentwickelt. Allerdings hätte ich mir von Beginn an mehr Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit auf der internationalen Bühne gewünscht. Leider sind viele deutsche Gründer noch immer sehr bescheiden, suchen nach lokalen Möglichkeiten und denken zu wenig global. Firmen aus dem Silicon Valley dagegen neigen dazu, die Welt beherrschen zu wollen. Unsere Gründer streben zunächst an, die Nummer 1 in Deutschland zu sein. Das ist nicht genug und ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr Ehrgeiz sehen werden.

Was sind jetzt die nächsten Schritte der Liquid Labs GmbH? Und warum glauben Sie an den Erfolg?

Jozefak: Wir haben bereits gezeigt, dass unser Geschäftsmodell Erfolg hat. Von sechs Firmen konnten wir bereits zwei in erfolgreiche Unternehmen verwandeln. Wir planen aber auch andere Gebiete außerhalb des FinTech-Bereichs anzugehen. Derzeit versuchen wir gerade herauszufinden, welche Felder dies sein könnten. Hier lassen wir uns aber Zeit und konzentrieren uns momentan primär darauf, neue Unternehmen in unserem bisherigen Modell zu gründen. Zudem achten wir sehr auf unser Wachstum, da wir weitaus effektiver als ein kleines, geschlossenes Team arbeiten. Das heißt aber nicht, dass wir unsere Dynamik nicht weiter nutzen.

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer