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17.10.13Kommentieren

Interview mit Onur Kabadayi, Boomads

„Unser Ziel ist es, das größte und erfolgreichste Bloggernetzwerk in Deutschland aufzubauen“

Boomads wurde 2011 in der Türkei gegründet und bringt Verlage, Blogger und Werbetreibende zusammen. Jetzt hat das Content Marketing Unternehmen sein erstes Büro in Deutschland eröffnet. Managing Director Onur Kabadayi spricht im Interview mit foerderland über das Konzept, die ersten Schritte auf dem deutschen Markt und die boomende Gründerszene in der Türkei.

Onur Kabadayi

förderland: Hallo Herr Kabadayi, Content Marketing ist momentan DAS Buzzword der Branche, aber auch ein „schwammiger“ Begriff. Was also ist Content Marketing?


Onur Kabadayi: Content Marketing bedeutet, ansprechende Inhalte für eine bestimmte Zielgruppe zu erstellen und zu teilen – mit dem Ziel, profitable Kundenbeziehungen hervorzubringen. Durch das starke Aufkommen von Social Media-Kanälen und Blogs wurde Content Marketing immer relevanter für Vermarkter. Dieser Ansatz ist nicht nur nachhaltiger, er ist auch kostengünstiger als andere Marketing-Strategien und ermöglicht es, mehr Leads zu generieren. Darüber hinaus ist es ein sehr gutes Markenführungsinstrument. Laut einer Studie des Content Marketing Instituts fühlen sich 70% der Verbraucher ihrer Marke näher, nachdem sie mit entsprechenden Inhalten in Berührung kamen.

Was ist die Idee hinter dem Content Marketing Start-up Boomads und wie ist die Idee entstanden?

Kabadayi: Der Grundgedanke hinter Boomads war es, eine Plattform zu gestalten, die Verlage, Blogger und Werbetreibende zusammenbringt und für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation schafft, indem Synergien genutzt werden.

Das Geschäftsmodell entstand, als wir merkten, dass die drei Gruppen sehr ähnliche Interessen haben, denn im Grunde wollen sie alle ihre Reichweite und Umsätze steigern. Auf der anderen Seite haben sie unterschiedliche Kompetenzen, durch die sie sich wiederum sehr gut ergänzen. Zum Beispiel generiert Hürriyet.com über 20 Millionen Besucher im Monat. So kamen wir auf die Idee, den Datenverkehr mit kleineren und jüngeren Webseiten und Blogs zu teilen, die sich vor allem durch eine sehr engagierte Leserschaft auszeichnen. Deshalb haben wir begonnen, Inhalte von Bloggern auf der Website von Hürriyet zur Verfügung zu stellen und im Gegenzug die Inhalte von Hürriyet auf deren Blogs zu spielen. Das war die Geburtsstunde von Boomads – als Bindeglied zwischen dem führenden Verlag Hürriyet und kleineren Verlegern.

In der Türkei zählen wir mittlerweile mehr als 30.000 Blogger, die dem Netzwerk von Boomads beigetreten sind. Hier zeigt sich ganz deutlich das Potenzial des Geschäftsmodells. Beeindruckend ist insbesondere die Tatsache, wie sehr sich die Bloggergemeinschaft für das Projekt engagiert. Das macht es auch für Boomads leicht, weiter zu wachsen und zu expandieren.

Boomads wurde 2011 in der Türkei gegründet und eröffnet jetzt sein erstes Büro in Deutschland. Was sind Ihre Ziele für den deutschen Markt? Einige Erfolge konnten Sie ja schon verkünden ...

Kabadayi: Unser Ziel ist es, das größte und erfolgreichste Bloggernetzwerk in Deutschland aufzubauen. Mit BILD Digital haben wir einen sehr starken deutschen Medienpartner gefunden und sind außerdem in Kontakt mit einigen großen Marken und namhaften Werbekunden. Im Juni haben wir die Plattform STYLEBOOK Blogstars als Teil der BILD-Webseite STYLEBOOK gegründet, die sich vorrangig auf Mode, Beauty, Food, Lifestyle, Home und DIY konzentriert. Mehr als 300 Blogger sind innerhalb der vergangenen drei Monate der deutschen Boomads-Community beigetreten. Diese Zahl ist sehr vielversprechend und zeigt das große Interesse an dem Unternehmen.

Gemeinsam mit BILD haben wir nun die zweite Community TRAVELBOOK Blogstars gestartet, welche Reisebloggern die Möglichkeit eröffnet, ihre Geschichten in einem wichtigen Umfeld zu veröffentlichen. Darüber hinaus planen wir, unser Portfolio auf andere Bereiche wie Sport und Technik zu erweitern. Unser langfristiges Ziel ist es, in Deutschland eine untergliederte Blogger-Community wie in der Türkei aufzubauen, die in mehr als 40 Kategorien existiert.

Über die Gründerszene in der Türkei liest man relativ wenig in Deutschland. Was können Sie berichten? Welche spannenden Ideen gibt es in der Türkei? Wie tickt die Szene?

Kabadayi: Die Türkei zeichnet sich durch eine sehr junge und energiegeladene Bevölkerung mit sehr viel Potenzial aus. Das wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Start-up-Szene wirft, denn diese hat vor kurzem eine große Anzahl neuer Internet-Unternehmen hervorgebracht. Es lassen sich bereits internationale Erfolge verzeichnen, so zum Beispiel von dem Gaming Start-up Peak Games oder dem Online-Einzelhandel Markafoni.

Vor allem die sozialen Medien und die Blogger-Szene wachsen sehr schnell, weil die Menschen immer wieder versuchen, Nischen zu finden. Inzwischen sind auch internationale Venture Capitals und Investoren Teil der Szene, denn sie treiben neue Geschäftsideen voran.

Sie waren als Product und Operations Executive bei Boomads in der Türkei tätig, haben bei verschiedenen Fortune-500-Unternehmen und Start-ups in den USA gearbeitet und 2006 waren Sie Mitbegründer von Networked. Was reizt Sie daran, Boomads auf dem deutschen Markt erfolgreich zu machen? Und: Wie interessant ist der deutsche Markt im internationalen Vergleich?

Kabadayi: Deutschland ist ein vollkommen anderer Markt, vor allem im Vergleich zu den USA, die eine sehr dynamische Umgebung bieten. Meines Erachtens muss man in Deutschland viel mehr Aufmerksamkeit auf bürokratische Prozesse und unternehmerische Traditionen richten. So dauert es länger, Fahrt aufzunehmen und durchzustarten. Aber schlussendlich zeichnet sich Deutschland durch eine sehr starke und verlässliche Wirtschaft aus – vor allem der deutsche Digitalmarkt hat großes Potenzial und weist imposante Erfolge auf.

Besonders beeindruckend ist die Rolle Berlins: Mitten im Herzen Europas hat es nicht nur geografisch eine ideale Lage, es gibt auch sehr spannende und erfolgreiche Start-ups, die bereits internationale Investoren angezogen haben. Nicht umsonst hat Berlin in der Gründerszene den Ruf inne, das europäische Silicon Valley zu sein. Aus diesem Grund hat sich auch Boomads hier niedergelassen.

Content Marketing boomt – das „Geschäft“ mit journalistischen Inhalten steckt in der Krise. Wie sehen Sie diese Diskrepanz?

Kabadayi: In den vergangenen Jahren hat sich das Verhalten vieler Konsumenten in Bezug auf ihre Mediennutzung verändert, denn sie vertrauen mehr und mehr auch den Inhalten, die das Internet bietet. Leser sind heutzutage offener für verschiedene Informationsquellen, abgesehen von Print-Magazinen und Zeitungen. Verlage haben nunmehr verstanden, dass sie sich an diese Veränderungen anpassen und ihr Geschäftsmodell überdenken müssen. Aus diesem Grund erwirtschaftet zum Beispiel die Axel Springer AG etwa 50% ihrer Einnahmen aus dem digitalen Bereich. Mit Boomads können Verlage neue Leser über die jüngere Blogger-Szene erreichen. Hier kommt Boomads ins Spiel, denn wir helfen, die Brücke zwischen der traditionellen Medienbranche und den neuen Publikationsformen zu bauen.

Vielen Dank für das Interview!

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