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26.05.11Kommentieren

Interview mit sugarhigh

"Unser Konzept war von Anfang an darauf ausgelegt, Geld zu verdienen"

Zwei Wahlberliner haben sich zusammengefunden, um Geld zu verdienen. Der eine ist Geschäftsmann, der andere Creative Direktor im Zeitschriftengeschäft. Was liegt da näher, als ein Magazin für die Berliner Bohème zu schnitzen, das täglich per E-Mail auf den Mac geflattert kommt? Das Potential eines solchen Mediums hat auch eine Berliner Social Media-Agentur erkannt und den beiden Venture Capital zugeschossen - hier erzählen die Gründer Alonso Dominguez und Peter Henssen, was damit geschehen soll.

Alonso Dominguez, Peter HenssenAlonso Dominguez, Peter Henssen

Herr Dominguez, Herr Dr. Henssen, zuerst einmal einen guten Tag! Wir wollen uns heute ein wenig über Ihr Magazin sugarhigh unterhalten, was Ihnen anscheinend nicht nur Spaß macht, sondern womit Sie auch noch Ihr Geld verdienen. Verdienen Sie Geld damit?

Dr. Peter Henssen: Selbstverständlich, wir sind ja kein Charity-Verein. Unser Konzept war von Anfang an darauf ausgelegt, Geld zu verdienen. Im Vorfeld bedarf es zunächst etwas Eigenkapital: Erst investieren, dann ernten.

Für alle die, die sugarhigh noch nie gelesen haben - was ist das? Worüber berichten Sie? Und warum heißt es, wie es heißt?

Alonso Dominguez: sugarhigh ist ein E-Mail-Magazin über Gegenwartskultur in Berlin. Wir berichten über die Highlights aus Kunst, Musik, Mode, Design, Essen, Shopping, Partys und Popkultur. In dem Magazin wird auf verspielte Weise relevantes und nützliches Insiderwissen mit teilweise sehr eigensinnigen Beobachtungen des Großstadtlebens vereint. Darüber hinaus veröffentlichen wir zu den großen Events dieser Stadt – also zur Fashion Week, zum Art Forum und Gallery Weekend – eine Sonderedition mit interessanten Interviews, Reviews, Events und mehr.

Dr. Henssen: Und wir hoffen, dass unsere Leser die tägliche Portion (=E-Mail) Süßes (=Zucker) so inspirieren, dass es sie "high" werden lässt. Daher kommt der Name sugarhigh.

Es hatte mich einige Mühe gekostet, überhaupt erst Zugang zu Ihrer Website zu erhalten - ohne Einladung läuft nichts. Soll dieser digitale Türsteher für Exklusivität bürgen? Macht man das in Berlin so? Und ist diese Exklusivität nicht hinderlich, wenn man viele Menschen erreichen möchte?

Dr. Henssen: Nein, hinderlich ist die Exklusivität nicht wirklich, denn wir haben innerhalb eines Jahres durch unsere Inhalte immerhin 15.000 Leser für uns gewinnen können.

Sie haben sich als Format die E-Mail ausgesucht - aber ist sugarhigh im Grunde nicht ein Blog? Wo spürt man den Unterschied?

Dr. Henssen: Nein, wir sind kein Blog. Wir sind ein Magazin, was nicht gedruckt, sondern eben per E-Mail distributiert wird. Wir haben eine feste Redaktion, die alles In-House schreibt und recherchiert. Wir stehen anderen Magazinen in nichts nach.

Die Pressemitteilung ließ verlautbaren, dass die Berliner Social Media Agentur TLGG zusammen mit den Privatinvestoren Gerald Schömbs und Dirk Weyel eine sechsstellige Investition bei Ihnen getätigt hat. Wer investiert glaubt an etwas. Woran haben Ihre Investoren bei Ihnen geglaubt?

Dr. Henssen: Sie glauben an das Konzept, das Team und die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten. Und das zu Recht.

Dominguez: Wir hatten noch andere Angebote von Investoren, die das ähnlich sahen, wo die Synergien aber weitaus geringer waren. Diese standen bei uns allerdings absolut im Vordergrund, so dass wir sehr froh sind gerade diese Investoren für uns gewonnen zu haben.

Warum sagt man eigentlich "sechsstellige Summe" und nennt nicht den genauen Betrag? Ist das so geheim? Warum?

Dr. Henssen: Was bringt das? Es ist doch irrelevant, wie viel Geld genau investiert wurde. Wichtig ist nur, dass es weitergeht – und mit wem.

Mit ihren Investoren haben Sie nicht nur Geldgeber gewonnen, sondern, wie es auf neudeutsch heißt, "smart money" akquiriert. Welche Synergien versprechen Sie sich und welche versprechen sich die Investoren von dem Deal?

Dominguez: Wir haben durch die Geldgeber Zugang zu für uns wertvollem Know-How und einem großen Netzwerk an potentiellen Kooperationspartnern und Kunden. Dies ermöglicht es, das Magazin schnell auf eine ganz andere Ebene zu bringen.

Was genau soll mit der "sechsstelligen Summe" passieren? Wie legen Sie diese konkret an? Und was erwarten Sie sich davon? Immerhin soll sich der Wert des Kapitals ja vervielfachen, oder?

Dr. Henssen: Wir wollen das Abonnenten-Wachstum steigern, die Website verändern und mittelfristig das Magazin internationalisieren. Natürlich geht das im Erfolgsfall – und davon gehen wir ja aus – auch mit einer Erhöhung des Unternehmenswertes einher.

Erzählen Sie uns doch ein wenig aus dem Nähkästchen! Wie haben Sie beide sich gefunden und wie kam es soweit, dass Sie gemeinsam ein Magazin zusammen gründen wollten? Immerhin scheinen Sie ja auch von Grund auf verschiedene Typen zu sein- hier der kreative Lebemann und da der ambitionierte BWLer! Wo war die Schnittmenge?

Dr. Henssen: Ich dachte immer ich bin der kreative Lebemann?
Dominguez: Wie immer war es der Zufall. Wir wollten beide etwas Eigenes machen, haben uns unterschiedliche Geschäftsmodelle angeschaut – und letztlich für dieses Geschäftsmodell entschieden. Ich habe vorher den redaktionellen Inhalt von aSmallWorld in New York produziert und war davor für einige Jahre in Shanghai Redakteur für das größte lokale Magazin, City Weekend. Insofern bot es sich an etwas zu starten, wo wir beide das einsetzen konnten, was wir können.

Wie bereits oben erwähnt, ist Ihr Magazin nicht nur Magazin, sondern auch ein kleines Unternehmen. Hatten Sie, als Sie mit "sugarhigh" begannen Ambitionen, das Format gewinnträchtig zu machen?

Dr. Henssen: Ja, wie gesagt, hatten wir natürlich von Anfang an vor, Geld zu verdienen. Denn glauben Sie mir eins: Als Hobby ist sugarhigh nicht nur zu teuer sondern auch viel zuviel Arbeit. Das wird vor allem bei redaktionellen Inhalten gerne mal übersehen.

Für alle, die noch nie ein Magazin publiziert haben - wie packt man das an? Wo sind die besonderen Herausforderungen? Was ist das Wichtigste?

Dominguez: Am wichtigsten ist es, ein Gleichgewicht zu finden. Zwar ist jedes Magazin Ausdruck der Vision seines redaktionellen Teams. Trotzdem ist es notwendig zu wissen, welche Leute man eigentlich ansprechen will. Das größte Problem ist, dass Magazine – redaktionelle Produkte im Allgemeinen – bisweilen auf eine Art und Weise entstehen, bei der die Vorstellung einer einzelnen Person - oder die Vorstellungen einer bestimmten Gruppe von Leuten - den Lesern gewissermaßen diktieren, welchen Dingen sie ihre Aufmerksamkeit widmen und wofür sie sich interessieren sollen. Im Zeitalter zunehmender Demokratisierung von Inhalten, z.B. YouTube, sollten sich Redakteure aber vorsehen, nur eigenen Vorlieben zu folgen. Es ist wichtig, zwischen einer redaktionell geprägten Sicht auf die jeweiligen Themen und einem Dialog mit den Lesern eine Balance zu finden.

Zum Abschluss: Wo sollte man nächsten Samstag unbedingt in Berlin sein, wenn man etwas auf sich hält?

Dominguez: Man sollte draußen sein. Berlin hat gefühlte 17 Minuten Sonne im Jahr – die sollte man unbedingt mitnehmen! Was spezielle Events angeht, weiß ich gerade nichts. Schauen Sie bei sugarhigh nach! Es gibt viele neu eröffnete Plätze an der Spree, wo sich der Frühling und das bunte Berliner Treiben mit einem Lillet-Tonic am besten genießen lässt.

Vielen Dank fürs Interview und auf jeden Fall viel Erfolg mit Ihrem Magazin!

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