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30.10.07

Interview mit Max Wittrock, Mymuesli.com

"Und plötzlich kam die Welle..."

förderland im Gespräch mit Max Wittrock - Mitgründer von Mymuesli.com - über verschobene Expansionspläne, den Einstieg zweier Business Angels, die Tatsache, dass jede gute Idee früher oder später Nachahmer findet und das erste individuelle Bio-Müsli der Welt.

Die Müslimacher aus Passau (v.l.) Philipp Kraiss, Hubertus Bessau und Max Wittrock.Die Müslimacher aus Passau (v.l.) Philipp Kraiss, Hubertus Bessau und Max Wittrock.

förderland: Herr Wittrock, wer sind Sie, was können Sie, was machen Sie?

Max Wittrock: Ich bin einer der drei Gründer von Mymuesli - zusammen mit Hubertus Bessau und Philipp Kraiss. Wir verkaufen das erste individuelle Bio-Müsli der Welt über unsere Webseite.

förderland: Wie kommen zwei BWL`ler und ein Jurist darauf, Müsli zu machen?

Wittrock: Wir waren mit dem Auto unterwegs zum Badesee und hörten den Radiospot einer bekannten Müslifirma; wir dachten uns, das könnte man doch besser machen und wie sich solche Ideen so fortsetzen dachten wir uns, warum nicht gleich besseres Müsli machen...das war der erste Gedanke.

förderland: Wer schleicht sonst noch durch die Mymuesli-Kornspeicher?

Wittrock: Wir haben derzeit drei Praktikanten, außerdem zehn Mitarbeiter in der Produktion.

förderland: Warum ist denn alles "bio", was in die Dosen kommt?

Wittrock: Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind wir vom biologischen Landbau überzeugt und glauben, dass dies der richtige Weg für Nahrungsmittelunternehmen ist. Entscheidend war aber zum Beispiel auch, dass uns der Geschmack der Bio-Zutaten überzeugt hat. Kurzum: Bio schmeckt besser...

förderland: Ende April ging Mymuesli online - zwei Wochen später gab`s zwar noch Müsli, aber keine Dosen mehr. Offenbar wurden Sie von Ihrem schnellen Erfolg selbst überrumpelt?!

Wittrock: Ja, wir hatten keinerlei Vorstellung darüber, ob unser Angebot angenommen wird und die Seite ja ohne Marketing online gestellt und ein paar Interessierte per Newsletter informiert. Und plötzlich kam die Welle...

förderland: Haben Sie die Startphase Ihres Unternehmens aus eigener Kraft gestemmt oder konnten Sie auf finanzielle Hilfe zurückgreifen?

Wittrock: Wir haben alles selbst finanziert, können aber mittlerweile neben dem eigenen Cash-Flow beispielsweise auf Geld aus dem Gründerpreis der Financial Times zurückgreifen.

förderland: Kürzlich haben sich Lukasz Gadowski und Kolja Hebenstreit als Freunde selbst gemixter Cerealien geoutet und sind gleich bei Ihnen eingestiegen. Wofür wollen Sie das Geld verwenden? In welchen Dimensionen bewegen wir uns denn?

Wittrock: Die Höhe des Investments veröffentlichen wir nicht. Doch ebenso wichtig wie finanzielles Engagement ist für uns das Know-how von Lukasz und Kolja. Der Input der beiden ist sehr wichtig für uns. 

förderland: Wie ist der Kontakt zu den beiden Business Angels zustande gekommen und wie konnten Sie sie von sich und Ihrer Geschäftsidee überzeugen?

Wittrock: Die Internetszene in Deutschland ist ja nicht allzu groß; es gibt viele Gelegenheiten, sich kennen zu lernen. An Kolja kommt man kaum vorbei, wenn man beginnt, sich für Online-Marketing zu interessieren. Ebenso wenig an Lukasz, wenn es um Mass-Customization geht.

förderland: Besteht momentan noch Finanzierungsbedarf?

Wittrock: Anders als viele deutsche Web-Start-ups haben wir das große Glück oder den Vorteil, dass wir tatsächlich seit dem ersten Tag Umsätze generieren. Wir verdienen also tatsächlich Geld, das wir auch wieder ausgeben können. Aber für eine USA-Expansion zum Beispiel wäre zusätzliches (Fremd-)Kapital sicherlich eine Option, über die man nachdenken könnte.

förderland: Was steht als nächstes auf Ihrer To-Do-Liste?

Wittrock: Wir beziehen in dieser Woche eine neue Produktion. Dort alle Prozesse zu optimieren, ist sicher auf kurze Sicht die Hauptaufgabe.

förderland: Welche Tipps würden Sie jungen Gründern mit auf den Weg geben, die gerade auf der Suche nach Kapitalgebern sind?

Wittrock: Nicht zu früh Anteile weggeben und die eigene Idee nicht unterschätzen. 

förderland: Zahlreiche Web-Start-ups hierzulande sind Kopien erfolgreicher US-Vorbilder. Bei Ihnen ist es genau umgekehrt. Wie fühlt man sich, wenn die eigene Geschäftsidee über dem großen Teich so gut ankommt, dass gleich ein amerikanisches Copy Cat an den Start geht?

Wittrock: Jede (gute) Idee wird irgendwann - und oft - kopiert, das ist ganz normal und auch vorhersehbar. Aber aufpassen muss man schon und das Beste daraus machen: welche Fehler machen Mitbewerber, die wir vermeiden können? Und was können wir noch verbessern?

förderland: Wie groß ist die Angst, dass Ihnen die (US-)Konkurrenz das Wasser abgräbt?

Wittrock: Das kommt auf die Konkurrenz an :-).

förderland: In einem früheren Interview hatten sich Ihre beiden Mitgründer vorgenommen, auch fremde Länder wie die Schweiz oder Frankreich mit Ihrem Müsli zu beglücken. Zudem wollten Sie nach eigenen Aussagen "professioneller werden". Darf man gratulieren?

Wittrock: Der deutsche und österreichische Markt lastet uns gerade voll aus. Das ist schön, aber zur Auslandsexpansion kann man uns also nicht gratulieren, denn die haben wir noch ein bisschen verschoben. Und professioneller werden? Es gibt immer was zu tun. Ich finde, wir haben in den letzten Monaten viel gelernt und sind auf einem guten Weg. Aber Potential für Verbesserungen gibt es immer.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

©2007 förderland

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