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12.05.14Kommentieren

Finanzierung

Startups prüfen ihre Investorentauglichkeit

Bislang gibt es kein verlässliches Instrument, um die Belastbarkeit und die Zukunftsfähigkeit eines jungen Unternehmens angemessen zu bewerten. Die Startup-Due-Diligence von Sven von Loh will das ändern und es Gründern ermöglichen, ihr Unternehmen für Investoren attraktiv zu machen.

Ein Beitrag von Seven von Loh

 

Wie tragfähig ist das Vorhaben? Handelt es sich wirklich um eine Innovation, die am Markt belastbar ist? Welche Maßnahmen sind erforderlich, um das Geschäftsmodell erfolgreich durchzusetzen? Eine Gesamtanalyse eines Startups, die diese und weit mehr Fragen fundiert beantwortet, lässt sich mit den herkömmlichen eindimensionalen Methoden, die genutzt werden, um die Branchenattraktivität, das Marktpotenzial und die künftige Wettbewerbsposition eines Startups zu analysieren, nicht valide erstellen.

Schließlich ist bei Startups nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft zu bewerten. Zudem gibt es häufig den Markt noch gar nicht, den ein Startup anpeilt. Und selbst wenn dieser bereits existiert, kann er sich in einem Wandel befinden. In beiden Fällen besteht keine Ausgangsbasis für eine zuverlässige Erfolgs- und Finanzplanung. Wer die Stärken und Schwächen eines jungen Unternehmens ermitteln möchte, sollte daher eine adäquatere Bewertungsmethode nutzen.

Das Richtige prüfen

Eine Startup-Analyse ist nämlich keine gewöhnliche kaufmännische Herausforderung und sollte weit über die übliche Kennzahlenbetrachtung hinausgehen. Gefragt ist ein Analyse-Modell, das in der Lage ist, Unsicherheiten, unrealistische Zukunftsprognosen und unstimmige Hypothesen im Vorhaben eines Startups frühzeitig aufzudecken. Gründer könnten die Ergebnisse nutzen, um ihren Blick für das eigene Vorhaben zu schärfen und ihre Maßnahmen so zu fokussieren, dass sie das Interesse von Investoren wecken.

Ideal ist ein mehrdimensionales Modell, das die relevanten Erfolgsfaktoren erhebt. Dazu gehören das Wertversprechen, Geschäftsmodell, Disruptions- sowie Skalierungspotenzial und die langfristige Innovationsfähigkeit eines Startups. Das Schlüsselkriterium der Prüfung ist allerdings das Wertversprechen. Kunden suchen nie einfach nur Produkte oder Dienstleistungen, sondern Lösungen für ihre Probleme. Aus diesem Grund ist eine detaillierte Beurteilung des Wertversprechens losgelöst vom eigentlichen Geschäftsmodell elementar. Darüber hinaus sind die psychologischen und kulturellen Charakteristiken des Gründerteams, deren Auswirkungen auf den Führungsstil und das Management der Kundenbeziehungen zu analysieren. Das Ergebnis spiegelt die Risiken und vor allem den disruptiven Wirkungsgrad eines Startups wider.

 

Zweistufige Herangehensweise

Eine solche Startup-Analyse sollte am besten zweistufig konzipiert sein: Auf eine grobe Plausibilitätsprüfung folgt eine tiefergehende Detail-Analyse. Der „Quick-Check“ konzentriert sich ausschließlich auf die qualitative und quantitative Bewertung des Geschäftsmodells sowie des Wertversprechens. Die Detail-Analyse bezieht neben den Daten aus dem Pretotyping, die Disruptivität und Innovationsfähigkeit mit ein. Um die relevanten quantitativen Faktoren mit denen von anderen Marktbegleitern vergleichen zu können, empfiehlt sich ein Scoring–Modell.

Die Marktaussichten und damit verbundenen Annahmen eines Unternehmens lassen sich durch einen Vorabtest der Produkt- oder Dienstleistungsidee bestimmen. Mit Hilfe verschiedener Ansätze, wie beispielsweise einem Minimum Viable Product (MVP) oder einem Fake Door Pretotype kann das Wertversprechen bereits von Anfang an sehr effektiv am Markt getestet werden. Im Gegensatz zur Entwicklung von Prototypen verschafft dieses Vorgehen valide Daten, die  zeigen, ob ein Startup die richtige Produkt-Service- beziehungsweise Problem-Lösungs-Kombination entwickelt. Darüber hinaus lassen sich dabei faktenbasierte Schlüsselmerkmale aus dem Wertversprechen ableiten und im Rahmen einer Delta-Analyse mit den Hauptkonkurrenten vergleichen.

Zuverlässige Prognosedaten

Dann wird das Potenzial zur Marktrevolution bewertet. Disruptive Innovationen sind für Startups häufig die einzige Chance, um sich gegenüber etablierten Marktführern zu behaupten, die über mehr Kapital, bessere Kundenbeziehungen und eine effiziente Organisationsstruktur verfügen. Der Grad der Disruptivität lässt sich allerdings nicht mithilfe bekannter Kennzahlen ermitteln. Dazu bedarf es zuverlässiger Prognosedaten.

Deshalb wird der zukünftige Markt durch ein Annahme-Modell repräsentiert. Anhand von Analysen lassen sich so Maßnahmen erarbeiten, die das Startup erfolgreich umsetzen kann, etwa bestimmte Preis- und Kostenstrukturen, Fertigungsverfahren oder die Beherrschung neuer Technologien. Auf diese Weise lassen sich auch nicht vorhandene Märkte zuverlässig bewerten und Gesamt-Szenarien aus „Investorensicht“ entwickeln. 

Abschließend wird die Innovationsfähigkeit untersucht. Denn Investoren wünschen sich Beteiligungen, die sich immer wieder erfolgreich an Marktveränderungen anpassen können und ihre Produkte, Services sowie Geschäftsmodelle neu erfinden. Das erhöht die Aussicht auf eine positive Geschäftsentwicklung.

Ausgehend von Strategie, Kernkompetenzen und Marktbedingungen bis hin zur wichtigsten Ressource, dem Menschen, eröffnet diese Analyse somit einen klaren Blick auf die organisatorische Veränderungsbereitschaft, die unabhängig vom Produkt den Erfolg eines Unternehmens bestimmen. Danach erst werden allgemeine gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Trends und deren Folgen für das Unternehmen analysiert. Auch die Teilnahme der Gründer an Netzwerken, etwa der Wissenschaft, beeinflusst den Grad der Innovationsfähigkeit, gerade in der Frühphase einer Gründung.  

Fazit

Die skizzierte zweistufige Startup-Due-Diligence ermöglicht eine faktenbasierte Einschätzung der Zukunftsfähigkeit eines Startups, da die relevanten Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken des Unternehmens sauber herausgearbeitet werden. Die Aussichten geplanter Beteiligungsvorhaben lassen sich auf diese Weise umfassend bewerten und Risiken beizeiten aufdecken. Häufig entwickeln sich erst aus der Risikobewältigung diejenigen Chancen, die ein junges Unternehmen entscheidend voranbringen.

Gründern liefert diese Methode das Wissen, das sie benötigen, um ihr Startup investorentauglich zu machen. Denn die Due Diligence ersetzt Meinungen durch harte Fakten und konkrete Daten. Chancen, aber auch nicht haltbare Annahmen werden sofort identifiziert. Gegenüber potenziellen Investoren lässt sich somit ein Vorhaben plausibel darstellen, was die VC-Prüfung verkürzt. Zudem erkennen VCs, dass Gründer ihre Interessen verstehen und beherzigen. Auch das ist vertrauensbildend. Die Startup-Due-Diligence erleichtert somit deutlich die Gespräche mit Investoren und minimiert das gegenseitige Risiko.

 

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