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20.05.10Leser-Kommentar

Interview mit Armin Hierstetter, bodalgo

"So gesehen hat die Entwicklung von bodalgo bis zum Launch vielleicht 2.000 Euro für Cola und Pizza gekostet"

Wer in der Werbung etwas wichtiges zu sagen hat, leiht sich dafür meist die Stimme eines anderen. Doch wie findet man beispielsweise genau die kehlige Bassstimme, die das dunkle Bockbier urig-authentisch bewerben soll? Hier wird man oft nach langer Suche nur bei Casting-Agenturen fündig. Oder aber viel schneller auf dem Sprecherportal bodalgo.com. Dessen Gründer Armin Hierstetter verrät uns heute, warum sein Rauswurf bei der FHM das Beste war, was ihm hätte passieren können und wofür er eben mal 40.000 Euro in den Wind geblasen hat.

Armin Hierstetter, bodalgoArmin Hierstetter, bodalgo

Guten Tag Herr Hierstetter. Heute sprechen wir über Ihr Projekt bodalgo.com, einer Plattform für Off-Sprecher. Doch zuvor möchten wir von Ihnen wissen, wer Sie sind. Also: Was haben Sie gelernt? Was haben Sie gemacht? Wo wollen Sie hin?

Armin Hierstetter: Vor meiner Selbständigkeit habe ich knapp 20 Jahre für verschiedene Zeitschriften gearbeitet, zuletzt als Verlagsleiter des Männertitels "FHM". Angefangen habe ich nach dem Abitur als Volontär bei einer Computerzeitschrift. Später habe ich noch – neben der Arbeit – Medienmarketing studiert. Als man mich im März 2008 feuerte, hab’ ich bereits in meiner Freizeit an bodalgo.com gearbeitet. Zum Glück. Sonst wäre ich wahrscheinlich in ein tiefes Loch gefallen.

Bitte beschreiben Sie unseren Lesern doch kurz, wofür man bodalgo braucht!

Hierstetter: bodalgo ist der Marktplatz für Sprecher. Egal ob für Werbung, E-Learning, Präsentationen, Imagefilme, Podcasts, Telefonschleife undundund – auf bodalgo finden Sie die perfekte Stimme für Ihre Audioprojekte. Besonders spannend dabei für potentielle Auftraggeber: Bei bodalgo werden keine der sonst üblichen Agentur-Provisionen fällig. Und: Viele Sprecher von bodalgo haben ein eigenes Tonstudio. Das spart zusätzlich ein paar Hundert Euro – pro Aufnahme!

Wie kam es eigentlich zu der Idee und wie haben Sie sie schließlich angepackt?

Hierstetter: Ich spreche seit 2004 selbst und war auf der Suche nach einer Online-Agentur, wie ich sie aus den USA kannte. In Deutschland gab’s so was aber nicht. Über zwei Jahre ging mir das nicht aus dem Kopf. Schließlich hab ich mir gedacht: "Wenn ich das jetzt nicht mache, macht’s keiner."

Was mich etwas verdutzte: Auf bodalgo werben Sie mit der Zeile: "Ohne Gebühren und ohne Provisionen", wie aber verdienen Sie Geld?

Hierstetter: Stimmt: Wer ein Casting auf bodalgo einstellt, zahlt keinen Cent. Wer sich für einen Sprecher entscheidet, zahlt natürlich das übliche Honorar, bodalgo sieht davon aber nichts. Unser Business-Modell wird von den Sprechern getragen: Wer sich auf Castings bewerben möchte, benötigt eine Premium-Mitgliedschaft. Die gibt’s ab 15 Euro im Monat. Sonstige Provisionen fallen nicht an. Das Honorar fließt ohne Abzüge in die Tasche des Sprechers. Und auch der Auftraggeber muss keine Provisionen zahlen.

Geben Sie uns doch bitte einen kleinen Einblick: Wie ist das Geschäft angelaufen, seitdem bodalgo online ist? Welche Vermittlungs-Zahlen haben Sie anvisiert?

Hierstetter: Gestartet ist bodalgo im Januar 2008. Heute sind wir mit über 2.000 registrierten Profisprechern in mehr als 50 Sprachen das größte Portal für Sprecher in Europa. So gesehen: Alles gut gelaufen. Die größte Herausforderung ist aber geblieben: Während Sprecher quasi automatisch zu uns kommen, sind Auftraggeber deutlich schwieriger zu finden und von den Vorteilen von bodalgo zu überzeugen – obwohl die ja eigentlich sofort ins Auge springen. Manchmal habe ich das Gefühl, die Leute misstrauen dem Wort "kostenlos" oder denken: "Wenn’s nix kostet, dann kann da ja nichts sein". Aber natürlich ändern wir deshalb nicht die Preispolitik. Es bleibt dabei: Es gibt keinen einfacheren, schnelleren und günstigeren Weg, um Profisprecher zu buchen als bodalgo.

Haben Sie vor das bodalgo-Angebot noch auszubauen? Zusätzliche Dienstleistungen rund ums Thema? Oder noch internationaler auftreten

Hierstetter: Es gibt bereits zwei Ableger: bodalgo/copy für Texter und Redakteure und bodalgo/art für Designer und Grafiker. Bei bodalgo selbst geht es gerade vor allem um die Expansion in andere Sprachen. Derzeit ist bodalgo auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch verfügbar. Bis Jahresende sollen noch eine Handvoll Sprachen dazu kommen.

Wollen Sie uns verraten, was Sie bodalgo gekostet hat, bis es funktionsfähig im Web stand?

Hierstetter: Viel weniger als Sie denken, was aber daran liegt, dass ich alles selbst gemacht habe. So gesehen hat die Entwicklung von bodalgo bis zum Launch vielleicht 2.000 Euro für Cola und Pizza gekostet ... (lacht) Aber ernsthaft: Es war natürlich ein Vorteil selbst Hand anzulegen, aber es gab genügend Momente, in denen ich den Rechner am liebsten an die Wand geklatscht hätte. Hätte ich vorher gewusst, was ich mir mit CSS, PHP, XML, Ajax, SQL, Server Administration etc. aufhalse – ich bin mir nicht sicher, ob ich den Weg gegangen wäre …

Machen Sie auch Werbung für bodalgo oder vertrauen Sie darauf, dass die Sprecher und Kunden den Service einfach so finden?

Hierstetter: Ohne Werbung geht nichts. Überhaupt nichts. Schon gar nicht am Anfang, wenn Sie ja noch keiner kennt. Und obwohl sich schon weit über 2.000 Auftraggeber bei bodalgo registriert haben, bleibt Werbung das wichtigste Marketing-Tool. Mehr als 80 Prozent unserer Marketing-Ausgaben fließen in die Werbung. Am Anfang kam da natürlich die Abfindung meines ehemaligen Arbeitgebers wie gerufen. Ohne dieses Polster wäre das finanzielle Risiko deutlich größer gewesen.

Gab es eigentlich ein paar Dinge, die Sie im Nachhinein lieber anders gemacht hätten? Dinge, die Sie unnötige Zeit und Nerven oder unnötiges Geld gekostet haben?

Hierstetter: O ja! In den ersten beiden Jahren habe ich bestimmt 40.000 Euro in Werbemaßnahmen gesteckt, die nichts, rein ü-ber-haupt nichts gebracht haben. Darunter waren Fachmedien aus der Werbe- und Marketingbranche, Online-Portale, Mailings etc. Zuerst habe ich mich darüber geärgert, heute denke ich: Ich weiß jetzt, was funktioniert und – das ist ebenso wichtig – was nicht. Leider erst hinterher.

Herr Hierstetter, Sie scheinen mir sehr geschäftstüchtig. Haben Sie vielleicht noch ein paar Eisen im Feuer oder konzentrieren Sie sich derzeit ganz auf bodalgo?

Hierstetter: Zusammen mit zwei Partner verlege ich die Jugendmagazine "TopStars" und "TopStars Fußball". Und nebenbei arbeite ich auch als Sprecher. Aber weil ich mich ja schlecht auf Aufträge auf bodalgo bewerben kann, habe ich mir jetzt endlich auch eine eigene Homepage zugelegt: www.voice-for-sale.de.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Ihnen und wünsche viel Erfolg!

Kommentare

  • Frank

    25.05.10 (12:59:12)

    Hallo,
    der Link zu voice-for-sale.de scheint nicht ganz zu stimmen.

    http://www.voice-for-sale.defffich/

    Viele Gr??e
    Franky

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