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09.12.10Kommentieren

Karriereberatung

So finden Sie den richtigen Karriereberater oder -coach

Sie stecken beruflich in der Sackgasse oder sind von einem Jobverlust bedroht? Dann sollten Sie eventuell einen Karriereberater kontaktieren, um eine neue berufliche Perspektive zu entwickeln. Frank Adensam gibt in seinem Beitrag auf förderland einige Tipps, worauf Sie bei der Beraterwahl achten sollten, um nicht einem Scharlatan in die Finger zu geraten.

Ein Beitrag von Frank Adensam

Ihre Steuererklärung erledigt Ihr Steuerberater, im Streitfall konsultieren Sie einen Anwalt und wenn Sie krank sind, gehen Sie zum Arzt. Doch wen kontaktieren Sie, wenn Sie beruflich an einem Scheideweg stehen? Zum Beispiel, weil Ihre Karriere in einer Sackgasse steckt. Oder weil ein Jobverlust droht. Dann wissen viele Menschen nicht, an wen sie sich wenden sollen. Dabei ist in solchen Situationen eine professionelle Unterstützung oft wichtig. Denn Hand aufs Herz: Kennen Sie als Berufserfahrener, der sich zuletzt vor fünf, zehn oder gar 20 Jahren bewarb, noch den aktuellen Arbeitsmarkt und seine Regeln? Und haben Sie Zugang zu dem verdeckten Stellenmarkt, über den drei Viertel aller offenen Positionen besetzt werden? Vermutlich nicht! Also stellt sich die Frage nach einem guten Berater. Doch wie finden Sie diesen? Schließlich ist Karriereberater ein ungeschützter Beruf. Jeder kann sich so nennen. Auch Sie!

Vom Ziel her denken

Karriereberater arbeiten ähnlich wie Steuerberater in Feldern, in denen es um viel Geld geht – um Ihr Geld. Doch ein Stellenwechsel wirkt sich nicht nur auf Ihr Einkommen aus, sondern auch auf Ihren sozialen Status und Ihre berufliche Zufriedenheit. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Profi-Berater von Scharlatanen und Mitläufern unterscheiden können.

Jeder Karriereberater hat andere, meist sehr spezielle Kompetenzen. Einen Spezialisten für alles gibt es nicht. Verschaffen Sie sich also zunächst Klarheit darüber, welches Problem Sie mit Hilfe des Beraters lösen wollen. Suchen Sie zum Beispiel eine neue Position? Dann ist ein Out- oder Newplacementberater die erste Wahl. Übernehmen Sie hingegen eine neue Position und möchten eine diskrete, zeitlich begrenzte Unterstützung, um in der neuen Rolle zu überzeugen? Dann brauchen Sie einen Coach. Diese sind meist Freelancer. Professionelle Out- und Newplacementberater hingegen brauchen eine Infrastruktur. Sie arbeiten daher in der Regel in oder für mittlere und größere Beratungsunternehmen.

Sich die Biografie des Beraters anschauen

Wie beruflich erfolgreich ist der Berater selbst? Auch dies sollten Sie sich fragen. Denn in den zurückliegenden Jahren machten sich viele Männer und Frauen als Karriereberater selbstständig, die sich zuvor jahrelang erfolglos mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt hatten. Und nun bieten sie die dabei gewonnene Erfahrung anderen Menschen als Karriereberater an. Lassen Sie sich nicht auf erfolglose Berater ein. Prüfen Sie vorab, wie erfolgreich Ihr potenzieller Berater selbst seine eigene berufliche Biografie gestaltet hat, bevor Sie ihm Ihre künftige Karriere anvertrauen.

Achten Sie auch darauf, ob er sich im Verlauf seiner Berufsjahre eine praxisgerechte Infrastruktur aufgebaut hat und fragen Sie nach Referenzen. Erfolgreiche Coaches sowie Out- und Newplacementberater verfügen über Firmenreferenzen. Ein weiteres Kriterium: Es gab ein dramatisches Personalberater-Sterben nach dem Platzen der Internetblase 2002 und nach der Finanzkrise 2009. Hat der von Ihnen favorisierte Berater diese beiden Krisen miterlebt und erfolgreich gemeistert?

Womöglich gehört er zur Berater-Gruppe "ehemalige Führungskräfte". Manche Führungskraft, die in der Krise ihren Job verlor, kam nach dem Genuss einer Outplacementberatung auf die Idee: "Das kann ich auch". Diese Gruppe von Beratern erkennen Sie daran, dass sie nicht mit ihrer Beratererfahrung und -qualifikation für sich werben, sondern mit ihren früheren Erfolgen im Management. Aber eine erfolgreiche Führungskraft ist noch lange kein erfolgreicher Coach oder Newplacementberater.

Coaching ist höchst persönlich

Unter dem Suchbegriff "Coaching" findet Google über 43 Millionen Treffer. Auch wenn die Coaching-Anbieter nicht in die Millionen gehen, so gibt es sie doch wie Sand am Meer. Und jeder Anbieter behauptet, er sei der Beste und arbeite "maßgeschneidert". Woran sollte man sich also bei der Auswahl orientieren?

Der erste Schritt ist: Holen Sie sich Empfehlungen ein. Fast jede Personalabteilung pflegt Listen mit guten Coaches. Vereinbaren Sie zwei, drei unverbindliche Erstgespräche mit Coaches. Erfragen Sie in diesen Gesprächen den Hintergrund des jeweiligen Coaches. Bewerten Sie danach die drei folgenden Faktoren etwa gleichwertig:

  • "Wie ist der Coach ausgebildet?",
  • "Welche einschlägigen praktischen Erfahrung hat er?" und
  • "Wie vertrauensvoll wirkt er?" sowie "Wie symphatisch ist er mir?"

Dann haben Sie eine gute Entscheidungsgrundlage.

Out- und Newplacementberatung auch

Es gibt drei Kategorien von Out- und Newplacementberatern. Da ist zunächst das Heer der "Freelancer", die auf eigene Rechnung und zugleich projektbezogen für größere Beratungsgesellschaften arbeiten. Diese freien Berater sind unterschiedlich kompetent. Sie verfügen aber über keine räumliche, personelle und informationstechnische Infrastruktur. Daher können sie Leistungen wie "Job-Search" und "Aktive Vermittlung" nicht oder nur eingeschränkt anbieten. Auch ein Beraterwechsel zu einem Kollegen mit anderer Spezialisierung ist bei einem "Einzelkämpfer" bei Bedarf nicht möglich – beispielsweise zum Klären einer Existenz-Gründungsidee oder einer familiären Problematik.

Die zweite Kategorie bilden die Großen der Branche, die national oder sogar international Regionalbüros haben. Diese Unternehmen sind zum Teil gewerkschafts- oder arbeitgebernahe Beratungskonzerne oder Töchter großer Zeitarbeitsfirmen. Sie besitzen aufgrund ihrer Größe und Vernetzung eine große Akquisitionsstärke. Sie führen jedoch überwiegend Gruppenoutplacements im tarifgebundenen industriellen Bereich durch – selbst wenn sie diese in ihren Angeboten oft als Einzeloutplacements bezeichnen. Für diese benutzen sie häufig standardisierte Beratungskonzepte, die von Freelancern abgearbeitet werden.

Zuletzt gibt es regional verwurzelte mittelständische Beratungsgesellschaften, die häufig inhabergeführt sind. Diese kümmern sich neben Gruppenoutplacements intensiv um anspruchsvolle private Beratungskunden; außerdem in Einzelfällen um ausscheidende Führungskräfte der regionalen Wirtschaft. In der Regel verfügen diese Unternehmen aufgrund ihrer jahrelangen regionalen Präsenz über ein fein gesponnenes regionales und überregionales Beziehungsnetzwerk für das aktive Vermitteln. Außerdem ergänzen sie ihre Beratungsleistungen mit Coaching, Eignungsdiagnostik, Gründungsberatung und anderen angrenzenden Leistungen.

Welches Netzwerk hat der Berater?

Mit einem guten Berater ist es wie mit einem guten Wein. Er wird mit den Jahren immer besser. Das liegt zum Einen an der zunehmenden inhaltlichen Erfahrung, zum Anderen am wachsenden Beziehungsnetzwerk innerhalb der Fachwelt. Hinterfragen Sie dieses Netzwerk, wenn Sie Wert auf ein aktives Vermitteln legen. Denn der Arbeitsmarkt ist nicht transparent. Er verhält sich wie ein Eisberg, die meisten – vor allem die interessanten – Stellen sind unsichtbar unter der Wasseroberfläche verborgen. Diesen verborgenen Stellenmarkt kann ein Out- und Newplacementberater bedienen, wenn er gut vernetzt ist und über die notwendige Infrastruktur verfügt.

Erfragen sollten Sie auch: Wie misst der Berater seinen Erfolg? Existiert ein Qualitätsmanagement-System? Manche Coaches sowie Personal- und Karriereberater sind nach einem wichtigen QM-System wie zum Beispiel ISO 9001 zertifiziert. Andere Qualitätsmerkmale sind Zugehörigkeiten und Mitgliedschaften in berufsständischen Vereinigungen und Verbänden – wie zum Beispiel dem Bund Deutscher Unternehmensberater (BDU) oder dem Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC). Diese Vereinigungen haben strenge Aufnahmekriterien. Sie bieten somit eine Gewähr dafür, dass gewisse Mindeststandards eingehalten werden.

Honorare und Preise

Wie so oft gibt es eine Korrelation zwischen Preis und Qualität. Etablierte Anbieter berechnen pro Beratungsstunde 140 Euro aufwärts. Coaching wird meist zwischen 160 und 280 Euro pro Stunde angeboten. Mehrwertsteuer und Spesen kommen jeweils hinzu. Im Einzeloutplacement sind 22 Prozent des letzten Jahresbruttogehalts ein üblicher Satz. Es gibt darüber hinaus Pauschalangebote mit definierten Leistungspaketen und festen Honorarsätzen. Privatpersonen können all diese Investitionen steuerlich als Werbungskosten absetzen.

Die Branche der Karriereberater ist fragmentiert und unübersichtlich. Die wesentlichen Auswahlkriterien sind die Ausbildung des Beraters, sein Netzwerk und seine Referenzen. Lassen Sie sich vom potenziellen Berater dessen eigene Karriere schildern und fragen Sie ihn, ob es ein System zur Qualitätssicherung gibt. Und: Schauen Sie sich mehrere Berater an, bevor Sie sich entscheiden. Denn Sie investieren eine nicht geringe Summe. Und: Lassen Sie auch Ihren Bauch mitentscheiden. Denn eine konstruktive Zusammenarbeit erfordert auch Sympathie und Vertrauen.

Autor: Frank Adensam

Personalberater
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