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10.02.11Kommentieren

Interview mit Lars Wilde, RABEES

"Sicher ist man mit einer einfachen Anwendung wie mit einer Flashlight-App schnell und unkompliziert am Start. Aber zählt das als Start-up? "

adnomics aus Berlin haben eine iPhone-App entwickelt. Soweit - so gut! Dass aber die App allein gerade erst einmal die Spitze des Eisbergs an Arbeit ist, die hinter ihrem Projekt steht, berichtet uns heute Lars Wilde, Geschäftsführer des Start-ups. Viel Spaß beim Lesen - hier gibt es etwas zu lernen!

Lars Wilde, RABEESLars Wilde, RABEES

Guten Tag Herr Wilde! Heute erzählen Sie uns von Ihrem Start-up-Projekt RABEES, doch hoffentlich nicht, ohne uns zuvor etwas mehr über sich selbst zu verraten. Also: Wer sind Sie, was haben Sie gelernt und womit verdienen Sie Ihr Geld?

Lars Wilde: Ich habe BWL mit den Schwerpunkten Marketing und Unternehmensführung studiert und parallel bereits damals begonnen, mein Geld mit der Konzeption und Entwicklung komplexer Webportale und Onlineshops zu verdienen. Zuletzt war ich bei einem großen IT-Unternehmen mit der Leitung der Bereiche Online Marketing und E-Commerce betraut. Allerdings sehe ich die Zukunft im Bereich Mobile, insbesondere im Bereich Location Based Marketing und so kam es zur Gründung von adnomics. Mit adnomics wollen wir uns künftig als erster Ansprechpartner in den die Bereichen "Location Based Advertising" und "Mobile Couponing" etablieren.

Und nun zu Ihrem Baby Rabees.com: Was kann die App und warum braucht man sie?

Wilde: RABEES ist im Grunde ein interaktives Gutscheinbuch für das Smartphone. Nutzer finden hier auf einen Blick Angebote und Rabatte in der unmittelbaren Umgebung und können sie direkt nutzen. Per GPS werden einem bestimmten Umkreis unsere Partnerangebote gezeigt und Kunden können sich direkt bis ins Ladengeschäft navigieren lassen. Vor Ort angekommen, wird der Gutschein automatisch aktiviert und man kann sich über satte Ersparnisse freuen.

Unternehmen machen so auf sich aufmerksam und können relevante Stammkunden aus der Region gewinnen. Unsere Nutzer hingegen freuen sich über Rabatte, ohne extra im Voraus ein Gutscheinbuch oder einen zeitlich begrenzten Coupon kaufen zu müssen. Wir schaffen eine klassische Win-Win Situation und unterstützen Unternehmen beim Lokalmarketing effizienter als das mit klassischen Medien bisher möglich war. Und damit die App nicht nur eine App von vielen auf dem Telefon unserer Nutzer ist, haben wir sie so konzipiert, dass sie Spaß macht: Mit der Augmented Reality Spiele-Komponente gehen Nutzer wirklich auf Schnäppchenjagd und fangen die exklusiven Angebote mit dem Telefon selbst ein.

Und kommt die App gut bei den Usern an? Wie sind die ersten Zahlen?

Wilde: Die App kommt sehr gut an. Viele der iPhone Nutzer sind geradezu in ihr Telefon und seine vielen Spielereien, aber so etwas wie unsere AR-App haben sie noch nicht gesehen und sind sehr beeindruckt. Nicht zuletzt weil wir bugfrei sind, wurde RABEES bisher mehrere Tausend Mal heruntergeladen. 

Was unternehmen Sie, damit sich die App unter Deutschlands Shoppern verbreitet?

Wilde: Der wichtigste Aspekt für uns ist Empfehlungsmarketing. Wir möchten unseren Nutzern nicht werbeseitig sagen, wie toll unsere App ist. Sie sollen neugierig werden und herausfinden, wie nützlich RABEES ist. Nur so erreichen wir positive, authentische Empfehlungen für RABEES und bleiben nachhaltig im Fokus unserer Nutzer.

Es war uns auch wichtig nicht nur regional an den Start zu gehen, sondern in mehreren Großstädten Deutschlands gleichzeitig, wobei die Nutzer aktiv über Gutschein-Einstellungen mit eingebunden werden.

Ergänzend dazu werden wir durch Kooperationen RABEES immer weiter ausgestalten und somit auch von der Reichweite unserer Partner profitieren können.

Bisher funktioniert diese Strategie sehr gut und wir sind in der schwierigen Kategorie Lifestyle auch ohne breite Werbekampagne oder einen Konzern im Background gut vertreten.

Hatten Sie bereits Erfahrungen im Bau von Smartphone-Apps? Wo liegen die Herausforderungen beim Konzipieren und Umsetzen?

Wilde: Nein, RABEES war unsere erste mobile App. Da ich, wie eingangs erwähnt, ein „Onliner“ bin, musste ich mich bei der Konzepterstellung schon etwas umstellen und auf die Schnittstellen und technischen Restriktionen eines mobilen Endgerätes umdenken. Aber der größte Aufwand war tatsächlich das Backend mit all seinen APIs, dem Self Service Portal für Partner usw., auf dem die App letztlich aufsetzt. Seitens der Funktionalität waren die größeren Hürden einerseits die genaue Standortbestimmung, die sinnlose Aktivierungen vermeidet und exklusive Gutscheine wirklich nur vor Ort aktivierbar macht. Andererseits die Augmented Reality Komponente, die die interaktive Bienenjagd abbildet und den Kompass des Gerätes nutzt.

Nicht zuletzt ist da die Tatsache, dass wir keine User-Accounts haben. Es ist gar nicht so einfach eine derartige App zu entwickeln, ohne persönliche Daten zu erheben.

Smartphone-Apps gelten als Start-up-tauglich, da sie wenig Kosten verursachen? Ist das wirklich so? Und darf man nach den Entwicklungskosten für das Projekt fragen?

Wilde: Das würde ich nicht so sehen. Sicher ist man mit einer einfachen Anwendung wie mit einer Flashlight-App schnell und unkompliziert am Start. Aber zählt das als Start-up? Hinter Anwendungen wie RABEES steckt ein komplexes System, das ein Business-Modell abbilden muss. Die App setzt anschließend darauf auf. So etwas entwickelt man nicht nebenbei und muss schon mehrere zehntausend Euro einplanen. Selbst die Entwicklung eines kleinen Spiels ist viel komplexer als es optisch den Eindruck vermittelt.

A propos Kosten, konnten Sie diese alleine stemmen oder waren Sie auf Investoren angewiesen?

Wilde: Wir sind bisher ganz bewusst komplett eigenfinanziert, da es uns um den Aufbau eines nachhaltigen Geschäftsmodells geht. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie viele Gründungen bereits frühzeitig mit dem Ausverkauf begonnen und letztlich Investorengelder versenkt haben. Allerdings haben wir jetzt strategisch die Weichen für ein rasches Wachstum in einem Potenzialmarktumfeld gestellt und werden nun Gespräche führen und prüfen, was oder wer zu uns passt, damit wir unsere ehrgeizigen Ziele schneller erreichen können.

Wie wollen Sie den Einzelhandel, Ihre eigentliche Zielgruppe erreichen? Müssen Sie noch Klinken putzen oder hoffen Sie auf eine Eigendynamik?

Wilde: Wir richten uns an alle lokalen Gastronomie, Handels- und Dienstleistungs-unternehmen. Und zwar vom kleinen Tante Emma Laden bis zum Filialisten. Tatsächlich ist die Akquise recht aufwändig und wir arbeiten gerade im Bereich der kleinen Unternehmen auf eine Eigendynamik hin, die durch die Einbindung der Nutzer gestärkt wird.

Darf man fragen, welche konkreten Ziele Sie sich selbst gesetzt haben? Mit welchen Nutzerzahlen wären Sie wann zufrieden?

Wilde: Eine App wie SVCNGR, mit der wir manchmal verglichen werden, hat jetzt 500.000 Nutzer – allerdings auf einem einfacheren Markt, weil die US-Nutzer thematisch bereits durch die dortige Couponing-Kultur sensibilisiert sind. Wenn wir in 2011 direkt über unsere Plattform 100.000 Nutzer und indirekt um die eine Million nur in unserem Geschäftsbereich Mobile Couponing erreichen, wären wir recht zufrieden.

Gibt es auch schon Ideen, die Funktionen der App weiter auszubauen? Neue Spielelemente etwa oder einzigartige Wettbewerbe?

Wilde: Ja, Ideen gibt es viele und am Liebsten hätten wir die App auch zum Start noch viel voller gepackt. Allerdings haben wir uns entschieden, dieses so neue Konzept schrittweise einzuführen. Aber es ist sicher, dass zum Bienenfangen neue Challenge-Typen hinzu kommen werden, dass User bald interagieren können und dass eine neue Gaming-Komponente folgt.

Haben Sie von den Benutzern bereits Rückmeldungen bekommen? Womit war man im Allgemeinen zufrieden und wo wünschen sich die User noch Verbesserungen?

Wilde: Wir haben zahlreiche Rückmeldungen bekommen. Vorrangig waren das zu unserer Freude Glückwünsche zur gelungenen App. Dem Nutzer hat unsere Idee der Verknüpfung von Mehrwert und Spaß anscheinend erreicht. Im Grunde wünschen sie sich derzeit nur noch mehr Angebote. Wir geben nun Gas, um ihnen diesen Wunsch zu erfüllen.

Und die teilnehmenden Händler, gibt es da auch schon Rückmeldungen?

Wilde: Für ein umfassendes Feedback ist es wohl noch etwas früh. Aber bisher berichteten unsere Partner, dass das System problemlos funktioniert und freuen sich über neue Kunden – zum Teil auch aus ganz neuen Zielgruppen.

Für Rabees haben Sie sich Anleihen von amerikanischen Konzepten genommen. Aber was wollten Sie besser machen als die Originale?

Wilde: Unser Ziel war es, unsere Marken-Story von Anfang bis Ende abzubilden und eine echte Schnäppchenjagd erlebbar zu machen. Dabei sind Parallelen zu US-Apps eher zufällig entstanden als bewusst herbeigeführt.

Was wir jedoch auf jeden Fall besser machen wollten als die US-Apps, war die Einstiegsbarrieren für den Nutzer zu senken. Daher kommen wir ohne Check-ins und Nutzer-Accounts aus. Jeder kann sich die App einfach installieren und sofort loslegen.

Wo Sie nun einmal im App-Business drinstecken, werden Sie doch schätzungsweise noch weitere Projekte umsetzen wollen, Wie schaut es aus? Haben Sie bereits neue Apps auf Lager?

Wilde: Auf jeden Fall. Wir werden die Nische des Location Based Marketing fest besetzen und weitere Business Modelle marktorientiert und zielgruppenspezifisch entwickeln. Derzeit arbeiten wir bereits an einem zweiten Projekt aus dem Couponing Segment, das in Kürze in den Start gehen wird.

Vielen Dank für das nette Interview und viel Erfolg mit den Rabees!

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