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13.06.16

Interview

Das gilt es zu beachten, wenn man sich als Detektiv selbstständig machen will

Herr Lentz bei der Übergabe des ZertifikatsBildquelle: lentz-detektei.de

Ist das Leben als Detektiv wirklich so spannend und actionreich, wie es in Filmen und TV-Serien dargestellt wird? Was benötigt man, wenn man eine eigene Detektei aufmachen will? Diese und weitere Fragen klärt der Profi Markus Lentz im Interview.



Foerderland.de: Wenn man die Berufsbezeichnung Privatdetektiv hört, denkt man sofort an TV-Serien wie zum Beispiel „Ein Fall für Zwei“ oder Filme wie „Shaft“. Ist der Beruf wirklich so spannend und actionreich, wie er in den Medien dargestellt wird?

Markus Lentz: Nein. Der Beruf des Privatdetektivs hat so rein gar nichts mit der medialen Darstellung zu tun. Alles was im TV über diesen Beruf gezeigt wird, sei es in „Ein Fall für Zwei“, „Die Trovatos“ oder „Lenßen & Partner“, ist reine Fiktion und spiegelt nicht die Realität wieder.

Was sind die typischen Aufgaben eines Privatdetektivs?

Rund 75% der Auftragsmandate unserer Detektei Lentz & Co. kommen aus der Wirtschaft. Häufig geht es um die Aufklärung von Lohnfortzahlungsbetrug im Krankheitsfall (Mitarbeiterkrankheit), die Aufdeckung von Schwarzarbeit oder den Themenkomplex des Abrechnungs-, Spesen- und Arbeitszeitbetrug. Wir kümmern uns aber auch um die Überprüfung von nachvertraglichen Wettbewerbsverboten.

Die restlichen 25% der Auftragsmandate kommen aus dem Privatbereich. Hier geht es meistens um die Aufklärung von Unterhaltsbetrug oder das Verschweigen von eheähnlichen Lebensgemeinschaften, um weiterhin – ungerechtfertigt – monatlich hohe Unterhaltsleistungen von unserem Mandanten zu bekommen. In einem sehr geringen Anteil geht es um die partnerschaftliche bzw. eheliche Treue.

Wie wird man Privatdetektiv? Gibt es spezielle Anforderungen, die man erfüllen muss?

Wir beschäftigen in unserer Detektei ausschließlich qualifizierte Detektive mit der zweijährigen Ausbildung zum ZAD geprüften Privatermittler (IHK). Wichtig ist, dass der Detektiv körperlich fit und gesund ist, um auch mal einer Zielperson ein paar Kilometer beim Joggen oder auf dem Fahrrad folgen zu können.

Rechtliches Wissen, dass während der Ausbildung gelehrt wird, ist unabdingbar, da die detektivische Tätigkeit sehr exzessiv in die Persönlichkeitsrechte der Zielpersonen eingreift und ein Detektiv die Grenzen sehr genau kennen und die Gesetze anwenden muss. Ansonsten steht der Detektiv sehr schnell vor Gericht – ganz anders als es uns die Trovatos im Vorabendprogramm weismachen wollen.

Wie sieht es mit Waffen aus? Benötigt man als Detektiv einen Waffenschein?

Ein Detektiv benötigt keinen Waffenschein. Wir wollen die Zielpersonen ja überwachen und nicht überfallen! Unsere Waffen sind Spiegelreflexkameras, Geistesgegenwart und absolute Flexibilität.

Was gilt es zu beachten, wenn man sich als Privatdetektiv selbstständig machen will?

Wie in vielen Berufen ist keine Ausbildung vom Gesetzgeber vorgesehen. Aber nochmals: Wenn Sie rechtlich nicht hundertprozentig sattelfest sind, werden Sie sehr schnell Probleme mit Polizei und Staatsanwaltschaft bekommen und Ärger mit ihren Kunden. Daher empfehle ich zunächst die zweijährige Ausbildung und parallel dazu ein ebenso langes Praktikum in einer Detektei. Erst dann sind Sie – frühestens – einigermaßen fit, um im Berufsalltag auch nur ansatzweise bestehen zu können.

Es gilt vieles zu lernen: Observationstaktik, Ermittlungstaktik, psychologische Gesprächsführung und Gesetzeskunde, bestehend aus Strafprozessordnung, Grundgesetz, Kunsturheberrechtsgesetz, Bürgerliches Gesetzbuch und so weiter. Oder wissen Sie, was genau ein „eheähnliches Verhältnis“ juristisch betrachtet ist und was nachgewiesen werden muss?

Gibt es für den Start in die Selbstständigkeit spezielle Zuschüsse für Privatdetektive? 

Nein, spezielle Zuschüsse gibt es keine. 

Bitte geben Sie uns drei Profitipps, was unbedingt in einem Business-Plan für selbstständige Privatdetektive stehen muss.

Als selbständiger Privatdetektiv müssen Sie Profi in ihrem Job sein. Das heißt, dass Sie nicht nur die Basics beherrschen, die von einem angestellten Detektiv erwartet werden, Sie müssen auch betriebswirtschaftlich fit sein, das Thema Werbung beherrschen und selbstsicher gegenüber ihren Mandanten auftreten können.

Neun von zehn „neuen Selbstständigen“ scheitern in den ersten beiden Jahren. Unterhalb eines Budgets von 50.000 Euro sollten Sie nicht anfangen, eine eigene Detektei zu gründen, denn Sie benötigen Equipment, Fahrzeuge, Motorräder, Funk usw.

Und in den ersten beiden Jahren werden Sie jeden Euro wieder reinvestieren müssen, d.h. Sie müssen auch ihren eigenen Lebensunterhalt sicherstellen. 

Vielen Dank für das Interview!

 

 

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