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15.06.07

Interview mit Stefanie Fickel, indocma

"Seit dem Crash agieren die Kapitalgeber generell zurückhaltender"

förderland im Gespräch mit Stefanie Fickel, verantwortlich für Marketing und Pressearbeit bei indocma, über die Akquise von Finanzmitteln, die Vor- und Nachteile von Messeteilnahmen und eine Software-Lösung im Bereich medizinische Spracherkennung.

förderland: Vorab, Gratulation zu Ihrer Top Zwanzig-Platzierung beim Businessplan-Wettbewerb Nordbayern. Können Sie kurz erklären, worum es bei Ihrem Projekt geht?

Stefanie Fickel: indocma ist ein seit Ende 2004 im Markt agierendes Start-Up, das sich im Bereich medizinischer Spracherkennung einen Namen gemacht hat. Mediziner aller Fachrichtungen erhalten von uns eine Software-Lösung, mit der sie die gesamte Patientenverwaltung mittels Spracheingabe abwickeln können - von den Einträgen in die elektronische Patientenakte, OP-Berichte, Arztbriefe für weiterbehandelnde Ärzte bis hin zu Gutachten.

indocma Medizin "versteht" medizinische Termini und wird mittels einer indocma-eigenen Vokabularanalyse für jeden Anwender individualisiert. Der Arzt kann serverbasiert von jedem seiner PCs aus diktieren und die automatisch erstellten Texte auf Wunsch an eine Korrekturkraft weiterleiten oder den Korrekturprozess  zu einem beliebigen Zeitpunkt selbst abschließen.

Zudem entwickelt indocma eine innovative Technologie in einem verwandten, aber weitaus bedeutenderem Bereich, der sprachgesteuerten Mensch-Maschine-Kommunikation.

förderland: Warum haben Sie an einem Businessplan-Wettbewerb teilgenommen und würden Sie es auch anderen jungen Unternehmen ans Herz legen? Was hat Ihnen die Teilnahme konkret gebracht?

Fickel: indocma betrachtet die Teilnahme am Business-Plan-Wettbewerb als eine gute Präsentationsmöglichkeit für das junge Unternehmen. Einige der Juroren-Bewertungen des Businessplans lieferten wertvolle Vorschläge zu einer optimierten Positionierung im Markt.

Die engagierte Betreuung durch die erfahrenen MitarbeiterInnen des netzwerk|nordbayern hilft, die eine oder andere Klippe zu umschiffen und vor allem erleichtert sie die Kontaktaufnahme mit den Geldgebern.

förderland: Sie bieten Softwareprodukte, die in der Medizinbranche zum Einsatz kommen. Start-Ups aus dieser wachstumsstarken Branche rennen bei Investoren doch offene Türen ein, oder? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Suche nach (potentiellen) Finanzgebern gemacht?

Fickel: Seit dem Crash des Hypes in der new economy agieren die Kapitalgeber generell zurückhaltender - auch was Medizin-Software betrifft. Dabei bestünde gerade für unseren Geschäftsbereich, die Spracherkennung, ein sehr geringes Risiko für Investoren.

Die Akquise von Finanzmitteln in einer frühen Unternehmensphase ist immer eine kniffelige Angelegenheit. indocma sieht hier mehrere Möglichkeiten, ist jedoch noch nicht auf eine bestimmte Finanzierungsvariante festgelegt. Durch die kompetente Betreuung des netzwerk|nordbayern sind bereits erste, durchaus erfolgversprechende Sondierungsgespräche zustandegekommen.

förderland: Ihr Firmensitz befinden sich in Erlangen, wo auch einer der "Global Player" der Medizintechnikbranche - Siemens Medical Solutions – ansässig ist. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Standortwahl für ein Unternehmen?

Fickel: Der Standort Erlangen ergab sich für indocma aus der Biografie der beiden Gründer, Andreas Mohr und Stefan Schulz, die - unabhängig voneinander - einige Jahre ihrer Berufserfahrung bei Siemens Medical Solutions respektive bei Siemens Industrial Solutions & Services sammelten.

Während mit Praxisausstattern, die im niedergelassenen Bereich agieren, bereits intensive Kooperationen bestehen, wird indocma - wie auch andere Start-Ups der Region - von den Branchenriesen (noch) nicht wahr- bzw. ernstgenommen.

förderland: Ist Indocma Medizin bereits im praktischen Einsatz? In welchen Branchen könnten Ihre Produkte sonst noch Anwendung finden?

Fickel: Momentan ist unser stärkstes Zugpferd das oben beschriebene Produkt "indocma Medizin" in Kombination mit i4MED, das für die Anbindung an die Praxisverwaltungssysteme benötigt wird. Damit diktieren mehrere hundert Ärzte diverser Fachrichtungen mit unserer Spracherkennungs-Software, viele mit großer Begeisterung über die (Zeit)ersparnis in der Dokumentation, wie Sie den Anwenderberichten entnehmen können.

Unsere Produkte zur Sprachverarbeitung unterstützen jedoch nicht zwangsläufig nur Ärzte, sondern auch andere Berufe, die eine Dokumentationspflicht bzw. ein hohes Dokumentationsaufkommen haben, z.B. Rechts- oder Patentanwälte.

förderland: Sie waren schon auf vielen Messen mit eigenem Stand vertreten. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Teilnahmen an solchen Veranstaltungen? Wo liegen die Vor- bzw. Nachteile?

Fickel: Messeteilnahmen sind nicht gerade die preisgünstigste Marketingmaßnahme und es finden jährlich tausende medizinischer Kongresse und Fachveranstaltungen statt. Deshalb wägen wir sorgfältig ab, welche Veranstaltungen wir besuchen. Dazu zählen neben der Medica und der IteG natürlich die "großen" Fachkongresse der von uns bevorzugt adressierten Fachgebiete (derzeit: Orthopäden) sowie die Hausmessen unserer (Vertriebs-)Partner. Wir organisieren auch selbst sogenannte Anwendertreffen, auf denen Referenzkunden ihren Kollegen die Anwendung unserer Spracherkennung live demonstrieren.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

© 2007 förderland

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